5. April 2009: Fotos – Homo- Denkmal erneut beschädigt

Am Sonntag 05. April 2009 frühmorgens gegen 03:30 Uhr wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zum dritten Mal beschädigt. Die Sichtscheibe wurde stark zerkratzt, vermutlich mit einem Diamantschneider o.ä.

Hier aktuelle Fotos:

Fotos von den Beschädigungen auch bei samstagisteingutertag
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10 Gedanken zu „5. April 2009: Fotos – Homo- Denkmal erneut beschädigt“

  1. @ tradem1975:
    nun, das mit der „hohen frequenz“ ist bezüglich des denkmals so eine sache. dies war m.w. die dritte beschädigung (die bekannt geworden ist) seit einweihung im mai 2008, also innerhalb von 11 monaten.
    das mag viel erscheinen – wie allerdings zu hören ist, sollen beschädigungen am gegenüber liegenden holocaust-mahnmal in weit weit höherer frequenz zu beklagen sein …
    dies soll nichts entschuldigen, bei weitem nicht. aber ich bin mir nicht sicher, in wie weit manche skandalisierung, die sprachlich betrieben wird, wirklich angebracht und dienlich ist.

  2. Ich befürchte, wir werden uns an diese Sachbeschädigungen gewöhnen und gewöhnen müssen. Und in zwei, drei Jahren wird dann nur noch berichtet, wenn ein solcher Vorfall, für wen auch immer, politisch opportun ist.

  3. @ondamaris

    „. . . ich bin mir nicht sicher, in wie weit manche skandalisierung, die sprachlich betrieben wird, wirklich angebracht und dienlich ist.“

    nun in beiden fällen ist die beschädigung – die steigende frequenz – ein ausdruck dessen das man „anders sein“ nicht toleriert – akzeptiert. das ist es was uns und die jüdische kultur/ jude sein miteinandner verbindet.

  4. @ Antiteilchen:

    Du darfst Deine Forderung, „mehr Licht“, gerne wiederholen. Die Ereignisse zeigen nämlich, wie recht Du damit hast!

    @ ondamaris:

    Ich nehme die „sprachliche Skandalisierung“ mit Verwunderung zur Kenntnis. Insbesondere erstaunt mich, was anlässlich einer Sachbeschädigung (ich will da nichts beschönigen und sehe sehr wohl, dass es sich um eine Sache mit sehr hohem Symbolwert handelt) alles für Forderungen erhoben werden. Wenn Menschen bei schwulenfeindlichen Angriffen zu schaden kommen, wie wohl erst gestern Mittag wieder in Berlin, ist der Forderungskatalog nicht mal halb so lang und das Stimmengewirr der Fordernden bleibt aus.

    ***

    Die Berliner Ereignisse sind übrigens nicht singulär (was die Sache nicht besser macht, sondern nur zeigt, dass es sich nicht um ein lokales Problem handelt):

    http://wehonews.com/z/wehonews/archive/page.php?articleID=3299

  5. @ steven, antiteilchen:

    – mehr licht: ja – die forderung „mehr licht“ scheint auch mir sinnvoll …

    – sprachliche skandalisierung: meine befürchtung ist zudem: wenn ein (auch beklagenswertes) zerkratzen der scheibe schon zum anschlag hochstilisiert wird, was machen wir denn wenn erst einmal mehr passierne sollte? dieses ständige eskalieren im skandalisieren führt m.e. in eine sackgasse …

    – singulär: nein, singulär sind diese ereignisse sicherlich nicht.
    allerdings ist es schon bemerkenswert, dass das denkmal auch als ort des (breiten, öffentlichen, medialen) sichtbarmachens von homophobie eine funktion wahrnimmt / bekommt. eine funktion, mit der adäquat umzugehen wir vielleicht erst noch lernen müssen

  6. @ ondamaris: Ich teile deine Meinung hinsichtlich der „Skandalisierung“ ja nur teilweise, vermute, dass dahinter auch hauptsächlich der in Schwulenkreisen übliche Reflex steckt, jeglichen Anflug von Wut und Empörung sofort zu deckeln. Warum eigentlich sollten wir uns nicht empören? Aber eigentlich bin ich eher pessimistisch: Ob jemand an einem Mahnmal „nur“ die Scheibe zerkratzt oder das nächste Mal den Stein besprüht oder was auch immer … es geschieht außer „Symbolpolitik“ sowieso nichts! Die ermittlenden Behörden legt sowas doch in die untere Ablage. Sofern überhaupt ermittelt wird – auch das geschieht ja wohl eher symbolisch. Die „Sichtbarmachung von Homophobie“ als Funktion würde ich eher beschreiben als Akzeptieren, dass Juden, Frauen, Schwule etc. etc. auch weiterhin als Projektionsfläche für Aggressionen dienen. Dies ist die gesellschaftliche Funktion von „Minderheiten“ und das Mahnmal ist insofern auch eine Bestätigung, dass wir diese Funktion gelassen hinnehmen: Haste was gegen Schwule – schlag aufs Mahnmal ein?

  7. @ samstagisteingutertag:

    Ich habe allerdings den Eindruck, dass schon die Skandalisierung der Reflex ist. Mir ist das, was da an Empörung dargeboten wird, viel zu textbausteinartig. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die vorgefertigte Empörung bei einigermaßen passenden Anlässen aus der Schublade geholt, abgespult und dann für’s nächste Mal wieder sorgfältig verpackt zurückgelegt wird. Mir ist das nicht ’nachhaltig‘ genug.

    Dass die Medien wiederum sich eher für die zerkratzten Scheiben des Mahnmals, als für zusammengeschlagene schwule Menchen interessieren, ist beschämend. Dem Velspol jedoch kann ich nicht einmal verdenken, dass sie mit ihrem Forderungskatalog hier aufgesprungen sind. Aber im Grund genommen werden die sehr richtigen Forderungen im falschen Zusammenhang erhoben. Wenn man eine Sache in den öffentlichen Raum stellt (Telefonzellen, Fahrplanaushänge, Wegekreuze, Kunst, oder eben das Mahnmal), dann muss man leider damit rechnen, dass sie beschädigt wird. Ich wage zu bezweifeln, dass die Täter explizite Telekomgegner, Bahnkritiker, Kirchenfeinde, Kunstbanausen oder eben Schwulenhasser sind. Es gibt schlimmere Ereignisse, die geeignet wären, Schwulenfeindlichkeit zu thematisieren und mit konkreten Forderungen zB für die Aus- und Fortbildung der Polizei zu verbinden.

    Zumindest homophob motivierte Beschädigungen an dem Mahnmal werden mit dem Filmwechsel aufhören.

  8. Mehr Licht! Goethes letzte Worte passen hier wirklich hin! Ich verstehe nicht, was daran so schwierig ist, dort einen Mast mit einer Solar Lampe zu installieren. Fehlt es am Geld, am Willen? Muss man erst wieder eine Aktions-Gruppe „Homo-Lampe“ ins Leben rufen, die sich für die Errichtung derselben einsetzt? Licht am Mahnmal wird nicht allein dafür sorgen das die Beschädigungen aufhören, wo Licht ist, ist auch Schatten, aber es fällt schwerer im Licht, solche Taten zu vollbringen!
    Nebenbei bemerkt: Ein Schelm wer böses dabei denkt, dass ein gewisser Verband eine Stele manchmal braucht um sich bei jedem Zerkratzen der Scheibe skandalträchtig ins Bewusstsein zu schreien. Die Wortwahl derer ist auch mir zu heftig. Es ist wohl in der Tat so, dass wir erst lernen müssen mit „unserem“ Mahnmal richtig umzugehen, wenn im Böses widerfährt.
    @Steven
    Warum sollen homophob motivierte Beschädigungen an dem Mahnmal nach dem Filmwechsel aufhören? Weil sich dann zwei Lesben küssen?

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