Premiere des neuen ‚Jung Positiv‘ -Spots

Im Umfeld des Europäischen Aids-Kongresses wurde am 12. November in Köln der neue Präventions-Spot des Kölner Projektes ‚Jung Positiv‘ vorgestellt.

‚Jung Positiv‘ ist ein Projekt Jugendlicher und junger Erwachsener zwischen 15 und 27 Jahren, HIV-positiv und HIV-negativ, überwiegend schwul.

Der neue Spot des Projekts beschäftigt sich mit der Suche nach Sex über das Internet:

„Ein junger Mann begibt sich im Chat auf die Suche nach (sexuellen) Abenteuern. Das passiert in Deutschland täglich Tausende Male, und deswegen ist es die Ausgangssituation des neuen JuPo-Spots. Er thematisiert die virtuelle Welt des Internet mit typischen Haltungen in Bezug auf HIV, den damit verbundenen Ansteckungsrisiken sowie den Möglichkeiten, damit umzugehen. Temporeich, jugendgerecht und zielgruppenorientiert deckt der Spot Mythen und Widersprüche auf – und das alles, ohne Angst zu machen oder mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen.“

Die 2003 gegründete Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, mit Filmen Prävention bei Jugendlichen zu betreiben. Die Filme werden in Jugendzentren, Schulen oder Diskotheken gezeigt und können auf der Internetseite des Projekts auf DVD oder VHS bestellt werden.

Seit 2009 kooperiert das Projekt ‚Jung Positiv‘ mit der Kampagne „ich weiss was ich tu!“ der Deutschen Aids-Hilfe DAH.

DAH-Kampagnen-Manager Matthias Kuske dazu:

„Die Verleihung des Preises für den JuPo-Spot 2007 zeigt, wie wichtig und erfolgreich es ist, junge Schwule in die Präventionsarbeit einzubeziehen und sie erzählen zu lassen, wie sie mit dem Thema HIV heute umgehen. Das passt perfekt zu „ich weiss was ich tu!“. Auch unsere Kampagne arbeitet mit Rollenmodellen, Menschen aus dem echten Leben. Wir freuen uns darum ganz besonders über die Auszeichnung für JuPo und darüber, dass wir seit diesem Jahr mit dem Projekt kooperieren!“

‚Jung Positiv‘ wurde auch im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs „HIV visible“ prämiert. Der Clip „Ein perfekter Tag“ aus dem Jahr 2007 wurde mit einem Preis ausgezeichnet.

weitere Informationen:
Internetseite des Projekts ‚Jung Positiv
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Virtuelle Persönlichkeit?

„Der erste Eindruck entscheidet“ – dieser Satz trifft zwar nicht immer zu, aber doch oftmals. Dieser erste Eindruck wird inzwischen häufig in virtuellen Welten stattfinden, ob auf persönlichen Internetseiten, Dating-Portalen oder in Blogs.

Und – in diesen virtuellen Welten scheint mehr noch als im realen Leben dieser Satz zu gelten, „der erste Eindruck entscheidet“. Denn ist der erste Eindruck erst positiv, wird vielleicht weiter gelesen, geschaut, entsteht Interesse. Ist er weniger oder gar nicht ‚verlockend‘, nun – das nächste Profil ist ja nur einen Klick entfernt.

Umso wichtiger wird es scheinbar zunehmend, wie auf schwulen Dating-Portalen der erste Eindruck optimiert werden kann. Das strunzige Bild in der Profilvorschau, der freche Profilname, die anreisserische Headline, die richtigen Einstellungen bei wichtigen Suchbegriffen, viele Optimierungs-Faktoren sind zu beachten. Von den augenzwinkernden ‚Optimierungen‘ bei Alter und Gewicht ganz zu schweigen … Und immer wieder sind Erfahrungsberichte zu hören, welchen Effekt auf die Anklick-Häufigkeit (und wohl auch folgend Kontakt-Häufigkeit) es haben kann, hier optimal aufgestellt zu sein.

Allein – optimal heißt hier ja zunächst nur ‚optimal hinsichtlich der (vermuteten) Erwartungen‘ der Zielgruppe, nämlich jener der potenziell interessanten Mit-Benutzer.
Nur – kann die Realität (nämlich: der Mensch hinter dem Profil) mithalten?
Bildet das auf Wirkung des ersten Eindrucks optimierte Profil noch den dahinter stehenden Menschen ab? Oder versucht jener mehr, dem gewählten, in seinem Profil dargestellten Bild gerecht zu werden? Entspricht das Bild mir, oder muss ich anschließend versuchen, dem vermittelten Bild gerecht zu werden? Ei oder Henne? Bild oder Spiegelbild?

Was steht im Mittelpunkt, eigene Persönlichkeit, oder Wunschbild des eigenen Seins? Ein altes Problem – ein Problem, das sich in ein Dilemma steigern kann bei mehreren ‚elektronischen Existenzen‘ der selben Person. Verknüpfen? Schon weil’s so bequem und praktisch ist? Oder – soll der Chef (mit dem man sich vielleicht auf Facebook & Co trifft) erfahren, was man so mit wem (via blauer Seiten) im Bett treibt, nur weil die verschiedene Profile verknüpft oder verknüpfbar sind?

Probleme, die zwar nicht entstehen wohl aber potenziell gravierender werden, wenn man / frau von der Realität in die Virtualität steigt.

Eine Lösung? Nun, ich erfreue mich i.d.R. lieber eines realen ersten Kennenlernens, face to face, Mensch zu Mensch.
Wobei Ausnahmen immer willkommen sind ;-). Einschließlich der möglichen Überraschungen. So verbirgt sich hinter so manchem Mauerblümchen eine wahre Perle, und hinter manchem Strunz doch nur ein in Muskelpakete gekleideter Langeweiler.

Und wie ich es selbst mit der virtuellen Welt halte?
Nun, auch ich habe mehrere ‚elektronische Existenzen‘; segmentiert, voneinander getrennt, denn sie bilden unterschiedliche Aspekte meiner Persönlichkeit ab. Diese Site (www.ondamaris.de), auf der ich eher meine schwulen- und aids-aktivistischen Gedanken kund tue. Das Ganze verbunden mit einigen persönlichen Überlegungen, während mein Mann als Thema hier weitgehend Tabu ist. Und ein davon getrenntes Profil auf den blauen Seiten, mit Partner-Link auch auf den Mann, und ja, grinsen erlaubt, dort ist mein Alter auch leicht ‚optimiert‘, ein ganz klein wenig ;-))

noch mehr sehen auf den blauen Seiten?

Noch mehr sehen auf den blauen Seiten kann man mit einem netten Script:

gayromeo_images sorgt wenn installiert für größere Vorschau-Bilder. Sobald das Script installiert ist, wird ein Profilbild in Suchergebnissen (wie ‚meine Besucher‘) vergrößert, sobald man mit der Maus darauf fährt.

Das ganze funktioniert nur in Firefox (sorry, msie-user…). Voraussetzung ist, dass greasemonkey installiert ist. 1)

Ein praktisches kleines Script … und ein großes Dankeschön nach Karlsruhe 😉 und an manniac für den Hinweis.

1) Die Firefox-Erweiterung greasemonkey erlaubt die Ausführung eigener oder fremder Javascript-Dateien. Dadurch könnte auch Schad-Code auf den eigenen Rechner gelangen – entsprechend sollte greasemonkey nur mit nachweislich sicheren Scripts benutzt werden.

Bist du gesund?

‚Bist du gesund‘ – ‚Und dann?‘ ‚Lassen wir die Kondome weg …‘ Viele (nicht nur schwule) Menschen suchen sich möglichst Sexpartner mit gleichem HIV-Status, um Risiken zu vermindern. Eine wirksame Strategie? Oder eher eine gefährliche, die Risiken erhöhen kann?

‚Bist du gesund?‘
‚Bist du sauber?‘
‚Gesundheit gewünscht und geboten‘
Solche Formulierungen hört man oft, wenn es darum geht, (nicht nur Sex-) Partner zu suchen, oder liest sie in Profilen auf diversen Portalen.

Manchmal muss ich dann schmunzeln.
Mir juckt es in den Fingern.
Einfach mal sagen ‚Ja, ich hab heut morgen geduscht, klar!‘.
Oder ‚Klar, meine Erkältung ist schon seit Tagen wieder weg.‘

Nein, keine Angst, das sind nur Gedankenspiele. Natürlich ist mir klar, dass hinter diesen Formulierungen ein notdürftig verdecktes Schutz-Interesse steht. Aber leider manchmal auch seltsame Vorstellungen über das HIV-Infektionsrisiko. Hofft der Fragende, mit dieser Frage oder Ankündigung etwaige Risiken von sich fern zu halten? Sozusagen verbales Sagrotan?

Selbst viele Dating-Sites wie auch die blauen Seiten bieten ja eine Auswahl, in der man Angaben zu seinem HIV-Status machen kann (z.B. ‚Vorlieben beim Safer Sex‘: Immer, Nie, nach Absprache, keine Angabe). Und erleichtern so die Suche nach Partnern mit einem ‚passenden‘ Serostatus. Nach einem Weg, einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Kondomfreiheit zu finden. Tatsächlich?

Klar, für Positive ist die Frage nach HIV ganz praktisch. Viele Positive suchen sich als Partner möglichst Menschen, die ebenfalls positiv sind. Wer schon positiv ist, den kann man (zumindest wenn man ein etwaiges Risiko einer Superinfektion vernachlässigen will) nicht nochmal mit HIV infizieren. Man spart meist sich die ständige Rederei über HIV und Aids, Infektionsrisiken, und die Kondome oftmals (das Risiko anderer sexuell übertragbarer Infektionen vernachlässigend) gleich auch.
Eine Strategie des Risiko-Managements, die für viele HIV-Positive funktioniert und eine Balance ermöglicht.

Aber funktioniert diese Strategie auch für HIV-Negative? Sich nur HIV-Negative zu suchen, um mit denen dann Sex ohne Kondom haben zu können?

Ich überlege, ob es nicht eigentlich ein wenig naiv ist für einen HIV-negativen Mann, jemanden nach seinem Serostatus zu fragen.

Zunächst einmal, erwartet er von jemandem, den er kaum kennt, eine ehrliche Antwort auf die Frage ‚Bist du positiv‘?
Würde er selbst sie geben? Dass jeder Partner die Wahrheit in Bezug auf seinen HIV-Status sagt, ist zumindest eine mutige Annahme.
Und wenn der potenzielle Partner dann ehrlich ist und sagt er sei HIV-positiv, was dann? Lehnt man ihn dann (höflich, na klar …) als Partner ab? Und erwartet dennoch, dass der beim nächsten mal weiterhin ehrlich antwortet?

Aber selbst, wenn der Partner auch ehrlich sagt, er sei HIV-negativ – was heißt das? Maximal, dass er bis einige Wochen vor seinem letzten HIV-Antikörper-Test nicht HIV-infiziert war.
Und die Zeit danach? Wenn er/sie sich in den letzten Wochen oder Monaten infiziert hat, nach dem letzten Test? Gerade in den ersten Monaten der Infektion, der akuten Phase, ist die Infektiosität am höchsten …

Für HIV-Negative kann die Strategie, sich ebenfalls nur HIV-negative Sex-Partner zu suchen (Serosorting), zu einem gefährlichen Vabanque-Spiel vorgegaukelter falscher Sicherheit werden.
Erst recht, wenn man/frau nicht den Mut aufbringt, offen zu fragen, sondern schwiemelig fragt „bist du gesund?“ Und dann mit der Antwort auf eine ungewisse Frage Annahmen macht, Konsequenzen zieht in Sachen safer sex.

Klar, es ist gut, wenn HIV-Negative auch HIV-negativ bleiben, sich nicht mit HIV infizieren wollen. Aber die Strategie, die manche dazu benutzen, dürften wenig zielführend sein. Falsche Annahmen und Irrtümer produzieren, die sich als riskant erweisen könnten.

Und was dann?
Davon ausgehen, dass jeder potentielle Partner HIV-infiziert sein könnte – und sich entsprechend schützen.
Eine manchmal ungeliebte, unbequeme, aber schützende Alternative. Eine Alternative, die zumindest wirksamer sein dürfte als verbales Sagrotan …

eine blaue Fata Morgana

Die blauen Seiten sind ja doch immer wieder für Überraschungen gut. Manche präsentieren augenzwinkernd über wahre Perlen schwuler Wohnkultur, und der aktuelle Trend auf gayromeo soll ja sein: ‚Passive haben mehr Auswahl‚. Na denn …

So ab und an findet man dann doch die ein oder andere echte Perle, wie neulich im Profil eines Bekannten: „Natürlichkeit macht schöner als jede Kosmetik“.
Was sich als seltene Ausnahme erweist – Natürlichkeit wird auf dem Portal virtueller Sehnsuchts-Jäger wohl eher selten gefragt sein …

Viel mehr frage ich mich langsam, ist das Gayromeo von heute wirklich so viel mehr als der Kino-Besuch der 50er Jahre?
Mehr als leicht gemachte Realitäts-Flucht? ‚Ferien auf dem Immenhof‘ für den modernen virtuellen Homo?
Nicht doch ganz banal das reale Leben eingetauscht gegen Pseudo-Leben?
Pseudo-Leben, dessen Glücks- und Liebesversprechen sich nur allzu leicht als Fata Morgana erweisen?
Authentizität oder Versuche selbiger zumindest scheinen eher selten und wenig gefragt zu sein …

Statt dessen wird ein Körperkult propagiert, der sich derzeit immer noch gern als ’straight acting‘ oder ‚Hetero-Optik‘ präsentiert, oder in seiner jüngsten Variante als ‚Berlin gay‘ einen international stereotypisierten weiteren Clone entstehen lässt.

Suche nach flüchtiger Intensität – oder nach intensiver Flüchtigkeit?
Ist die ‚blaue Fleischtheke‘ manchmal tatsächlich nicht mehr als eine ‚blaue Fata Morgana‘?

So mancher verabschiedet sich ja bereits wieder aus dem blauen Branchenbuch … die neuen ‚Trendsetter‘?

Polizei MySpace?

MySpace plant, eine private Polizei gegen Sexualstraftäter einzuführen. Mit eigenen Datenbanken, ‚automatischer Pädophilenerkennung‘ und vorbeugender Fahndung.

Erst vor Kurzem habe ich ja geschrieben, warum ich plane mein MySpace-Profil wieder abzuschalten. Heute hat MySpace (via SpON) noch einen Grund nachgeliefert: MySpace hat sehr kurzfristig vor, Rasterfahndung in privater Hand aufzubauen.

MySpace hat Angst um seinen Ruf. In der US-Presse war es anscheinend zu mehreren Berichten gekommen, dass Pädophile versucht haben, MySpace als Forum für Kontaktanbahnungen zu benutzen.

Nichts fürchtet ein Forum wie MySpace, das gerade erst für viele Hunderte Millionen Dollar an Herrn Murdoch verkauft wurde, mehr als schlechten Ruf. Das schadet dem Image, und erst recht dem Börsenkurs (der Mutter Murdoch namens NewsCorp). Zudem lässt es die Nutzerzahlen erodieren, was wiederum weiterer Schaden ist.

Als Reaktion darauf hat MySpace nun vor, einen Site-interne Polizei einzurichten.
Die soll innerhalb von 30 Tagen eine Datenbank aller 550.000 wegen Sexualstraftaten verurteilten US-Amerikaner aufbauen. Für diese hauseigene Datenbank will MySpace erstmalig die (bisher getrennten) Daten aller Bundesstaaten zu einer integrierten Sexualstraftäter-Datenbank zusammenführen.
Alle Einträge in dieser neuen Datenbank sollen dann regelmäßig mit den MySpace-Profilen abglichen werden. Zudem soll die Datenbank als ‚vorbeugende‘ Identifizierungshilfe dienen.

Früher (zu Herolds Zeiten) nannte man das Rasterfahndung. Das war damals schon ziemlich eklig und vor allem umstritten, aber immerhin noch in staatlicher Hand, (vermeintlich) staatlich legitimiert und einer gewissen Kontrollmöglichkeit unterworfen.

Nun aber – Rasterfahndung elektronisch, und das ganze in privater Hand?
Erstmalig werden alle Daten in einer Datenbank zusammengeführt – und dann privat?
Irgendwelche MySpace-Mitarbeiter dürfen sich anmaßen Schnüffel-Privatstaat zu spielen?
Und das auch noch ‚vorbeugend‘, ohne konkreten ‚Tatverdacht‘? Wo bleibt die Unschuldsvermutung?
MySpace als privaten Schnüffel-Polizei?

Aber MySpace (bzw. wohl der ehrenwerte Herr Murdoch) treibt’s noch weiter.
Da könnten die Sexualstraftäter ja auf die Idee kommen, sich mit falschen Angaben anzumelden (oh, das werden wohl nicht nur die machen, wenn ich da an Gayromeo denke …). Also macht er in Washington Lobbyarbeit für ein Gesetz, das Sexualstraftäter zwingen soll, ihre Emailadresse zentral registrieren zu lassen und keine anonymen Emailadressen zu benutzen.
MySpace wird nebenbei (auch) zu einem Werkzeug Murdoch’scher konservativer Politik.

Es geht hier nicht darum, Sexualstraftaten zu verharmlosen. Aber es geht darum, wer macht Ermittlungen, Strafverfolgung (der Staat oder Private?). Es geht um Freiheitsrechte. Und um Polizei-Instrumente in privater Hand.

Jetzt noch mehr: MySpace ist nicht mehr my space …