Gesundheitsministerin Frankreichs : Proteste in Washington – gegen Diskriminierung bei der Bestattung HIV-Positiver (akt.)

HIV-Positive und Aids-Aktivisten protestierten bei der XIX. Internationalen Aids-Konferenz in Washington gegen die Gesundheitsministerin Frankreichs. Im Mittelpunkt der Kritik  u.a.: diskriminierende Regelungen bei der Bestattung HIV-Positiver .

„La présence de Marisol Touraine à Washington nous rend folles“, die Anwesenheit der Gesundheitsministerin lässt uns verrückt werden – spitzte ACT UP Paris die Proteste zu. ACT UP beklagte mangelndes Fachwissen und Inkompetenz im Ministerium, das erst am Vorabend bei einem Gespräch in der französischen Botschaft erneut deutlich geworden sei. In der Kritik vor allem jedoch: die Diskriminierung bei der Bestattung HIV-Positiver (Versorgung nach dem Tod).

Die Ministerin reagierte auf den Inhalt der Proteste „mit großer Gleichgültigkeit“, wie ACT UP Paris anmerkt. Sie erklärte sich einzig bereit, die diskriminierende Beerdigungs-Regelung mit HIV-Positiven und Aids-Organisationen „weiter zu diskutieren“. DerNationale Aids-Rat Frankreichs hatte sich für eine Aufhebung des Verbots ausgesprochen. Seit drei Monaten sei diese Stellungnahme jedoch im Ministerium nicht wahrgenommen worden, beklagen die Aktivisten. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die für eine Aufhebung der Regelung sprächen, würden im Ministerium schlicht ignoriert.

Die Ministerin wurde von einem ACT UP – Vertreter mit ausführlicher Begründung und Erläuterung der Situation gebeten, vor Ort die Aufhebung des Verbots schriftlich zu bestätigen. Die bis dahin sitzende Ministerin erhob sich demonstrativ und reagierte mit einem kurzen „non“. Sie verstehe die Nachfrasge, könne sich dazu aber heute (wieder) nicht äußern. Zudem sei sie nicht die einzige an der Entscheidung Beteiligte. Ein Videomitschnitt ist derzeit nur auf Facebook verfügbar.

In Frankreich besteht seit langem ein für Menschen, bei denen bekannt ist, dass sie zu Lebzeiten mit HIV oder mit einer viralen Hepatitis infiziert waren, ein Verbot, den Körper nachd em Tod zu pflegen (z.B. balsamieren, waschen, etc.). Am 20. Juli 1998 trat eine Gesetzes-Novelle (Arrêté) in Kraft, mit der HIV und virale Hepatitis zur Liste der übertragbaren Kranheiten hinzugefügt wurden, die dieses Verbot bedingen. Stattdessen muss der Leichnam unverzüglich eingesargt werden, der mit einem Gaswäscher auszustattend Sarg dann ‚hermetisch verschlossen‘ werden.

Seit langem beklagen HIV-Positive und ihre Organisationen diese als diskriminierend empfundene Praxis bei der Bestattung HIV-Positiver . Angekündigte Aufhebungen (wie zuletzt im Januar 2012 durch den vorigen Gesundheitsminister Bertrand der Sarkozy-Regierung) wurden bisher nicht umgesetzt.

Marisol Touraine von der PS Parti Socialist (und Tochter des Soziologen Alain Touraine) ist seit 2012 französische Ministerin für soziale Angelegenheiten und Gesundheit. Innerhalb der PS ist sie zudem Präsidentin der linkspolitischen Denkfabrik ‚À gauche, en Europe‘.

Marisol Touraine, französische Gesundheits- und Sozialministerin (Foto: gouvernement.fr)
Marisol Touraine, französische Gesundheits- und Sozialministerin (Foto: gouvernement.fr)

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weitere Informationen:
LegiFrance: Arrêté du 20 juillet 1998 fixant la liste des maladies contagieuses portant interdiction de certaines opérations funéraires prévues par le décret n° 76-435 du 18 mai 1976 modifiant le décret du 31 décembre 1941
ACT UP Paris 26.07.2012: Act Up-Paris à Washington (5). Zap, Zap, Zap. La présence de Marisol Touraine à Washington nous rend folles.
ACT UP Paris 25.01.2012: Après les propos de Xavier Bertrand sur les soins funéraires, nous attendons la levée de l’interdiction
ACT UP Paris 03.01.2012: L’exclusion des PVVIH des soins funéraires : une absurdité dangereuse et violente
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„Er ist positiv … in ihn könnt‘ ich mich verlieben“ – neue Kampagne gegen Serophobie in Frankreich

Mit zwei Plakaten wendet sich eine neue französische Kampagne gegen Serophobie, gegen Stigmatisierung und Diskriminierung HIV-Positiver.

HIV-Positive werden auch unter Schwulen immer noch diskriminiert. Hiergegen wendet sich eine kleine neue französische Kampagne mit zwei Motiven. Ihr Ziel: Vorurteilen mit klaren Informationen begegnen.

Il est séropo – avec lui je risque de tomber amoureux“ („Er ist positiv … in ihn könnt‘ ich mich verlieben„, wörtlich „…mit ihm riskiere ich es mich zu verlieben„) – ist die Schlagzeile eines der beiden Motive.

il est séropo - avec lui je risque de tomber amoureux (Crips Ile-de-France)
il est séropo - avec lui je risque de tomber amoureux (Kampagne Serophobie; Foto: Crips Ile-de-France)

Die Kampagne wird gefahren von Crips Ile-de-France, einer Organisation, die von der Region getragen wird. Die Organisation nimmt am 30. Juni 2012 mit einem eigenen Wagen am CSD Paris (Marche des fiertés LGBT‘) teil – und wird dort die beiden Motive erstmals einsetzen. Der Wagen steht dabei auch Gruppen HIV-Positiver zur Verfügung, unter anderem einer Gruppierung Jung-Positiver (‚Les Jeunes Séropotes‘).

Das zweite Motiv der Kampagne trägt den Slogan „Il est séropo – avec lui je risque de prendre mon pied“ (etwa: „Er ist positiv … mit ihm könnt’s richtig heiß abgeh’n …„).

Beide Motive tragen auf der Rückseite umfangreiche Hinweise zu Serophobie. „Das ist möglich, weil …„, und zahlreiche Gründe folgen, vom Verpassen einer tollen Chance jemanden kennen zu lernen, über die Botschaft ‚Kondome schützen‘, bis zu ‚es gibt  Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)‘. Bemerkenswert: auch die Viruslast-Methode wird erwähnt:

weil … „avec une personne séropositive qui prend un traitement, a une charge virale indétectable et pas d’IST, le risque de transmission du VIH est presque nul“ (etwa: „mit einem antiretroviral erfolgreich behandelten HIV-Positiven ohne sexuell übertragbare Infektionen das Infektionsrisiko nahezu null ist“)

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Crips Ile-de-France: Campagne Sérophobie 2012

Cannes: HIV-Fragebogen zurück gezogen – Sex bei Senioren Tabu-Thema ?

Es sollte nur ein einfacher Fragebogen sein, mit dem herausgefunden werden sollte, warum in der Region Cannes der Anteil von älteren Menschen mit HIV höher ist als in anderen Regionen Frankreichs. Doch der in Seniorenwohnanlagen verteilte Fragebogen wurde nun vom UMP-Bürgermeister zurück gezogen – die Fragen wurden als ‚zu persönlich‘ empfunden.

Angaben von Sida Info Service zufolge stellen in der Region Provence – Alpes – Code d’Azur (PACA) Menschen über 60  Jahren einen deutlich höheren Anteil an allen HIV-Infizierten als der Landesdurchschnitt (7% gegenüber 4,7%).

Tetu 26.06.2012: La mairie de Cannes retire un questionnaire sur la sexualité
Pinknews 27.06.2012: Cannes: Sexuality questionnaire pulled after ‘shocking’ retirees
Yagg 28.06.2012: La mairie de Cannes ne veut plus d’une enquête sur la vie affective et sexuelle des seniors

Frankreich: Patrick Yeni zum neuen Präsident des ‚Conseil national du sida‘ nominiert

Patrick Yeni wurde zum neuen Präsident des ‚Conseil national du sida‘ (CNS) nominiert. Er wird damit der fünfte Präsident seit Bestehen des CNS und Nachfolger von Françoise Héritier, Alain Sobel, Jean-Albert Gastaut und Willy Rozenbaum.

Prof. Patrick Yeni war bisher vor allem bekannt als Präsident der ‚groupe d’experts sur la prise en charge médicale des personnes vivant avec le VIH (PVVIH)‘ (Expertengruppe für die medizinische Versorgung von Menschen mit HIV). Er ist ‚Chef de service Service des Maladies Infectieuses et Tropicales‘ am Hopital Bichat in Paris.

Der ‚Conseil national du sida‚ wurde 1989 gegründet als Beratungsgremium für die französische Regierung, er entspricht etwa dem Nationalen Aids-Beirat. Gemäß Dekret seiner Gründung ist es seine Aufgabe, ‚die Regierung zu allen Problemen in Zusammenhang mit Aids zu beraten und geeignete Lösungsvorschläge zu unterbreiten‘.

Die Nominierung Yenis erfolgte mit einem präsidialen Dekret vom 27. April 2012 und war eine der letzten Amtshandlungen der ersten Amtszeit des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.

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weitere Informationen:
CNS : Nomination du Professeur Patrick Yeni à la Présidence du Conseil national du sida und Presseerklärung dazu
Yagg 05.05.2012: Le Pr Patrick Yeni nommé président du Conseil national du sida
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Frankreich: Stiftung von Carla Bruni-Sarkozy in Skandal um Aids-Gelder verwickelt ? (akt.2)

Steht die Stiftung der französischen Präsidenten-Gattin Carla Bruni-Sarkozy im Mittelpunkt eines internationalen Finanzskandals? Ein enger Freund Carla Brunis soll auf ihre Veranlassung Millionenbeträge des Globalen Aids-Fonds erhalten haben, so das französische Wochenblatt ‚Marianne‘. Die Stiftung weist alle Vorwürfe zurück. Auch der Globale Fonds dementiert.

Die französische Wochenschrift ‚Marianne‘ (Ausgabe 7. – 13. Januar 2012) wirft der Stiftung von Carla Bruni-Sarkozy, Ehefrau des französischen Staatspräsidenten Sarkozy, vor, Mittel in Millionenhöhe an Firmen eines engen Freundes von Carla Bruni weitergeleitet zu haben:

„3,5 Millionen $ wurden durch den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids bezahlt, am Rande der Legalität und ohne jegliche Ausschreibung, auf Anforderung der First Lady an mehrere Firmen eines ihrer Freude überwiesen. Der Musiker und Unternehmer Julien Civange ist der wichtigste Berater von Carla Bruni-Sarkozy, er wird offiziell im Organigramm der Stiftung geführt und hat ein Büro im Elysee-Palast (…). Er war Trauzeuge der Hochzeit von Carla Bruni-Sarkozy.“

Den Vorwürfen liegen mehrmonatige Untersuchungen bei den Vereinten Nationen zugrunde, die ‚Marianne‘ verwendet. Bekannt geworden sei der Skandal Ende November 2011 bei einer Vorstandssitzung des Globalen Fonds in Ghana. Politiker höchster Ebene sollen sich dem Blatt zufolge mit dem Skandal bereits befasst haben. Die Abberufung des Botschafters Frankreichs in Ghana soll damit in Zusammenhang stehen, ebenso wie die geplante Demission des Generaldirektors des Globalen Fonds, Michel Kazatchkine. Der französische Immunologe Kazatchkine ist seit Februar 2007 Direktor des Fonds; er gilt als enger Freund Carla Bruni-Sarkozys. Hillary Clinton solle seinen Rücktritt gefordert haben, dieser solle am 21./22. Mai erfolgen – kurz nach der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. Präsident Sarkozy solle in diesem Sinne auf höchster Ebene in Washington interveniert haben.

Die Stiftung befinde sich nun in einer „Sackgasse“. Konkrete Maßnahme der Stiftung gegen Aids seien rar.

Die Carla Bruni-Sarkozy Stiftung dementierte die Vorwürfe. Der Vorwurf, die Stiftung habe öffentliche Gelder [Mittel öffentlicher Partner] erhalten, entbehre jeglicher Grundlage. 2.2 Millionen $ des Globalen Fonds seien im Rahmen seines normalen Budgets verwendet worden, um 2010 eine HIV-Informationskampagne unter Einbeziehung von Frau Bruni-Sarkozy durchzuführen, bestätigte der Globale Fonds einem Bericht von ‚Le Monde‘ zufolge. Alle Regeln und Prozeduren des Fonds seien bei Verträgen mit mehreren Firmen im Rahmen dieser Kampagne eingehalten worden. Kein Centime sei direkt an die Stiftung Carla Bruni-Sarkozy geflossen. Die Demission des Direktors des Globalen Fonds stehe in keinem Zusammenhang mit den Vorwürfen von ‚Marianne‘.

Carla Bruni-Sarkozy 2008 (Foto: Remi Jouan)
Carla Bruni-Sarkozy 2008 (Foto: Remi Jouan)

Carla Bruni-Sarkozy, deren Bruder Virginio 2006 im Alter von 46 Jahren an den Folgen von Aids gestorben ist, wurde 2008 Botschafterin des Globalen Aids-Fonds GFATM. Und sie gründete im April 2009 die Carla Bruni- Sarkozy Stiftung unter dem Dach der Fondation de France. Diese Stiftung hat zum Ziel, ökonomisch benachteiligten Menschen Zugang zu Kultur zu verschaffen sowie die Analphabetenrate zu senken. Zudem engagiert sie sich u.a. für Sidaction, eine französische Aids-Organisation.

Gegenüber der FAZ erläuterte sie 2009 ihr Engagement

„Ich widme mich besonders der Aids-Vorsorge für Frauen und Kinder, weil es da noch viel auszurichten gibt. Die Kommunikation, ja, die Aufklärungsarbeit ist besonders entscheidend, damit schwangere Frauen sich einem HIV-Test unterziehen. Ungeborene Kinder können noch im Mutterleib vor einer Übertragung geschützt werden. Der Globale Fonds verfügt über die Medikamente, aber vielen Schwangeren, gerade in Afrika, fehlt noch der Reflex, sich testen und im Bedarfsfall behandeln zu lassen. Wenn ich dank meiner Rolle, vielleicht auch dank meiner Bekanntheit, dazu beitragen kann, dass sich das ändert, dann habe ich viel erreicht.“

In Frankreich findet derzeit der Präsidentschafts-Wahlkampf statt. Nicolas Sarkozy, Ehemann von Carla Bruni-Sarkozy bewirbt sich um die erneute Wahl als Präsident.

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Aktualisierung
07.01.2012, 17:00: ‚Marianne‘ entgegnet den Äußerungen Bruni-Sarkozys, das Blatt habe nie behauptet, ihre Stiftung habe Gelder des Globalen Fonds erhalten [Marianne hatte im ersten Artikel behauptet, Bruni-Sarkozy habe Zahlungen des Fonds an Firmen eines ihr sehr nahe stehenden Freundes veranlasst, s.o.]. Der Globale Fonds hingegen bestätige in seiner Stellungnahme die von ‚Marianne‘ genannten Zahlungen, wenn auch ein Unterschied des Betrages bleibe [Marianne nennt 3,5 Mio. $, GFATM spricht von 2,8 Mio. $]. Man erwarte vom GFATM transparent Aufschluss über die Zahlungen.
Radio France Internationale bemerkt in einem Bericht, der Globale Fonds habe Zahlungen in Höhe von 580.000 € an Civange und vier Kollegen, die die Kampagne gemeinsam durchführten, bestätigt.
11.01.2012, 06:00: „Bombe oder Rohrkrepierer“, fragen französische Medien sich und ihre Leser/innen angesichts der brisanten Vorwürfe, die ‚Marianne‘ drei Monate vor den französichen Präsidentschaftswahlen äußerte. Andere Medien sprechen bereits von ‚Carlagate‘.

25.01.2012, 08:45: Am 24. Januar 2012 kündigte GFATM-Direktor Katzachkine seinen Rückzug für Mitte März 2012 an.

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weitere Informationen:
Marianne 06.01.2012: Exclusif : Carla Bruni au coeur d’un scandale international
Marianne 7 Frédéric Martel: Une longue investigation dans plusieurs pays (pdf)
Le Monde 07.01.2012: Carla Bruni-Sarkozy dément que sa fondation ait touché de l’argent public
Reuters 06.01.2012: AIDS group rejects allegations against France’s Bruni
Fondation Carla Bruni-Sarkozy und Droit de réponse par Carla Bruni-Sarkozy
FAZ 01.12.2009: Carla Bruni im Gespräch – „Die Verteufelung von Aids führt zur Nichtbehandlung“
GFATM 06.01.2011: Global Fund says french magazine report is inaccurate and misleading
Marianne 07.01.212: Carla Bruni-Sarkozy et le Fonds mondial de lutte contre le sida répondent à l’enquête de Marianne
Radio France Internationale 07.01.2012: Carla Bruni-Sarkozy charity accused of handing Aids fight funds to friends
Liberation 06.01.2012: Carla Bruni-Sarkozy se défend de toute malversation
SonntagsZeitung 08.01.2012: Affäre Carla Bruni: Die Première Dame Frankreichs soll einen engen Vertrauten begünstigt haben
Mirror 08.01.2012: France’s first lady Carla Bruni in £2m Aids donation sleaze allegation
Tagesschau 10.01.2012: Präsidentengattin in der Kritik – Stolpert Sarkozy über Carlagate?
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Paris: verweigerte Krankenhaus PEP ?

Das größte Krankenhaus von Paris, Hotel Dieu, soll einem Bericht der Internetseite Yagg zufolge einem jungen Schwulen die Medikamente zur Fortsetzung der Post-Expositions-Prophylaxe nach den ersten 3 Tagen verweigert haben.

18. Dezember 2011, ein Sonntag. Ein junger Schwuler von 20 jahren begibt sich in die Notaufnahme des Krankenhauses Hotel Dieu in Paris. Er bittet im Rahmen einer Notfall-Behandlung um Post-Expositions-Prophylaxe (PEP; auf französisch: Traitement Post-Exposition (T.P.E.)). Er habe Sex mit einem HIV-Positiven gehabt, und das Kondom habe versagt. Nach kurzer Diskussion bekommt er dem Bericht von Yagg zufolge vom Arzt Medikamente einer Kombitherapie für drei Tage ausgehändigt. Zudem ordnet der Arzt mehrere Untersuchungen an und fordert den jungen Mann auf, nach drei Tagen wiederzukommen.

Am darauf folgenden Mittwoch, drei Tage später, wie mit dem Arzt vereinbart, geht der junge Schwule wieder in das Hotel Dieu. Zu seiner großen Überraschung hört er vom Arzt, er müsse sich die weiteren Medikamente selbst in einer Apotheke in der Stadt kaufen. Das Krankenhaus und die Krankenhausapotheke seien schließlich nicht dafür da, die Medikamente für den ganzen Monat bereit zu stellen.

Der junge Mann wendet sich an die Aids-Organisation ‚HF Prévention‚. Diese kontaktiert sofort den Arzt des Krankenhauses – der daraufhinm, so berichtet Yagg, nichts von Problemen wissen will. Erst mit Hilfe der Organisationen findet der junge Mann unverzüglich eine Apotheke in seinem Department, die ihn weiter mit Medikamenten versorgt.

Hotel Dieu in Paris (2007; Foto: Les hutchins)
Hotel Dieu in Paris (2007; Foto: Les Hutchins)

Die beiden französischen Aids-Organisationen HF Prévention und Actif Santé beklagen die Pflichtverletzung des Krankenhauses. Eine bessere Information und Ausbildung des Personals sei dringend erforderlich.

Das bereits im Jahr 651 als Herberge gegründete Hotel Dieu ist das älteste Hospital von Paris. Aufgrund seiner zentralen Lage nahe dem Schwulen-Viertel Marias wird es auch von Schwulen häufig genutzt.

Die Kosten für Medikamente der Post-Expositions-Prophylaxe werden auch in Frankreich von der Sozialversicherung übernommen. Das Hotel Dieu ist dem Yagg-Bericht zufolge weltweit nach dem San Francisco General Hospital das Krankenhaus mit der zweithöchsten Verordnungsmenge an Post-Expositions-Prophylaxe.

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weitere Informationen:
Yagg 05.01.2011: Exclusif: L’hôpital Hôtel Dieu à Paris aurait refusé de fournir le traitement d’urgence à un jeune gay
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Frankreich: Zahl der HIV-Neudiagnosen 2010 konstant

Seit 2008 ist die Zahl der HIV-Neu-Diagnosen in Frankreich annähernd konstant. Dies teilte die französische Geusndheitsbehörde mit. Während die Zahl der HIV-Neudiagnosen in Frankreich bei Menschen mit heterosexuellen Übertragungswegen weiterhin sinkt, steigt sie bei Schwulen an.

6.265 HIV-Infektionen wurden im Jahr 2010 in Frankreich neu diagnostiziert, gegenüber 6.341 im Jahr zuvor (minus 1,2%). Dies teilte das „Institut de veille sanitaire“ (InVS) mit. Seit 2008 ist die Zahl jährlicher HIV-Neudiagnosen in Frankreich annähernd stabil, nachdem es zwischen 2004 (7.679 HIV-Neudiagnosen) und 2007 (6.464 HIV-Neudiagnosen) einen deutlichen Rückgang gab.

Hinter der annähernd stabilen Zahl der HIV-Neudiagnosen verbirgt sich allerdings auf den ersten Blick, dass es in den unterschiedlichen Gruppen deutlich abweichende Entwicklungen gibt:

Frankreich: HIV-Neudiagnosen 2003-2010 nach Übertragungsweg (Quelle: InVS)
Frankreich: HIV-Neudiagnosen 2003-2010 nach Übertragungsweg (Quelle: InVS)

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen, bei denen heterosexuelle Übertragungswege angegeben wurden, sinkt seit 2008 weiterhin deutlich (2010: 3.600), bei Drogengebraucher/innen ist sie weitgehend stabil (2010: 70). Bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen hingegen sowohl von 2008 auf 2009, als auch von 2009 auf 2010 an. 2010 wurde bei ca. 2.500 Schwulen und Männern, die Sex mit Männern haben, neu eine HIV-Infektion diagnostiziert. Der Anteil dieser Gruppe an den gesamten HIV-Neudiagnosen beläuft sich auf 40%, MSM stellen seit 2003 in Frankreich die einzige Gruppe dar, in der die Zahl der HIV-Neudiagnosen ansteigt. Zudem beträfen, so das InVS, 83% aller Syphilis-Diagnosen und fast alle rektalen LGV-Diagnosen (Lymphogranuloma venereum) diese Gruppe.

18 Prozent der HIV-Neudiagnosen (2010: ca. 1.100) erfolgen in Frankreich bei Menschen in einem Lebensalter von über 50 Jahren. Seit 2003 steigt ihr Anteil an. Oft wird bei ihnen eine HIV-Infektion in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert.

Insgesamt wurden 2009 (!) in Frankreich 18 neue HIV-Infektionen pro 100.000 Einwohner festgestellt. In den überseeischen Departements (DOM, départements d’Outre-Mer) liegt dieser Wert mit 44 pro 100.000 deutlich über dem Durchschnitt (besonders hoch in Guayana sowie auf Guadeloupe), ebenso in der Region Ile de France (entspricht ungefähr dem Ballungsraum Paris) mit 39 pro 100.000 Einwohnern.

Ungefähr 5 Millionen HIV-Tests wurden 2010 in Frankreich durchgeführt (ca. 77 pro 1.000 Einwohner). Die Zahl jährlicher HIV-Tests in Frankreich ist seit 2006 annähernd stabil; im Herbst 2010 wurde eine Ausweitung der HIV-Test Bestandteil der nationalen Aids-Strategie, dies dürfte sich ab 2011 in den Zahlen widerspiegeln.

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weitere Informationen:
Institut de veille sanitaire (InVS) 29.11.2011: Dossier de presse : données épidémiologiques sur l’infection à VIH et les IST. 1er décembre 2011 (pdf)
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HIV & Arbeit: weniger als 50% der Positiven in Frankreich haben einen Arbeitsplatz

Nur 46% der in Frankreich lebenden HIV-Positiven sind in Beschäftigung – fast 40% hingegen leben an der Armutsgrenze. Dies zeigte eine Umfrage der französischen Aidshilfe-Organisation Aides.

Weniger als die Hälfte der in Frankreich lebenden Menschen mit HIV hat einen Arbeitsplatz. Dies ergab eine im Oktober 2010 durchgeführte Umfrage von Aides, deren Ergebnisse am 25. Oktober in Paris anläßlich eines Symposiums der ILO Internationalen Arbeits-Organisation bekannt wurden. 18% der HIV-Positiven seien ‚Privatier‘, obwohl sie gerne arbeiten würden.
Aides weist allerdings darauf hin, dass im Jahr 2005 nur 23% der Menschen mit HIV in Frankreich arbeiteten.

Deutliche Unterschiede zeigten sich hinsichtlich der Erwerbstätigkeit zwischen Positiven, die ihr Testergebnis vor oder nach Einführung hochwirksamer antiretroviraler Therapien erhielten: während in den Umfrageergebnissen die Erwerbsquote für Menschen, die vor 1997 ihr Testergebnis erhielten, bei 37% lag, lag dieser Wert für nach 1997 getestete Positive bei 58%.

Nur 22% der erwerbstätigen HIV-Positiven in Frankreich sind der Studie zufolge als Schwerbehinderte anerkannt.

39,5% derjenigen, die mit HIV und/ oder Hepatitis B oder C infiziert waren, lebten von weniger als 950 Euro im Monat – unter der Armutsgrenze.

Auf ihrer “99th Session of the International Labour Conference, 2010″ diskutierte die ILO intensiv über die Frage von HIV/Aids im Erwerbsleben. Ziel war dabei, Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-Positiven im Erwerbsleben entgegen zu treten. Als Ergebnis der Diskussionen (und vorbereitenden Arbeitsgruppen) der ILO wurde eine Resolution verabschiedet: “Resolution concerning the promotion and the implementation of the Recommendation on HIV and AIDS and the world of work, 2010″

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Es wäre begrüßenswert, wenn auch zur sozialen Situation von Menschen mit HIV in Deutschland bessere Daten vorlägen.

Zwar hat die Fraktion Die Linke jüngst im Bundestag eine Kleine Anfrage zur sozialen Situation HIV-Positiver eingebracht. Die Antwort der Bundesregierung jedoch fiel, insbesondere was konkrete Angaben zur sozialen Situation von HIV-Positiven in Deutschland angeht, recht unbefriedigend aus.

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weitere Informationen:
Tetu 25.10.2011: En France, moins d’un séropositif sur deux a un emploi
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„Es lebe der schwule Sex!“ – neue Kampagne in Frankreich

‚Es lebe der Sex unter Männern!‘ – mit einer neuen Broschüre will die französische Aidshilfe-Organisation Aides szene- und lebensnahe Informationen für HIV-negative, ungetestete wie auch HIV-positive Männer geben.

Erstmals behandelt die Broschüre dabei auch die Frage, wie sich die Höhe der Viruslast eines erfolgreich behandelten HIV-Positiven auf die Infektiosität auswirkt (unter dem Aspekt der sog. Community-Viruslast, der Auswirkung der Therapie auf die Dynamik der HIV-Infektion unter Schwulen).

Aides: 'Vive le Sex entre Mecs!' (c) Aides 2011
Aides: 'Vive le Sex entre Mecs!' (c) Aides 2011

Die neue Broschüre (die sich bei näherem Betrachten als Plakat erweist) ist Teil einer neuen Kampagne von Aides für schwule HIV-negative, HIV-positive und ungetestete Männer: „Prévention des risques et vive le sexe“ (P.R.E.V.S.). Es gebe viele (auch sexuelle) Lebensstile und Praktiken, auf die Prävention nicht mit einer einzigen Antwort reagieren könne. Alle Informationen leicht erfassbar zusammenfassen, das wolle PREVS, so Aides.

Die Broschüre (siehe Titelbild oben) behandelt u.a. Themen wie HIV-Test, antiretrovirale Therapie, Viruslast und Infektiosität, Konsum von Drogen. Sie will alle nötigen Informationen geben, um „selbst Sorge für seine Gesundheit zu tragen“ und „ein erfülltes Sex-Leben zu haben, ob nun als HIV-Negativer oder als HIV-Positiver“.

Ausschnitt aus der Broschüre
Ausschnitt aus der Broschüre

Die französische Aidshilfe-Organisation Aides ist in letzter Zeit des öfteren mit sehr offenherzigen Kampagnen an die Öffentlichkeit gegangen, wie „Katzen haben sieben Leben, du nur eins“ oder einer Kampagne über Diskriminierung HIV-Positiver unter Schwulen.

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weitere Informationen:
Prévention des risques et vive le sexe (P.R.E.V.S.) – Broschüre als pdf
Aides 19.10.2011: AIDES sort « P.R.E.V.S » : Toute la prévention gay sur un poster
Aides 18.10.2011: P.R.E.V.S. : …et vive le sexe !
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Zahnarzt: auch in Frankreich für Positive gelegentlich mit Problemen

Immer wieder haben HIV-Positive Probleme bei Zahnarzt-Besuchen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, wie ein aktueller Fall aus La Rochelle zeigt.

Cyrille Vezzoli, ein 36-jähriger Mann aus La Rochelle, wollte zum Zahnarzt. Doch der verweigerte die Behandlung, mit Hinweis auf seine HIV-Infektion. Es könne ein Risiko für andere Patienten bestehen. „Es bestehen zu viele Risiken.“ Für Patienten wie ihn gebe es schließlich die Krankenhäuser. Er habe sich gefühlt wie vor 18 Jahren, als man ihm seinen HIV-positiven Status mitgeteilt habe, sagte Cyrille Vezzoli. Französische Medien berichteten am 1. September breit über den Fall.

Ein Vertreter der regionalen Zahnarzt-Kammer (der von einem vernachlässigbar kleinen Risiko sprach) betonte, falls der Zahnarzt tatsächlich die Behandlung aufgrund der HIV-Infektion verweigert habe, könnten schwere disziplinarische Maßnahmen bis zum vorübergehenden Verbot der Berufsausübung ergriffen werden. Schließlich seien alle Zahnarzt-Praxen mit optimalen Sterilisations-Möglichkeiten ausgestattet, jedes Risiko einer Infektions-Übertragung könne ausgeschlossen werden.

Auch in Deutschland werden immer wieder von Menschen mit HIV Fälle berichtet, in denen Zahnärzte die Behandlung verweigern oder die Behandlung in Randzeiten verlegen, z.B. mit der Begründung eines erhöhten Hygieneaufwands.

Demgegenüber hatte das Robert-Koch-Institut erst im September 2010 in einer Stellungnahme zur Behandlung HIV-Positiver beim Zahnarzt erneut betont, dass “nach Behandlung eines Patienten mit HIV-Infektion … die routinemäßig erforderlichen Hygienemaßnahmen” genügen. Im Oktober 2010 hatten die beiden Aids-Gesellschaften dagnä und DAIG betont, bei der Behandlung HIV-Infizierter beim Zahnarzt gelten keine über Standardhygiene hinaus gehenden hygienischen Anforderungen.

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weitere Informationen:
France Info 01.09.2011: La Rochelle : un patient séropositif victime de „discrimination dentaire“
Le Monde 01.09.2011: Un séropositif affirme qu’un dentiste a refusé de le soigner
Tetu 01.09.2011: La Rochelle: Un dentiste aurait refusé de soigner un séropositif
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Zu positiv ? Kampagne in Frankreich thematisiert Diskriminierungen unter Schwulen

Die französische Aidshilfe-Organisation ‚Aides‘ wendet sich in einer Anzeigen- und Postkarten – Kampagne mit neuen Motiven gegen Diskriminierungen unter Schwulen, auch gegen die Diskriminierung positiver Schwuler durch Schwule.

HIV-Positive sehen sich auch 30 Jahre nach den ersten Berichten über Aids immer noch Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt. Dies gilt auch für HIV-positive Schwule, und auch innerhalb der Schwulen-Szenen. Dieser Diskriminierung von Positiven unter Schwulen widmet sich die französische Aidshilfe-Organisation Aides mit einem der sechs Motive ihrer Sommer-Kampagne 2011.

Diese Sommer-Kampagne thematisiert einige Arten, auf die Schwule unter einander Diskriminierung und Stigmatisierung betreiben.
Aides dazu:

„Ce sont les premiers slogans de la nouvelle campagne de AIDES. Six personnages. Six différences. Six couleurs qui rappellent le rainbow flag. Bref, six affiches et cartes postales décalées pour rappeler que les discriminations existent encore dans le milieu gay. A découvrir tout au long de l’été…“
(etwa: Dies sind die ersten Slogans der neuen Kampagne von Aides. Sechs Personen. Sechs Unterschiede. Sechs Farben, die an die Regenbogen-Flagge erinnern. Kurz: sechs Anzeigen und Postkarten die daran erinnern sollen, dass es immer noch Diskriminierung unter Schwulen gibt. Ab jetzt den ganzen Sommer hindurch zu entdecken …“)

Aides: "Trop Vieux ?" und "Trop grosse ?"
Aides: "Trop Vieux ?" und "Trop grosse ?"

Motiv „trop vieux?“: „Zu alt ? – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“
Motiv „trop grosse ?“: „Zu dick? – – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“

Aides: "Trop Folle ?" und "Trop typé ?"
Aides: "Trop Folle ?" und "Trop typé ?"

Motiv „trop folle ?“: „zu tuntig? – – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“
Motiv „trop typé“: „zu sehr Stereotyp ? – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“

Aides: "Trop Seropo ?" und "Trop Mec ?"
Aides: "Trop Seropo ?" und "Trop Mec ?"

Motiv „trop seropo ?“: „Zu (HIV-) positiv ? – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“
Motiv „trop mec ?“: „zu kerlig ? – Jeder ist für irgendjemanden ‚zu viel‘ oder ’nicht genug‘ …“

Paris: eine Demonstration des Stolzes …

In Paris findet am 25. Juni 2011 der diesjährige „Marche des fiertés LGBT“ statt (etwa: „Demonstration des schwul-lesbisch-transgender-bi Stolz“), ab 14:00 Uhr (von Montparnasse zum Platz der Bastille).

ACT UP Paris ruft zur Teilnahme auf mit einem Plakat, das einige Wege (und implizit Erfolge) der Prävention thematisiert:

Fierès D'en mettre - Plakat von ACT UP Paris zum marche des fiertés 2011 (Grafik: ACT UP Paris)
FièrEs d'en mettre - Plakat von ACT UP Paris zum marche des fiertés 2011 (Grafik: ACT UP Paris)

FièrEs d’en mettre :
Des capotes, du gel, des fémidons, des gants, … pour coucher comme on veut, avec qui on veut, quel que soit son statut sérologique, en se protégeant et en protégeant ses partenaires. C’est aussi puissant que cela. C’est aussi simple que cela.

(übersetzt etwa: „Stolz darauf, die anzuwenden: Kondome, Gleitgel, Femidome, Handschuhe … um zu schlafen (Sex zu haben) wie und mit wem man/frau will, wie auch immer sein/ihr HIV-Status ist, dabei sich und seine Partner/innen schützend. So wirksam ist das. Und so einfach ist das.“)

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Ja, so einfach ist das … manchmal. Nicht immer. Und es gibt auch andere Methoden, wie die Viruslast-Methode (die ACT UP Paris gern ausblendet).

Dennoch:  ja, wir können stolz sein. Stolz, dass schwule Männer seit über 25 Jahren zu weit überwiegenden Anteilen safer Sex machen, sich und ihre Partner schützen. Sich für Prävention und Gesundheit engagieren – und dabei lustvoll leben und Sex haben.

Zeit, diesen Stolz auch zu zeigen.

Ficke schön. Dankeschön.

ficke schön danke schön (Deutsche Aids-Hilfe / iwwit)
ficke schön danke schön (Deutsche Aids-Hilfe / iwwit)

Frankreich: Chroniker schliessen sich in Internet-Plattform zusammen

Anlässlich des Europäischen Tags der Patientenrechte, der jährlich am 18. April begangen wird, haben sich in Frankreich acht Organisationen – unter ihnen die Aidshilfe-Organisation Aides – zusammen getan und eine gemeinsame Internet-Plattform vorgestellt, die Chronisch Kranke zusammen bringen und ihre Interessen gemeinsam vertreten soll.

‚chronicité‘, so heißt ein neues Gemeinschaftsprojekt, das acht französische Organisationen chronisch Kranker (darunter die französische Aidshilfe-Organisation Aides) am 18. April 2011 ins Leben gerufen haben.

Motive gebe es im jahr 2011 zur Genüge für chronisch Kranke, sich zusammen zu schließen, so die Initiatoren: steigende Kosten für Behandlung und Medikamente oder sinkende Erstattungen durch Krankenkassen zum Beispiel.

ChroniCite

‚chronicité‘ firmiert als „Chronisch Kranke – eine Community an unserer Seite“. Das Projekt sieht sich als der Ansprechpartner für chronisch Kranke und ihre Angehörigen und versteht sich als „öffentliches Brainstorming“, bei dem jeder zur gemeinsamen besseren Bewältigung chronischer Krankheiten beitragen könne. Tipps und Ideen austauschen, Forderungen entwickeln – dafür will ‚chronicité‘ Plattform sein.

Die volle Funktionalität der neuen Website wird in den nächsten Tagen freigeschaltet.

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weitere Informationen:
www.chronicite.org
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Frankreich: Proteste gegen geplante Kürzungen im Aids-Bereich

23 Aids-Organisationen protestieren mit einer gemeinsamen Stellungnahme gegen geplante Kürzungen im Aids-Bereich in Frankreich.

Erstmals seit Beginn der HIV-Epidemie sollen in Frankreich die Mittel, die das Gesundheitsministerium den in der Aids-Bekämpfung engagierten Gruppen zur Verfügung stellt, gekürzt werden. Das Gesundheitsministerium unterstützt Organisationen im Aidsbereich derzeit über Zuwendungen der  ‚Direction générale de la santé‘ (DGS).

Besonders betroffen von den geplanten Kürzungen ist unter anderem die Vereinigung schwuler und lesbischer Unternehmer/innen SNEG (Syndicat national des entreprises gaies). Dieser Vereinigung, in der u.a. schwule Bars, Clubs und Saunen organisiert sind, sollen schon für das laufende Jahr 2011 die Mittel für Prävention um 14% gekürzt werden. Die SNEG stellt über ihre Mitgliedsbetriebe entsprechend einer Präventionsvereinbarung Kunden an ‚Orten sexueller Begegnung‘ kostenlose Kondome zur Verfügung. Die Kürzung bei SNEG würde einem Medienbericht zufolge 90.000 € ausmachen bei einem Gesamtbudget von 640.000€.

Die SNEG protestiert in einer Stellungnahme:

„Wie ist dieses Des-Engagement des Staates zu verstehen? Ist Aids keine nationale Priorität mehr in Frankreich?“

SNEG Aufkleber an einer Sauna-Tür: „Dieser Betrieb hält sich an die Präventionsvereinbarung“ (Foto von 2007)

Betroffen von den Kürzungen sind aber auch Organisationen wie die französische Aidshilfe-Organisation Aides (die zu Jahresanfang in der Kritik einiger Medien stand wegen ihres Finanzgebahrens). Aides soll sich Kürzungen der Zuwendungen zwischen 10 und 15% ausgesetzt sehen; es soll um einen Betrag von 500.000€ gehen.

Die nun geplanten Kürzungen würden sich direkt in ihren Aktivitäten bei der HIV-Prävention auswirken, warnen die Aids-Organisationen.

Insgesamt sollen Organisationen, die im Vorjahr über 1355.000€ erhielten, eine Kürzung von 14% schon für 2011 erhalten. Bei den anderen Organisationen soll die Kürzung mit 2% deutlich niedriger ausfallen.

Die Kürzungen sollen „von ganz oben“, aus dem  Kabinett von Gesundheitsminister Xavier Bertrand kommen. Alle Organisationen müssten sich an den Sparbemühungen der Regierung beteiligen, begründete er die geplanten Kürzungen. Einige Organisationen könnten „ihre Finanzquellen diversifizieren“.

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weitere Informationen:
Tetu 29.03.2011: Baisse inquiétante des subventions pour les associations de lutte contre le sida
Yagg 29.03.2011: Plus de 20 associations condamnent les baisses des subventions à la lutte contre le sida
ACT UP Paris 28.03.2011: Xavier Bertrand recule sur le plan de lutte contre le sida et les IST
Yagg 19.03.2011: Enquête: Xavier Bertrand impose une forte réduction des subventions aux associations de lutte contre le sida
Tetu 08.03.2011: Baisse des crédits du Sneg: la réponse de Xavier Bertrand
Yagg 03.03.2011: Prévention: Le Sneg annonce que sa subvention est amputée de 14% pour 2011
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„Katzen haben neun Leben, du nur eines“ – neue HIV-Präventions-Kampagne in Frankreich (akt.)

Die französische Aids-Organisation ‚Aides‘ startete am 21. März 2011 eine neue HIV-Präventions-Kampagne, bei der Comics im Mittelpunkt stehen. Zum Auftakt riskiert ein lustvoller Kater seine neun Leben …

Aides ist die größte französische Aids-Organisation. Die 1984 gegründete Gruppierung startet mit einer neuen HIV-Präventions-Kampagne ins Frühjahr: „Protect Yourself“ (Schütz dich).

Die Kampagne hat einen einfachen Grundgedanken: zwar sind Kondome heute wesentlich weniger als früher tabuisiert, betont Aides. Doch in der konkreten Situation eines sexuellen Kontakts sei es immer noch seltsam, über Kondome zu sprechen.

Hier will die Kampagne ansetzen – mit die Sexualität bejahenden Spots, die zur Kondom-Benutzung ermuntern. Im Mittelpunkt der Kampagne diesmal: Humor statt Angst, Botschaften sollen mit einem Grinsen oder Lächeln daher kommen.

Die Kampagne zeigt zum Auftakt einen Comic ganz in schwarz-weiß, gezeichnet im Stil der zwanziger Jahre: „Gettin’tail“.

Gettin'Tail - erster Comic der neuen Aides-Präventionskampagne (Screenshot der Kampagnen-Seite auf Facebook)
Gettin'Tail - erster Comic der neuen Aides-Präventionskampagne (Screenshot der Kampagnen-Seite auf Facebook)

Im Mittelpunkt der Geschichte: ein promisker Kater. Er ist nicht gerade wählerisch, alles was ihm in den Weg kommt, wird zum Sex-Partner. Smutley, so der Name des Katers, denkt dabei nicht an seinen Schutz, er benutzt keine Kondome. Smutley kann sich das vielleicht erlauben – er ist eine Katze, und die haben bekanntlich neun Leben. Aber du? Schütze dein Leben, benutz‘ Kondome – so das Resümee des Spots.

Kater Smutley ist nur der Beginn einer Reihe von Spots, die in den kommenden Monaten erscheinen sollen. An ihrer Realisierung waren bekannte Illustratoren wie der Brasilianer Cristiano Siqueria oder der US-Amerikaner Mike Kazaleh beteiligt.

Der Auftakt-Spot „Gettin’Tail“ wird derzeit über Internet verbreitet (u.a. auf YouTube und  Facebook).

In Frankreich war Aides jüngst in den Focus der Kritik in manchen Medien geraten, die das Finanzgebaren der Organisation kritisierten.

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Aktualisierung 23.03.2011, 13:30: Aides hat inzwischen auch weitere Kampagnen-Motive veröffentlicht: „Sexe, condom et bande-dessinée

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weitere Informationen:
Aides 21.03.2011: Découvrez Gettin’tail !
Tetu 21.03.2011: Un cartoon vintage pour la nouvelle campagne de prévention de Aides
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Frankreich: Aidshilfe ‚Aides‘ in der Kritik – Dienstwohnung für den Präsidenten? (akt.3)

Die größte Pariser Boulevard-Zeitung ‚Le Parisien‘ kritisiert die französische Aidshilfe-Organisation Aides. Insbesondere in der Kritik: der ehemalige Präsident Christian Saout.

Es ist das Tagesgespräch in Paris, nicht nur in Aids-Kreisen: gab es bei der französischen Aidshilfe-Organisation Aides unprofessionellen Umgang mit Mitteln? Haben einzelne Mitarbeiter unverhältnismäßige Vorteile genossen?

Die französische Aidshilfe-Organisation Aides wurde 1984 von Daniel Defert (nach dem Tod seines langjährigen Lebensgefährten Michel Foucault) gegründet. Aides ist in über 100 Städten Frankreichs aktiv, beschäftigt über 300 Mitarbeiter und über 1.000 Ehrenamtler. Aides ist mit einem Jahresbudget von 39 Millionen Euro (2009) eine der bedeutendsten karitativen Organisationen Frankrichs, so ‚Le Parisien‘.

Le Parisien zitiert in seiner heutigen Ausgabe (25. Januar 2011) aus einer vertraulichen Studie des Beratungsunternehmens ‚Sécafi‘. Dies kritisiere, die ‚Organisation sei nicht ausreichend entwickelt‘. Zudem gehe ein zu geringer Teil der Mittel (60%) in den sozialen Bereich (während Organisationen wie Arc (Krebsbekämpfung) oder AFM (Myopathie) Werte von 78% und 83% erreichen). Einzelne Mitarbeiter profitierten zudem von „unverhältnismäßigen Vorteilen“.

Insbesondere in der Kritik: Christian Saout, Präsident von Aids von 1998 bis 2007. Warum hat er ab 1999 bis 2010 von einer Dienstwohnung profitiert (eines Studios in Pantin nordöstlich von Paris), fragt ‚Le Parisien, einer Praxis, die generell vom Rechnungshof kritisiert werde. Und warum überweise Aides ihm noch ein Gehalt (110.000 € pro Jahr, aus staatlichen Zuschüssen, nicht aus Spendengeldern), obwohl er doch nur noch Ehren-Präsident sei (und somit eigentlich ohne Bezüge)? Er vertrete Aides in zahlreichen Instanzen, das benötige Zeit, erläutert Aides-Generaldirektor Olivier Dénoue als Begründung.

Noch großzügiger sei die Situation gestaltet bei Generaldirektor Vincent Pelletier. Er habe die vertragliche zusage, alle zwei Jahre sein Gehalt neu zu verhandeln – und mache davon auch rege Gebrauch. Sein Monatsgehalt sei zwischen 2007 und 2009 um 17% gestiegen und liege nun bei 9.500 Euro pro Monat. Die gehälter der ’normalen Angestellten‘ hingegen seien niedrig und würden auch nur geringfügig erhöht.

Zudem kritisiert ‚Le Parisien‘ bzw. der Bericht des Beratungsunternehmens „undurchsichtige Rechnungslegung“ – die notwendige Transparenz fehle, der jüngste Bericht des Rechnungshofes sei nie veröffentlicht worden.
Garde um auch weiterhin für Spender attraktiv zu sein, bedürfe es auch der Transparenz. Die Organisation der Charta „Spende inVertrauen“ (‚don en confiance‘) habe die inhaltliche Arbeit hierzu begonnen – Aides habe jedoch entscheiden, dieser Organisation nicht beizutreten.

Aides reagierte in einer Stellungnahme auf den Artikel und bezeichnete ihn als „weitgehend umstritten, sowohl hinsichtlich der Methode als auch des Inhalts“ sowie als „Verleumdung“. Der Artikel sei ein schwerer Schlag für alle Mitstreiter und für den Kampf gegen Aids. Mehrere Berichte verschiedener Organisationen hätten in der Vergangenheit die beispielhafte Transparenz der Organisation gelobt. Man werde auf jeden einzelnen der von Le Parisien angesprochenen Punkte zügig reagieren.

Ein Prüfbericht für die Direction Géneral de Santé kommt zu einem anderen ergebnis als der Artikel von Le Parisien. Der Bericht spricht im September 2010 von ‚guter finanzieller Gesundheit‘ und ‚echtem Engagement für Transparenz‘ („une bonne santé financière de l’association. Celle-ci s’accompagne d’une gestion rigoureuse, elle-même portée par une réelle volonté de transparence“). Einige Aides-Insider und ‚Ehemalige‘ hingegen zeigen sich in Kommentaren (teils auch mit vollem Namen)  „wenig überrascht“ von dem Bericht von Le Parisien.

Für heute (25.1.2011) Nachmittag (16:30 Uhr) hat Aides eilig zu einer Pressekonferenz geladen.

Aktualisierung
26.01.2011, 12:45 Uhr: Yagg berichtet von einer Pressekonferenz „voller Mitarbeiter von Aids, und nur einer Handvoll Journalisten“ und in aufgeheizter Atmosphäre. Der Bericht von Secafi, Basis des Parisien-Artikels (Bericht: siehe Links unter ‚weitere Informationen‘) wurde verteilt.
Bruno Sphire, jetziger Präsident von Aids, habe betont, seit Jahren hätten alle Prüfberichte Aides als eine ‚gesunde Organisation‘ beschrieben. Das Gehalt des früheren Präsidenten rechtfertigte er, man brauche einen hochqualifizierten Chef, außerdem sei ein derartiges Gehalt bei Organisationen dieser Größe üblich. Christain Saout, im Artikel kritisierter Ex-Präsident bis 2007, betonte, seine Dienstwohnung (die er bis 2010 hatte) habe er pflichtgemäß in seiner Steuererklärung angegeben. Der Artikel des Parisien habe ‚die Absicht Schaden anzurichten‘. Ein Vertreter der Beschäftigten von Aides erklärte sich solidarisch, es gebe keine Beschwerden innerhalb der Organisation.
26.01.2011, 14:20 Uhr: Aides selbst reagierte inzwischen mit einer erneuten Stellungnahme. Der Artikel und die Auseinandersetzung sei verschwendete Energie, die im Kampf gegen Aids fehle. Das Studio in Pantin (für den Präsidenten) sei weniger teuer gewesen als 15 Nächte pro Monat im Hotel. Das gehalt des ehemaligen Präsidenten sei hoch, aber im Bereich von Organisationen mit 500 Mitarbeitern üblich; zudem sei es seit Monaten durch einen Radio-Bericht bekannt gewesen. Das Ganze sei ein erfundener Skandal. Aides habe Berichte verschiedener Organisationen online gestellt, damit sich jeder selbst ein Bild machen könne.

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weitere Informationen:
Le Parisien 25.01.2011: Exclusif: L’association Aides dans la tourmente
Comité de la
Tetu 25.01.2011: La gestion de Aides épinglée par «Le Parisien»
Charte du don en confiance

Aides 25.01.2011: « Calomniez, calomniez, il en restera toujours quelque chose »
Europe 1 25.01.2011: Les mauvais comptes d’Aides
„Aides“ – Rapport pour le Ministère de la santé et des sports – Direction Générale de la Santé – Audit d’une association subventionnée
par la Direction Générale de la Santé : évaluation de la convention 2007-2010 (pdf)
Aides: Quelques chiffres
Secafi: AIDES – Rapport sur la situation de l’association
pour l’exercice clos le 31.12.2009 (pdf)
Yagg 26.01.2011: Aides répond à l’enquête du « Parisien »
Aides 26.01.2011: AIDES diffamée ? La calomnie retombe comme un soufflé
Le Parisien 25.01.2011: Aides : la crise en trois questions
Le Parisien 25.01.2011: « J’ai menti aux gens en leur faisant des promesses qu’on ne pouvait pas tenir »
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