HIV, Hepatitis : Daten des RKI zu Infektionen bei Blutspenden und Plasmaspendern

Blutspenden werden in Deutschland nach § 22 Transfusionsgesetz auf HIV und andere Infektionskrankheiten untersucht. Wie oft werden Infektionen mit HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C bei Blutspendern festgestellt? Das Robert-Koch-Institut hat aktuelle Zahlen der Jahre 2008, 2009 und 2010 veröffentlicht:

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Robert-Koch-Institut:
Tabellarische Übersicht der übermittelten Infektionen bei Blut- und Plasmaspendern inklusive Gesamtzahl der Spenden und Spender
– HIV, HCV-, HBV- und Syphilis-Infektionen unter Blut- und Plasmaspendern 2008 (pdf)
– HIV, HCV-, HBV- und Syphilis-Infektionen unter Blut- und Plasmaspendern 2009 (pdf)
– HIV, HCV-, HBV- und Syphilis-Infektionen unter Blut- und Plasmaspendern 2010(pdf)

Kuba Hepatitis B bei Jugendlichen unter 15 Jahren ausgerottet

Kuba hat mit einer breit angelegten Impf-Kampagne Hepatitis B bei Jugendlichen unter 15 Jahren ausgerottet. In den vergangenen 23 Jahren wurde nach Angaben einer Vertreterin des kubanischen Gesundheitsministeriums nicht ein Fall von Hepatitis B in dieser Altersgruppe berichtet. Seit 1982 erhält jedes Neugeborene auf Kuba einen von einem Institut in Havanna hergestellten Impfstoff. Auch Studenten, Gesundheits-Personal, Dialyse-Patienten sowie Menschen mit erhöhtem Risiko erhalten die Impfung. Insgesamt seien 2011 nur 21 Fälle von Hepatitis B registriert worden (minus 99,09% im Vergleich zu 1989).

CDCNPIN 28.06.2012: Cuba Says Hepatitis B Eliminated Among Minors Under 15

Wie tauglich sind Schnelltests für niedrigschwelligen Testangeboten? RKI-Stellungnahme

Schnelltests für HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten werden vermehrt angeboten. Sie versprechen ein Ergebnis bereits nach wenigen Minuten. Doch – stimmt dies? Und sind Schnelltests besonders bei niedrigschwelligen Beratungsangeboten einsetzbar?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die ausführliche „Gemeinsame Stellungnahme von Robert Koch-Institut (RKI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Deutschen STI-Gesellschaft zu Wertigkeit und Einsatzmöglichkeiten von Schnelltests für HIV, Hepatitis-B-Virus (HBV), Hepatitis-C-Virus (HCV), Chlamydia trachomatis, Gonokokken und Treponema pallidum (Syphilis)“. Sie wurde in der aktuellen Ausgabe (Nr. 5/2012) des Epidemiologischen Bulletins veröffentlicht.

Das kurzgefasste Ergebnis:

„Die Mehrheit der Schnelltests für STI-Erreger ist für eine zuverlässige Diagnostik nicht geeignet.“

Zu HIV-Schnelltests allerdings wird ergänzt

„Unter den HIV-Schnelltests erreichen einige CE-zertifizierte Tests die Leistungsfähigkeit der Standarddiagnostik. Der Einsatz dieser evaluierten HIV-Schnelltests kommt daher für ein niedrigschwelliges Testangebot, z. B. in AIDS-Beratungsstellen oder Gesundheitsämtern, durchaus in Betracht, um Personen zu erreichen, die nicht bereit sind, an einem Folgetag zur Mitteilung der Ergebnisse erneut die Einrichtung aufzusuchen. Bei reaktiven Tests ist eine zweite Untersuchung erforderlich.
Nicht alle HIV-Schnelltests sind ausreichend evaluiert.
Insbesondere bei Tests, die mit Speichel oder Urin durchgeführt werden, muss von einer unzureichenden Empfindlichkeit und Genauigkeit ausgegangen werden.“

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weitere Informationen:
RKI 06.02.2012: Schnelltests in der Diagnostik sexuell übertragbarer Infektionen. in: Epidemiologisches Bulletin 5/2012
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Nachtrag 15.03.2012: Ausführlich befasst sich mit dem Thema der HIV-Report Nr. 1 / 2012 ‚Schnelltests – Zuverlässigkeit und Einsatzfelder‘

Virushepatitis B, C und D im Jahr 2010 – Situationsbericht des RKI

Hepatitis-B-, -C- und -D-Infektionen können chronisch verlaufen. Besonders Hepatitis B und Hepatitis C sind von besonderem Interesse auch für Schwule und HIV-Positive. Ein aktueller Bericht informiert.

Im aktuellen ‚Epidemiologischen Bulletin‘ informiert das Robert-Koch-Institut über die Situation von Infektionen mit Hepatitis B, c und D in Deutschland 2010.

Das RKI kündigt den Bericht an

„Der Situationsbericht im Epidemiologischen Bulletin 29/2011 beschreibt die Entwicklung der Fallzahlen aus den Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz, ergänzt durch Daten aus verschiedenen Studien und Sentinels, und behandelt Aspekte der Prävention und Therapie.“

Auf die Situation schwuler Männer sowie HIV-Positiver geht der Bericht nur am Rand ein.

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weitere Informationen:
Virushepatitis B, C und D im Jahr 2010
in: Epidemiologisches Bulletin 29/2011
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DAH: bundesweite Hepatitisstrategie ist überfällig

Nationale/Bundesweite Hepatitisstrategie längst überfällig – Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch fordert Bundesregierung zum Handeln auf

In Deutschland sind ca. 1.Mio Menschen von Hepatitis B und C betroffen. Da viele Menschen keine Kenntnis von ihrer Infektion haben, wird die Dunkelziffer wesentlich höher eingeschätzt.

Hepatitis B und C Infektionen werden als stille Epidemie bezeichnet, da sie vielfach symptomlos verlaufen und Betroffene erst in einem späteren Stadium von ihrer Infektion erfahren.

DrogenkonsumentInnen sind eine der Hauptbetroffenengruppe von Hepatitis B und C Infektionen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bis zu 80 % der intravenös Drogen konsumierenden Menschen von Hepatitis- C-Infektionen betroffen sind.

„Das Bewusstsein für diese lebensbedrohliche, aber heilbare Hepatitis-C-Infektion muss sowohl bei politisch Verantwortlichen, in Teilen der Drogenhilfe als auch bei Ärzten deutlich erhöht werden“, erläutert Prof. Stöver vom Aktionsbündnis.
Die Erfolgsraten der Interferonbehandlung bei Substituierten sind mit ca. 65 % ebenso hoch wie bei Nicht- Opiatabhängigen. Dennoch ist die Quote der Interferonbehandlungen bei chronisch HCV infizierten DrogengebaucherInnen mit etwa 10% deutlich zu gering.

Das Aktionsbündnis fordert ferner ein verstärktes Engagement in der Prävention von Hepatitis A und B Infektionen. Durch praxisnahe Impfkampagnen können Hepatitis A und B Infektion verhindert werden.

Anders als viele unserer europäischen Nachbarn verfügt Deutschland über kein nationales Strategiepapier oder einen Aktionsplan zum Thema Hepatitis. Die Erfahrungen beim Thema HIV/AIDS zeigen, dass über einen Aktionsplan und die Einbeziehung von Fachleuten aus Medizin, Wissenschaft, Praxis und von Betroffenen Erfolge in der Prävention und Behandlung von Infektionserkrankungen zu erzielen sind.

Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages fordert das Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch die Bundesregierung auf, bundesweite zielgruppenspezifische Kampagnen zu initiieren, um über die Übertragungswege aufzuklären und die Impfquote bei riskierten Gruppen zu erhöhen, erläutert Dirk Schäffer von der DAH. „Denn Hepatitis C ist heilbar“.

Mit der Einsetzung einer Expertenkommission zur „Entwicklung einer nationalen HCV-Strategie“ würde die Bundesregierung am Welt-Hepatitis-Tag ein wichtiges Signal setzen, so Prof. Heino Stöver.
Das Aktionsbündnis ist ein offenes politisches Forum, das (fach-)politische Lobby-Arbeit zum Thema „Hepatitis und Drogengebrauch“ macht.

Ziel und Aufgabe des Aktionsbündnisses ist, die Bedeutung und Auswirkungen von Hepatitisinfektionen, insbesondere der Hepatitis C, auf die Gruppe der DrogenkonsumentenInnen und unser Gesundheitswesen insgesamt deutlich zu machen.

(Pressemitteilung der Deutschen Aidshilfe)

Situationsbericht Hepatitis in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut RKI hat am heutigen Welt-Hepatitis-Tag vorab die Ausgabe 20 des Epidemiologischen Bulletins veröffentlicht, mit einem umfangreichen Bericht „Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland – Virushepatitis B, C und D im Jahr 2009″.

Der 11seitige Bericht geht neben einer Übersicht über die weltweite Situation insbesondere auf Fallmeldungen und regionale Verteilung, Übertragung, Prävention und Therapie ein, jeweils für Hepatitis B und Hepatitis C.

weitere Informationen:
„Virushepatitis B, C und D: Situationsbericht Deutschland 2009“
in: RKI (Hg.): Epidemiologisches Bulletin 20/2010
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UK: neue Therapierichtlinie HIV & Hep

Die British HIV Association BHIVA hat eine völlig überarbeitete Ausgabe ihrer Therapierichtlinie für die Ko-Infektion von HIV und Hepatitis B bzw. Hepatitis C heraus gegeben.

Die British HIV Association hat ihre Therapie-Richtlinien für die Behandlung der Ko-Infektion von HIV und Hepatitis B bzw. Hepatitis C nach 5 Jahren neu herausgegeben.

BHIVA

2005 waren die Vorläufer der jetzigen Therapie-Richtlinie noch separat für Hepatitis B und für Hepatitis C erschienen. Die neue, 30 Seiten umfassende Therapierichtlinie fasst nun beide Ko-Infektionen zusammen.

weitere Informationen:
BHIVA: British HIV Association guidelines for the management of coinfection with HIV-1 and hepatitis B or C virus 2010 (pdf)
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Angst zur Prävention … oder für den Umsatz?

Ein Pharmakonzern macht eine Präventions-Kampagnen. Oder ist es Marketing? Über eine umstrittene Hepatitis-Kampagne.

An viele Stellen der Stadt, besonders auf U.Bahn-Stationen, finden sich derzeit Plakate, die Angst machen (sollen).
Plakate mit Botschaften wie „Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet“ wecken das Interesse. Und suggerieren, man müsse ein Virus, nein, das Virus erwarten. Und zwar da, wo man gar nicht mit ihm rechnet:

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Das Virus wartet, so die Plakate, wartet, nein lauert, im verborgenen natürlich, auf Nassrasierern, oder Nagelscheren. Rasierer oder Nagelset werden so zur heimtückischen Gefahrenquelle hochstilisiert.

Die Gefahr? Hepatitis B. Im unteren Bereich der Plakate wird informiert, u.a. über Infektionswege und dass nach einem test eine Behandlung möglich ist.

Die Plakate sind „eine Initiative“ der Deutschen Leber-Stiftung, der deutschen Leber-Hilfe e.V. sowie des Pharmakonzerns BMS (Bristol-Myers Squibb). Die Internetseite der Kampagne vermerkt zwar alle drei Träger, führt als Copyright aber auf jeder Seite BMS an, ebenso im Impressum BMS als (einzigen) Verantwortlichen.

BMS ist unter anderem Hersteller des Hepatitis-Medikaments Baraclude (Entecavir) und baut sein Hepatitis-Geschäftsfeld derzeit aus (u.a. Vereinbarung mit ZymoGenetics, das ein Medikament gegen Hepatitis C entwickelt, peg-Interferon lambda). International fährt das Unternehmen eine Kampagne unter dem Titel „Hope for Hep B.

Die Kampagne hat treffenderweise das Motto „Hepatitis B? Am besten testen!“.

Warum BMS diese Kampagne mit unterstützt, ist u.a. auf einer Marketing-Seite zu erfahren:

„Der Grund für diese Premiere sind neue Medikamente (aus dem eigenen Hause) – ist von BMS zu erfahren.“

Die Plakate sind nicht die einzige Aktivität von BMS zur Hepatitis. Radio-Redaktionen zum Beispiel bietet das Unternehmen z.B. einen „Kollegen-Talk“ (mit fertigem Ton-Material) als redaktionellen Beitrag an, mit O-Ton von Herrn Professor, und selbstverständlich hinweis auf wirksame Medikamente – und die Internetseite der Kampagne.

Als PR-Agentur ist an der Kampagne ‚Pleon‘ beteiligt. Jene PR-Agentur, in die einst im Jahr 2006 die frühere Bundes-Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) als Partnerin wechselte – als Leiterin des Gesundheits-Resorts.

Das Robert-Koch-Institut berichtet aktuell zur Hepatitis B in Deutschland:

„Generell zeigte sich in Deutschland in den vergangenen Jahren eine abnehmende Inzidenz der Hepatitis B. Besonders bemerkenswert ist der Rückgang des Anteils übermittelter Hepatitis-B-Erkrankungen unter
Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu früheren Jahren. … Sowohl die Inzidenz im jüngeren Erwachsenenalter als auch die angegebenen Expositionen deuten darauf hin, dass die sexuelle Übertragung von Hepatitis-B-Infektionen für Deutschland aktuell den häufigsten Übertragungsweg darstellt.“

Prävention ist sinnvoll, und wenn sich Partner aus der Industrie an Präventions-Kampagnen beteiligen, mag das unter Umständen auch sinnvoll sein.

Ob Angst ein Mittel der Prävention sein sollte, steht schon viel mehr in Frage.
Und wenn jede zweite Hausfrau demnächst aufgeregt in ihrer Waschtasche, in Necessaire oder Fußpflege-Set stochert, schaut, auf ihre Nagelschere blickt, hast du etwa …, ob das sinnvoll und zielführend ist, mag auch bezweifelt werden.

Wenn dann noch ein Hersteller Präventionskampagnen unterstützt, die zum Test (und damit indirekt zur Behandlung) aufrufen – letztlich mit von ihm hergestellten Medikamenten, dann bleibt da mindestens ein „Geschmäckle“.

Eine Konstellation, in der die Hersteller von Medikamenten, in der internationale Pharmakonzerne direkt die Präventions-Kampagnen für die Indikationsgebiete ihrer eigenen Produkte machen – kann nicht wünschenswert sein. Kaum vorstellbar, dass dann Marketing und Gesundheitsförderung noch auseinander gehalten werden können, dass dann nicht die ökonomischen Interessen überwiegen.

Nebenbei, sich als Selbsthilfe-Gruppe in derlei Marketing-Aktivitäten einbinden zu lassen, könnte sich schnell als zweifelhaftes ‚Vergnügen‘ erweisen …

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weitere Informationen:
Robert-Koch-Institut 18.05.2009: „Virushepatitis B, C und D im Jahr 2008“, in Epidemiologisches Bulletin 20/2009
Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (Hrsg.): Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV)-Infektion“ (pdf)
Pleon 06.07.2006: Bundesgesundheitsministerin a. D. Andrea Fischer wird Partnerin am Standort München
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Hepatitis: Fachbuch online gratis

Viele HIV-Infizierte sind auch mit Hepatitis B oder Hepatitis C infiziert. Vielfältige Informationen über verschiedene Formen der Virus-Hepatitis liefert das Lehrbuch ‚Hepatology 2009‘, das online unentgeltlich erhältlich ist.

Mit allen wesentlichen Aspekten von Forschung, Behandlung und Diagnose aller Formen der Hepatitis befasst sich das englischsprachige Fachbuch (‚clinical textbook‘) ‚Hepatology 2009‘. Das Buch, das in gedruckter Fassung für 60,-€ zu erwerben ist, steht als pdf unentgeltlich zum Download zur Verfügung.

Die einzelnen Kapitel:

1 Hepatitis A – Epidemiology, transmission and natural history
2 Hepatitis B – Epidemiology, transmission and natural history
3 Hepatitis C – Epidemiology, transmission and natural history
4 Hepatitis E – Epidemiology, transmission and natural history
5 HBV Virology
6 HCV Virology
7 Prophylaxis and vaccination of viral hepatitis

Hepatitis B and D
8 Acute and chronic hepatitis B – Diagnostic tests
9 HBV Treatment – Standard of care
10 HBV – Resistance and implications for therapeutic strategies
11 Hepatitis D – Diagnostic procedures and therapy

Hepatitis C
12 Acute and chronic hepatitis C – Diagnostic tests
13 Standard of care
14 New agents for treatment
15 Management of adverse drug reactions
16 Extrahepatic manifestations of chronic hepatitis C

Coinfections
17 Management of HBV/HIV coinfection
18 Management of HCV/HIV coinfection
19 Management of HBV/HCV coinfection

Liver Fibrosis
20 Assessment of hepatic fibrosis in chronic viral hepatitis

Hepatocellular Carcinoma (HCC)
21 Diagnosis, prognosis & therapy

Liver Transplantation
22 Management of patients before and after liver transplantation
23 Liver transplantation in hepatitis B and C and HIV coinfection

Autoimmune and Metabolic Liver Disease
24 Metabolic Liver Diseases: Haemochromatosis
25 Metabolic Liver Diseases: NAFLD & NASH
26 Metabolic Liver Diseases: Wilson’s Disease
27 Autoimmune hepatitis, PSC and PBC – Etiology, diagnosis, Natural History and Therapy

Zu den Herausgebern von ‚Hepatology 2009‚ gehören u.a. S. Mauss und J. Rockstroh.

‚Hepatology 2009‘
501 Seiten
weitere Informationen auf hepatologytextbook.com
Direktlink zur pdf-Ausgabe (9MB)
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und … Dank an ‚Leviathan‘ vom Forum HIV für den Hinweis …

10 Tipps für ein gesünderes Leben als HIV-Positiver

Pfleglich mit seinem Körper umzugehen, zusätzliche Gesundheitsrisiken oder Belastungen des Immunsystems wo möglich zu reduzieren oder vermeiden kann für Menschen mit HIV eine sinnvolle Strategie sein.
Manche ‚Vorsorge‘ lässt sich sehr einfach realisieren. Einige Vorschläge:

1. Tipp: regelmäßiger Gesundheits-Check
HIV-Positive sollten überlegen, regelmäßig ihre Gesundheit untersuchen zu lassen. Dies gilt nicht nur HIV-spezifisch, sondern auch z.B. hinsichtlich sexuell übertragbarer Infektionen wie Tripper, Syphilis, Chlamydien, Feigwarzen etc.
Wenn du ein sexuell aktives Leben hast, hast du auch ein gewisses Risiko, dich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen anzustecken. Einige dieser Erkrankungen belasten nicht nur dein eigenes Immunsystem, sondern können auch das Risiko erhöhen, HIV bei ungeschütztem vaginalem, analem oder oralem Sex an deine Sexpartner weiterzugeben.
Nicht alle dieser sexuell übertragbaren Erkrankungen sind auch mit Symptomen verbunden, die du in jedem Fall selbst bemerkst. Zudem sind Erkrankungen nicht nur im direkten Genitalbereich (Penis, Vagina) möglich, sondern z.B. auch im Rachen oder am Arsch.
Ein Grund mehr also, sich auf sie untersuchen zu lassen – am besten im Rahmen eines regelmäßigen Gesundheits-Checks.

2. Tipp: auf Hepatitis C checken lassen
Lass dich regelmäßig auf Hepatitis C testen. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der Erreger der Hepatitis C, das Hepatits-C-Virus, bei Menschen mit HIV leichter auch sexuell weitergegeben wird.
Ein regelmäßiger Check auf Hepatitis C ist für sexuell ‚umtriebige‘ Menschen schon deswegen sinnvoll, weil eine frühzeitig erkannte Hepatitis-C-Infektion mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit erfolgreich behandelt werden kann, je später die Infektion entdeckt wird, desto schlechter jedoch auch die Therapieergebnisse sind.
Gegen Hepatitis C sind bisher keine Impfungen möglich.

3. Tipp: Impfung gegen Hepatitis B
Das Hepatits-B-Virus wird u.a. sexuell übertragen. Eine Infektion mit Hepatits B ist wesentlich leichter möglich als eine Infektion mit HIV. Im Gegensatz zur Hepatitis C (s.o.) sind sowohl gegen Hepatitis A als auch gegen Hepatitis B Impfungen möglich.
Da das Immunsystem HIV-Infizierter u.U. geschwächt sein kann, schlägt die Impfung möglicherweise nicht sofort an. In diesen Fällen ist aber eine Wiederholung wie auch eine Erhöhung der Impfdosis möglich.
Die Impfung gegen Hepatitis B ist für HIV-Positive eine Kassenleistung. Sie wird von der StIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen (Indikations-Impfung, siehe StIKO-Empfehlungen S. 8).

extra Tipp: besser – die Kombi-Impfung gegen Hepatitis A und B
Tipp: Eine kombinierte Impfung gegen Hepatits A und Hepatitis B mit einem kombinierten Impfstoff schützt mit einer Impfung doppelt. Bei HIV-Positiven werden sowohl die Hepatits-A- als auch die Hepatitis-B-Impfung von den Krankenkassen bezahlt.
Und wer schon Impfschutz (oder aufgrund einer schon durchgemachten Hepatitis B Antikörper) gegen Hepatitis B hat, sollte eine Impfung gegen Hepatitis A überlegen. Die Kosten hierfür sollten von der Krankenkasse übernommen werden (Indikation StIKO / „Personen mit einem Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung“).

4. Tipp: die Grippeimpfung
Eine echte Grippe (Influenza) ist nicht zu verwechseln mit dem, was umgangssprachlich gern mit dem ‚grippalen Infekt‘ verwechselt wird. Eine Influenza kann bei HIV-Positiven leichter auftreten und einen schwereren Verlauf nehmen. Eine Grippeschutzimpfung ist ein einfacher Weg, das Infektionsrisiko zu senken.
Die Impfung gegen Influenza (Grippe) ist ebenfalls wie die Impfungen gegen Hepatitis A und B ein Totimpfstoff und für Menschen mit HIV unbedenklich.

5. Tipp: Impfung gegen Pneumokokken
Trotz wirksamer antiretroviraler Therapie tritt die Pneumokokken-Pneumonie (eine von Bakterien verursachte potenziell lebensbedrohliche Lungenentzündung) bei Menschen mit HIV immer noch häufiger auf. HIV-Infizierte haben ein 10- bis 100fach erhöhtes Risiko, an Pneumokokken-Pneumonie zu erkranken.
Doch ein einfacher Schutz ist möglich – mit einer Impfung. Diese Impfung gegen Pneumokokken-Pneumonie ist auch bei HIV-Positiven wirksam, wie erst jüngst wieder eine Studie zeigte.
Die Kosten einer Impfung gegen Pneumokokken-Pneumonie werden bei HIV-Infektion von der Gesetzlichen Krankenversicherung getragen (StIKO-Empfehlungen (S.12, Indikation HIV).

6. Tipp: auf die Haut achten
DAH Broschüre Haut + HaarDas größte -und dennoch oft vernachlässigte- Organ des Menschen ist die Haut. Hauterkrankungern wie z.B. Pilzerkrankungen von Haut und Nägeln können bei Positiven leichter / häufiger auftreten oder (wie Gürtelrose) unter Umständen auf eine HIV-Infektion hinweisen, einige (wie das heute seltener auftretende Kaposi-Sarkom) gehören zu den Aids-definierenden Erkrankungen.
Ein pfleglicher Umgang mit der Haut kann sehr zu Gesunderhaltung und Wohlbefinden beitragen.
Gute Tipps zum Thema Haut von Wellness und Pflege bis Beschneidung gibt u.a. eine Broschüre der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) mit dem Titel „Haut und Haar“ (Direktlink zur online-Bestellung hier) sowie das MedInfo Nr. 41 „HIV und Haut“ (pdf zum Download hier).
PS – zum Thema ‚Pflege deine Haut‘ gehört natürlich auch ‚pflege deinen Schwanz‚ …

7. Tipp: regelmäßig zum Augenarzt
Bei Menschen mit HIV können Veränderungen am Auge auftreten. Ein Augenarzt-Check einmal jährlich hilft, etwaige Probleme frühzeitig zu erkennen. Insbesondere bei einer CD4-Zellzahl unter 200 ist das Risiko einer Erkrankung der Augen (CMV, Toxoplasmose) deutlich erhöht – in diesem Fall sollte ein Besuch des Augenarztes alle sechs Monate erwogen werden.

8. Tipp: Vorsorge Gebärmutterhalskrebs
Bei HIV-positive Frauen ist das Risiko eines Zervix-Karzinoms (Gebärmutterhals-Krebs) deutlich erhöht. Deswegen ist ein regelmäßiger Besuch beim Frauenarzt ratsam. Einmal jährlich sollte (wie auch bei Frauen ohne HIV) eine Vorsorgeuntersuchung (PAP-Abstrich) durchgeführt werden.

9. Tipp: Vorsorge Analkrebs
Ein Analkarzinom ist eine sehr selten auftretende Krebserkrankung des Bereichs des Darmausgangs. HIV-Positive Männer, insbesondere (aber nicht nur) wenn sie Analverkehr haben /hatten, haben ein erhöhtes Risiko für Analkarzinom (Krebs am Darmausgang). Möglichkeiten zur Früherkennung (Rektoskopie, Analabstrich) sollten genutzt werden. Sie sind bisher leider keine Kassenleistung, werden von einigen Ärzten jedoch im Rahmen von Studien angeboten.

10. Tipp: Mund- und Zahnhygiene
Probleme an den Zähnen und im Mundbereich treten bei HIV-Positiven häufiger auf. Mindestens einmal im Jahr sollte ein (möglichst mit HIV erfahrener) Zahnarzt besucht werden.

PS.
Viele dieser Tipps dürften auch für den schwulen Mann an sich (ob nicht HIV-infiziert oder ungetestet) hilfreich sein, um gesünder zu leben … vielleicht ergänzt um den Tipp, doch mal über einen HIV-Test nachzudenken …

sexuell übertragbare Krankheiten

Tripper, Syphilis, Herpes, Chlamydien, HIV – nur einige Stichworte. Die meisten Menschen haben irgendwann in ihrem Leben mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu tun – und wissen doch oftmals nur wenig über diese Erkrankungen.

Hilfe bietet nun eine Broschüre (eher ein Buch) der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), die in einer aktualisierten Neu-Auflage erschienen ist.

sexuiell übertragbare krankheiten - Broschüre der DAHDie Broschüre „sexuell übertragbare krankheiten“ informiert „ausführlich über die wichtigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs). Sie richtet sich an Mitarbeiter/innen in Beratungsstellen und Arztpraxen sowie an interessierte Laien. Der Schwerpunkt der Broschüre liegt in den genauen Beschreibungen von Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten“ (DAH).
In der Neuauflage wurden u.a. neue Erkenntnisse zur Frage der Infektiosität bei erfolgreicher anti-HIV-Therapie oder zu Themen wie Beschneidung und Oralverkehr berücksichtigt.

„Im ersten Teil der Broschüre werden allgemeine Themen dargestellt: Erreger von STDs, Meldepflicht, Übertragungswege, der Aufbau der verschiedenen Epithelien des Körpers und die Eintrittspforten für Erreger, Prävention, Symptome, Diagnostik, Verlauf und Grundzüge der Therapie von STDs.“ (DAH)

Besonders informativ und praxisnah ist neben dieser Darstellung der einzelnen Erkrankungen auch das zweite Kapitel ‚STD-Risiken und Schutzmöglichkeiten nach Sexualpraktiken‘. Von Analverkehr und Anilingus (rimming) über Dildospiele und Fisten bis Scat und Vaginalverkehr wird für eine Vielzahl von Praktiken dargestellt, welche Risiken bestehen, welche davon relevant sind und wie eine Verminderung des Risikos möglich ist.
Vorder- und Rückseite der Broschüre enthalten zudem ausklappbar Darstellungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane.

„sexuell übertragbare krankheiten“ – eine Informationsquelle, die in keinem schwulen Haushalt fehlen sollte ;-).

„sexuell übertragbare krankheiten“
2. 3. Auflage 2009, 176 182 Seiten
Deutschen Aids-Hilfe (DAH)
Berlin 2008
Bestellnummer 026133
Direktlink zu Download und online-Bestellung hier

sexuelle Gesundheit Berlin 6: Ausblick und mögliche Konsequenzen

Welche Entwicklungen zeichnen sich zum Thema sexuelle Gesundheit in Berlin ab? Welche Konsequenzen könnten erforderlich werden? Einige Ideen:

Die Zahl der Menschen, die insgesamt in Berlin mit HIV leben, wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen.
Neben der Zahl an HIV-Neuinfektionen wird der Zuwachs sich schon daraus ergeben, dass Menschen mit HIV aufgrund verbesserter Therapien durchschnittlich länger leben. Zudem verlegen HIV-Infizierte aus anderen Regionen Deutschlands ihren Wohnsitz nach Berlin, da hier die Lebens- und oft auch Versorgungssituation für HIV-Infizierte als besser empfunden wird.

Zudem wird das durchschnittliche Alter der HIV-Positiven, die in Berlin leben, weiter ansteigen – schon aufgrund der durch bessere medikamentöse Therapie gesteigerten Lebenserwartung. Zudem infizieren sich zunehmend auch Menschen in höherem Lebensalter mit HIV.

Neben HIV treten für die Frage sexueller Gesundheit bei Männern, die Sex mit Männern haben, auch weitere sexuell übertragbare Infektionen wieder mehr in den Vordergrund – sowohl für HIV-positive als auch HIV-negative Männer. Gerade auch angesichts jüngster Stellungnahmen, die betonen es liege ‚keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs‚ vor, kommt Information und Testangeboten zu sexuell übertragbaren Erkrankungen eine starke Bedeutung zu.

Diese und weitere Veränderungen werden Auswirkungen auf das System der öffentlichen Gesundheit in Berlin haben, aber auch auf die jeweiligen Szenen (die z.B. auf eine zunehmende Zahl älterer Menschen teils kaum vorbereitet scheinen).

Eine rein auf HIV/Aids-Prävention ausgerichtete Präventions- und allg. Gesundheitspolitik in Berlin könnte den sich verändernden Rahmenbedingungen schon bald nicht mehr gerecht werden. Die Prävention sexuell übertragbarer Infektionen und generell das Thema reproduktive Gesundheit könnte größere Aufmerksamkeit erfordern. Zudem wird angesichts des höheren Lebensalters bei Menschen mit HIV auch die Frage anderer Erkrankungen (wie Krebs) zunehmend Bedeutung gewinnen.

Es müssen ausreichend niedrigschwellige, anonyme und kostenlose Untersuchungsmöglichkeiten (neben HIV gerade auch auf Syphilis) zur Verfügung stehen.
Auch das RKI kommt in der Auswertung der KABaSTI-Studie ((Quelle: Ergebnisse der KABaSTI-Studie, in Epidemiologisches Bulletin Nr. 23/2007)) zu dem Schluss, der öffentliche Gesundheitsdienst solle „vor allem in Großstädten seine Beratungs- und Testangebote für HIV und STI stärker auf besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen fokussieren und nach Möglichkeit versuchen, durch seine Angebote Zugangsbarrieren zu reduzieren – in Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen besonders betroffener Bevölkerungsgruppen … Ein solches Angebot sollte möglichst kostenlos, anonym und mehrsprachig sein“. Derzeitige Einschränkungen im Öffentlichen Gesundheitsdienst und den Aids- und STI-Beratungsangeboten dürften hier eher kontraproduktiv wirken.

Konsequenzen kann aber auch jeder schwul lebende Mann, jeder Mann der Sex mit Männern hat, ziehen: ‚man‘ sollte überlegen, sich auf die wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen (besonders auch Syphilis) sowie auf Hepatitis C regelmäßig untersuchen zu lassen – sie sollten möglichst zur Routine-Untersuchung (’schwuler Gesundheits-Check‘) gehören. Wo möglich (Hepatitis B!) sollte eine Impfung erwogen werden.

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Dieser Artikel ist Teil der Serie „Sexuelle Gesundheit in Berlin“:
Intro
Teil 1: HIV / Aids in Berlin
Teil 2: HIV-Neuinfektionen in Berlin
Teil 3: Syphilis in Berlin
Teil 4: Hepatitis C in Berlin
Teil 5: Berlin im Vergleich mit Hamburg und Köln
Teil 6: Ausblick und mögliche Konsequenzen

sexuelle Gesundheit in Berlin 5: Berlin im Vergleich mit Hamburg und Köln (akt.)

Berlin ist die gemessen an der Einwohnerzahl größte Stadt Deutschlands. Zudem hat Berlin schon immer besonders auch eine hohe Anziehungskraft für Bevölkerungsgruppen gehabt, die u.a. auch einer hohen Gefahr ausgesetzt sind, sich mit HIV zu infizieren (wie z.B. drogengebrauchende Menschen oder Schwule).

Vergleich HIV-Fälle MSM Berlin Hamburg KölnSchon aus diesen beiden Gründen ist es wenig überraschend, dass Berlin die Stadt mit der höchsten Zahl an HIV-positiven Einwohnern im Bundesvergleich ist.

Allein in Berlin leben etwa 10.400 der insgesamt ca. 59.000 deutschen HIV-Positiven – was heißt, dass ca. 18 % der Positiven Deutschlands in Berlin leben. Der Bevölkerungsanteil Berlins ( 3,4 Mio. Einwohner) an der gesamten BRD (82,3 Mio.) beträgt 4,1 %. Selbst wenn man einen ‚Großstadt-Faktor‘ in Ansatz bringt, ist der Anteil der Positiven, die in der Hauptstadt leben, als sehr hoch (wesentlich höher als nach Bevölkerungsanteil zu erwarten) zu bezeichnen. Dass Berlin Lebensqualität und Attraktivität gerade auch für Menschen mit HIV hat, findet sicherlich auch in diesen Zahlen Ausdruck.

Diese Zahlen zeigen zugleich, dass die absoluten Zahlen und ihre Entwicklung in den letzten Jahren nur bedingt aussagefähig für einen Städtevergleich sind. Aussagefähiger für Entwicklungen sind relative Zahlen, die z.B. Anhaltspunkte dafür geben, welche Bevölkerungsanteile sich jeweils mit HIV infiziert haben.

Genau dies leistet die Inzidenz. Die Inzidenz gibt an, bei wie vielen Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb eines Jahres in einer Stadt neu HIV (bzw. eine andere Infektionskrankheit) diagnostiziert wurde.
Vergleich HIV Inzidenz Berlin Hamburg KölnVergleicht man die gemeldeten HIV-Fälle bei MSM in der Form der Inzidenzen, sieht das Bild ganz anders aus: die Grafik (nebenstehend) verdeutlicht, dass die HIV-Inzidenz unter MSM in Berlin im Jahr 2005 einen Scheitelpunkt erreicht hat und seitdem dort verharrt bzw. leicht sinkt, 2007 jedoch wieder ansteigt. Die Inzidenz in Hamburg steigt in den vergangenen Jahren kontinuierlich an und hat 2006 beinahe Berliner Niveau erreicht. Die Inzidenz in Köln hingegen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich über dem Berliner Niveau und zudem von 2004 bis 2006 deutlich angestiegen.

Vergleich Hepatitis C Inzidenz Berlin Hamburg KölnBei den gemeldeten Hepatitis-C-Fällen bei Männern zeigt sich ein anderes Bild. Die Hepatitis-C-Inzidenz bei Männern ist in Hamburg auf sehr niedrigem Niveau annähernd konstant. Die Inzidenz für Berlin scheint 2004 einen Scheitelpunkt erreicht zu haben, sinkt seitdem leicht. Die Inzidenz für Köln hingegen pendelt stark und ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen (wegen des sehr hohen Wertes für Köln im Jahr 2001 Darstellung erst ab 2002). Daten ausschließlich für MSM sind leider nicht abrufbar.

Vergleich Syphilis MSM Berlin Hamburg KölnEin wiederum leicht anderes Bild bietet die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle bei MSM. In Hamburg hat die Syphilis-Inzidenz bei MSM 2003 einen Scheitelpunkt erreicht und sinkt seitdem bis 2006 leicht, um 2007 erneut anzusteigen. Berlin verharrt seit 2003 auf annähernd gleich hohem Niveau mit deutlich sinkenden Werten für 2007. Die Syphilis-Inzidenz für MSM in Köln hingegen hat den Berliner Wert seit dem Jahr 2003 übertroffen und verharrt auf hohem Niveau, mit für 2007 ebenfalls sinkenden Werten.

Insgesamt zeichnen die Zahlen zu den Inzidenzen von HIV-Neudiagnosen bei MSM, gemeldeten Hepatitis-C-Fällen bei Männern und Syphilis-Fällen bei MSM ein vielfältiges Bild.
Eine Aussage lässt sich jedoch sicher treffen: wäre Berlin der ‚Sündenpfuhl‘, als der es gerne von interessierter Seite deklariert wird, wäre zu vermuten dass diese Zahlen anders aussehen. Um die sexuelle Gesundheit von MSM scheint es in Berlin zumindest im Vergleich mit Hamburg und Köln nicht so schlecht bestellt zu sein. Sicher ist vieles verbesserungsfähig – ‚Bad Bareback‘ jedoch muss offensichtlich woanders liegen …

Quelle aller Daten: Robert Koch-Institut: Datenabfrage SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 04.02.2008

Update 04.02.2008: Aktualisierung auf Stand der Datenabfrage 04.02.2008

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Sexuelle Gesundheit in Berlin“:
Intro
Teil 1: HIV / Aids in Berlin
Teil 2: HIV-Neuinfektionen in Berlin
Teil 3: Syphilis in Berlin
Teil 4: Hepatitis C in Berlin
Teil 5: Berlin im Vergleich mit Hamburg und Köln
Teil 6: Ausblick und mögliche Konsequenzen

sexuelle Gesundheit in Berlin 4 – Hepatitis C in Berlin (akt.)

Die Hepatitis C ist nach dem Infektionsschutz-Gesetz melde- und übermittlungspflichtig.
Einen aktuellen Überblick über den Stand der Hepatitis-C-Infektionen in Deutschland gibt das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin (letzte aktuelle Hepatitis-C- Zusammenstellung für 2006 als pdf hier).

Berlin hat im bundesweiten Vergleich die höchste Inzidenz an Hepatitis C (starker An­stieg gegenüber Median 2001-2005). Liegt der Bundesdurchschnitt bei unter 10 Erstdia­gnosen pro 100.000 Einwohnern (Saarland am niedrigsten mit 3,7), so weist Berlin eine In­zidenz von 26,5 auf ((Quelle: RKI, Epidemiologisches Bulletin Nr. 49/2007, als pdf hier)).
Bei dieser hohen Inzidenz an Hepatitis C könnten neben einer höheren Präsenz gefährdeter Bevölkerungsgruppen (z.B. iv-DrogengebraucherInnen) allerdings auch unterschiedliche Test- und Meldeverhalten eine Rolle spielen.

Hepatitis C in Berlin nach Altersgruppen absolutHepatitis C in Berlin nach Altersgruppen relativIm Jahr 2007 wurden in Berlin 745 Fälle von Hepatitis C gemeldet, davon 448 bei Männern.
Der Anteil der Männer an den für Berlin gemeldeten Fällen liegt seit Jahren annähernd stabil bei 60%.
Auf die beiden Altersgruppen 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre entfällt die größte Zahl der Fälle.

Geschlecht 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
m 58 83 309 569 573 542 448
w 32 64 232 410 421 357 297
gesamt 90 147 541 979 994 899 745

gemeldete Hepatitis-C-Fälle in Berlin 2001 bis 2007 nach Geschlecht

2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
0 – 9 1 1 3 3 5 2 3
10 – 14 0 0 1 7 0 0 2
15 – 19 0 5 15 17 23 9 3
20 – 24 5 6 44 49 59 38 31
25 – 29 5 17 40 80 81 75 58
30 – 39 29 37 129 220 226 206 151
40 – 49 20 45 124 267 242 249 214
50 – 59 14 8 59 115 124 144 118
60 – 69 8 10 51 88 92 63 63
Ab 70 8 18 75 133 142 113 102
summe 90 147 541 979 994 899 745

Altersbereich gemeldeter Hepatitis-C-Fälle in Berlin 2001 bis 2007
Quelle: Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 05.02.2008

Die vorliegenden Zahlen geben leider keinen Aufschluss über den Umfang der sexuellen Übertragung von Hepatitis C. Zudem liegen leider keine Berlin-bezogenen Daten zum Umfang der Ko-Infektion von Hepatitis C und HIV vor.

Exkurs Hepatitis B
Die Hepatitis B spielt im Infektionsgeschehen scheinbar nur eine untergeordnete Rolle: : 2007 wurden in Berlin 67 Fälle gemeldet (Wochen 1 bis 52; Datenstand 19.12.2007 ((Quelle: RKI / Epidemiologisches Bulletin Nr. 03/2008) ) im Vergleich zu 70 Fällen im Vergleichs-Vorjahres-Zeitraum. Eine Datenabfrage (RKI survstat) nennt am 05.02.2008 68 Fälle, davon 46 bei Männern, 22 bei Frauen.

Eine Auswertung der KABaSTI-Studie ergab, dass ca. 70% der nach 1980 geborenen Teilnehmer gegen Hepatitis B geimpft sind ((Quelle: Ergebnisse der KABaSTI-Studie, in Epidemiologisches Bulletin Nr. 23/2007; kompletter Abschlussbericht hier)). Dies würde allerdings immer noch bedeuten, dass 30% nicht gegen Hepatitis B geimpft sind – und unnötig eine Infektion mit Hepatitis B riskieren.

Aktualisierung 05.02.2008: Stand Datenabfrage 05.02.2008
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Dieser Artikel ist Teil der Serie „Sexuelle Gesundheit in Berlin“:
Intro
Teil 1: HIV / Aids in Berlin
Teil 2: HIV-Neuinfektionen in Berlin
Teil 3: Syphilis in Berlin
Teil 4: Hepatitis C in Berlin
Teil 5: Berlin im Vergleich mit Hamburg und Köln
Teil 6: Ausblick und mögliche Konsequenzen

sexuelle Übertragbarkeit von Hepatitis C

Hepatitis C ist sexuell übertragbar. In deutschen Großstädten mehren sich die Erkrankungszahlen, insbesondere bei HIV-infizierten schwulen Männern. Neue Forschungsergebnisse geben Hinweise, auf welche Weise Hepatitis C sexuell übertragen wird.

Noch vor wenigen Jahren sprach man von Non-A-Non-B- Hepatitis. Inzwischen ist längst klar, dass es neben Hepatitis-A und Hepatitis-B mehrere weitere Typen von Hepatitis gibt. Die wohl bedeutendste von ihnen ist die Hepatitis C.

Jahrelang galt, dass Hepatitis C (bzw. genauer das diese Erkrankung auslösende Virus HCV) durch Blutkontakt (z.B. bei iv-Drogenkonsum mit gemeinsamer Spritzenbenutzung) übertragen wird. Doch inzwischen wird immer deutlicher, dass HCV auch sexuell übertragbar ist.

Die Zahl der Erkrankungen an Hepatitis C hat in den letzten Jahren zugenommen. Einige Gesundheits- Experten sprechen inzwischen von einer ‚Epidemie sexuell übertragener Hepatitis C‘.
Am häufigsten betroffen: HIV-positive schwule Männer. Schwerpunkte der Hepatitis-C-Erkrankungen sind europäische Großstädte (u.a. Amsterdam, London, Paris, Berlin und einige weitere deutsche Großstädte).


Zwar gibt es auch eine geringe Zahl HIV-negativer schwuler Männer, bei denen Hepatitis C diagnostiziert wird. Eine kleine Gruppe von neun HIV-negativen schwulen Männern mit Hepatitis C wurde in Brighton beobachtet, acht von ihnen wurden kurz nach ihrer Hepatitis-C-Diagnose auch HIV-positiv.

Einige Hepatitis-C-infizierte Männer berichten, die gesellschaftlichen Folgen seien gravierend. Während gerade in Großstädten HIV zunehmend weniger stigmatisierend sei, sei es schwer, offen mit Hepatitis C zu leben, erst recht, Sexualpartner zu finden. Hepatitis C sei dabei, anstelle von HIV ein neues Stigma zu werden.

Die sexuelle Übertragbarkeit der Hepatitis C ist unter Experten inzwischen nahezu unumstritten. In verschiedenen Untersuchungen wurden als Risikofaktoren, sich mit Hepatitis C zu infizieren, ungeschützter Analverkehr, Drogengebrauch, Fisten, Gruppensex und gemeinsame Benutzung von Sex Toys identifiziert.

Eine Ende 2006 durchgeführte Bonner Studie, die auf der IAS-Konferenz jüngst in Sydney vorgestellt wurde, untersuchte mögliche sexuelle Übertragungswege genauer. Ihre statistischen Analysen zeigten, dass nur Drogenkonsum durch die Nase und anale Blutungen nach Sex statistisch signifikant Risikofaktoren für eine Infektion mit Hepatitis C waren. Ungeschützer Analverkehr an sich erkläre nicht ausreichend Hepatitis- C-Infektionen. Vielmehr seien Gruppensex und anale Verletzungen vermutlich hinzukommende Risikofaktoren. Zudem vermuten sie, dass Drogen (nasal, anal verwendet) eine wesentliche Rolle bei der Übertragung von Hepatitis C zukommt. (Abstract der Studie als pdf, Bericht auf aidsmap hier)

Eine der Schwierigkeiten bei Hepatitis C: da immer noch nicht genau klar ist, wie / unter welchen Umständen die sexuelle Übertragung erfolgt, ist auch noch nicht klar, was hinsichtlich Hep C ‚unsafer Sex‘ ist, bzw. wie ’safer sex‘ bei Hepatitis C aussehen könnte. Ein reines Fokussieren auf Kondombenutzung dürfte jedoch nicht ausreichend sein.

Allerdings geben Ärzte einige Hinweise (z.B. in ‚aids treatment update‘ August/September 2007), wie das Risiko einer Infektion individuell reduziert werden könnte:

  • Drogenkonsum durch die Nase / schnupfen: eigenen Halm verwenden, nicht gemeinsam benutzen
  • Sex Toys: nur die eigenen benutzen, nicht gemeinsam mit anderen teilen
  • Fisten: Handschuhe benutzen, nur das eigene Schmiermittel benutzen (nicht mit anderen teilen)
  • Analverkehr nach Sex Toys oder Fisten: da es bei Toys und Fisten zu Verletzungen kommen kann, bei anschließendem Analverkehr Kondom benutzen. Bei Verwendung öl- oder fettbasierter Schmiermittel daran denken, Polyurethan-Kondome (nicht Latex) zu verwenden.

Die Inkubationszeit nach einer etwaigen Infektion liegt zwischen einem und bis zu sechs Monaten. Frühe Symptome sind u.a. Appetitmangel, Übelkeit, Muskelschmerzen und leichtes Fieber. Allerdings haben nur etwa 10% der Menschen mit akuter HCV-Infektion Symptome.

HCV kann leicht diagnostiziert werden (Antikörper oder PCR). Bei jeder Blutuntersuchung sollten auch die Leberenzyme mit untersucht werden. Erhöhte Werte beim Leberfunktionstest können ein Warnsignal sein.

weitere Informationen u.a.:
Info+ Virushepatitis (unentgeltliche Broschüre der Deutschen Aids-Hilfe)
Info+
Sexuell übertragbare Erkrankungen (unentgeltliche Broschüre der Deutschen Aids-Hilfe)