Finanz-Aids ?

Ein Insolvenzrichter blickt den Tatsachen deutscher Geschäftsleute ins Auge und erkennt: sie haben Finanz-Aids …

Volksbank und Rheinische Post veranstalten im niederrheinischen Kleve eine Zukunftswerkstatt. Es geht, wie kaum anders zu vermuten, um Geld. Um Pleiten und Insolvenzen, um die Folgen für die Region. ‚Insolvenz – wie weiter?‘ lautet vielversprechend der Titel der Veranstaltung in Kleve.

Ulrich Michael Blawat, Insolvenzrichter und stellvertretender Leiter des Amtsgerichts Kleve, erläutert die Situation in Kleve und beklagt in seinem Referat die mangelnde Bereitschaft, rechtzeitig ‚die Insolvenz ins Auge zu fassen‘.

Warum dies in den USA geschehe, deutsche Geschäftsleute sich aber gerieren? Blawatt hat eine Erklärung: „man hat das Gefühl: Insolvenz ist wie AIDS“.

Auch eine Art von ‚Normalisierung‘ …
Zum dem Thema Insolvenzrecht wird Herr Blawatt vermutlich Experte sein.  Zum Thema HIV und Aids, so scheint mir, eher wohl weniger. Die HIV-Infektion, die Erkrankung an Aids mit einer Insolvenz zu vergleichen ist schon ein erstaunliches, gewagtes Bild. Eine ökonomistische Perspektive, die frösteln lässt …

RP online 12.12.2009: Kleve: „Insolvenz ist wie AIDS“
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Wortverlust

Über den Verlust von Worten klagen ja bereits einige Blogger, scheint ein Zeit-Phänomen zu sein 😉

Eins der verloren gehenden Worte ist wohl ‚Groschenroman‘. Den Groschen haben wir schon seit einigen Jahren nicht mehr, und die mit diesem Zusatz bezeichneten ‚Romane‘ hatte ich schon viele viele Jahre nicht mehr in den Händen. Obwohl, in meiner Jugend gab’s durchaus den ein oder anderen Groschenroman, den ich verschlungen habe. Nicht Courths-Mahler oder andere Herzensgeschichten. Aber Perry Rhodan. Der war durchaus eine Zeit lang Held meiner Lese- und Traum-Phantasien.
Und heute? Perry Rhodan gibt es immer noch (erstaunlich …), und die Roman-Kategorie, Format A5, die ihren Namen vom ehemaligen Verkaufspreis bezieht, auch – aber das Wort, das sie bezeichnet, der ‚Groschen-Romans‘, dieses Wort ist wohl dabei verloren zu gehen.

Ein anderes Wort hab‘ ich nicht verloren – allein, auch dieses Wort hat mit Sinnverlust zu kämpfen.
Der Glücks-Pfennig! Ja, ausgerechnet dieses kleine Kupfer-Ding. Oder sagen Sie etwa seit einiger Zeit ‚Glücks-Cent‘? Ich bring das nicht über’s Herz, oder besser: die Lippen. Das Glückssymbol, oft zu Silvester (am besten zusammen mit dem obligaten vierblättrigen Kleeblatt, das längst durch Blumenzuchtanlagen entwertete wurde), oder, in stiller Freude, als Überraschungsfund auf dem Gehsteig, bleibt für mich der ‚Glückspfennig‘ – Währungsumstellung hin oder her.

is alles unsicher

Manchmal glaube ich, Herr Orwell mit seinem Neusprech ist jeden Tag auf’s Neue Realität geworden.

Menschen auf diesem Planeten leiden Hunger. Nix Neues, sagen Sie. Zu viele Menschen leiden Hunger. Banal, sagen Sie.

Aber nun: in den USA leidet niemand an Hunger.

Da bin ich platt.

Der Grund, dass in den USA niemand an Hunger leidet, ist nicht etwa eine plötzliche gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung in der besten aller Welten. Nein, es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Und darum: geben wir dem Kind einfach einen andere Namen.
Im offiziellen Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums heißt es, im Jahr 2005 seien in den USA 10,8 Millionen Bürger von „geringer Nahrungssicherheit“ betroffen.

„geringe Nahrungssicherheit“ – nicht einfach „Hunger“. Na, Herr Orwell lässt grüßen …