HIV-Therapie und Prävention – die Deutsche Aids-Hilfe hat eine Position gefunden

Das Statement der EKAF („keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs„) hat für viele Diskussionen gesorgt. Immer wieder wurde angemahnt, was ist die Position der Deutschen Aids-Hilfe. Nun, nach 14 Monaten, hat die DAH ihre abschließende Position veröffentlicht – detailliert, begründet und zukunftsorientiert.

“Eine HIV-infizierte Person ohne andere STD unter einer antiretroviralen Therapie (ART) mit vollständig supprimierter Virämie … ist sexuell nicht infektiös” – dieser Satz sorgt seit Januar 2008 für viele intensive, oft aufgeregte Diskussionen. Doch – die EKAF, die Eidgenössische Kommission für Aids-Fragen, das ist die Schweiz. Was sagen Organisationen in Deutschland dazu, vor allem die Deutsche Aids-Hilfe (DAH)?

Eine erste Positionierung zeichnete sich bereits ab mit dem Haltungspapier des Delegiertenrats der DAH vom März 2008  („Neue Wege sehen, neue Wege gehen!„), später ergänzt durch ein erstes Positionspapier des DAH-Vorstands („HIV-Therapie und Prävention – Stellungnahme der DAH„).
Anfang April 2009 nun, lang erwartet, liegt die endgültige Position der DAH vor.

Die DAH bringt in ihrem Positionspapier (als Dokumentation auf ondamaris „HIV-Therapie und Prävention – Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe e. V.„) das Statement der EKAF auf folgende zentrale Botschaft:

„Bei sexuellen Kontakten ohne Kondom mit einem/einer HIV-positiven Partner/in ist eine HIV-Übertragung unwahrscheinlich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
-Die Viruslast des HIV-positiven Partners/der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze,
– die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen,
– bei den Sexpartnern/-partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte (z. B. als Folge sexuell übertragbarer Infektionen) vor“

und stellt zur Bedeutung dieser zentralen Botschaft fest

„Unsere bisherigen Safer-Sex-Botschaften werden durch diese Aussage sinnvoll und wirksam ergänzt; in der Prävention eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.“

Prävention muss lebbar sein, und dies -so die DAH- bedeute

„Aufgabe der Prävention ist es, die nötigen Informationen für die Kommunikation über dieses Risiko und für das individuelle Risikomanagement zielgruppengerecht und an den Interessen der Zielgruppen orientiert bereitzustellen.“

Doch es geht um mehr als „nur“ darum, zielgruppengerechte Information bereitzustellen. Es geht darum, diese auch lebbar zu machen, in den Lebensalltag zu übersetzen – mittels Empfehlungen.

Empfehlungen – das bedeutet die DAH übersetzt in ihrem Positionspapier die „zentrale Botschaft“ in Ratschläge, Hinweise, Anmerkungen. Empfehlungen, die auf die spezifischen Lebenssituationen verschiedener Gruppen eingehen:
– HIV-Positive mit nicht nachweisbarer Viruslast
– HIV-Positive mit nachweisbarer Viruslast, Ungetestete und HIV-Negative
– HIV-Positive mit HIV-positiven Sexpartner(inne)n
– Drogengebraucher(innen)
– Menschen in Haft
– bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillen

Für jede dieser Konstellationen werden konkrete, lebensnahe Empfehlungen und Anregungen gegeben und in einem eigenen Kapitel die Hintergründe erläutert – bis hin zu Fragen von Schleimhaut-Läsionen, sexuell übertragbaren Erkrankungen oder regelmäßigen Routine-Untersuchungen.

Empfehlungen, die die zentrale Botschaft des Positionspapiers in Lebensrealitäten übersetzen, für verschiedene Gruppen und Situationen anwendbar machen.

Auf diese Weise wendet sich das Positionspapier nicht nur an HIV-Positive, HIV-Negative und Ungetestete. Es stellt darüber hinaus auch eine wichtige und lebensnahe Basis für Beraterinnen und Berater in Aids-Hilfen und anderen Beratungsstellen dar, sowie für Ärzte und Ärztinnen.

Auf einer übergeordneten Ebene der öffentlichen Gesundheit (New Public Health) kommt die DAH zu dem Schluß

„Sowohl die konsequente (100-prozentige) Verwendung von Kondomen als auch die dauerhafte Senkung der Viruslast beim/bei der HIV-positiven Partner/in – bei Abwesenheit von Schleimhautläsionen/STDs bei beiden Partner(inne)n – bieten eine ausreichende Sicherheit zur Vermeidung einer HIV-Infektion, das Restrisiko einer HIV-Übertragung ist vernachlässigbar gering. Bei Kombination beider Methoden nähert sich das Restrisiko gegen Null.“

Die „Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze“ bezeichnet die DAH konsequenterweise als eine weitere Präventionsmethode.

Auf Befürchtungen von Kritikern, es könne nun zu steigenden Neu-Infektionen kommen, entgegnet die DAH selbstbewusst

„Insgesamt kann die DAH den Befürchtungen nicht folgen, es könnte zu einer Zunahme der Infektionen kommen, wenn die „Viruslast-Methode“ in der Prävention eingesetzt wird. Im Gegenteil: die DAH sieht in dem Nutzen, den die antiretrovirale Therapie bietet, eine Chance in der Prävention.“

Das „Positionspapier“ ist so weit mehr, als der Name zunächst vermuten lässt:
Das Statement der EKAF zu bewerten, eine eigene Position zu finden und zu begründen ist nur der erste Schritt. Das „Positionspapier“ geht auch den zweiten Schritt, kommt zur Umsetzung in konkrete Empfehlungen – und versucht so, sie zu nutzen, die Chancen, die sich in der Prävention neu ergeben.

Erstmals geht damit eine auch international bedeutende Aids-Organisation den Schritt, nicht nur zu kommunizieren, dass erfolgreiche antiretrovirale Therapie unter bestimmten Bedingungen die Infektiosität drastisch senkt, sondern auch zu sagen, was dies konkret für den/die Einzelne(n) und seine/ihre Handlungen bedeuten kann – und wie es in Prävention übersetzt werden könnte.

HIV-Therapie und Prävention – Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe

weitere Informationen:
faz.net 08.04.2009: Auf’s Kondom verzichten?
queer.de 09.04.2009: Aids-Hilfe: Kondom muss nicht immer sein
aidsmap 21.04.2009: German NGO endorses treatment as prevention
thewarning 22.04.2009: L’association allemande Deutsche AIDS Hilfe fait sienne le protocole suisse
POZ 22.04.2009: German AIDS Group Endorses HIV Treatment as Prevention
e-Ilico 27.04.2009: L’association Deutsche AIDS Hilfe fait sienne le protocole suisse sur le traitement anti-VIH en prévention
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HIV-Inzidenzstudie

Wie viele Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit HIV? Bisherige Zahlen basieren auf Schätzungen – mit einer derzeit laufenden Studie will das Robert-Koch-Institut Daten zu frischen HIV-Infektionen sammeln.

Wie viele Menschen infizieren sich jährlich mit HIV? Zwar publiziert das Robert-Koch-Institut jährlich Fragen hierzu, diese basieren jedoch auf Schätzungen.

Gemessen wird bisher, wie viele HIV-Infektionen in einem Jahr neu diagnostiziert werden. Dies sagt jedoch zunächst nichts darüber aus, wann sich die Person mit HIV infiziert hat (sondern nur über den Zeitpunkt des positiven HIV-Tests). Gemessen werden die Neu-Diagnosen, nicht die Neu-Infektionen.
Eine interessante Basis zur Beurteilung der Situation, aber auch für die HIV-Prävention wäre jedoch auch eine bessere Kenntnis des aktuellen Infektionsgeschehens – sprich der Zahl derjenigen Menschen, die sich in einem Zeitraum frisch mit HIV infizieren (HIV-Neuinfektionen). Die  Zahl der HIV-Neudiagnosen pro Zeiteinheit wird als HIV-Inzidenz bezeichnet.

Das Robert-Koch-Institut führt hierzu seit November 2007 eine Studie zur Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infektionen in Deutschland durch. Ziel dieser HIV-Inzidenz-Studie ist insbesondere die „Ermittlung des Anteils frischer (inzidenter) HIV-Infektion unter den neu diagnostizierten HIV-Infektionen über einen Zeitraum von zweimal 12 Monaten in Deutschland“.

Diese HIV-Inzidenz-Studie wird seit dem 1. November 2007 durchgeführt. Sie wird durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Die Laufzeit der Studie beträgt drei Jahre. Der jetzigen HIV-Inzidenz-Studie ging eine Pilotphase voran, die von November 2005 bis Februar 2007 in Berlin stattfand.

Zum Hintergrund der Inzidenzstudie erläutert das RKI:

„Diese Fallmeldungen der neu diagnostizierten HIV-Infektionen spiegeln jedoch nicht die tatsächliche HIV-Inzidenz, also die Anzahl der neu erworbenen Infektionen wieder, sondern sie stellen die Summe aus frischen und länger zurückliegenden, erstmalig diagnostizierten HIV-Infektionen dar. Die Qualität dieser Daten hängt vom Meldeverhalten der Labore und Ärzte ab. Weitere Faktoren, die die Meldedaten beeinflussen können, sind das Angebot von Testmöglichkeiten und die Inanspruchnahme solcher Testangebote. Insbesondere Veränderungen dieser Parameter im Zeitverlauf können die Interpretation der Daten erschweren.

Die Anzahl frisch erworbener Infektionen (inzidenter Fälle) ist ein sehr aktueller Indikator, der auf eine veränderte epidemiologische Situation hinweisen kann und dadurch eine zeitnahe Anpassung von Präventionsprogrammen ermöglicht. Durch Bestimmung der Inzidenz kann z.B. das Übertragungsniveau und dessen Änderung bzw. Dynamik in bestimmten Risiko- oder Altersgruppen erfasst werden.“

Das RKI über die Studie:

„Nach Abschluss einer Pilotphase in Berlin sollen jetzt in der HIV-Inzidenzstudie bundesweit Daten zum Anteil frischer HIV-Infektionen und zu Wissen, Einstellungen, Verhalten und Praktiken bezüglich HIV/AIDS gesammelt werden. Die Datensammlung erfolgt anonym und unverbunden. Die Studie wird in Kooperation mit etwa 90 Laboren sowie Praxen, Kliniken, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen in sechs Regionen in Deutschland durchgeführt.“

Weitere Informationen:
Epidemiologisches Bulletin 47 / 2006: RKI-Pilotstudie zu inzidenten HIV-Infektionen in Berlin
Epidemiologisches Bulletin 1/2008: Zur Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infektionen in Deutschland
Robert-Koch-Institut: HIV-Inzidenzstudie
ondamaris: HIV-Neuinfektionen – Hintergrundinformationen

Rolf Rosenbrock: wie es zur strukturellen Prävention kam (Video)

Während des Seminars „25 Jahre Deutsche Aids-Hilfe“ im Waldschlößchen berichtete Prof. Dr. Rolf Rosenbrock am 13.12.2008 aus den Anfängen der deutschen Aids-Politik, über die Auseinandersetzungen zwischen ‚old‘ und ‚new public health‚, über Debatten und Konzepte zwischen struktureller Prävention, Aids-Enquete-Kommission und Peter Gauweiler.

Rosenbrocks Buch „Aids kann schneller besiegt werden“ vom November 1986 prägte die HIV-Aids-Prävention in Deutschland, es zeichnete die Grundlinien dessen, was kurz darauf offizielle Aids-Politik in der BRD wurde.

Wie kam es dazu, dass sich statt der ‚old public health‘, statt Gauweiler und Co., statt Zwangsmaßnahmen und staatlicher Gängelung ein neues Konzept durchsetzen konnte? Welche Rolle hatte dabei Peter Gauweiler, und welche Rosenbrocks wegweisende Publikation?

[flashvideo file=“wp-content/uploads/Videos/Rosenbrock2008121302.flv“ /]

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Dannecker. (Video 9:42 Min, ca. 35,7 MB)

Sex Pigs – a rough guide to dirty sex

Wie kann Prävention, Förderung sexueller Gesundheit aussehen für schwule Männer, die sich entscheiden, Sex ohne Kondom zu haben? Eine australische Kampagne geht szenenah Wege, Risikominimierung zu ermöglichen.

Die australische Positivengruppe ‚Positive Life New South Wales‘ hat 2007 und 2008 eine Kampagne durchgeführt unter dem Titel ‚Sex Pigs – a rough guide to dirty sex‘.

Sex Pigs - a rough guide to dirty sex (c) positivelife.org.au
Sex Pigs - a rough guide to dirty sex (c) positivelife.org.au

Eine Kampagne, die sich gezielt an schwule HIV-positive Männer wendet, die sich entschieden haben, Sex ohne Kondom zu haben. Sowie an HIV-negative oder ungetestete Männer, die sich in dieser ‚Szene‘ bewegen. Eine Kampagne, die sexuell übertragbare Krankheiten thematisiert, Syphilis, Hepatitis C, sexuelle Gesundheit. Eine Kampagne, die Gruppensex, gang bang, Fisten, Party-Drogen und andere Themen angeht, verständlich, in Alltagssprache. Eine Kampagne für eine Szene, die die Initiatoren als ’sex pig culture‘ bezeichnen.

Kathy Triffit von Positive Life New South Wales erläutert

„I received a directive to develop a prevention campaign for guys who have been described as being into sexually adventurous sex — group sex, fisting, drugs, and so on. Because we’re an organization geared towards HIV-positive people, what we’re doing here is we’re speaking to HIV-positive guys who choose not to use condoms.“

Worum geht es? Erneut Triffit:

„The messages are about sexual health. It’s more serious for an HIV-positive guy to get syphilis, for example — it progresses a lot faster. So there’s a message there around testing for STIs. There are messages there around changing gloves and condoms when you’re moving from partner to partner — from ass to ass, if you want to be graphic. Because there’s not only syphilis, but there’s also sexually transmitted hep C [hepatitis C], which is really starting to emerge as an area that we need to be looking at.“

Die Broschüre wird in Australien gezielt an Orten vertrieben, an denen ‚Sex vor Ort‘ angeboten wird. Ergänzt wird sie um Internet-Informationen, Anzeigen in Szene-Publikationen, aber auch um Einbindungen in Gay Dating Platformen wie gaydar.

Erst jüngst hatte sich die Studie „Wie leben schwule Männer heute?“ u.a. mit der Frage beschäftigt, wie in Deutschland die HIV-Prävention in ‚Kernbereichen sexueller Interaktion‘ verbessert werden kann.

Sex Pigs – a rough guide to dirty sex
eine Kampagne von Positive Life New South Wales
online als pdf hier

Die Kampagne wurde auf der Welt-Aids-Konferenz in Mexico mit einem Poster erläutert (als pdf hier):
Triffitt K. Sex pigs: A rough guide to dirty sex — a new approach to prevention. In: Program and abstracts of the XVII International AIDS Conference; August 3-8, 2008; Mexico City, Mexico. Abstract THPE0347

HIV 2008 – wie wir mit dem Virus leben

‚HIV 2008 – wie wir mit dem Virus leben‘  –  unter diesem Titel informiert ein Sonderheft der Zeitschrift ‚Männer‘, das jetzt gratis zum Download zur Verfügung steht.

„Wir alle leben mit HIV“, betont Peter Rehberg, Chefredakteur von ‚Männer‘, direkt im Editorial des Sonderhefts „HIV 2008 – wie wir mit dem Virus leben“. Warum dieses Sonderheft: „Für Positive ist das Hauptproblem heute nicht unbedingt ihre Gesundheit, sondern vielmehr die Angst davor, diskriminiert zu werden. Aufklärungsarbeit zu HIV und Aids muss für Positive deshalb heißen: Akzeptanz fördern.“ Und weiter „Wie wollen wir miteinander umgehen, beim Sex, davor und danach? Lasst uns darüber reden. Dieses Sonderheft ist ein Versuch,das zu tun.“

In einem breiten Bogen behandelt das 35seitige Heft das Leben mit HIV. So werden unter der Überschrift „HIV heute – 5 Portraits“ Positive und ihre Leben mit HIV vorgestellt. „… leider positiv …“ – ein Mann berichtet darüber, wie er es erlebte, als sein Arzt ihm erzählt, dass er HIV-infiziert ist.

Wie leben Paare, gehen damit um, wenn ein Partner HIV-positiv ist, der/die andere nicht? Vier Paare berichten in „Zärtlichkeit und Arschtritte“ über das Leben in serodiskordanten Beziehungen.
Mit HIV kann man immer älter werden – doch wie lebt es sich im Alter mit HIV? Rentner, Altenheim mit HIV – wie geht das? Und dann noch schwul? „Altes Aids“ erzählt über die Schwierigkeiten als Senior positiv zu sien.

Positiv und Porno? Passt das überhaupt zusammen, und wie? Pornostar Gerrit-Jan Wielenga und Jörg Andreas (Cazzo) erzählen, dass dies sehr wohl zusammen geht, sprechen über Sex, Safer Sex und Bareback im Porno.

Anfang des Jahres 2008 veröffentlichte die Eidgenössische Aids-Kommission ihr Statement („keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs„) . Unter dem Titel „Sprich mit mir“ kommentiert Corinna Gekeler, was das in der Realität für Positive, für Sex bedeuten könnte.

Darüber hinaus bietet das lesenswerte Sonderheft zahlreiche weitere Artikel, von einem Interview mit Bundesgesundheitsministerin Schmidt sowie einem mit Prof. Rita Süssmuth bis zu einem Überblick über verfügbare Medikamente und aktuellen medizinischen Informationen im Interview mit Dr. Arastéh.

Das Sonderheft „HIV 2008 – wie wir mit dem Virus leben“ steht auf den Seiten der Präventionskampagne „ich weiss was ich tukostenlos zum Download (pdf, 5,8 MB) zur Verfügung.

Serophobie – Stigmatisierung von Positiven und ihre Folgen

Diskriminierung von HIV-Positiven ist das größte Hindernis im Kampf gegen Aids – weltweit, aber auch hierzulande. Ob Positiven Rechte vorenthalten werden, unterstützende Maßnahmen unterbleiben oder ‚einfach nur‘ ihr soziales Leben beeinträchtigt wird – Stigmatisierung von HIV-Positiven hat viele Gesichter, und weit reichende Folgen.

In Krankenhäusern und Arztpraxen werden ‚rote Punkte‘ auf die Krankenakten von Positiven geklebt. Zahnärzte verweigern Behandlungen, Personal in Kur-Kliniken macht Behandlungen an Positiven nur mit (gern doppelt oder, ‚zum besseren Schutz‘ dreifachen) Handschuhen.
Kinder fliegen aus ihrem Kindergarten, weil sie oder ihre Mutter, ihr Vater (vermeintlich) HIV-positiv sind. Arbeitskollegen meiden einen als ‚wahrscheinlich aidskrank‘ denunzierten Kollegen. Freunde meiden den früher begehrten Partygänger.
Und von der Stigmatisierung zur Diskriminierung HIV-Positiver ist es nicht weit. Gegen die bisher nur selten Klagen erfolgreich sind, wie jüngst ‚HIV-Positiver erstreitet Entschädigung wegen Diskriminierung‚.

Die Formen alltäglicher Diskriminierung und Stigmatisierung sind vielfältig. So vielfältig, dass die Franzosen ihnen schon (in Anlehnung an den Begriff ‚Homophobie‘) einen Namen gegeben haben: Serophobie.

Und selbst innerhalb schwuler Szenen, die eigentlich seit 25 Jahren vielfältigste Erfahrungen mit HIV und Aids sowie im Umgang mit Menschen mit HIV und Aids gemacht haben können, scheinen Stigmatisierung und Diskriminierung allgegenwärtig. „Bin gesund und erwarte das auch von dir“ – so oder ähnlich liest Mann häufig in Profilen auf schwulen Internet-Dating-Sites. Positive werden, sobald sie (wie es Präventionisten von ihnen erwarten) ihren HIV-Status offen legen, zwar als Gesprächs- nicht mehr aber als Sex-Partner gesehen (‚ja, wenn er das nicht gesagt hätte …‘). Oder man hört immer wieder jene einseitig Schuld zuweisende Formulierung ‚der ist doch selbst schuld, dass der sich infiziert hat‘.
Ausgrenzende und stigmatisierende Verhaltensweisen und Äußerungen gegenüber Menschen mit HIV sind besonders auch in Schwulenszenen häufig anzutreffen.

Einige Internetangebote zeigen Wege auf, mit der Stigmatisierung von HIV-Positiven umzugehen. Hier zwei Beispiele:

Avert.org erklärt kurz HIV- und Aids-bezogene Stigmatisierung (avert.org/aidsstigma) und versucht die Auswirkungen von Stigmatisierungen zu skizzieren (lesenswerte Literaturliste).

The People Living with HIV Stigma Index‚ (www.stigmaindex.org) versucht, Trends und Veränderungen in Bezug auf Stigma und Diskriminierung von HIV-Positiven abzubilden. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Menschen mit HIV und Aids – HIV-Positive werden interviewt, sind aber auch die Interviewer, und bestimmen mit, wie Informationen gesammelt, ausgewertet und benutzt werden. Die Arbeit an dem Index wurde 2008 begonnen; erste Ergebnisse sollen Ende 2008 oder Anfang 2009 online auf www.stigmaindex.org verfügbar sein.
Stigmaindex wird gemeinsam entwickelt von GNP+ (Global Network of People Living with HIV) und ICW (International Community of Women Living with HIV),  sowie der International Planned Parenthood Federation (IPPF) in Zusammenarbeit mit UNAIDS, unterstützt durch eine zweijähriger Förderung des britischen UK Department for International Development.

Explizit mit Stigmatisierung von HIV-Positiven innerhalb schwuler Szenen beschäftigt sich die Site HIV-Stigma. Sie widmet sich gezielt der Situation von HIV-Positiven in Ontario, besonders der schwulen Positiven unter ihnen.
Die Site bietet eine Vielzahl praktischer Beispiele, wie Stigmatisierung von schwulen HIV-Positiven geschieht – und zahlreiche Anregungen, wie mit Situationen anders umgegangen werden kann. Dazu zahlreiche personalisierte Beispiele, zusammen mit Blogs und Diskussionsforen. Dazu mit ‚explicit truth‘ ein kleines Online-Spiel, mit dem jeder selbst seine Haltung und sein Wissen zu zahlreichen Stigma- und Präventions-relevanten Fragen erfahren kann (je mehr korrekte Antworten, desto ‚enthüllender‘ …).

Gegen Stigmatisierung und Verstecken des HIV-Status vorzugehen, ist auch eine Frage an HIV-Positive heute. „Indeed many of us have assimilated our HIV into our everyday lives to such an extent, that HIV is more invisible today in the gay community with over 30,000 gay men living with HIV than it was a decade ago with less than 15,000 gay men diagnosed with HIV. And therein lies the problem“, betonte anlässlich des Londoner CSDs Paul Ward in ‚Positive Nation‘.

Und warum überhaupt gegen Stgmatisierung vorgehen? Kann man nicht einfach alles so lassen, wie es ist?
„HIV stigma sucks! It makes it harder for guys with HIV to disclose. It prevents some guys from getting tested. Odds are, if you enjoy casual sex with guys with HIV. And that’s okay. You just need to play safe.“ (hivstigma.com)

Stigatisierung: „Stigmatisierung bezeichnet einen Prozess, in dessen Verlauf innerhalb einer Gesellschaft bestimmte äußere Merkmale von Personen und Gruppen, zum Beispiel farbige Haut oder eine sichtbare Behinderung (behindert), mit negativen Bewertungen belegt und die Betroffenen, als „die Farbigen“, oder „die Körperbehinderten“ in eine Randgruppenposition gedrängt werden. Stigmatisierte Personen werden somit bei gesellschaftlichen Interaktionen primär über dieses negativ konnotierte Merkmal wahrgenommen … Ein stigmatisierter Mensch ist diesem Prozess meistens hilflos ausgeliefert und wird die ihm zugeschriebene negative Bewertung im Normalfall allmählich verinnerlichen. Dies hat zur Folge, dass der Betroffene sich selbst als defizitär erlebt und sich zum Beispiel bemüht, das negativ bewertete Merkmal geheimzuhalten.“ (Definition: Uni Hamburg, Institut für Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser)

Das Thema Stigmatisierung von Positiven findet in der Diskussion hierzulande bisher viel zu wenig Beachtung. Dass Menschen allein aufgrund einer Erkrankung diskriminiert, benachteiligt, ausgegrenzt werden, ist zwar gesellschaftlich keine neue Erfahrung – aber dies kann kein Grund sein, nicht dagegen vorzugehen. Und zwar nicht nur, weil Stigmatsierung von HIV-Positiven die Aids-Prävention erschwert. Sondern weil es darum geht, wie wir zusammen leben wollen, in dieser Gesellschaft, in unseren Szenen.

‚Serophobie‘ – die Idee, der Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-Positiven einen eingängigen Namen à la Homophobie zu geben, leuchtet sofort ein. Leider ist die Silbe ’sero-‚ hierzulande wenig bekannt, schon weil kaum jemand vom ‚Sero-Status‘ (dem eigenen HIV-Status) spricht.
Sollte ein Leser, eine Leserin Vorschläge für einen eingängigen deutschen Begriff haben? Hinweise, Ideen, Kommentare bitte!

Nebenbei, bei so manchem Internetangebot fragt sich der Betrachter – wenn das im Ausland geht, warum tun sich deutsche Bürokraten (und nicht nur die) so drmasßne schwer mit eindeutigen und éin wenig ’sexuelleren‘ Botschaften und Informationen?

HIV-Neuinfektionen – Hintergrund-Informationen

Im Vorfeld des alljährlichen Welt-Aids-Tags am 1. Dezember werden demnächst wieder die Zahlen zu den HIV-Neudiagnosen in die Diskussion geraten. Was steckt hinter diesen Zahlen? Wie kommen sie zustande, und was sagen sie aus? Einige Hintergrund-Informationen …

HIV-Neudiagnosen

HIV-positive Testergebnisse müssen in Deutschland von Laboren und Ärzten pseudonymisiert an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden (Meldung gemäß §7(3) Infektionsschutzgesetz). Anhand der Pseudonymisierung werden Doppel-Meldungen (z.B. Labor und Arzt melden den gleichen Patienten an das RKI) weitgehend bereinigt.
Dies bedeutet: die Zahl der HIV-Neudiagnosen wird gezählt!

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen wird vom RKI regelmäßig publiziert im ‚Epidemiologischen Bulletin‘ (z.B. der Jahresbericht ‚HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland‘ 2007 im Epidemiologischen Bulletin Sonderausgabe A / 2008, 2. Mai 2008).

HIV-Infektion und HIV-Diagnose können zeitlich weit auseinander liegen. Aus diesem Grund erlaubt die Zahl der HIV-Neudiagnosen keinen direkten Rückschluss auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Zudem wird die Zahl der HIV-Neudiagnosen z.B. beeinflusst von Faktoren wie das Meldeverhalten der Ärzte oder Angebot und Inanspruchnahme von HIV-Tests (ein massives Bewerben des HIV-Tests in Schwulenszenen einiger Städte führt z.B. fast ’natürlich‘ auch zu einem Anstieg der Tests und damit der Neudiagnosen).

Für Deutschland wurden dem RKI für das Jahr 2007 (Stand 01.03.2008) 2.752 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet (für 2006: 2.643; Zunahme 2007 zu 2006: 4%). Die Zahl der HIV-Neudiagnosen publiziert das RKI im April (gesamt Vorjahr). Der bisher jeweils im Oktober vorgelegte Halbjahresbericht entfällt seit diesem Jahr; allerdings wird das RKI auch dieses jahr wieder ein Welt-Aids-Tag – Bulletin veröffentlichen  (im November; siehe ‚HIV-Neuinfektionen‘).

Im Gegensatz zu HIV-positiven Testergebnissen (pseudonymisierte Meldepflicht) wird die Zahl der Aids-Erkrankungen und Aids-Todesfälle nur freiwillig weitergegeben und vom RKI in einem zentralen Fallregister ausgewertet.

Bei weitem nicht alle Staaten weltweit zählen ihre HIV-Neudiagnosen. Aus diesem Grund werden von internationalen Organisationen wie UNAIDS (der Aids-Organisation der Vereinten Nationen) oftmals keine Daten zu HIV-Neudiagnosen veröffentlicht.

HIV-Neuinfektionen

Das eigentliche Ziel der Überwachung von Infektionskrankheiten ist weniger das Zählen neuer Diagnosen, als das Erkennen aktueller Entwicklungen. Das aktuelle Infektionsgeschehen spiegeln die Zahlen der HIV-Neudiagnosen aus verschiedenen Gründen (s.o.) jedoch nicht direkt wieder.
Da es für die Zahl der HIV-Neuinfektionen keine Zahlen gibt (geben kann), kann diese nur geschätzt werden. Das RKI schreibt selbst hierzu: „Die Bestimmung der Anzahl der HIV-Neuinfektionen pro Zeiteinheit (HIV-Inzidenz) ist methodisch schwierig und aufwändig.“
Dies bedeutet: die Zahl der HIV-Neuinfektionen wird geschätzt!

Anlässlich des Welt-Aids-Tags 2007 berichtete das RKI im November 2007 über Stand und Entwicklung der HIV-Infektion in Deutschland und schätzte damals die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland für das Jahr 2007 auf „etwa 3.000“ (Epidemiologisches Bulletin Nr. 47/2007).
Die Schätzung der HIV-Neuinfektionen 2008 wird das RKI etwa Ende November 2008 veröffentlichen.

HIV-Prävalenz

Die HIV-Prävalenz gibt die Gesamtzahl der lebenden HIV-Infizierten an.
Mitte der 1990er Jahre hatte sich in Sachen HIV-Prävalenz eine Art ‚Gleichgewichtszustand‘ etablierte: die Zahl der Aids-Neumanifestationen und -Todesfälle hielt sich in etwa die Waage mit der Zahl der HIV-Neuinfektionen. Die Einführung hochwirksamer Therapien beendete dieses ‚Gleichgewicht‘. Die Zahl der Aids-Neumanifestationen und -Todesfälle sinkt; seit etwa 2000 steigt zudem die Zahl der HIV-Neuinfektionen. Dies führt im Ergebnis dazu, dass seit 1995 die Zahl der mit HIV lebenden Menschen in Deutschland langsam zunimmt. Für Ende 2007 schätzt das RKI die Zahl der in Deutschland lebenden HIV-Positiven auf „um 59.000“ (Epidemiolog. Bulletin Nr. 47/2007, s.o.). Die Schätzung für 2008 wird etwa Ende November 2008 veröffentlicht werden.
Diese Schätzung beinhaltet auch die so genannte ‚Dunkelziffer‘ (diejenigen Menschen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen).

HIV-Inzidenz

Die HIV-Inzidenz gibt die Zahl der HIV-Neudiagnosen pro Zeiteinheit an (s.o.).

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Nachtrag
03.12.2008: Bei den Daten zur HIV-Prävalenz ist zu beachten, dass diese nicht direkt zwischen den Jahren vergleichbar sind. Das Robert-Koch-Institut hat die Zahl der HIV-Infektionen in den 1990er Jahren im Jahr 2008 neu berechnet und nachkorrigiert. Dadurch wurden die Zahlen nach oben korrigiert – diese erhöhten Zahlen sind in die Zahlen zur Prävalenz 2008 mit eingeflossen. Aus diesem Grund fällt die Prävalenz 2008 höher aus als die Prävalenz 2007.

rätselhafter Sex – Lösungen 3

Frage 7:

Aufgrund der heutigen Behandlungmöglichkeiten einer HIV-Infektion sind Lebensqualität und Lebenserwartung gegenüber früher erheblich gestiegen.

Antwortmöglichkeiten

1. stimmt nicht, das behaupten höchstens die Pharmafirmen
2. stimmt, deshalb ist es sinnvoll, sich regelmäßig auf HIV hin testen zu lassen, um den Schaden einer möglichen Infektion zu begrenzen (etwa alle 2 Jahre)
3. stimmt, aber man muss das geheimhalten, weil sich die Leute sonst nicht mehr schützen

Richtig ist Antwort 2.
Die Möglichkeiten mit Hilfe von Medikamenten die Vermehrung von HIV im Körper zu blockieren, haben sich in den letzten 20 Jahren enorm verbessert. Vor allem seit 1996 kann aufgrund der Entwicklung verschiedenartiger Wirkstoffe und -mechanismen besser auf die Bildung von Resistenzen reagiert werden.
Auch die Möglichkeiten der Behandlung von Folgeerkrankungen einer HIV-Infektion haben sich verbessert, gegen manche gibt es vorbeugende Mittel.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist aber die möglichst frühe Entdeckung einer Infektion. Diese erlaubt es, den individuellen Verlauf der HIV-Infektion zu beobachten und entsprechend mit dem Einsatz von Medikamenten darauf zu reagieren. Leider wird HIV bei etwa einem Viertel der Infizierten erst zu einem Zeitpunkt festgestellt, zu dem die Behandlung nicht mehr optimal eingesetzt werden kann. Bei einem Teil der Menschen, die an den Folgen einer HIV-Infektion sterben, wurde HIV zu spät entdeckt.
Die Befürchtung, dass die Kenntnis der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten dazu führt, dass sich die Leute weniger oder überhaupt nicht mehr schützen, ist weit verbreitet. Dass dem nicht so ist, wird in einer neueren Studie belegt(Bochow et al. 2007: Lebensstile, Szene, Sex, AIDS.Kurzfassung der Befragungsergebnisse 2007 im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)

Worauf wollen wir mir dieser Karte hinweisen ?
Die Vorstellung, dass man bei HIV medizinisch kaum was machen kann und der Tod ins Haus steht, ist immer noch weit verbreitet. Bei Leuten, die den HIV-Test meiden, kann neben anderen Gründen auch diese überholte Vorstellung eine Rolle spielen.
Wir klären über die Bedeutung des HIV-Tests für eure Gesundheit auf, damit so wenig Leute wie möglich zu spät von ihrer Ansteckung erfahren. Selbstverständlich setzen wir uns auch weiter dafür ein, dass niemand zum Test gezwungen wird, wir empfehlen dir aber:

Lass dich regelmäßig auf HIV hin testen, am besten alle 2 Jahre

Weil sich mit Safer Sex eine Ansteckung mit HIV nicht völlig ausschließen lässt, solltest du den Test auch dann regelmäßig durchführen, wenn du dich schützt und immer Kondome benutzt.
Manche Leute, die positiv getestet wurden, stellen sich weitreichende Fragen über ihre Zukunft und Lebensplanung, z.B. ob es noch sinnvoll ist, die Ausbildung abzuschließen oder für das Alter vorzusorgen.
Natürlich können auch wir nicht in die Zukunft sehen. Das Risiko krank zu werden sowie die Einschränkung von Lebensqualität und Lebenserwartung bestehen auch heute noch. Trotzdem geht die Forschung ja weiter und es spricht vieles dafür, sich trotz HIV nicht von seinen Plänen abhalten zu lassen.
Dass das nicht immer leicht fällt und Zeit braucht, ist uns klar.

Frage 8:

Ein erheblicher Anteil der Ansteckungen mit HIV geschieht bei Männern, die Sex mit Männern haben, während sie sich in einer Beziehung befinden. Bei jüngeren Männern dürfte dieser Anteil noch höher liegen.

Antwortmöglichkeiten:

1. falsch, in Beziehungen ist man doch weitgehend sicher
2. stimmt, häufig wird irgendwann auf das Kondom verzichtet, ohne dass sich beide vorher haben testen lassen
3. stimmt, viele glauben, man muss sich nur bei wechselnden Partnern schützen, vor allem bei Leuten, die man nicht gut kennt

Richtig sind Antworten 2 und 3.
Der hohe Anteil von Infektionen zeigt, dass die Beziehung letztlich keinen sicheren Schutzraum für HIV darstellt. Es gibt aber Möglichkeiten, ihn etwas sicherer zu machen.
Wenn du das Risiko von Ansteckungen gering halten willst, solltest du dich zu Beginn genau so schützen wie bei flüchtigem oder anonymem Sex auch.
In den meisten Beziehungen entsteht aber früher oder später der Wunsch nach ungeschütztem Sex. Wenn also auf Kondome verzichtet werden soll, empfiehlt es sich, dass ihr euch beide testen lasst, und das erst dann tut, wenn jeder zuvor 3 Monate lang keine Situation hatte, bei der eine Ansteckung mit HIV möglich war.
Ihr solltet am besten auch klären, wie ihr mit sexuellen Kontakten außerhalb der Beziehung umgehen wollt, auch wenn das gerade in der Phase des Frischverliebtseins schwierig ist.
Eine Möglichkeit wäre die Absprache, außerhalb der Beziehung grundsätzlich Kondome zu benutzen und dem Partner unbedingt zu erzählen, wenn das mal nicht geklappt hat, um dann erstmal wieder auf Kondome zurückzugreifen – manchmal ist auch das nicht einfach.
Wenn ihr euch stattdessen auf sexuelle Treue verständigt, solltet ihr darüber im Gespräch bleiben. Manche Paare halten das tatsächlich durch. Häufig entsteht aber irgendwann der Wunsch, auch wieder Sex mit anderen zu haben, ohne dass die Beziehung dadurch in Frage gestellt wird. Das als erster anzusprechen und es nicht einfach heimlich zu tun, fällt nicht leicht, es kann aber gut sein, dass du bei deinem Partner damit auf offene Türen triffst und er bloß den Anfang nicht machen wollte.

Frage 9:

Wenn man den Partner gut kennt, kann man auch mal auf das Kondom verzichten.

Antwortmöglichkeiten:

1. stimmt, wirklich riskant ist doch nur der anonyme Sex in Saunen, Parks und Darkrooms, vor allem in den Großstädten.
2. stimmt nicht, „gut kennen“ bedeutet im Hinblick auf HIV so gut wie gar nichts. Kondome bieten einen guten Schutz gegen HIV, egal an welchem Ort und mit welchem Partner.
3. HIV wird nur übertragen, wenn keine Liebe im Spiel ist.

Richtig ist Antwort 2.
Tatsächlich ist in den Großstädten Deutschlands HIV stärker verbreitet als in Kleinstädten und auf dem Land (vgl. Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts, zuletzt Sonderausgabe A 2008, Tabelle 4).
Darüber, wo sich die Ansteckungen ereignen, sagt das jedoch nur bedingt etwas aus.
Denn zum Teil liegt das auch daran, dass Menschen, die sich auf dem Land mit HIV angesteckt haben, in die Metropolen ziehen, sei es wegen der größeren Anonymität, wegen der besseren Aussichten Partner zu finden, oder auch wegen der besseren medizinischen Infrastruktur.
Letztlich ist HIV in Deutschland bei Männern, die Sex mit Männern haben, zu stark verbreitet und dabei auch unabhängig von Szenen zu gleichmäßig verteilt, als dass sich daraus irgend ein sicheres Reservat ableiten ließe, in dem man ohne nennenswertes Risiko auf Kondome verzichten könnte.

Wozu diese Karte ?
Sich konsequent vor HIV zu schützen, jedesmal, bei jedem Partner, in jeder Situation, ohne jegliche Ausnahme ein Leben lang Kondome benutzen zu müssen, ist für viele von uns nicht realistisch.
Von daher ist es nur allzu verständlich, dass wir eigene Vorstellungen darüber entwickeln, an welchen Orten, bei welchen Partnern und in welchen Situationen eher von einem Risiko auszugehen ist und wo und bei wem wir glauben, uns sicherer fühlen zu können.
Oft spielt dabei eine Rolle, welchen „Lebenswandel“ man einem möglichen (Sex)Partner unterstellt, Aids verbinden wir häufig mit inneren Bildern, die von bestimmten Wertvorstellungen oder einer Sexualmoral gezeichnet sind und die einer realistischen Einschätzung eher im Wege stehen.
Um von anderen nicht als riskanter Partner eingestuft zu werden, geben sich manche von uns nach außen hin als wählerisch , monogam oder risikobewusst, auch wenn das selbstkritisch betrachtet gar nicht zutrifft.
Umgekehrt ziehen wir bei neuen Partnern Rückschlüsse aus den Eindrücken, die wir bekommen, wie sie sich geben, was sie von sich erzählen oder wir bauen auf das Urteil anderer. Dabei neigen wir vielleicht auch dazu, uns von Wunschdenken leiten zu lassen, z.B. wenn wir verliebt sind.
So verständlich das alles sein mag: Die Frage des Lebenswandels kann man knicken!
Der Partner, der den Ruf einer ‚Schlampe‘ hat, kann durchaus auch gerade der sein, der sich schützt, anders als der ‚Brave‘, der vielleicht meint auf Schutz verzichten zu können, weil er so brav ist.
Entscheidend für das Risiko sind nicht die Orte und nicht die Partner mit denen man Sex hat, und auch die Gefühlslage wie Verliebtsein hat auf das Risiko keinen günstigen Einfluss. Daher die Antwort b) : „gut kennen“ bedeutet im Hinblick auf HIV so gut wie gar nichts. Kondome bieten einen guten Schutz gegen HIV, egal an welchem Ort und mit welchem Partner.

Die kleine Rätsel-Runde ist damit vorerst zuende.
Die Aktion ist entstanden als ‚Rubbelkarten-Aktion‘ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008. Vielen Dank nochmals an den Landesverband Aids-Hilfe Hessen für die Erlaubnis, die Aktion zu übernehmen!

Kampagnenstart ‚ich weiss, was ich tu!‘ – Foto-Impressionen

rätselhafter Sex #9

Der letzte Teil der kleinen Sex-Rätsel-Serie ist ein wenig anonym …

Frage

Wenn man den Partner gut kennt, kann man auch mal auf das Kondom verzichten.

Antworten

1. stimmt, wirklich riskant ist doch nur der anonyme Sex in Saunen, Parks und Darkrooms, vor allem in den Großstädten.
2. stimmt nicht, „gut kennen“ bedeutet im Hinblick auf HIV so gut wie gar nichts. Kondome bieten einen guten Schutz gegen HIV, egal an welchem Ort und mit welchem Partner.
3. HIV wird nur übertragen, wenn keine Liebe im Spiel ist.

Die Lösung(en) gibt’s morgen hier … und bis dahin darf gern gerätselt werden … privat oder hier in den Kommentaren …

Die Aktion ist entstanden als ‘Rubbelkarten-Aktion’ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008.

rätselhafter Sex #8

Das Ende der kleinen Rätsel-Serie naht … heute zunächst geht’s noch um Beziehungen:

Frage

Ein erheblicher Anteil der Ansteckungen mit HIV geschieht bei Männern, die Sex mit Männern haben, während sie sich in einer Beziehung befinden. Bei jüngeren Männern dürfte dieser Anteil noch höher liegen.

Antworten

1. falsch, in Beziehungen ist man doch weitgehend sicher
2. stimmt, häufig wird irgendwann auf das Kondom verzichtet, ohne dass sich beide vorher haben testen lassen
3. stimmt, viele glauben, man muss sich nur bei wechselnden Partnern schützen, vor allem bei Leuten, die man nicht gut kennt

Die Lösung(en) gibt’s demnächst hier … und bis dahin darf gern gerätselt werden … privat oder hier in den Kommentaren …

Die Aktion ist entstanden als ‘Rubbelkarten-Aktion’ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008.

rätselhafter Sex – Lösungen 2

Frage 4:

Hepatitis C ist bei Männern, die Sex mit Männern haben, in der letzten Zeit häufiger festgestellt worden. Hep C ist oft nicht gut therapierbar und kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Was kann man dagegen tun?

Antwortmöglichkeiten

1. Beim Analverkehr schützen Kondome, beim Fisten Gummihandschuhe (bei mehr als einem Partner: jedesmal ein neues Kondom bzw. Handschuh)
2. Wie bei Hepatitis A und B gibt es eine Impfung.
3. Beim Sniefen, etwa von Kokain, immer nur das eigene Röhrchen verwenden (benutze immer nur eigene Tools und Toys).

Richtig sind Antworten 1 und 3.

Das Hepatitis C – Virus (HCV) ist vor allem über geringste Mengen Blut sehr leicht übertragbar, anders als Hepatitis A und B gilt Hepatitis C aber nicht als typische sexuell übertragbare Infektion. Eine Impfung gegen Hepatitis C gibt es nicht.
Die Übertragung beim Sex geschieht am ehesten dann, wenn benutzte Gegenstände
(z.B. Dildos) nach Blut- oder Schleimhautkontakt an einen weiteren oder mehrere Partner weitergegeben oder (auch Kondome, Handschuhe) weiterverwendet werden.
Eine Übertragung von HCV ist auch über das gemeinsame Benutzen eines Gleitmitteltopfs vorstellbar.
Beim Konsum von Drogen wird HCV vor allem beim Benutzen von gebrauchten Spritzutensilien sowie von gebrauchten Röhrchen (Sniefen) weitergegeben.
HCV ist sehr widerstandsfähig, von daher reicht einfaches Waschen gebrauchter Gegenstände zur Reinigung nicht aus. Dildos sollten nach dem Gebrauch mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden. Kondome, Gummihandschuhe sowie Spritzbesteck und Röhrchen sollten grundsätzlich nicht wiederbenutzt werden.

Frage 5:

Bei gerissenem Kondom oder ungeschütztem Analverkehr kann die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit HIV eventuell verringert werden durch:

Antwortmöglichkeiten:

1. Für den Gefickten: keine Darmspülungen, kein weiterer Analsex!
2. Für den Aktiven: Sobald wieder möglich: pinkeln, Schwanz behutsam mit (Flüssig)Seife waschen.
3. Unter bestimmten Umständen kommt auch die sog. „PEP“ in Frage, das ist eine medikamentöse Behandlung im Nachhinein. Informier Dich mal darüber !

Richtig sind Antworten 1, 2 und 3.

Eine Ansteckung mit HIV ist beim Analverkehr für beide Partner möglich
– wenn das Kondom gerissen ist, vor allem, wenn dies nicht bemerkt und im Körper abgespritzt wurde
– wenn das Kondom beim Rausziehen abgerutscht und im Körper geblieben ist
– wenn das Kondom nicht während des gesamten Verkehrs oder gar nicht benutzt wurde

Alle drei als Antwort angeboten Tipps stellen Möglichkeiten dar, das Risiko einer Ansteckung zu verringern, ausschließen lässt sich die Möglichkeit einer Ansteckung dadurch jedoch nicht. Dies gilt auch für den aktiven Partner.

zu a) Auch wenn du den Impuls hast, etwas zu unternehmen, solltest du deine Darmschleimhaut unbedingt in Ruhe lassen. Durch Einläufe/Spülungen würdest du im ungünstigen Fall die Schleimhäute reizen oder verletzen und das Risiko einer Infektion dadurch erhöhen. Das gilt übrigens nicht nur für ‚danach‘, auch vor dem Sex solltest du aus dem selben Grund auf Darmspülungen u.ä. verzichten.

zu b) Auch als Aktiver besteht für dich die Möglichkeit einer Ansteckung mit HIV, weil sich auch am Schwanz Zellen befinden, in die HIV eindringen kann (in der Harnröhre, auf der Innenseite der Vorhaut und am ‚Bändchen‘)*. Auch die Übernahme infizierter Zellen ist bei Schleimhautkontakt möglich. Beim Tipp, deinen Schwanz hinterher zu waschen, solltest du dies vorsichtig tun und nicht wie bei unserem Kärtchen rubbeln.

zu c) Die HIV-Postexpositionsprophylaxe (kurz:PEP) ist ein Behandlungsversuch mit Medikamenten zur Verhinderung einer Ansteckung mit HIV. Wichtig ist, dass man damit so schnell wie möglich beginnt, am besten innerhalb von 2 Stunden (spätestens 72 Stunden nach der Risikosituation).
Daher ist es sinnvoll, eine der Notfallambulanzen aufzusuchen, die die PEP anbieten. Erkundige dich am besten, wo du dich im Notfall in deiner Region hinwenden könntest. Die AIDS-Hilfe in deiner Nähe kann dir Auskunft geben.
Wenn dein (Sex)Partner bereits Medikamente gegen HIV nimmt, solltet ihr dann möglichst alle Unterlagen darüber mitbringen.
Ob eine PEP in deinem Fall überhaupt sinnvoll ist, wird dann im Gespräch mit dem Arzt geklärt.
Zweifelhaft ist dies vor allem dann, wenn nicht sicher ist, ob dein Sexpartner überhaupt positiv ist oder wenn es sich dabei um keine Ausnahmesituation handelt:

Die PEP kann Safer Sex nicht ersetzen, sie ist eine Notlösung für Ausnahmesituationen.

Bei gerissenem oder abgerutschtem Kondom: Woran könnte dies gelegen haben ?
Kondome können zwar auch bei richtiger Anwendung reißen, meist wurde aber irgendetwas nicht beachtet. Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen, woran es gelegen haben könnte, um den Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Tipp: Benutze vor allem immer ausreichend wasserlösliches Gleitmittel.

Tipps, um zu vermeiden, dass ein Kondom während des Verkehrs oder nach dem Abspritzen abrutscht:
– Wenn der Schwanz beim Stellungswechsel oder mittendrin schlaff wird, brich am besten ab und warte bis er wieder steht. Nimm ggf. ein neues Kondom.
-Wenn du gekommen bist, zieh den Schwanz raus, solange er noch steif ist, halte dabei am besten das Kondom am Ring fest.
-Wenn sich das Kondom als zu weit herausstellt, probier mal ne andere Marke aus, Kondome gibt es inzwischen auch in verschiedenen Größen.

Frage 6:

Was kann ich aus einem negativen HIV-Testergebnis schließen?

Antwortmöglichkeiten:

1. was ich beim Sex in der Vergangenheit gemacht habe war safe
2. mein Freund ist mir treu
3. bis 3 Monate vor der Blutentnahme habe ich mich nicht mit HIV angesteckt

Richtig ist Antwort 3.
Man kann sich zwar bei einem einzigen riskanten Sex-Kontakt, mit einem Partner, der HIV-Positiv ist, mit HIV anstecken (one wrong fuck), aber es kommt nicht zwangsläufig zu einer Übertragung von HIV. Die Wahrscheinlichkeit ist bei einem Kontakt sogar eher gering, sie steigt entsprechend aber mit der Häufigkeit solcher Ereignisse.
Der HIV-Test liefert kein aktuelles Ergebnis. Sicher lässt sich bei einem negativen Test nur sagen, dass man sich bis 3 Monate vor der Blutentnahme nicht angesteckt hat.

Worauf wollen wir mir dieser Karte hinweisen ?
Das eigene negative HIV-Testergebnis bietet dir für die Zukunft keinerlei Schutz.
Ein negatives HIV-Testergebnis heißt auch nicht, dass du kein Risiko hattest oder dass die bisherigen (Sex)Partner kein HIV gehabt haben können. Das gilt auch für deinen aktuellen Partner, falls du gerade in einer Beziehung lebst.

Es kann gut sein, dass du in der Vergangenheit bisher immer Glück gehabt hast.

Wenn in Beziehungen auf Kondome verzichtet werden soll, empfiehlt es sich, dass beide Partner sich testen lassen, nachdem jeder 3 Monate lang keine Situation hatte, bei der eine Ansteckung mit HIV möglich war.
Der Umgang mit sexuellen Kontakten außerhalb der Beziehung sollte geklärt werden.

rätselhafter Sex #7

Alles nur Werbung? Darum geht’s in Folge 7 des Sex-Rätsels …

Frage

Aufgrund der heutigen Behandlungmöglichkeiten einer HIV-Infektion sind Lebensqualität und Lebenserwartung gegenüber früher erheblich gestiegen.

Antworten

1. stimmt nicht, das behaupten höchstens die Pharmafirmen
2. stimmt, deshalb ist es sinnvoll, sich regelmäßig auf HIV hin testen zu lassen, um den Schaden einer möglichen Infektion zu begrenzen (etwa alle 2 Jahre)
3. stimmt, aber man muss das geheimhalten, weil sich die Leute sonst nicht mehr schützen

Die Lösung(en) gibt’s demnächst hier … und bis dahin darf gern gerätselt werden … privat oder hier in den Kommentaren …

Die Aktion ist entstanden als ‘Rubbelkarten-Aktion’ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008.

rätselhafter Sex #6

Frage 6 der kleinen Rätsel-Reihe ist ein wenig negativ …

Frage

Was kann ich aus einem negativen HIV-Testergebnis schließen?

Antworten

1. was ich beim Sex in der Vergangenheit gemacht habe war safe
2. mein Freund ist mir treu
3. bis 3 Monate vor der Blutentnahme habe ich mich nicht mit HIV angesteckt

Die Lösung(en) gibt’s demnächst hier … und bis dahin darf gern gerätselt werden … privat oder hier in den Kommentaren …

Die Aktion ist entstanden als ‘Rubbelkarten-Aktion’ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008.

rätselhafter Sex #5

Heute eine gerissenere Folge des kleine Rätsels ;-).

Frage

Bei gerissenem Kondom oder ungeschütztem Analverkehr kann die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit HIV eventuell verringert werden durch:

Antworten

1. Für den Gefickten: keine Darmspülungen, kein weiterer Analsex!
2. Für den Aktiven: Sobald wieder möglich: pinkeln, Schwanz behutsam mit (Flüssig)Seife waschen.
3. Unter bestimmten Umständen kommt auch die sog. „PEP“ in Frage, das ist eine medikamentöse Behandlung im Nachhinein. Informier Dich mal darüber !

Die Lösung(en) gibt’s demnächst hier … und bis dahin darf gern gerätselt werden … privat oder hier in den Kommentaren …

Die Aktion ist entstanden als ‘Rubbelkarten-Aktion’ der hessischen Aidshilfen anlässlich der CSDs in Frankfurt und Kassel 2008.

rätselhafter Sex – Lösungen 1

Hast du’s gewusst?
Zu Beginn des Wochenendes heute die Auflösung der ersten drei Fragen des kleinen Sex-Rätselns:

Frage 1:

David hat Sex mit einem Mann, Helmut hat Sex mit einer Frau.
Ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Partner/eine Partnerin mit HIV zu treffen für beide gleich hoch?

Antwort-Möglichkeiten:
1. Die Wahrscheinlichkeit ist für David und Helmut gleich hoch.
2. Die Wahrscheinlichkeit ist für David doppelt so hoch.
3. Die Wahrscheinlichkeit ist für David einige hundert Mal so hoch.

Richtig ist Antwort 3.

In Deutschland haben ca. 60.000 Menschen eine Infektion mit HIV. Etwa 2/3 davon sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), dies ist auch bei den geschätzten Neuansteckungen der Fall. Anders ausgedrückt: Die Verbreitung von HIV liegt in Deutschland bei MSM etwa bei 5%, in der Allgemeinbevölkerung (Frauen und Männer) bei etwa 0,02 %. Dass in Deutschland MSM in besonders hohem Maße von HIV betroffen sind, stellt keine neuere Entwicklung dar, sondern war mit leichten Schwankungen von Anfang an so.

Die Hauptursache dafür liegt in diesem Phänomen selbst begründet: Obwohl MSM sich in einem erheblich höheren Maße vor HIV schützen, gleicht dies die höhere Wahrscheinlichkeit, auf einen Partner mit HIV zu treffen, nicht aus.

Noch eine schlechte Nachricht:
Nicht nur HIV, sondern auch andere sexuell übertragbare Infektionen (Hepatitis A und B, Syphilis) sind bei Männern, die Sex mit Männern haben, deutlich stärker verbreitet als in der übrigen Bevölkerung.

Weshalb haben wir die Frage gestellt ?
Wir bekommen in unserer Arbeit immer wieder Aussagen wie diese zu hören: „Aids, das kann doch jeder kriegen, das betrifft doch alle. Aids als ne Schwulenkrankheit hinzustellen ist Diskriminierung, das hat vielleicht früher mal gestimmt.“

Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass Menschen mit HIV ihre Infektion oftmals selbst in ihrem engeren Umfeld geheim halten und dies den Eindruck verstärkt, dass es so viele gar nicht sein können. Das kann dann dazu führen, dass Aids auch innerhalb der MSM-Lebenswelten auf einem niedrigen Level wahrgenommen wird – vergleichbar dem der übrigen Bevölkerung.

Die vergleichsweise hohe Verbreitung von HIV unter MSM sorgt aber für eine erheblich höhere Wahrscheinlichkeit, dass ein ungeschützter Sexkontakt unter Männern auch mit einem Ansteckungsrisiko verbunden ist.
Das ist leider so und stellt keine Hetze gegen Schwule dar.

Wer sich hinter „Aids kann jeder kriegen“ versteckt, macht sich was vor. Toll wär’s, wenn ihr das auch weitergeben würdet, falls ihr mal wieder was Gegenteiliges zu hören bekommt.

Frage 2:

Ein großer Teil der Ansteckungen mit HIV geschieht, wenn der Sex-Partner sich vor kurzem selbst erst angesteckt hat.

Antwortmöglichkeiten:

1. Stimmt, denn in den ersten Wochen nach einer HIV Infektion ist die Viruskonzentration besonders hoch.
2. Nein, man ist immer gleich ansteckend.
3. Stimmt nicht, infektiös wird man erst, wenn man Aids hat.

Richtig ist Antwort 1
Ob es beim ungeschützten Sex auch zu einer Ansteckung kommt (vorausgesetzt einer der Partner ist Träger von HIV), hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. von der Dauer und der Intensität des Kontakts. Eine große Rolle spielt dabei die Viruskonzentration. Diese ist bei jemandem, der sich selbst vor kurzem erst angesteckt hat, sehr hoch (s. Grafik). Da HIV in den ersten Wochen einer Ansteckung oftmals nicht nachweisbar ist und der letzte Test ohnehin meist länger zurückliegt, kann ein solcher Partner von seiner Infektion noch gar nicht wissen.
Die Viruskonzentration kann nach dem ersten Absinken aber auch dann wieder steigen, wenn sich der positive Partner eine andere sexuell übertragbare Infektion zugezogen hat, z.B. eine Syphilis, oder wenn die HIV-Infektion bereits fortgeschritten ist. Wenn der negative Partner selbst gerade eine sexuelle Infektion durchmacht, erhöht dies das Risiko einer Ansteckung mit HIV ebenfalls. In der letzten Zeit haben sich Männer mit einer Syphilis oftmals auch eine Infektion mit HIV zugezogen.

Weshalb haben wir die Frage gestellt ?
Manche Männer gehen davon aus, dass ihre Partner wissen, ob sie HIV haben oder nicht. Dabei weiß – geschätzt – etwa jeder 3. Träger von HIV noch nichts von seiner Infektion. Und bei denjenigen, deren eigene Infektion noch nicht lange zurückliegt, ist wegen der höheren Viruskonzentration das eigene Risiko einer Ansteckung besonders hoch.
Auf die Aussage „ich bin gestestet“ solltest du dich daher besser nicht verlassen. Auch Rückschlüsse aus Mutmaßungen über den Lebenswandel von Sexualpartnern zu ziehen, sollte man sich möglichst aus dem Kopf schlagen. Und dass man HIV keinem ansehen kann, sollte sowieso klar sein.
All dies gilt auch dann, wenn du etwas mit einem Mann angefangen hast und sich eine Beziehung entwickelt. Bei vielen Paaren entsteht früher oder später der Wunsch nach ungeschütztem Sex. Wenn auf Kondome verzichtet werden soll, empfiehlt es sich, dass beide Partner sich testen lassen, nachdem jeder 3 Monate lang keine Situation hatte, bei der eine Ansteckung mit HIV möglich war. Auf Kondome zu verzichten bleibt letztlich immer riskant.

Tipps: Es gibt eine Reihe sexuell übertragbarer Infektionen, die man sich trotz Kondom zuziehen kann, daher:
– Lass dich gegen Hepatitis A und B impfen.
– Wenn du sexuell umtriebig bist, lass dich einmal im Jahr auf Syphilis hin untersuchen.
– Wenn du gesundheitliche Veränderungen bemerkst (z.B. Schmerzen, Ausfluss, Hautveränderungen) geh am besten immer gleich zum Arzt. Er sollte wissen, dass du (auch) Sex mit Männern hast.
– Lass alle 2 Jahre einen HIV-Test durchführen (auch wenn du Kondome benutzt), um ggf. die Behandlungsmöglichkeiten einer HIV-Infektion optimal nutzen zu können.

Frage 3:

Hepatitis B ist unter Männern, die Sex mit Männern haben, stark verbreitet. Hep B ist erheblich ansteckender als HIV und kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Antwortmöglichkeiten

1. Da kann man nix machen.
2. Es gibt eine kostenlose Kombi-Impfung gegen Hepatitis A und B. Sprich Deinen Arzt darauf an.
3. Eine Ansteckung mit Hepatitis B ist trotz Safer Sex möglich.

Richtig sind Antworten 2 und 3

zu 2) Gegen Hepatitis A und B gibt es eine Kombi-Impfung, die in Abständen dreimal gegeben wird (2. Impfung ca. 4 Wochen nach der ersten, 3. Impfung nach einem halben Jahr). Danach sollte durch eine Blutuntersuchung sichergestellt werden, dass man den Impfschutz auch tatsächlich hat, wenn nicht, wird nochmal nachgeimpft. Den Impfschutz hat man dann für mindestens 10 Jahre, danach genügt eine Auffrischungsimpfung.
Für Menschen mit HIV gibt es eigene Impfempfehlungen zu Hepatitis B, von daher ist es sinnvoll, sich vorher auf HIV hin testen zu lassen bzw. den Arzt zu informieren, wenn man positiv ist.
zu 3) Anders als HIV ist das Hepatitis B Virus (HBV) bei sämtlichen Schleimhautkontakten leicht übertragbar. Daher sind Ansteckungen mit HBV trotz Safer Sex möglich.

Weshalb haben wir die Frage gestellt ?

Bei sexuell übertragbaren Infektionen steht meist HIV im Vordergrund. Dabei wird vor allem Hepatitis B erheblich unterschätzt. Vielen ist dieses Risiko nicht wirklich bewusst.
Wenn du gegen Hepatitis B noch nicht geimpft bist, empfehlen wir dir, das dringend zu tun!

Am besten du sprichst deinen Arzt direkt darauf an. Wir erfahren immer wieder, dass manche Ärzte sich mit der Kostenübernahme durch die Kassen und der Abrechnung dieser Impfung nicht gut auskennen und die Nachfrage abwimmeln.
Wenn’s also Schwierigkeiten gibt, sprich die Aids-Hilfe in deiner Nähe darauf an.