22. Mai ab sofort in Kalifornien Harvey Milk Day (akt.4)

Der 22. Mai wird ab nächstem Jahr in Kalifornien der ‚Harvey Milk Day‘ sein. Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterzeichnete in der Nacht zum 12.10.2009 ein entsprechendes Gesetz.

Lange hat er sich gesträubt, gar ein Veto gegen alle noch anstehenden Gesetzesvorhaben angekündigt. Nun jedoch hat Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger am in der Nacht zum 12. Oktober kurz vor Fristablauf um Mitternacht den ‚Harvey Milk Day bill‘ unterzeichnet. Dies berichtet das US-Blog ‚Gay Politics‘.

Harvey Milk vertritt Bürgermeister Moscone einen Tag lang im Jahr 1978
Harvey Milk vertritt Bürgermeister Moscone einen Tag lang im Jahr 1978

Der 22. Mai ist der Geburtstag Harvey Milks. Der 1930 nahe New York geborene Milk hätte im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag begangen.

Der Harvey-Milk-Tag soll zukünftig in ganz Kalifornien mit besonderen Aktionen begangen werden, insbesondere an öffentlichen Schulen und Bildungseinrichtungen soll dem Tag Rechnung getragen werden. Der ‚Harvey Milk Day‘ wird (aus Kostengründen) kein arbeitsfreier Feiertag sein, sondern ein sog. ‚day of significance‘, der fünfte dieser Art in Kalifornien.

Im Gesetzestext des Senats heißt es

„This bill would require the Governor to proclaim May 22 of each year as Harvey Milk Day, and would designate that date as having special significance in public schools and educational institutions and encourage those entities to conduct suitable commemorative exercises on that date.“

Harvey Milk war der erste offen schwule Stadtrat in San Francisco. Vermutlich war er der erste offen schwul lebende Politiker überhaupt in den USA. Am 27. November 1978 wurde Milk nach nur elfmonatiger Dienstzeit vom ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen.

Das Harvey Milk Day – Gesetz (AB 2567) wurde im ersten Anlauf trotz positiver Verabschiedung im kalifornischen Senat am 30. September 2008 durch Gouverneur Schwarzenegger mit einem Veto verhindert.
Doch der Senator Mark Leno brachte das Gesetz (unter der neuen Bezeichnung SB 572) im Februar 2009 erneut im Senat ein. Am 14. Mai 2009 stimmte der kalifornische Senat diesem Gesetz zu. Aktivisten hatten bis zuletzt ein erneutes Veto Schwarzeneggers befürchtet, doch Gouverneur Schwarzenegger unterzeichnete es kurz vor Ablauf der Frist um Mitternacht.
Nahezu 40.000 Bürger Kaliforniens hatten eine entsprechende Petition unterstützt.

Mark Leno begründete seine erneute Initiative u.a. damit, Harvey Milk habe sich nicht nur für die Rechte von Schwulen und Lesben eingesetzt, sondern gehöre zu den bedeutenden Menschenrechts-Politikern.

„Harvey’s work was not only about the respect and dignity and validation of the LGBT community, but for all human life. That’s why I think he ranks among the other world-renown human rights leaders.“

Geoff Kors, Geschäftsführer von ‚Equality California‘, kommentierte, erstmals sei eine offen schwul-lesbisch-transgender Person offiziell durch eine Regierung anerkannt worden. Im Ergebnis würden nun die Errungenschaften Harvey Milks für Jahrzehnte an Schulen unterrichtet:

„The Milk Day Bill marks the very first time an openly LGBT person has been officially recognized by any state government.  As a result, Harvey’s legacy and our history will be taught for decades to come and youth will learn that they have a role model who sacrified everything to make the world safer and more equal for them.“

Gleichzeitig unterzeichnete Schwarzenegger den ‚Bill 54‘, mit dem in anderen Staaten geschlossene Homo-Ehen in Kalifornien zukünftig anerkannt werden.

weitere Informationen:
Equality California: Harvey Milk Day 2008, Harvey Milk Day 2009
GayPolitics.com 12.10.2009: Schwarzenegger signs Harvey Milk Day bill
Senat des Staates Kalifornien:  Bill Number AB 2567 – Bill text
Office of the Governor 30.09.2008: Governor Arnold Schwarzenegger has signed 81 bills and vetoed 58 bills
Arnold Schwarzenegger: attached veto message (pdf)
Senat des Staates Kalifornien: Senate Bill #572 (pdf)
Office of the Governor 12.10.2009: Governor Schwarzenegger has signed 226 bills and vetoed eight bills
Arnold Schwarzenegger: attached signing message bill 54 (pdf)
standformarriage 11.10.2009: Will Harvey Milk Day Be Vetoed?
LAWeekly 12.10.2009: Queer Town: Harvey Milk Gets His Day in California
LGBT pov 12.10.2009: Schwarzenegger signs Milk, marriage bills
towleroad 12.10.2009: Schwarzenegger signs Harvey Milk Day, marriage bills
pinknews 12.10.2009: Schwarzenegger signs bills to recognise Harvey Milk and out-of-state gay marriages
Advocate 12.10.2009: Schwarzenegger Signs Harvey Milk Bill
365gay 12.10.2009: Schwarzenegger signs Harvey Milk Day and Marriage Recognition bills
San Francisco Chronicle 12.10.2009: California’s official Harvey Milk Day „an idea whose time has come“
AP 12.10.2009: Schwarzenegger creates day honoring Harvey Milk
samstagisteingutertag 13.10.2009: Harvey Milk Day
Hamburger Abendblatt 13.10.2009: Kalifornien ehrt Schwulen-Rechtler Harvey Milk
queer.de 13.10.2009: Kalifornien führt Milk-Gedenktag ein
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Harvey Milk: Höchste US-Auszeichnung

Der 1978 ermordete erste offen schwule US-Politiker Harvey Milk wird von US-Präsident Obama posthum mit der Freiheits-Medaille ausgezeichnet. Die Freiheits-Medaille ist die höchste Ehrung der USA für Zivilpersonen.

27. November 1978. In San Francisco wird Harvey Milk von seinem ehemaligen Kollegen Dan White erschossen. Elf Monate lang war Harvey Milk zuvor der erste offen schwule Stadtrat in San Francisco. Und vermutlich war er der erste offen schwul lebende Politiker überhaupt in den USA.

Nach seinem gewaltsamen Tod wurde Milk zu einer schwulen Ikone, zu einem Symbol eines neu erwachten schwulenpolitischen Bewusstseins im San Francisco der 1970er Jahre.

Das Leben des ‚Bürgermeisters der Castro Street‚ wurde in Büchern und Dokumentarfilmen nachgezeichnet; Gus van Sant drehte darüber einen mit 2 Oscars prämierten Film.

US-Präsident Obama kündigte am 29. Juli an, dass Milk für seine Verdienste posthum die Freiheits-Medaille verliehen werde. Stellvertretend für Harvey Milk wird die Medaille in einer Zeremonie am 12. August 2009 von seinem Neffen Stuart Milk in Empfang genommen werden.

Das Weiße Haus teilte zur Verleihugn an die insgesamt 16 Empfänger mit

“This year’s awardees were chosen for their work as agents of change.  Among their many accomplishments in fields ranging from sports and art to science and medicine to politics and public policy, these men and women have changed the world for the better.  They have blazed trails and broken down barriers.  They have discovered new theories, launched new initiatives, and opened minds to new possibilities.“

Die Presidential Medal of Freedom wurde 1945 von Harry S. Truman eingeführt als Ehrung für herausragende Dienste während des 2. Weltkriegs. John F. Kennedy wandelte sie 1963 in eine Ehrung für zivile Dienste in Friedenszeiten um.

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weitere Informationen:
US-Senat: Liste der bisherigen Empfänger der Freiheits-Medaille
Advocate 30.07.2009: Milk to Receive Pres. Medal of Freedom
365gay 30.07.2009: Harvey Milk, Billie Jean King given Presidential Medal of Freedom
pinknews 31.07.2009: Harvey Milk to be honoured with Medal of Freedom
Herbert Rusche 01.08.2009: Harvey Milk bekommt Freiheitsorden

Pinknews 25.08.2009: Harvey Milk to be inducted into California Hall of Fame
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Dustin Lance Black: keine Entschuldigung – das Recht auf Sex ohne Kondom

Ein Promi hat Sex ohne Kondom. ‚Bareback‘, ‚Entschuldigung‘, gellt es durch die Medien. Und – wo ist das Problem?

„Dustin Lance Black entschuldigt sich für durchgesickerte Fotos mit ungeschütztem schwulem Sex“, titelt PinkNews, und ggg.at legt reißerisch nach „Dustin Lance Black: Bareback-Bilder aufgetaucht“.

Dustin Lance Black, der Autor des Drehbuchs zu dem Film „Milk„, hatte also Sex mit einem anderen Mann. Sex, bei dem dieser in ihn eindrang, ohne Kondom. Drei Jahre alte Bilder, von einem ex-Lover an die Öffentlichkeit gezerrt, sollen dies zeigen.

Na und?

So weit sind wir also schon, dass man sich für Sex ohne Kondom rechtfertigen, entschuldigen muss?

Lance Black mag ein Problem haben. Aber das Problem lautet nicht „Sex ohne Kondom“.
Blacks Problem lautet vielleicht „Glaubwürdigkeit“ oder „warum hab ich Sex ohne Kondom, wenn ich gleichzeitig Safe Sex predige“ (in den USA wird „safe sex“ propagiert, nicht „safer Sex“ wie in Deutschland)

Das Problem von Herrn Black heißt nicht „Sex ohne Kondom“.

Wissen ggg.at, pinknews und co, welchen Serostatus Herr Black hat? Und ob er vielleicht -egal ob HIV-positiv oder HIV-negativ- einen Partner mit gleichem Serostauts hat(te)? Oder eine Partner, der HIV-positiv ist und die EKAF-Bedingungen erfüllt, also sexuell nicht infektiös ist?
Oder geht es mal wieder nur um Spektakel, um billige „Bareback-Schlagzeilen“?

Und – was geht das Sexleben von Herrn Black eigentlich die Boulevard-Presse an, egal ob homo oder hetero?

Niemand muss sich dafür entschuldigen, einvernehmlich Sex ohne Kondom zu haben. Erst recht nicht öffentlich. Egal, ob Nobody oder Promi. Niemand.

siehe auch:
PinkNews 15.06.2009: Milk screenwriter Dustin Lance Black apologises for leaked unprotected gay sex photos
ggg.at 15.06.2009: Dustin Lance Black: Bareback-Bilder aufgetaucht
Steven Milverton: Dustin Lance Black – Er hätte sich nicht entschuldigen müssen
LifeLube 15.06.2009: Milk screenwriter Dustin Lance Black apologises for ???
DAH Blog 17.06.2009: Blanker Hohn
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Proposition 8 – Kaliforniens oberster Gerichtshof entscheidet bald über Homo-Ehe

Ist der 21. Mai 2009 der Tag der Entscheidung über die Homo-Ehe in Kalifornien? Es wäre eine Entscheidung an einem denkwürdigen Tag – dem 30. Jahrestag der White Night Riots.

Vorbemerkung: Die Gerüchte in den USA, die Entscheidung würde am 21. Mai verkündet, waren – Gerüchte. Aber scheinbar nicht unbegründete. Der California Supreme Court wird nicht am 21. Mai sein Urteil über die Homo-Ehe verkünden. Damit verbleiben nur noch der 26. oder 28. Mai sowie der 1. Juni 2009 für einen Urteilsspruch.
Einem Bericht von Towleroad (der auf Angaben aus dem Bürgermeister-Amt basiert) zufolge war der Urteilsspruch für heute geplant. Der Supreme Court sei jedoch vom Bürgermeister gebeten worden, aufgrund des Jahrestags der White Night Riots die Verkündung zu verlegen. Das Büro des Bürgermeisters dementierte den Bericht.

Der 21. Mai ist ein besonderer Tag, besonders dieses Jahr. Am 21. Mai 2009 jähren sich zum 30. Mal die White Night Riots – die Unruhen, mit denen die Lesben- und Schwulen-Szene San Franciscos 1979 auf das skandalöse Urteil gegen Dan White, den Mörder von Harvey Milk reagierte.
Einen Tag später, am 22. Mai 2009 wäre zudem der 79. Geburtstag Harvey Milks.

Nein zum Hass
Nein zum Hass (Len Peltier)

An genau diesem Tag, so berichten US-Seiten, werde der kalifornische Oberste Gerichtshof (California Supreme Court) sein Urteil verkünden. Sein Urteil über die Zukunft der Homo-Ehe in Kalifornien.

Der Hintergrund: Anfang November 2008 stimmten die Bürger Kaliforniens in Form der Proposition 8 zu 52% gegen die Homo-Ehe. Ziel der Proposition 8 war das Verbot der Homo-Ehe per Verfassung.
Tausende protestierten bald gegen das Abstimmungsergebnis und seine Folgen; Nein zum Hass wurde einer der Slogans dieser Bewegung.
Vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens laufen derzeit Klagen, die Abstimmung für ungültig erklären zu lassen. Gemäß der 90-Tage-Regelung muss ein Urteilsspruch nach der Anhörung bis zum 3. Juni erfolgen.
Die Entscheidung über diese Klagen soll nun, so bisher unbestätigte Gerüchte, am 21. Mai 2009 verkündet werden.

In San Fransisco würden im Castro-District bereits Barrikaden gebaut, um das Gerichtsgebäude gegebenenfalls schützen zu können, berichten US-Blogger. Ähnlich Massnahmen würden aus San Diego gemeldet.
Proteste werden u.a. koordiniert über Internetseiten wie Day of Decision. Für Proteste in New York ist eine Facebook-Seite eingerichtet.

Anmerkung: Alle Meldungen, das Urteil werde am 21. Mai 2009 verkündet, sind derzeit Spekulation. Urteilssprüche, die immer montags und donnerstags erfolgen, werden i.d.R. 24 Stunden vorab auf der Website des California Supreme Court (forthcoming) angekündigt.
Diese Frist ist inzwischen abgelaufen, ohne dass eine entsprechende Ankündigung erfolgte. Sollte am 21. Mai keine Urteilsverkündung erfolgen, kämen  nur noch der 26. oder 28. Mai sowie der 1. Juni für eine Urteilsverkündung in Betracht.

weitere Informationen:
Videos zu den White night Riots u.a. bei towleroad
California Supreme Cout Seite zu Proposition 8 cases
Pinknews 21.05.2009: Prop 8 decision draws closer
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MILK: 2 Oscars – ‚You Must Come Out!‘

„MILK“, der Film über ‚den Bürgermeister von Castro Street‘, den offen schwulen Politiker Harvey Milk, wurde in Los Angeles mit 2 Oscars ausgezeichnet.

Sean Penn wurde geehrt als bester Darsteller , der 34jährige Dustin Lance Black für das beste Drehbuch – beide in ‚MILK‚.

Drehbuch-Autor Black äußerte sich im November bereits über Harvey Milk und warum er dieses Drehbuch geradezu schreiben musste:

„I was almost fourteen when I heard a recording of a speech. It had been delivered on June 9, 1978, the same year my biological father had moved my family out to San Antonio. It was delivered by what I was told was an “out” gay man. His name was Harvey Milk. … That moment when I heard Harvey for the first time . . . that was the first time I really knew someone loved me for me. From the grave, over a decade after his assassination, Harvey gave me life. . . he gave me hope.“

Milk – das ist weit mehr als eine anrührende Homo-Geschichte aus dem San Francisco der siebziger Jahre:

„You see, one of the biggest hurdles for the gay community has always been invisibility. Unlike the black movement and the women’s movement, gays and lesbians are not always immediately identifiable. People still go their entire careers without coming out to their co-workers, not to mention their relatives or their neighbors. Harvey Milk saw this problem, and shouted out the solution, “You must come OUT!”“

Sehr lesenswert: Drehbuchautor Dustin Lance Black über Harvey Milk:

towleroad.com: Milk Screenwriter Dustin Lance Black on Milk, 30 Years Later
Die Verleihung des Oscars für das beste Drehbuch an Dustin Lance Black mit seiner Dankesrede auf youtube (Dank an Dirk!).
towleroad.com: In the Oscar Pressroom with Lance Black and Sean Penn
calibanblog 03.03.2009: Dustin bei Oprah (Video)
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It’s our lives we’re fighting for!

It’s our lives we’re fighting for!

ansehen!

„There is hope for a better world,
there is hope for a better tomorrow!
Without hope, not only gays, but those blacks, the disabled, the seniors, the us,
without hope, the us give up!
I know that you cannot live on hope alone
but without it life is not worth living!
but you, and you, and you got to give them hope!“ (Harvey Milk)

Harvey Milk

(( und ja, ich weiss, dass ich Teil des viral marketing bin. Dafür gerne!))

Milk – Preview

Im November kommt in den USA „Milk“ in die Kinos, der Film über Harvey Milk, den „Bürgermeister von Castro Street„.

Gus van Sant verfilmt das Leben von Harvey Milk. Dem ersten offen schwulen Stadtrat in San Francisco. der nur wenige Monate im Amt war, dann von einem ehemaligen Stadtrat erschossen wurde.

„It’s more than an issue. It’s our lives we’re fighting for!

Inzwischen gibt’s eine Preview des Gus-van-Sant-Films zu sehen, der am 26. November 2008 in den USA in die Kinos kommt. Kinostart in Deutschland ca. Anfang 2009.

Dank palisadesberlin :-).

Fotos von den Dreharbeiten

PS.
– Zur Zeit Milks entstand vor 30 Jahren die Regenbogenflagge, die ihren ersten ‚großen Auftritt‘ 1979 hatte: nach der Ermordung von Harvey Milk sollte der Gewalt und dem Entsetzen in den Communities farbenfrohe Zuversicht entgegen gesetzt werden. Eine Zeit, in der die Regenbogenflagge Symbol war für Solidarität, Hoffnung, Vielfalt stand …
– Über Harvey Milk informiert sehr gut die (1985 mit einem Oscar prämierte) Dokumentation „The Times of Harvey Milk“ von Rob Epstein (Besprechung Xenon).

„Milk – his life changed history, his courage changed lives“ – ein recht amerikanischer Werbespruch, dennoch, ja, seine Courage hat etwas bewegt. War Vorbild für viele die ihm folgten in seinem Engagement.
Schon bei der Preview läuft es mir wieder kalt den Rücken runter …
Schön, dass Milk nun endlich wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit erfährt. Zu hoffen ist, dass der Film vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken, zu neuer Aktivität anregt.

Büste erinnert an Harvey Milk (akt.)

Harvey Milk, der schwule Stadtrat von San Francisco, wird mit einer Bronzebüste geehrt, die am 22. Mai im Rathaus der Stadt enthüllt werden soll – über 28 Jahre nach seiner Ermordung.

Der Bürgermeister der Castro Street‚ wurde Harvey Milk genannt. Er war der erste offen schwule Stadtrat in San Francisco. Vermutlich war er der erste offen schwul lebende Politiker überhaupt in den USA. Am 27. November 1978 wurde Milk nach nur elfmonatiger Dienstzeit vom ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen.

Am 22. Mai 2008 – es wäre Milks 78. Geburtstag gewesen – soll nun im Rathaus von San Francisco nach siebenjährigen Vorbereitungsarbeiten eine Büste Milks in einer öffentlichen Zeremonie enthüllt werden. Die Büste wird in der ‚Ceremonial Rotunda‘ stehen.
Die Büste ist ein gemeinsames Projekt des Komitees ‚Harvey Milk City Hall Memorial‚ und der San Francisco Arts Commission.

Nachtrag 23.5.2008: Bericht über die Enthüllung der Büste auf 365gay sowie ausführlicher Photo-Bericht bei Michael Petrelis

[via 365gay, SanFranciscoSentinel]

Der Bürgermeister der Castro Street

„The Mayor of Castro Street“ – unter diesem Titel wird das Leben des US-Politikers und schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk verfilmt. Im Januar soll mit den Dreharbeiten begonnen werden.

Harvey Milk war der erste offen schwule Stadtrat in San Francisco. Vermutlich war er der erste offen schwul lebende Politiker überhaupt in den USA.
Er wurde 1977 in den San Francisco Board of Supervisors gewählt. Unter Bürgermeister George Moscone gelangen ihm einige wesentliche Verbesserungen für Lesben und Schwule in San Francsico, unter anderem brachte er ein ‚gay rights bill‘ ein und verhinderte eine Verordnung, die offen schwul und lesbisch lebende LehrerInnen an der Berufsausübung gehindert hätte.

Harvey Milk konnte nur elf Monate als Stadtrat arbeiten. Am 27. November 1978 wurde Milk vom ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen. Auch Bürgermeister Moscone fiel dem Attentat zum Opfer.

Der Attentäter Dan White wurde im Mai 1979 verurteilt. Das Strafmaß (sieben Jahre Gefängnis) wurde von vielen Einwohnern San Franciscos als skandalös niedrig empfunden. Es kam zu massiven Demonstrationen und schweren Zusammenstößen mit der Polizei (bekannt als White Night). Bei anschließenden Aktionen der Polizei wurden mehrere schwule Bars in der Castro Street zerstört.

Milk selbst hatte mit Gewaltaktionen gegen ihn gerechnet. Er hatte Tonbänder vorbereitet, die gespielt werden sollten für den Fall, dass er Opfer eines Attentats werde. „Sollte eine Kugel mein Gehirn treffen, lasst diese Kugel jede Schranktür zerstören“ (Schrank -> closet, Symbol für den (unfreiwillig) nicht offenen, den ‚Schrank-Schwulen‘).

Nach seinem gewaltsamen Tod wurde Milk endgültig zu einer schwulen Ikone, zu einem Symbol eines neu erwachten schwulenpolitischen Bewusstseins im San Francisco der 1970er Jahre. Viele Orte und Zentren schwulen- und lesbenpolitischen Lebens und Engagements wurden nach ihm benannt, am bekanntesten vielleicht die ‚Harvey Milk Highschool‘ in New York (inzwischen eine öffentliche High School). Das Leben Harvey Milks wurde von Rob Epstein unter dem Titel ‚The Times of Harvey Milk‘ verfilmt.

Der Regisseur Gus van Sant wird nun das Leben von Harvey Milk als Spielfilm (BioPic) verfilmen. Beginn der Dreharbeiten soll nach jahrelangen Vorarbeiten im Januar 2008 sein. In den Hauptrollen sollten als Darsteller des Harvey Milk Sean Penn sowie als Darsteller des Dan White Matt Damon im Gespräch sein. Damon solle aber aus terminlichen Gründen doch abgesagt haben, wie pinknews berichtet.