Integrierte Prävention bei Drogengebrauchern : CDC bündeln Berichte zu einer Richtlinie

Integrierte Prävention bei Drogengebrauchern im Fokus: Drogengebrauchern verbesserten Zugang zu Prävention von HIV, sexuell übertragbaren Erkrankungen, viraler Hepatitis und Tuberkulose zu ermöglichen und die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu verbessern ist das Anliegen eines neuen Reports der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC.

Der Bericht bündelt Berichte und Empfehlungen diverser mit Öffentlicher Gesundheit befasster US-Agenturen zu wissenschaftsbasierten Präventionstrategien bei Drogengebrauchern und fasst diese zusammen. Er betont die Bedeutung integrierter Prävention

„Implementing integrated services for prevention of HIV infection, viral hepatitis, STDs, and TB is intended to provide persons who use drugs illicitly with increased access to services, to improve timeliness of service delivery, and to increase effectiveness of efforts to prevent infectious diseases that share common risk factors, behaviors, and social determinants.“

Integrierte Prävention bei Drogengebrauchern umfasst dem Bericht der CDC zufolge folgende Bestandteile:

„An integrated approach to service delivery for persons who use drugs incorporates recommended science-based public health strategies, including 1) prevention and treatment of substance use and mental disorders; 2) outreach programs; 3) risk assessment for illicit use of drugs; 4) risk assessment for infectious diseases; 5) screening, diagnosis, and counseling for infectious diseases; 6) vaccination; 7) prevention of mother-to-child transmission of infectious diseases; 8.) interventions for reduction of risk behaviors; 9) partner services and contact follow-up; 10) referrals and linkage to care; 11) medical treatment for infectious diseases; and 12) delivery of integrated prevention services. These strategies are science-based, public health strategies to prevent and treat infectious diseases, substance use disorders, and mental disorders. Treatment of infectious diseases and treatment of substance use and mental disorders contribute to prevention of transmission of infectious diseases. Integrating prevention services can increase access to and timeliness of prevention and treatment.“

Der Bericht geht dabei explizit z.B. auch auf Kriminalisierung und Stigmatisierung ein, zeigt auf, dass diese erfolgreiche Prävention beeinträchtigen und fordert die Einhaltung ethischer Prinzipien sowie die Wahrung von Menschenrechten (Kap. „Fear of Criminalization or Stigmatization“).

Integrierte Prävention bei Drogengebrauchern und schwulen Männern ist auch ein Anliegen der Deutsche Aids-Hilfe. Sie will als eines ihrer jüngst beschlossenen „mittelfristigen Ziele (Horizont 2020)“ erreichen dass

„eine lebensweisenakzeptierende, szenenahe, integrierte HIV-, STI- und Hepatitis- Prävention und -Versorgung insbesondere für schwule Männer und Drogengebraucher/innen umgesetzt wird“

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weitere Informationen:
CDC: Integrated Prevention Services for HIV Infection, Viral Hepatitis, Sexually Transmitted Diseases, and Tuberculosis for Persons Who Use Drugs Illicitly: Summary Guidance from CDC and the U.S. Department of Health and Human Services. Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR), Recommendations and Reports, November 9, 2012 / 61(rr05);1-40
DAH: DAH reloaded. Einen neuen Aufbruch wagen – selbstbestimmt, solidarisch, emanzipatorisch. Beschlussfassung (pdf)
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HIV-positiv & HIV-negativ, Angst vor HIV – „und wenn wir mal über unsere Ängste sprechen würden?“

Einer HIV-positiv, einer HIV-negativ? Angst vor HIV? Kein Grund mehr, Angst zu haben, wenn man mit einander Sex haben will. Dies ist das Grundthema einer neuen Präventionskampagne in Frankreich, die sich Vorurteilen um serodifferente Beziehungen und Begegnungen widmet und Tabus abbauen will.

Et si on parlait de nos peurs? (Abb.:SNEG 2012)
Et si on parlait de nos peurs? (Abb.: SNEG 2012)

Kondome, Post-Expositions-Prophylaxe, regelmäßige Test auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten, Viruslastmethode (insbes. erfolgreiche antiretrovirale Therapie mit Viruslast unter der Nachweisgrenze) – es gibt viele Wege, Begegnungen zwischen HIV-Negativen und HIV-Positiven leichter zu machen, sich eigenen Ängsten, auch der Angst vor HIV zu stellen, so die Kampagne.

Die Kampagne (Plakate, Postkarten, Anzeigen) wird durchgeführt von SNEG (‚Syndicat national des entreprises gaies‘), dem Verband schwuler Unternehmen in Frankreich. Sie soll insbesondere in den 650 Mitgliedsbetrieben präsent sein. Die Kampagne ist Ergebnis einer qualitativen Studie, die SNEG 2011 hatte durchführen lassen, und die untersuchte, welche Ängste HIV-Negative im Umgang mit HIV-Positiven haben.

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weitere Informationen:
SNEG 02.07.2012: Séropos, séronegs, il y a des moyens de nous rencontrer
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HIV-Stigma – das „goldene Ticket“ für die Rückkehr in den Schoß der Gemeinde ?

Diskriminierung und Stigmatisierung sichtbar machen – ist das ein positiver Ansatz? Oder ist sie ein weiterer Schritt im Opfer-Dasein? Gar das „goldene Ticket für die Rückkehr in den Schoß der Gemeinde“? Die Festschreibung des Sonder-Status?

Ein Gast-Kommentar von Manuel Schubert, Autor des Blogs „Immunantwort„:

HIV-Stigma – das „goldene Ticket“ für die Rückkehr in den Schoß der Gemeinde ?

Im Regelfall prallt die Präventionsreklame an mir ab. Ausgenommen die Aktion „Positive Stimmen“. Der neueste Streich der Deutschen Aids Hilfe brachte mich tatsächlich ins Grübeln. Stark verkürzt hören sich bei diesem Projekt Menschen mit HIV gegenseitig dabei zu, wie sie über schlechte Behandlungen aufgrund ihres Virus berichten. Aus dem gesammelten Material wird anschließend der sog. „PLHIV Stigma Index“ (neudt.: „People living with HIV Stigma Index“) destilliert. Der soll abbilden, inwieweit und wo auf der Welt Menschen mit HIV diskriminiert werden bzw. aufgrund der Abstempelung als „positiv!“ Leid und Benachteiligungen erfahren. Das Projekt rühmt sich einer Besonderheit: Man verfährt nach den sog GIPA-Prinzipien („Greater Involvement of People Living with HIV/ Aids“), auf gut deutsch: Von Positiven für Positive. Wendet man eine kontroverse Lesart an, dann sind die „Positiven Stimmen“ der Kinderteller, den „uns“ die Präventionsinstanzen ausnahmsweise gewähren. Für mich riecht das irgendwie nach Entmündigung durch die Hintertür. Aber vielleicht missverstehe ich da auch nur etwas.

Sprechen ist jedenfalls angesagt bzw. das Antworten auf Fragen, die positive Interviewer ihren positiven Interviewten anhand eines standardisierten Fragebogens (sic!) stellen. Ferner Sinn des Ganzen ist die Absicht, mit dem sich hoffentlich(?) abzeichnenden Bild von der Schlechterstellung infizierter Menschen, „langfristig“ in Politik und Gesellschaft intervenieren zu können. Klingt nett. Wer diese Interventionen letztlich vornimmt, sei dahin gestellt. Ebenso, ob die „GIPA“ Prinzipien dann gelten.

„Positive Stimmen“ trägt, das D- und das S-Wort trophäenartig vor sich her: Diskriminierung und Stigmatisierung. Die Sprachdatenbank der Uni Leipzig kennt für das D-Wort 12 Synonyme, darunter „Missachtung“ und „Benachteiligung“. Ganz egal ob Versicherungen, Arbeitgeber, Chatpartner oder Richter – Menschen mit HIV im Blut schlechter zu behandeln als vorgeblich „gesunde“ Menschen, ist in westlichen Industriestaaten gängige Praxis. Schnell geraten dabei neben dem persönlichen Respekt auch Grundrechte unter die Räder. Die Frage nach Diskriminierung lässt sich relativ schnell beantworten. Die Antwort ist so mannigfaltig, wie die „Täter der Diskriminierung“ vielgestaltig sind. Und so wie sich deutsche Juden in schöner Regelmäßigkeit für die „Machenschaften“ der israelischen Regierung(-en) rechtfertigen sollen. Genauso oft dürfen sich Positive anhören, dass die Krankenkassen Verletzungen aus Extremsportarten ja auch nicht mehr bezahlen. Der einzig „positive“ Aspekt an Diskriminierung: Sie ist häufig so dermaßen dämlich und offenkundig plump, dass sie sich schnell identifizieren lässt. Sich dagegen dann auch wehren zu können, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Ob Kampagnen wie die „Positiven Stimmen“ hier hilfreich sind, sei erheblich bezweifelt. Ich würde politisch progressive, lautstarke und von Fördermitteln unabhängige Interessenvertretungen bevorzugen.

Beim S-Wort ist die Sache schwieriger. Was ist ein Stigma – in Bezug auf HIV und unter Fortlassung der historischen Wurzeln des Begriffs? Ist die Ordnungsnummer der Ärzte und Krankenkassen für HIV „B24 G“ schon Stigma, oder nur eine Kennziffer im Abrechnungswesen? Ist die Phrase „poz“ für positiv schon ein Stigma, oder einfach nur Slang unter schwulen Positiven? Erneut gefragt: Wie definiert man das „HIV-Stigma“? Und vor allem: Wer definiert es? Jeder Infizierte erfasst den Umstand des Virus im eigenen Blut anders.

Nicht wenige scheinen das Wunschdenken der Prävention vollkommen geschluckt zu haben und sind seit dem „Un-Fall“ der Infektion erstarrt. Sie reagieren mit Selbstvorwürfen oder Verstecken. Andere können mit HIV nur aus einer Opferhaltung heraus umgehen, die wiederum oft mit einer Betonung der eigenen Sonderrolle einhergeht, welche häufig auch noch institutionalisiert wird. Beide Typen, nennen wir sie den „gescheiterten Präventionsgläubigen“ und „das Opfer“, haben meiner Meinung nach ein vordringliches Interesse an der Definierung des Stigma-Begriffs. Die nicht infizierte Gesellschaft ist ihr Ziel oder vielmehr deren Anteilnahme und Aufmerksamkeit. Das HIV-Stigma als „Golden Ticket“ für die Rückkehr in den Schoß der Gemeinde. Was paradox klingt, wird durch Aktionen wie die „Positiven Stimmen“ und Worthülsen wie das „GIPA“-Prinzip auf erschreckende Weise schlüssig.

Doch was soll hierbei für ein Index herauskommen? HIV+, 38, beschimpft in München! HIV+, 22, gemieden in Berlin! HIV+, 41, verurteilt in Rostock? HIV+, 52, arbeitslos in Duisburg? Oder eher so: „Die Deutschen malträtieren ihre Positiven besonders effektiv mit Isolation, Rechtssprechung und gezielter Warnung vor dem Rauswurf aus der Solidargemeinschaft.“ Tauchen wir dann in einer „Hotlist“ von UNAIDS auf – Deutschland, Platz 3 in der Kategorie Psychoterror gegen Positive? Nein, bestimmt nicht. Dieses Volk ist ja so leidenschaftlich gerne Weltspitze. Ergo wird vor Veröffentlichung der Hotlist noch schnell die Gesundheitsversorgung von HIV auf 100% Selbstbeteiligung umgestellt und der Hartz4-Anspruch für Positive gestrichen – damit ist der erste Platz gesichert.

Nochmal: Was soll das werden? Ein Atlas der Schande? Wie viele solcher Atlanten braucht dieses Land noch? Das Suhlen in der eigenen Schande als deutscher Fetisch? „Der deutsche Fetisch – jetzt neu, auch in der Version für HIV! Zusammengestellt von unseren versierten Autoren.“ Werkzeuge stumpfen ab, nutzt man sie zu oft. Und welchen Nutzen hat dieser Atlas, wenn er nur aussagt, dass ich nirgendwo ein zu Hause habe? Ich kann mit den „Positiven Stimmen“ nichts anfangen! Meine Stimme ist nicht „positiv“, sie ist nur die des Manuel Schubert. Ja, der ist auch HIV-positiv und ja, das sogar sehenden Auges. Kein persönliches Scheitern, kein Opfer von jemandem. Aber er ist deswegen noch lange keine „positive“ Stimme, schon gar nicht im Sinne der institutionalisierten Prävention. Nein, in deren Sinne ganz bestimmt nicht!

Ich habe als deutscher Staatsbürger eine Stimme und gehe zu jeder Wahl. Ich bin Mitglied in einer Bundestagspartei. Als Blogger verschaffe ich mir öffentlich Gehör. HIV ist da eines unter vielen Themen. Meine Stimme prangert offen an, dass dieser Staat, seine Institutionen, die Gesellschaft daran gehen, meine Grundrechte, meine körperliche und geistige Konstitution und somit meine Entfaltungsfreiheit in Abrede zu stellen. Die institutionalisierten HIV-Interessenvertretungen reagieren darauf öffentlich kaum und wenn doch, dann mit hilflosen Appellen. Die schlichte Reihenfolge, in der sie ihre Arbeitsschwerpunkte benennen, macht klar, das, da nichts weiter kommen wird: An erster Stelle steht die Schaffung eines „gesellschaftspolitischen Rahmen, in dem Infektionen vermieden werden können“. Ein Perpetuum mobile für fördermittelabhängige Institutionen und ihr Personal. Die Forderung nach einer allgemeinen Lebensstilakzeptanz für Menschen mit HIV findet sich in der Proklamation zum Selbstverständnis der Deutschen Aids Hilfe (DAH) nicht.

Dieser Tage plakatieren die staatlichen Gesundheitsbehörden wieder Floskeln und lassen Rollenmodelle Sprechblasen aufsagen. In ihren gecoachten Sätzen über das positive Zusammenleben schwingt immer auch ein Wohlverhaltensvorbehalt mit: „Aber sicher.“ Etwas anderes als die Sicherheit kommt unterm Strich nicht vor. Da man sich mit der breiten Vermittlung bspw. des EKAF-Statements überraschend schwer tut, kennt die Volksgesundheit nur den Heiligen Gral: Das Kondom. Das Kampagnenziel der gesellschaftlichen Umarmung entpuppt sich so bei genauerer Betrachtung als sinnbildliche Sicherheitsverwahrung für Positive. Staatsanwälte und Richter interpretieren diese anachronistischen Mantras längst in Verhaltensnormen und damit Rechtssprechung um, da ihnen die Paragrafen des StGB den Spielraum dazu lassen. Die Politik duckt sich hier weg. Wir Positiven befragen uns derweil, selbstverständlich nach Anleitung der DAH, gegenseitig über unser Leiden.

Am 1. Dezember legen all jene, die zwischendurch das Bedürfnis haben für ein paar Minuten solidarisch zu sein, wieder die rote Schleife an. Es wird Zeit, dass Menschen mit HIV diesen modernen gelben Stern endlich mit jener Verachtung strafen, die ihm gebührt. Die Schleife ist zum Symbol eines verkommenen Solidarverständnis mutiert, das Infizierte in der Sonderrolle eines gescheiterten und fürsorgebedürftigen Individuums festschreibt. Die Sonderrolle ist die eines Hofnegers, wie er im 18. Jahrhundert von österreichischen Adeligen gehalten wurde. Anstatt mit Spendendosen zu klappern, sollten die lokalen Aidshilfen an diesem Tag Unterschriftenlisten auslegen: „Ich fordere die uneingeschränkte Straffreiheit der Transmission von HIV.“ Übrigens: „Positive Stimmen“ sucht noch Gesprächspartner. Wir sollten uns alle bewerben! Und im Interview die Welt schön biegen, damit der „PLHIV Stigma Index“ am Ende aussagt: Deutschland ist unter den Industrieländern das Paradies für Positive. Natürlich wäre das Humbug. Doch zu denken, der Index würde etwas zur Besserung der Situation Positiver beitragen, grenzt an Aberglauben.

„Es lebe der schwule Sex!“ – neue Kampagne in Frankreich

‚Es lebe der Sex unter Männern!‘ – mit einer neuen Broschüre will die französische Aidshilfe-Organisation Aides szene- und lebensnahe Informationen für HIV-negative, ungetestete wie auch HIV-positive Männer geben.

Erstmals behandelt die Broschüre dabei auch die Frage, wie sich die Höhe der Viruslast eines erfolgreich behandelten HIV-Positiven auf die Infektiosität auswirkt (unter dem Aspekt der sog. Community-Viruslast, der Auswirkung der Therapie auf die Dynamik der HIV-Infektion unter Schwulen).

Aides: 'Vive le Sex entre Mecs!' (c) Aides 2011
Aides: 'Vive le Sex entre Mecs!' (c) Aides 2011

Die neue Broschüre (die sich bei näherem Betrachten als Plakat erweist) ist Teil einer neuen Kampagne von Aides für schwule HIV-negative, HIV-positive und ungetestete Männer: „Prévention des risques et vive le sexe“ (P.R.E.V.S.). Es gebe viele (auch sexuelle) Lebensstile und Praktiken, auf die Prävention nicht mit einer einzigen Antwort reagieren könne. Alle Informationen leicht erfassbar zusammenfassen, das wolle PREVS, so Aides.

Die Broschüre (siehe Titelbild oben) behandelt u.a. Themen wie HIV-Test, antiretrovirale Therapie, Viruslast und Infektiosität, Konsum von Drogen. Sie will alle nötigen Informationen geben, um „selbst Sorge für seine Gesundheit zu tragen“ und „ein erfülltes Sex-Leben zu haben, ob nun als HIV-Negativer oder als HIV-Positiver“.

Ausschnitt aus der Broschüre
Ausschnitt aus der Broschüre

Die französische Aidshilfe-Organisation Aides ist in letzter Zeit des öfteren mit sehr offenherzigen Kampagnen an die Öffentlichkeit gegangen, wie „Katzen haben sieben Leben, du nur eins“ oder einer Kampagne über Diskriminierung HIV-Positiver unter Schwulen.

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weitere Informationen:
Prévention des risques et vive le sexe (P.R.E.V.S.) – Broschüre als pdf
Aides 19.10.2011: AIDES sort « P.R.E.V.S » : Toute la prévention gay sur un poster
Aides 18.10.2011: P.R.E.V.S. : …et vive le sexe !
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Nach der Seuche ist vor der Seuche ?

„Nach der Seuche ist vor der Seuche“, konstatiert Jörg Hacker in einem Gast-Kommentar an prominenter Stelle in der ‚Süddeutschen Zeitung‘ vom Wochenende (Ausgabe 20./21.8.2011; Seite 2; Text leider nicht online). Ich stutze. Bitte was?

Jörg Hacker kommentiert mit dieser Aussage (die gleichzeitig Titel des Gastbeitrags ist) die Situation nach dem EHEC-Ausbruch 2011. Jörg Hacker, Professor für Mikrobiologie, ist Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle (Saale). Und Jörg Hacker war von März 2008 bis März 2010 als Nachfolger Reinhard Kurths Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Das Robert-Koch-Institut ist die zentrale Forschungs- und Überwachungs-Anstalt der Bundesregierung für Infektionskrankheiten. Also zum Beispiel für EHEC. Und zum Beispiel für HIV.

„Nach der Seuche ist vor der Seuche“, sagt Hacker. Ohne Fragezeichen. Postulierend.
Greift damit eine Formulierung auf, die insbesondere in der Veterinär- und Agrarmedizin der letzten Jahre (z.B. Schweinepest) häufiger zu finden ist, als Titel von Tagungen, Symposien, Veranstaltungen.

Nach der Seuche ist vor der Seuche? Formal dürfte Hacker damit nicht so unrecht haben. Ja, immer wieder wird die Gesundheit von Menschen (wie auch Tieren und Pflanzen) durch Bakterien, Viren bedroht werden.

Aber – was will Hacker mit der Verwendung dieser Formulierung sagen?

Hackers Worte erinnern mich bestürzend an eine andere – nahezu gleichlautende – Formulierung:
„nach dem Krieg ist vor dem Krieg“.
Mit einem Unterschied: der Reaktion.

Würde ein prominenter Politiker in Deutschland heute die Meinung äußern „Nach dem Krieg ist vor dem Krieg“, er würde sich vermutlich eines Sturmes an Kritik ausgesetzt sehen, des Militarismus geziehen, der Kriegstreiberei. Zu offensichtlich hat die Geschichte gezeigt, dass eine solche Denkweise nur zu leicht in totalitäre Strukturen mündet, selbst in den Krieg führen kann.

Hackers Worte hingegen bleiben scheinbar weithin unkommentiert.
Eine Formulierung, wie man sie halt häufiger findet
Von der Schweinepest ist sie nun zu Infektionen des Menschen ‚weitergewandert‘.
Metaphern, die in der Politik unerhört wirken mögen – sind sie im Gesundheitswesen selbstverständlich?

„Nach der Seuche ist vor der Seuche“, was will Hacker damit sagen?
Sollen wir im permanenten Zustand der (epidemiologischen) Mobilisierung leben?
Brauche  wir eine Kultur des permanenten Kriegs (gegen Mikroben)?
Die fortwährend andauernde Prävention?

Es mag die Aufgabe des Epidemiologen sein, warnend sein Wort zu erheben, vorbeugend.
Aber mit der Sprache des Militarismus, des Krieges?
Und – es geht um mehr als ’nur‘ Sprache.
Hinter den Worten steckt eine Haltung.
Eine Haltung, vielleicht auch Intention des permanenten Alarmismus?

Welche Gesellschaft ist das, die einen solchen permanenten Alarm-Zustand zum Ziel hat? Die in – durch diese Haltung aufgebauten – ständigen Bedrohungs-Szenarien lebt?
Und wie geht diese Gesellschaft des permanenten Alarm-Zustands mit ihren Mitgliedern, mit ihren Bürgern um? Welchen Preis zahlen wir dafür?

Wollen wir in einer solchen Gesellschaft des permanenten Alarms leben?

Wenn nicht, dann sollten wir auch nicht ihre Sprache benutzen.
Und bei entsprechende Haltungen aufmerksam sein.

Sonst wird das Leben irgendwann selbst zum Risiko, zur Bedrohung, der Begriff der Gesundheit verabsolutiert.

Oder, wie ondamaris-Gastautor Matthias 2008 (im Kontext des EKAF-Statements) satirisch anmerkte: „Die Summe der Restrisiken ist daher zu hoch, als dass wir jedem erlauben dürften, damit selbständig und unkontrolliert umzugehen. (…) Schließlich geht es um Sicherheit und Gesundheit unserer Menschen!“

Kürzungen bei der Prävention fordern einen hohen Preis

Die Bundesregierung will im Jahr 2012 bei der Prävention im Bereich HIV/Aids und andere sexuell übertragbaren Infektionen (STI) kürzen.

Der entsprechende Haushaltstitel soll von 13 auf 12 Millionen Euro reduziert werden. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Angelika Graf (SPD) hervor. Zudem soll die „HIV/Aids-Bekämpfung in Zusammenarbeit mit Osteuropa“ wegfallen, bei der 2011 bereits drastisch gekürzt worden ist (von 1,1 Millionen im Jahr 2010 auf 250.000 Euro). Auch in anderen Bereichen, zum Beispiel bei den Zuschüssen an Drogen- und Suchthilfe, soll gespart werden.

Dazu erklärt Tino Henn, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH): „Kürzungen gefährden die Erfolge der Prävention in Deutschland. Wer bei der Prävention nachlässt, riskiert die Gesundheit und das Leben von Menschen. Die Kürzungen sind zudem auch ökonomisch kurzsichtig: Für die Einsparungen von heute zahlen wir später bei der Versorgung von Kranken einen hohen Preis.“

Die deutsche HIV- und STI-Prävention ist sehr erfolgreich. Durchgeführt wird sie vor allem von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen AIDS-Hilfe mit ihren mehr als 120 Mitgliedsorganisationen. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich bei etwa 3.000 pro Jahr stabilisiert. In fast allen anderen europäischen Ländern liegt die Infektionsrate deutlich höher.

Besonders erschreckend ist aus Sicht der Deutschen AIDS-Hilfe das Ende der „Deutsch-Ukrainischen Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/Aids“. Dazu sagt Sergiu Grimalschi, DAH-Referent für Internationales:

„Die Ukraine steht mit ihrer HIV-Epidemie noch immer vor immensen Herausforderungen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit jetzt zu beenden, ist verantwortungslos und gefährdet die Fortschritte bei den Maßnahmen gegen die HIV/Aids-Epidemie. Die weiter laufende Unterstützung der Ukraine mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kann diesen Verlust nicht ausgleichen.“

Die Ukraine ist das Land mit der höchsten Neuinfektionsrate in Europa, nach Schätzungen sind bis zu 1,3 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. Im Rahmen der Partnerschaftsinitiative hat Deutschland die Ukraine bei ihren Maßnahmen gegen HIV/Aids in den letzten drei Jahren mit 2,85 Millionen Euro unterstützt. Staatliche deutsche Einrichtungen und Nicht-Regierungsorganisationen halfen mit Know-how und ihren Erfahrungen im Bereich der Prävention sowie der Versorgung von Menschen mit HIV/Aids.

Das Land machte in dieser Zeit große Fortschritte: Die ukrainische „Gib AIDS keine Chance“-Kampagne war erfolgreich, zudem wurde sichergestellt, dass Menschen mit HIV/Aids eine angemessene Behandlung erhalten. Auch die Möglichkeit der Substitution von Heroinkonsumenten konnte gesichert werden. Die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit wurde 2010 positiv evaluiert und alles sprach für eine Fortsetzung.

(Pressemitteilung der DAH)

Egoismus versus Risikomanagement

Egoismus als Mittel der Prävention„, diesen Gedanken hat der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker vor Kurzem zur Diskussion gestellt. „Egoismus versus Risikomanagement“, fragt heute Steven in einem Gast-Kommentar:

Egoismus versus Risikomanagement

Die Diskussion um den richtigen Schutz vor einer HIV-Infektion ist fast so alt wie die Kenntnis um HIV selbst. Ficken nur mit Gummi, nicht im Mund abspritzen, blutige Sexpraktiken meiden, keine Partnerwechsel, auf Sex verzichten, Einhaltung der EKAF-Regeln und anderes mehr wurde und wird empfohlen.

Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler in Berlin, bereichert nun die Diskussion um einen weiteren Ansatz:

Es gibt eine radikale Position, die man im Zusammenhang mit Prävention vertreten kann: die egoistische Position. Unter Schwulen ist es doch klar: Jeder, der eine HIV-Infektion nicht wenigstens stillschweigend in Kauf nimmt, kann nachhaltig darauf bestehen, dass entweder ein Kondom eingesetzt wird oder bestimmte Sachen nicht gemacht werden.

Ich glaube, es ist das Fruchtbarere, die erfolgreichere Position, wenn ich sage, ich will unter keinen Umständen positiv werden und setze daher meinen Egoismus durch. Von Egoismus zu sprechen hat etwas Erleichternderes, weil es die geläufige Positionierung von verantwortlich und nicht verantwortlich umgeht.

Ondamaris berichtet darüber unter der Überschrift Egoismus als Mittel der HIV-Prävention?

Die Diskussion um die HIV-Prävention findet meiner Wahrnehmung nach überwiegend in geschlossenen Kreisen statt. Der „Endverbraucher“, namentlich der HIV-negative Endverbraucher, bekommt nur die auf Schlagworte und einfache Formeln reduzierten Präventionsbotschaften, meistens in Gestalt von Plakaten, Fernseh- und Kinospots sowie Zeitungsanzeigen, zu Gesicht. Die damit verbundenen Bemühungen, Vorverurteilungen und Schuldzuweisungen an die Adresse HIV-positiver Menschen abzubauen, werden von Zeit zu Zeit durch tendenziöse Berichterstattungen in den Medien konterkariert. Anhand spektakulärer Einzelfälle wird suggeriert, dass Prävention allein Sache HIV-positiver Menschen wäre und diese letztlich die Verantwortung trügen, falls es zur Übertragung von HI-Viren käme.

Dannecker möchte nun mit seinem Präventionsansatz der „egoistischen Position“ die „geläufige Positionierung von verantwortlich und nicht verantwortlich umgehen“. Ich habe Zweifel, ob das gelingt. Dannecker überträgt die Aufgabe, für risikolose Sexpraktiken und/oder für die Benutzung von Kondomen zu sorgen, den vermeintlich und tatsächlich HIV-negativen Menschen, also zum Beispiel auch mir. Übernehme ich die Aufgabe nicht, bin ich nicht egoistisch genug und kommt es zu einer HIV-Übertragung, dann steht ganz automatisch der mir geltende Vorwurf im Raum, nicht wie empfohlen gehandelt zu haben und damit für die Folgen verantwortlich zu sein. Nun will ich mich nicht vor der Verantwortung für mein Wohlergehen und das der Menschen, mit denen ich sexuell interagiere, drücken. Ich gebe aber zu Bedenken, dass Präventionskonzepte, die für den Fall des Scheiterns im Einzelfall die Schuldfrage schon geklärt haben, nur schwer überzeugen können.

Es gibt noch andere Aspekte der „egoistischen Position“, mit denen ich mich nicht anfreunden kann:

Man kann sich um gelehrte Deutungen des Wortes „Egoismus“ bemühen, man kann den Begriff aber auch schlicht und ergreifend mit „Rücksichtslosigkeit“ übersetzen. Denn in der Tat ist ein egoistischer Menschen jemand, der auf die Belange und Interessen anderer keine Rücksicht nimmt; er stellt seine eigenen Wünsche und Ziele in den Vordergrund. Diese Wünsche und Ziele sind selten langfristige. Meistens geht es darum, Augenblicksziele zu verwirklichen. Konkret: „Ich will unter keinen Umständen positiv werden“, wird kaum Bestandteil einer auf lange Sicht angelegten, rationalen persönlichen Gesundheitsstrategie sein, sondern ist Zielvorstellung für das aktuelle Date, den One-Night-Stand, den Quickie. Damit entspringt die Unter-Keinen-Umständen-Haltung eher einer emotionalen Regung und berücksichtigt nicht die Belange des Sexpartners.

Auch wenn Sex heute eine leicht verfügbare Massenware ist – für schwule Männer obendrein fast immer kostenlos -, sehe ich in meinen Sexpartnern doch immer noch Menschen mit eigenen Wünschen und Vorstellungen. Das gilt auch, wenn der Kontakt, der sexuellen Kontakt nur eine halbe Stunde oder so andauert. Ich möchte von anderen Menschen als Mensch – und nicht als Fickmaschine – wahrgenommen werden und ich unterstelle meinen Sexpartnern, dass es ihnen nicht anders ergeht. Damit einhergehend möchte ich mir die Option auf kondomfreien Sex zumindest offen halten. Man mag diese Sichtweise als Gefühlsduselei abtun und dem unpersönlichen Orgasmus den Vorzug geben – eine Haltung, die sich gut mit dem von Dannecker erwähnten Egoismus paaren lässt. Man mag auch einwenden, dass gerade in Spontansexsituationen kaum ein anderes Schutzmittel als Kondome oder der Verzicht auf bestimmte Sexpraktiken verfügbar sei. Eine langwierige Diskussion über Serostatus und Infektiosität steht dem schnellen Sex jedenfalls im Wege.

Mitten im Wege steht aber auch die vermeintlich erfolgreiche Position (Dannecker!): „Ich will unter keinen Umständen positiv werden.“

Diese Haltung, konsequent umgesetzt, schließt viele Sexpraktiken, wenn nicht sogar jeden Sex aus. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz, schon gar nicht durch Kondome. Ich gehe soweit zu sagen, dass diese Position Selbstbetrug darstellt: Der Egoist hat zwar seinen kurzfristigen Willen durchgesetzt, weil zum Beispiel Kondome benutzt werden, wiegt sich aber in falscher Sicherheit, denn er erkennt nicht, dass er keine erfolgreiche Position, sondern eine gefährliche Risikoposition eingenommen hat. Mit einem vernünftigen Risikomanagement hat sie jedenfalls nichts zu tun. Risikomanagement heißt nicht, alle Risiken zu vermeiden, sondern (vereinfacht) Risiken zu bewerten und Risiken bewusst einzugehen. Welche Risiken eingegangen werden können, hängt von der persönlichen Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft ab. Man kann hierfür vielleicht Faustregeln aufstellen, aber keine allgemeingültigen Verhaltensmaßstäbe definieren.

Egoismus ist auf lange Sicht unergiebig. Wer alle Risiken beim Geschlechtsverkehr ausschließen will, darf keinen Sex haben, ebenso wie jemand, der alle Risiken beim Straßenverkehr ausschließen will, nicht am Straßenverkehr teilnehmen darf. Wer unter keinen Umständen etwas riskieren will, hört am besten auf zu leben.

Man mag meinen Risikomanagementüberlegungen ob ihrer abstrahierten Schilderung Lebensferne vorhalten. Ich halte entgegen, dass in zwei, drei Sätzen formulierte Empfehlungen oft auch nur den Anschein der Lebensnähe und Machbarkeit für sich haben. Zum Beispiel geht Danneckers Herleitung des Fruchtbaren, des Erfolgreichen offenbar von der Annahme aus, dass der Verzicht auf bestimmte Sexpraktiken und die Kondombenutzung für die allermeisten Männer kein Problem darstellt. Für mich stellt er aber ein Problem dar. Ich möchte ohne Kondome ficken und gefickt werden und ich möchte auf keine der mir liebgewordenen Sexpraktiken verzichten. Und ich biete meine Lebenserfahrung als Beweis an, dass ich mich damit nicht in einer verschwindend geringen Minderheit schwuler Männer befinde. Schon deshalb komme ich mit der Egoismus-Methode nicht weiter. Sie würde zu der paradoxen Situation führen, auf gewollte Sexpraktiken zu verzichten, um dann höchst egoistisch ungewollte, aber vermeintlich sichere Sexpraktiken und/oder die Benutzung von Kondomen durchzusetzen.

Ich möchte nicht missverstanden werden: Selbstverständlich können Kondome und Minimalsex für Sofortsexsituationen das Mittel der Wahl sein. Risikomanagementüberlegungen schließen das nicht aus – ganz im Gegenteil!

Dannecker stellt in dem Siegessäule-Interview, auf das sich ondamaris bezieht, zunächst den Egoismus als Präventionsmethode vor und meint, es gehe nur über die egoistische Schiene, um dann zu bekräftigen:

Die Vorstellung, es würde aus dem Altruistischen funktionieren, ist in dieser kapitalisierten egoistischen Kultur aberwitzig.

Wenn es tatsächlich so ist, dass wir in einer egoistischen Kultur, einer kapitalisierten gar, leben und dieser Zustand ein beklagenswerter ist – so jedenfalls verstehe ich Dannecker -, dann kann die Lösung doch nicht in noch mehr Egoismus bestehen. Mehr Egoismus bedeutet auch, mehr Verantwortung abschieben – also genau das Gegenteil dessen, was bezweckt werden soll.

Ich bezweifle allerdings schon, ob die Erkenntnis von der kapitalisierten egoistischen Kultur so pauschal richtig ist und für alle Bevölkerungsteile und alle Regionen Deutschlands gilt. Sicher haben die kulturellen, die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Einfluss auf das Verhalten der Menschen – auf der Straße und im Bett. Ich hoffe es ist nur der gestauchten Interviewform geschuldet, aber allen schwulen Männern das Prädikat „egoistisch“ und damit „rücksichtslos“ aufdrücken zu wollen, geht an der Lebenswirklichkeit zahlloser schwuler Beziehungen, mögen sie ein Leben lang oder nur ein paar Stunden halten, vorbei und wird den Präventionsdiskurs kaum fördern können.

Egoismus als Mittel der HIV-Prävention ?

Die ‚egoistische‘ Haltung „ich will nicht HIV-positiv werden“ – kann sie Mittel der Prävention sein? Martin Dannecker schlägt genau dies vor, und begründet.

Unter dem Titel ‚Lustprinzipien‘ behandelt die aktuelle Ausgabe des Berliner Homo-Magazins ‚Siegessäule‘ verschiedene Aspekte des Lebens mit HIV heute. Highlight des HIV-Schwerpunkts: das Interview mit dem Sexualwissenschaftler Martin Dannecker.

Der seit einigen Jahren in Berlin lebende Sexualwissenschaftler Martin Dannecker schlägt in diesem Interview vor

„Es gibt eine radikale Position, die man im Zusammenhang mit Prävention vertreten kann: die egoistische Position. Unter Schwulen ist es doch klar: Jeder, der eine HIV-Infektion nicht wenigstens stillschweigend in Kauf nimmt, kann nachhaltig darauf bestehen, dass entweder ein Kondom eingesetzt wird oder bestimmte Sachen nicht gemacht werden.“

und begründet dies

„ich glaube, es ist das Fruchtbarere, die erfolgreichere Position, wenn ich sage, ich will unter keinen Umständen positiv werden und setze daher meinen Egoismus durch. Von Egoismus zu sprechen hat etwas Erleichternderes, weil es die geläufige Positionierung von verantwortlich und nicht verantwortlich umgeht.“

Martin Dannecker
Martin Dannecker

Foto: Martin Dannecker im Juli 2008 bei einer Talk-Runde zum Thema ’25 Jahre Deutsche Aids-Hilfe‘ auf dem 126. Bundes­weiten Positiventreffen im Waldschlößchen

Dannecker äußert sich auch zur Frage von Schuld-Zuschreibungen (Negative / Ungetestete erwarten von HIV-Positiven, ihre Infektion vorher mitzuteilen, machen Positive (allein) verantwortlich für Schutz):

„Dass viele real oder vermeintlich Negative die Positiven für ihre eigene sexuelle Sicherheit verantwortlich machen, ist eine reine Delegation. Und wie löst man das als Positiver auf? Indem man sich bewusst macht, dass man diese zugeschriebene Schuld nicht anzunehmen braucht.“

Zur Frage, welche Bedeutung das EKAF-Statement (siehe „keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs„) heute für sexuelle Begegnungen und strafrechtliche Relevanz hat, äußert Dannecker

„Wenn man unter der Nachweisgrenze ist, wird das in Zukunft auch strafrechtsrelevant werden. Zum Teil ist es schon so, wie ich von Ärzten gehört habe, die Gutachten erstellt haben. Kommt man dadurch aus dem Geständniszwang raus? Wenn ich mit guten Gründen annehmen kann, dass ich nicht mehr infektiös bin, muss ich es dann in bestimmten Kontexten bei kurz- oder längerfristigen Begegnungen überhaupt noch sagen? Die Antwort lautet, bei allen Restrisiken, eher nicht.“

In der aktuellen Ausgabe der Siegessäule schildern zudem fünf junge Positive „ihre ganz persönliche Sicht auf das Leben mit HIV“ (unter ihnen auch ondamaris-Autor ‚Knut‘ („sei wütend!„)), wird Nikolaj Tange Lange („The Bareback Issue“) interviewt, und Carsten Schatz, erster offen HIV-positiver Landtags-Kandidat, lädt Menschen mit HIV ein „Zeigt euch!“.

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Ein unbedingter Lese-Tipp!

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„Egoismus zum Selbstschutz“
Martin Dannecker interviewt von Peter Rehberg und Sirko Salka
Siegessäule, Ausgabe August 2011
Seiten 16 bis 18
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Frankreich: Proteste gegen geplante Kürzungen im Aids-Bereich

23 Aids-Organisationen protestieren mit einer gemeinsamen Stellungnahme gegen geplante Kürzungen im Aids-Bereich in Frankreich.

Erstmals seit Beginn der HIV-Epidemie sollen in Frankreich die Mittel, die das Gesundheitsministerium den in der Aids-Bekämpfung engagierten Gruppen zur Verfügung stellt, gekürzt werden. Das Gesundheitsministerium unterstützt Organisationen im Aidsbereich derzeit über Zuwendungen der  ‚Direction générale de la santé‘ (DGS).

Besonders betroffen von den geplanten Kürzungen ist unter anderem die Vereinigung schwuler und lesbischer Unternehmer/innen SNEG (Syndicat national des entreprises gaies). Dieser Vereinigung, in der u.a. schwule Bars, Clubs und Saunen organisiert sind, sollen schon für das laufende Jahr 2011 die Mittel für Prävention um 14% gekürzt werden. Die SNEG stellt über ihre Mitgliedsbetriebe entsprechend einer Präventionsvereinbarung Kunden an ‚Orten sexueller Begegnung‘ kostenlose Kondome zur Verfügung. Die Kürzung bei SNEG würde einem Medienbericht zufolge 90.000 € ausmachen bei einem Gesamtbudget von 640.000€.

Die SNEG protestiert in einer Stellungnahme:

„Wie ist dieses Des-Engagement des Staates zu verstehen? Ist Aids keine nationale Priorität mehr in Frankreich?“

SNEG Aufkleber an einer Sauna-Tür: „Dieser Betrieb hält sich an die Präventionsvereinbarung“ (Foto von 2007)

Betroffen von den Kürzungen sind aber auch Organisationen wie die französische Aidshilfe-Organisation Aides (die zu Jahresanfang in der Kritik einiger Medien stand wegen ihres Finanzgebahrens). Aides soll sich Kürzungen der Zuwendungen zwischen 10 und 15% ausgesetzt sehen; es soll um einen Betrag von 500.000€ gehen.

Die nun geplanten Kürzungen würden sich direkt in ihren Aktivitäten bei der HIV-Prävention auswirken, warnen die Aids-Organisationen.

Insgesamt sollen Organisationen, die im Vorjahr über 1355.000€ erhielten, eine Kürzung von 14% schon für 2011 erhalten. Bei den anderen Organisationen soll die Kürzung mit 2% deutlich niedriger ausfallen.

Die Kürzungen sollen „von ganz oben“, aus dem  Kabinett von Gesundheitsminister Xavier Bertrand kommen. Alle Organisationen müssten sich an den Sparbemühungen der Regierung beteiligen, begründete er die geplanten Kürzungen. Einige Organisationen könnten „ihre Finanzquellen diversifizieren“.

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weitere Informationen:
Tetu 29.03.2011: Baisse inquiétante des subventions pour les associations de lutte contre le sida
Yagg 29.03.2011: Plus de 20 associations condamnent les baisses des subventions à la lutte contre le sida
ACT UP Paris 28.03.2011: Xavier Bertrand recule sur le plan de lutte contre le sida et les IST
Yagg 19.03.2011: Enquête: Xavier Bertrand impose une forte réduction des subventions aux associations de lutte contre le sida
Tetu 08.03.2011: Baisse des crédits du Sneg: la réponse de Xavier Bertrand
Yagg 03.03.2011: Prévention: Le Sneg annonce que sa subvention est amputée de 14% pour 2011
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„Katzen haben neun Leben, du nur eines“ – neue HIV-Präventions-Kampagne in Frankreich (akt.)

Die französische Aids-Organisation ‚Aides‘ startete am 21. März 2011 eine neue HIV-Präventions-Kampagne, bei der Comics im Mittelpunkt stehen. Zum Auftakt riskiert ein lustvoller Kater seine neun Leben …

Aides ist die größte französische Aids-Organisation. Die 1984 gegründete Gruppierung startet mit einer neuen HIV-Präventions-Kampagne ins Frühjahr: „Protect Yourself“ (Schütz dich).

Die Kampagne hat einen einfachen Grundgedanken: zwar sind Kondome heute wesentlich weniger als früher tabuisiert, betont Aides. Doch in der konkreten Situation eines sexuellen Kontakts sei es immer noch seltsam, über Kondome zu sprechen.

Hier will die Kampagne ansetzen – mit die Sexualität bejahenden Spots, die zur Kondom-Benutzung ermuntern. Im Mittelpunkt der Kampagne diesmal: Humor statt Angst, Botschaften sollen mit einem Grinsen oder Lächeln daher kommen.

Die Kampagne zeigt zum Auftakt einen Comic ganz in schwarz-weiß, gezeichnet im Stil der zwanziger Jahre: „Gettin’tail“.

Gettin'Tail - erster Comic der neuen Aides-Präventionskampagne (Screenshot der Kampagnen-Seite auf Facebook)
Gettin'Tail - erster Comic der neuen Aides-Präventionskampagne (Screenshot der Kampagnen-Seite auf Facebook)

Im Mittelpunkt der Geschichte: ein promisker Kater. Er ist nicht gerade wählerisch, alles was ihm in den Weg kommt, wird zum Sex-Partner. Smutley, so der Name des Katers, denkt dabei nicht an seinen Schutz, er benutzt keine Kondome. Smutley kann sich das vielleicht erlauben – er ist eine Katze, und die haben bekanntlich neun Leben. Aber du? Schütze dein Leben, benutz‘ Kondome – so das Resümee des Spots.

Kater Smutley ist nur der Beginn einer Reihe von Spots, die in den kommenden Monaten erscheinen sollen. An ihrer Realisierung waren bekannte Illustratoren wie der Brasilianer Cristiano Siqueria oder der US-Amerikaner Mike Kazaleh beteiligt.

Der Auftakt-Spot „Gettin’Tail“ wird derzeit über Internet verbreitet (u.a. auf YouTube und  Facebook).

In Frankreich war Aides jüngst in den Focus der Kritik in manchen Medien geraten, die das Finanzgebaren der Organisation kritisierten.

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Aktualisierung 23.03.2011, 13:30: Aides hat inzwischen auch weitere Kampagnen-Motive veröffentlicht: „Sexe, condom et bande-dessinée

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weitere Informationen:
Aides 21.03.2011: Découvrez Gettin’tail !
Tetu 21.03.2011: Un cartoon vintage pour la nouvelle campagne de prévention de Aides
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Russland: erstmals HIV-Präventionsvideos für Schwule

Erstmals wendet sich in Russland eine HIV-Präventionskampagne mit Spots direkt an Schwule.

Premiere in Russland: Im Januar 2011 startete in Russland erstmals eine HIV- und Aids-Informationskampagne, die sich direkt an Männer wendet, die Sex mit Männern haben. Realisiert wurde die Kampagne vom unabhängigen ‚Social Laboratory Russland‘ (soclaboratory.ru) unter der Regie von Gueorgui Molotsov.

Die Kampagne besteht aus drei Videos, von denen bisher zwei vorgestellt wurden: „trust the condom – weapon detected“ und „trust the condom – hockey“. Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Verwendung von Kondomen – „Vertrau dem Kondom“. Die Spots werden allerdings weder im Fernsehen noch im Kino gezeigt, zugänglich sind sie ausschließlich via Internet.

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weitere Informationen:
Tetu 04.02.2011: Russie: Les premières publicités de prévention pour les gays viennent de sortir
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Beschneidung: keine gute Schutz-Strategie für schwule Männer?

Beschneidung ist für Heterosexuelle eine mögliche Strategie zur Reduzierung des HIV-Infektionsrisikos. Für schwule Männer allerdings scheint Beschneidung keine wesentliche Reduzierung des Infektionsrisikos zu bringen, zeigt eine neue Studie – die aber Fragen offen lässt.

Alle Ergebnisse insgesamt betrachtet, ergebe sich kein Schutz-Effekt durch Beschneidung bei Sex zwischen Männern, resümiert Dr. Jorge Sanchez, Leiter der bisher größten Studie zu Beschneidung und HIV-Übertragung bei Homosexuellen, die Ergebnisse. In der Studie an über 1.800 schwulen Männern in den USA und Peru hatten die Forscher über einen Zeitraum von 18 Monaten keinen signifikanten Unterschied des HIV-Infektionsrisikos bei beschnittenen Männern im Vergleich zu unbeschnittenen Männern festgestellt.

Beschneidung kann für heterosexuelle Männer das Risiko einer HIV-Übertragung deutlich reduzieren. Der HIV-Report der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) vom 30. April 2010 (Nr. 4/2010) stellt fest

„Bei heterosexuellen Männern ist das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, für Beschnittene um 60 % geringer als für Unbeschnittene. Die Beschneidung von Heterosexuellen ist daher v.a. in Regionen, in denen die HIV-Prävalenz bei Heterosexuellen hoch ist (südliches Afrika) fester Bestandteil der Prävention.“

Beschnittener Penis (Foto: wikimedia / BigBoris)
Beschnittener Penis (Foto: wikimedia / BigBoris)

Für Homosexuelle allerdings ist die Situation anders – es gab bisher kaum verlässliche Daten:

„Die Studie der Australier (Jin 2010) weist auf einen gewissen Schutzeffekt der Beschneidung bei insertivem Analverkehr für den eindringenden (insertiven) Partner hin. Dies unterstützt die Ergebnisse einer Studie von Templeton aus der gleichen Kohorte von MSM aus Sydney, bei der die Beschneidung bei MSM insgesamt zwar in einer ersten Berechnung zu keiner signifikanten Reduktion des HIV-Risikos führt. Templeton hat daraufhin aber nur die Subgruppe von MSM, die vorwiegend insertiv Risiken eingehen, untersucht und konnte -nur in dieser Subgruppe, die ca. ein Drittel der untersuchten MSM ausmachte- eine deutliche und signifikante Senkung des HIV-Übertragungsrisikos feststellen.“

Der HIV-Report kam entsprechend kam zu dem Resümee

„Insgesamt aber ist die Datenlage zur Beschneidung bei MSM nach wie vor dünn und auch widersprüchlich. … Randomisierte kontrollierte Interventionsstudien liegen -anders als bei Heterosexuellen- für MSM nicht vor.“

Die jetzt publizierte Studie (online JAIDS 15. November 2010) untersuchte über 1.800 Männer aus den USA und Peru, die Sex mit Männern haben. Im Verlauf der Studie infizierten sich 5% der 1.365 unbeschnittenen Männer mit HIV und 4% der 457 beschnittenen Männer – ein Unterschied, der nicht signifikant war.

Die Forscher fanden leichte Hinweise auf einen eventuellen Schutz-Effekt der Beschneidung für schwule Männer, die überwiegend insertiven Sex haben (die ‚aktive‘ Rolle einnehmen, „den Partener ficken“). Die Unterschiede waren hier aber nicht signifikant, weitere Studien sind erforderlich.

Das us-amerikanische Blog „Box Turtle Bulletin“ warf den Forschern ein unsinniges Studien-Design vor. Sie wären u.a. nicht auf die Lebensrealitäten schwuler Männer eingegangen – hätten deutlicher die ‚aktive‘ und die ‚passive‘ Rolle beim Sex auseinander halten müssen, um relevantere Daten zu produzieren. Ob ein schwuler Mann am Penis beschnitten sei oder nicht, sei für das Infektionsrisiko völlig irrelevant, wenn er sich (mit Aufnahme von Sperma) ficken lasse. Studien, die sich nur auf den Penis konzentrieren, ohne die jeweilige sexuelle Praxis korrekt einzubeziehen, produzierten nutzlose Informationen, so Box Turtle Bulletin.

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weitere Informationen:
POZ 13.12.2010: MSM HIV Circumcision Study Disregards Roles in Anal Sex
HIVplus 08.12.2010: Circumcision May Not Help Gay Men Prevent HIV
Box Turtle Bulletin 08.12.2010: Another ill-contrived circumcision study
Reuters 07.12.2010: Circumcision may not curb gay HIV transmission
HIV-Report vom 30. April 2010 (Nr. 4/2010) (pdf)
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Schweiz: Kondome von der Kirche

Eine dreitägige Informationskampagne zu HIV und Aids führte die katholische Kirche in der Schweizerischen Stadt Luzern durch – und verteilte dazu auch Kondome.

Vom 25. bis 27. Oktober führte die katholische Kirche vor dem Bahnhof von Luzern eine Aids-Informations-Kampagne durch. Im Mittelpunkt: der „Aids-Truck“ des kirchlichen Hilfswerks Missio, der über die Situation von Aids in Afrika informiert (und der auch an viele Orten Deutschlands bereits Station gemacht hat). Im Rahmen der Aktion wurden auch Kondome verteilt. Das Motto dabei: „Vergessen ist ansteckend. Schütze deinen Nächsten wie dich selbst“.

Florian Flohr, Kirchensprecher, betonte anlässlich der Aktion, wer beim Thema HIV nicht auch über Kondome spreche, handele unethisch.  Kondome seien in der Aids-Prävention zwar kein Allheilmittel, aber eine Möglichkeit.

3.000 Kondome von der katholischen Kirche – das führte zu vielfältigen Reaktionen und einem großen Presseecho. Offiziell spricht sich die katholische Kirche trotz weitreichender Kritik weiterhin gegen Kondome aus. Auch anlässlich der Aktion in Luzern kam Kritik an der Kondom-Verteilung, u.a. von ebenfalls vor Ort anwesenden so genannten ‚Lebensschützern‘ und Abtreibungsgegnern. Sie betonten, die Verteilung von Kondomen sei verantwortungslos, nur Treu und Enthaltsamkeit schützten.

Die Aids-Hilfe Schweiz hingegen begrüßte die Aktion. Kondome seien weiterhin das beste Mittel zur Vermeidung einer HIV-Infektion, so Bettina Maeschli, Sprecherin der Aids-Hilfe Schweiz. Sie hoffe, dass das Luzerner Beispiel Schule mache.

weitere Informationen:
Luzerner Zeitung 25.10.2010: Wirbel um die Kirchen-Kondome
Luzerner Zeitung 26.10.2010: Katholische Kirche wird Kondome nicht los
queer.de 28.10.2010: Katholische Kirchengemeinde verteilt Kondome
POZ 29.10.2010: Swiss Catholic Parishes Give Condoms to Teens
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Die Wahrheit übers Blasen …

Die Frage sorgt immer wieder für Diskussionen: Wie hoch ist das Risiko beim Blasen? Und was tun, wenn Sperma in den Mund gerät? Spucken? Schlucken? Spülen? Der Medizinreferent der DAH, Armin Schafberger, kennt die Antworten.

Herr Schafberger, seit Jahren heißt es: „Beim Blasen raus bevor es kommt.“ Wie hoch ist das Risiko, wenn’s mal schief geht?
Die Infektionswahrscheinlichkeit beim Blasen ist sehr gering, deswegen lässt sich kaum bestimmen, wie viele Infektionen auf Oralverkehr zurückzuführen sind. Wenn es hoch kommt, ist es in Deutschland jede zwanzigste. Vielleicht auch nur jede hundertste. Der Löwenanteil der HIV-Infektionen bei schwulen Männern kommt durch Analverkehr zustande. Dann kommt eine ganze Weile gar nichts – und dann erst Oralverkehr.

Abspritzen im Mund ist also ungefährlich?
Nein. Natürlich besteht durch die Aufnahme des Spermas ein Infektionsrisiko. Deswegen gilt: Falls Sperma in den Mund gelangt, schnell ausspucken und mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit nachspülen.

Und das hilft?
Das entspricht virologischen Erkenntnissen und reduziert das Risiko. Zunächst gilt: weg von der Schleimhaut. Und dann: verdünnen, verdünnen, verdünnen!
Zusammengefasst: ausspucken und ausspülen, und das möglichst schnell.

Was sagen Virologen zu Alkohol als Mundspülung?
Alkohol kann das Virus tatsächlich deaktivieren. Entscheidend aber ist, dass man schnell reagiert. Ein Schluck Wasser aus der Blumenvase kann sinnvoller sein als etwas Hochprozentiges, das ich erst einmal in meiner Hausbar suchen muss.
Deshalb empfiehlt die Deutsche AIDS-Hilfe in ihren Broschüren keine bestimmten Getränke mehr – nicht dass die Leute erst noch beim Nachbarn klingeln und um Schnaps bitten. (lacht)

Eine andere Theorie lautet: Sperma sofort runterschlucken. Durch die Magensäure würde das Virus deaktiviert.
Dafür gibt es keine einzige Studie. Man könnte sie auch gar nicht seriös durchführen, weil es nur wenige Fälle gibt. Es macht keinen Sinn in Studien zu fragen, ob gespuckt oder geschluckt wurde. Was besser ist, können wir also nicht sicher sagen. Wir wissen noch nicht einmal, wo genau im Mund das Virus eindringt – ob vorne am Zahnfleisch oder eher im Rachenring, wo die Schleimhäute weitaus empfindlicher sind.

Also besser nicht schlucken?
Schlucken ist vermutlich sinnvoll, wenn beim Oralverkehr „deep throat“, also tief im Hals, ejakuliert wird. Sonst müsste man das Sperma ja wieder hochwürgen und quer durch den Mund bewegen. Manche Theorien gehen davon aus, dass deep throat prinzipiell gefährlicher ist als Oralverkehr im vorderen Mundbereich. Denn vorne ist die Schleimhaut derber, hinten um die Gaumenmandeln empfindlicher. Dort enthält sie Zellen, in die das Virus leichter eindringen kann.

Wie gefährlich ist der Lusttropfen?
Der ist beim Oralverkehr kein Thema. Das ist eine reine Mengenfrage. In der kleinen Menge des Lusttropfens sind kaum Viren, und die werden noch durch den Speichel verdünnt. Eine Infektion ist daher höchst unwahrscheinlich. Mit „Raus bevor‘s kommt!“ ist das Sperma gemeint. Der Lusttropfen ist nach den Safer-Sex-Regeln beim Oralverkehr kein Problem. Beim ungeschützten Analverkehr dagegen spielt er wahrscheinlich eine Rolle. Ein Tropfen im Rektum ist etwas anderes als ein Tropfen im Mund.

Interview: Philip Eicker

Aids-Medikamente als Prävention: ‚test and treat‘ im realen Leben nicht so einfach wie gedacht?

HIV-Medikamente als Mittel der Aids-Prävention – ein viel diskutiertes Konzept in den letzten Monaten.  Eine Studie aus China zeigt, dass im realen Leben manchmal einiges anders laufen kann als in der Theorie erwartet …

‚Therapie als Prävention‘ (treatment as prevention), dieses Konzept geht davon aus, dass dadurch dass möglichst HIV-Positive erfolgreiche antiretrovirale Therapien einnehmen, aufgrund der stark reduzierten Infektiosität auch die HIV-Übertragungsrate sinken müsste. Gedankliche Basis dieses Konzepts ist das so genannte ‚EKAF-Statement‘ (keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs).

Eine Studie aus China, die in der 1. Oktober-Ausgabe des Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes publiziert ist, wirft nun die Frage auf, ob dieses aufgrund theoretischer Überlegungen entwickelte Konzept sich im realen Leben ohne weiteres umsetzen lässt.

In der Studie lag die HIV-Transmissionsrate bei heterosexuellen serodifferenten Paaren (ein Partner HIV-positiv, ein Partner HIV-negativ) bei 5% – im Vergleich zu 3% bei anderen Paaren.

Die Studie fand in der chinesischen Provinz Henan statt – einer Region, die u.a. durch den ‚Blutspende-Skandal‘ bekannt wurde: durch unsaubere Verfahren bei kommerziellen Blutspenden wurden Tausende Chinesinnen und Chinesen in der Region mit HIV infiziert, als sie zum Gelderwerb Blut spendeten.
Aids-Aktivisten wie der mit dem Sacharow-Preis geehrte Hu Jia oder der jüngst festgenommene Tian Xi, die auf diese Missstände hinwiesen und sich für HIV-Infizierte einsetzten, wurden von den chinesischen Behörden kriminalisiert und verfolgt.

An der nun publizierten Studie nahmen 1.927 serodifferente Paare teil. Für die Jahre 2006 bis 2008 wurde die HIV-Inzidenz retrospektiv analysiert; die Teilnehmer wurden hinsichtlich ihres HIV-Schutzverhaltens befragt.

Dr. Myron Cohen (Foto: UNC)
Dr. Myron Cohen, Leiter der Studie (Foto: UNC)

Insgesamt konnten 4.918 Personen-Jahre ausgewertet werden. 84 Serokonversionen traten auf (HIV-Infektionen) – eine Rate von 4%.

91% der Paare, in denen eine HIV-Infektion auftrat, berichteten vom Geschlechtsverkehr in den letzten drei Monaten (im Vergleich zu 83% in der Gruppe, in der keine HIV-Infektion auftrat).
Die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr korrelierte eindeutig mit dem Infektionsrisiko (fünffach höheres Transmissions-Risiko bei Paaren, die viermal oder häufiger Sex hatten im Vergleich zu Paaren mit niedrigerer Sex-Häufigkeit). Nur sieben Personen berichteten Sex außerhalb der Beziehung (darunter eine Serokonversion). Eine Person berichtete Drogengebrauch (keine Serokonversion); keiner der männlichen Teilnehmer berichtete von Sex mit anderen Männern.

1.369 Studienteilnehmer nahmen antiretrovirale Medikamente ein (80%); Daten zur Viruslast lagen nicht vor. Bei den Studienteilnehmern, die Medikamente nahmen, lag die HIV-Transmissionsrate bei 5%, bei denen ohne Medikamente bei 3% (Unterschied nicht signifikant).

Der Hypothese ‚Therapie als Prävention‘ folgend, wäre bei den behandelten Studienteilnehmern eine wesentlich niedrigere Transmissionsrate zu erwarten gewesen als bei den unbehandelten.

Die Forscher fanden heraus, dass bei denjenigen behandelten Teilnehmern, die ihre im Verlauf der Studie ihre Therapie wechselten, die Transmissionsrate niedriger war als bei denjenigen, die durchgehend die gleiche Therapie erhielten.

„Wird antiretrovirale Therapie auch unter den Bedingungen des realen Lebens geeignet sein, die HIV-Übertragungsrate zu senken?“, fragte der Leiter der Studie, Dr. Myron Cohen (University of North Carolina School of Medicine). Er halte es für klug, diese Frage zunächst zu beantworten, bevor Strategien wie „test and treat“ mit der Hoffnung auf einen positiven Effekt für die Bevölkerung breit angewendet werden.

Die Autoren vermuten, dass eine schlechte Compliance (Genauigkeit und Zuverlässigkeit der regelmäßigen Einnahme der Medikamente) eine der Ursachen des überraschenden Ergebnisses sein könnte.

weitere Informationen:
Cohen, Myron S MD: HIV Treatment as Prevention: To be or not to be? in: J Acquir Immune Defic Syndr, 55, 137-8, 2010 (online, kostenpflichtig)
aidsmap 07.10.2010: Does ‚real world‘ study cast doubt on use of HIV treatment as prevention?
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Guter Posi, böser Posi – Folgen der Biomedikalisierung der Prävention

Guter Posi, böser Posi

Folgen der Biomedikalisierung der Prävention

ein Gast-Kommentar von Phil. C. Langer

Es waren mitunter zwei miteinander zusammenhängende Themen, die vor zwei Jahren auf der Welt-AIDS-Konferenz in Mexiko im Mittelpunkt vielfältiger und kontroverser Diskussionen standen. Während unter dem Schlagwort der „Kombinationsprävention“ eine effektive Zusammenführung von Ansätzen thematisiert wurde, die sowohl auf Veränderungen des Verhaltens und der Verhältnisse als auch auf biomedizinische Interventionsinstrumente zielten, wurden letztere anhand der männlichen Beschneidung als Möglichkeit, die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr signifikant zu vermindern, unter die Lupe genommen. Wer nun eine Fortsetzung dieser Diskussionen auf der diesjährigen Welt-AIDS-Konferenz in Wien erwartet hatte, wurde enttäuscht. Von Beschneidung war nur mehr am Rande die Rede, wenn es darum ging, die damals geäußerten sozial- und kulturwissenschaftlichen Bedenken bezüglich der Akzeptanz und der Folgen als „bewiesenermaßen“ gegenstandslos ad acta zu legen. Und auch die Frage, wie die unterschiedlichen Präventionsansätze synergetisch zusammenwirken können, schien überholt zu sein. So wurde in mehreren Vorträgen die Bedeutung antiretroviraler Medikament als neue „magic bullet“ der Prävention auf eine einfache Formel gebracht: ART ist Prävention – oder vielmehr: Eine erfolgreiche Prävention ist letztlich nur durch die ART möglich.

Die Fokussierung auf die ART als privilegiertes Instrument zur Bekämpfung der globalen Pandemie bezieht sich natürlich auf die Erkenntnis, dass die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit von der Viruslast abhängt, die auch in der bekannten EKAF-Stellungnahme ausgeführt wird. Davon ausgehende mathematische Modelle legen in diesem Sinn eine umfassende Therapisierung aller Infizierten nahe. Am Beispiel von Südafrika etwa kommen Grulich et al. zum Ergebnis, dass eine universelle jährliche HIV-Testung aller Menschen über 15 Jahre in Verbindung mit einem sofortigen Beginn der ART nach der Diagnose zu einem absehbaren Ende der Epidemie führen würde: „Die Übertragung kann auf ein niedriges Niveau reduziert werden und die Epidemie kann über eine stetige Abnahme hin zur vollständigen Elimination eintreten, wenn diejenigen, die eine ART erhalten älter werden und sterben.“ (1) In Wien wurden diese statistischen Berechnungen fortgeführt. Die unbehandelte Positiven tauchen darin indes nur mehr als ein kollektives „Reservoir“ der Viruslast auf, das es auszurotten gilt. In der abstrahierten Kollektivierung schien dabei das konkrete Subjekt, der einzelne mit HIV und Aids lebende Mensch, zu verschwinden. Damit erhält die emanzipatorische Forderung nach universellem Zugang zur Therapie eine bedenkliche Schlagseite, sofern sie sich auch als nach universelle Behandlungsforderung verstehen lässt.

Die angedeutete Entwicklung wird in den Sozialwissenschaften als Biomedikalisierung bezeichnet (2). Der Begriff beschreibt einen Prozess, in dem nichtmedizinische Probleme als medizinische Probleme definiert und behandelt werden. Die damit einhergehende Ausweitung der medizinischen Deutungs- und Handlungsmacht auf psychosoziale und soziokulturelle Phänomene betrifft weite Lebens- und Erfahrungsbereiche auch jenseits von HIV und Aids: Zu den oft angeführten Beispielen gehören die extensive medikamentöse Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) bei Kindern, die monokausale Erklärung depressiver Störungen durch ein biochemisches Ungleichgewicht im Hirn, wodurch psychotherapeutische Möglichkeiten zu bloßen Begleitverfahren degradiert werden, und die pharmaindustriellen Möglichkeiten zur Behebung erektiler Dysfunktion, für die Viagra® steht, der die aktuell unter dem Schlagwort „Neuroenhancement“ laufende Diskussion um den Einsatz amphetaminhaltiger Medikamente zur Leistungssteigerung ohne medizinische Indikation.

Seit einigen Jahren wird von unterschiedlicher Seite auf eine umfassende Biomedikalisierung von HIV und Aids hingewiesen, die vielfältige Einflüsse der Biomedizin in Bereichen begründet, die außerhalb der rein medizinischen Behandlung der HIV-Infektion und ihrer physischen Folgen liegen – also zum Beispiel in der Psychologie, der Politik, im Recht oder der Prävention. Die aktuelle präventive Bedeutung der ART, auch im Hinblick auf ihre Nutzung als PEP und PrEP, sowie der Beschneidung, des HIV-Tests, aber auch die Neuverhandlung der Rolle von Ärzten, die über die Behandlung hinaus Deutungshoheit auch in der Prävention erlangen, sind Ausdruck dieser Biomedikalisierung. Unabhängig von den unbestrittenen Perspektiven, die sich durch die ART auch für die Prävention, nicht zuletzt als Beitrag zur Destigmatisierung von Positivsein und zur Integration von Positiven in Arbeit ergeben, gibt es doch auch „Nebenwirkungen“ dieser Biomedikalisierung für HIV-Positive, die thematisiert werden sollten.

Denn folgt man der argumentativen Linie, die unter Berufung auf ein festgesetztes, gesamtgesellschaftliches Allgemeingut von den mathematischen Modellen zur antiretroviralen Elimination der identifizierten „Reservoirs“ von Nichtbehandelten führt, so werden moralische Zuschreibungen erkennbar, die zwischen „guten“ und „bösen“ Positiven unterscheiden. So ist letztlich die umfassende Testung aller möglichen oder wahrscheinlichen Infizierten Voraussetzung ihrer umfassenden Behandlung. Wie aber ist dies mit dem Prinzip der Freiwilligkeit der Testentscheidung zu vereinen? Führt dies nicht zur Einführung des in den USA bereits bestehenden Opt-Out-Modells, demzufolge die HIV-Testung im Kontext ärztlicher Routineuntersuchungen mit gemacht wird, sofern kein expliziter Widerspruch erfolgt? Wie erscheint dabei ein Mensch, der sich trotz erkannter Risikokontakte nicht testen lassen will, obwohl es für Viele psychologisch durchaus wichtig sein kann, sich längere Zeit mehr oder weniger bewusst mit der möglichen Infektion auseinanderzusetzen, bevor sie durch die Diagnose „objektiv“ und „manifest“ wird.

Im Sinne der präventiven Durchmedikalisierung des „Reservoirs“ würde sich auch die Frage eines „richtigen“ Therapiebeginns – und damit der eigenen Entscheidung dazu – erübrigen: Die ART wäre sofort und für alle, unabhängig von dem gesundheitlichen Zustand und der Bereitschaft des Einzelnen durchzusetzen. Was aber wäre zu tun, wenn ein Mensch mit bekannter HIV-Infektion die Therapie nicht beginnen möchte? Wie weit geht man, die Freiheit des Einzelnen angesichts des ökonomisch und kollektivhygienisch definierten Allgemeinwohls einzuschränken? In diesem Sinn führen scheinbar wertfrei vorgebrachte Argumente der biomedizinischen Prävention schnell zu einer vermeintlich „objektiven“ Alternativlosigkeit der Implementierung, die dann indes moralische Bewertungen subjektiven Verhaltens mit sich bringt und sich in juristische Fragen übersetzen lässt.

Im Anschluss an den französischen Philosophen Michel Foucault kann man dies als Ausdruck der modernen Bio-Macht eines neoliberalen Staates verstehen, die einst gesellschaftlich definierte Bereiche wie Gesundheit/Krankheit in den Zuständigkeitsbereich des Individuums verlagert und zu einem Problem der individuellen Selbstsorge und Eigenverantwortlichkeit macht: „Das Spezifikum der neoliberalen Rationalität liegt in der anvisierten Kongruenz zwischen einem verantwortlich-moralischen und einem rational-kalkulierenden Subjekt. Sie zielt auf die Konstruktion verantwortlicher Subjekte, deren moralische Qualität sich darüber bestimmt, dass sie die Kosten und Nutzen eines bestimmten Handelns in Abgrenzung zu möglichen Handlungsalternativen rational kalkulieren. Da die Wahl der Handlungsoptionen als Ausdruck eines freien Willens auf der Basis einer selbstbestimmten Entscheidung erscheint, sind die Folgen des Handelns dem Subjekt allein zuzurechnen und von ihm selbst zu verantworten.“ (3)

Paradoxerweise ermöglicht die Zuweisung individueller Handlungsverantwortung es dem Staat aber nicht nur, sich aus seiner Verantwortung zurückzuziehen, sondern eröffnet ihm auch neue strategische Möglichkeiten der Kontrollausübung, was in der Diskussion um die Anwendung des Strafrechts auf mögliche Infektionssituationen erkennbar wird. Der HIV-Positive erscheint als „Risikofaktor“, den es mithilfe juristischer (oder ökonomischer) Instrumente zu sanktionieren gilt; so hat es etwa rechtskräftige Verurteilungen von HIV-Positiven wegen ungeschützten Geschlechtsverkehrs gegeben – selbst wenn dieser einvernehmlich oder ohne signifikantes Übertragungsrisiko vollzogen worden ist –, und es liegen auch Berichte vor, wonach Krankenkassen versucht haben, (vermeintliche) HIV-Überträger in Regress zu nehmen. Hinzu kommt eine der für die strukturelle Prävention fatalen Folgen einer Schwächung des sense of community durch eben jene Differenzierung zwischen „guten“ und „bösen“ HIV-Positiven: zwischen denjenigen also, die sich „richtig“ – also: rational, moralisch, verantwortlich, präventionsgerecht, safe(r) – verhalten, und denjenigen, die sich „falsch“ – also: den Präventionsnormen widersprechend, unverantwortlich, unmoralisch, „gemeinschaftsschädigend“ – verhalten.

Vielleicht sollten wir – statt dieses Spiel moralischer Zuschreibungen mitzumachen – doch noch einmal an die Diskussion in Mexiko anknüpfen und die Frage stellen, welchen spezifischen Ort biomedizinische Ansätze und Instrumente im Kontext einer umfassenderen „Kombinationsprävention“ haben kann und wo ihre Grenzen liegen. In diesem Sinne ginge es dann nicht zuletzt darum, die Herstellung eines politischen und gesellschaftlichen Rahmens sowie individueller psychosozialer und ökonomischer Ressourcen als unverzichtbare Voraussetzung eines eigenverantworteten, gesundheitsbewussten Verhaltens zu verstehen. Und hier ist sicherlich noch genug zu tun.

Referenzen:
(1) Granich et al. (2008). Universal voluntary HIV testing with immediate antiretroviral therapy as a strategy for elimination of HIV transmission: a mathematical model. Lancet Online vom 26. November 2008.
(2) Kippax, S., & Holt, M. (2009). The State of Social and Political Science Research Related to HIV: A Report for the International AIDS Society.
(3) Lemke, T. (2007). Gouvernementalität und Biopolitik. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Dieser Artikel erschien zuerst in ‚Projekt Information Juli / August 2010‘
Vielen Dank an Phil C. Langer und Projekt Information für die Genehmigung der Übernahme!