Homo-Mahnmal am 5.4.2009 erneut beschädigt (akt.)

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurde in der Nacht zum Sonntag 5. April erneut beschädigt. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist erst vor weniger als einem Jahr (im Mai 2008) eingeweiht worden.

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Gedenkveranstaltung Juni 2008
Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Gedenkveranstaltung Juni 2008

Aktuelle Fotos der Beschädigungen vom 5. April 2009 folgen in Kürze hier.

Mit dem Mahnmal werden diejenigen Homosexuellen geehrt, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, unterdrückt, in KZs und Strafgefangenenlagern inhaftiert, ermordet wurden.

Bereits in der Nacht zum 16. August 2008 war das Denkmal zum ersten Mal beschädigt worden. Kurz darauf reagierten Schwule und Lesben mit einer Mahnwache.
Ein zweites Mal war das Denkmal am 16.12.2008 beschädigt worden. Kurz darauf verurteilte auch Bundespräsident Köhler den erneuten Anschlag.

Mitarbeiter des Wachdienstes stellten einem Bericht der Polizei zufolge die erneute Beschädigung gegen 03:30 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag 5. April 2009 fest. Das Sichtfenster, das den Blick auf eine Kuß-Szene geben soll, wurde zerkratzt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen, da ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen wird.

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen - Kuss-Szene
Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – Kuss-Szene

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands LSVD verurteilte die erneute Beschädigung in einer ersten Stellungnahme und betont

„Die wiederholten Anschläge auf das Denkmal zeigen: Homosexuellenfeindlichkeit ist nach wie vor stark verbreitet. Allein der Anblick eines Kusses zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts kann massive Gewalt hervorrufen. Das ist bis heute auch bittere Alltagserfahrung vieler Schwuler und Lesben. Viele haben bereits antihomosexuelle Gewalt erleben müssen. Wir brauchen daher dringend einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie. Das Land Berlin geht auf diesem Feld vorbildlich voran. Es wird höchste Zeit, dass auch die Bundesregierung, insbesondere der Bundesinnenminister hier endlich tätig wird und vor homophober Gewalt nicht mehr die Augen verschließt.“

Aktualisierung 05.04.2009, 15:00 Uhr:
Es soll sich um zwei Täter gehandelt haben. Diese wurden vom Wachdienst bei der Tat gestört. Dies wurde auf dem heutigen LSVD-Verbandstag berichtet. Ob die Täter flüchten konnten oder festgehalten wurden, ist bisher nicht bekannt.

siehe auch
samstagisteingutertag 05.04.2009: Homosexuellen-Mahnmal erneut beschädigt
koww 05.04.2009: Erneuter Anschlag auf Homosexuellen-Denkmal ist eine abscheuliche Tat
gayweb.de 05.04.2009: Erneuter Anschlag auf Homosexuellen-Denkmal
mythopoeia 2.0 06.04.2009: Provokation
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7 Gedanken zu „Homo-Mahnmal am 5.4.2009 erneut beschädigt (akt.)“

  1. @ Steven:
    ja – das ist die standard-formulierung der pressestelle der polizei. und kölner behörden verwenden vermutlich ähnliche standards. aber es gibt neuigkeiten … mom, ich aktualisieren gerade 😉

  2. „Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.“ ist wohl der Standardsatz der Berliner Behörden. Führen diese Ermittlungen auch mal zum Ziel?

  3. Es wird höchste Zeit, dass auch die Bundesregierung, insbesondere der Bundesinnenminister hier endlich tätig wird und vor homophober Gewalt nicht mehr die Augen verschließt.”

    Wobei ich da so meine Zweifel habe wenn ich mir die Aussage „Stopp der Antidiskriminierungs-Richtlinie der EU-Kommission“ durch ihren familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer MdB anschau. Es MUSS noch viel mehr Druck gemacht werden damit hier im Lande etwas passiert – es muss aufgehört werden das alles mit Homosexualität zu tun hat in Einzelteile zerlegt und entkräftet wird.

    . . . und wenn das es dann nicht nur bei einem Lippenkenntnis bliebt sondern den Worten Taten folgen.

  4. Erklärung des Bundesvorstands von VelsPol Deutschland Maik Exner-Lamnek:
    „Jede Schändung eines Gedenkortes für Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, ist eine zutiefst abscheuliche Tat. Wir wissen alle, dass Homophobie in Gesamtdeutschland bis heute bittere Alltagserfahrung vieler Schwuler und Lesben ist, aber leider oftmals nicht in der Öffentlichkeit bekannt wird. Wir nehmen den erneuten Anschlag in Berlin zum Anlass und fordern die Bundesregierung, insbesondere den Bundesinnenminister und seine Kollegen in den Bundesländern wiederholt dazu auf, endlich tätig zu werden und ihre demokratischen Augen vor homophober Gewalt nicht zu verschließt. Die Innenminister der Bundesländer wären in einem ersten Schritt im Rahmen eines gemeinsamen nationalen Aktionsplan gegen Homophobie gut beraten, in ihren Länderpolizeien entsprechende Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AgL) zu initialisieren, um das Dunkelfeld von Homophober Gewalt in Deutschland aufzuhellen. Eine weitere Möglichkeit ist die flächendeckende Schulung der Polizeibediensteten in Deutschland, damit diese die gezielten Angriffe auf Menschen, auf Grund ihrer sexuellen Orientierung, erkennen. Wir appellieren an alle demokratischen Kräfte in Deutschland, unabhängig ihrem Standpunkt zur Homosexualität an sich, gemeinsam sich auf einen umfassenden Aktionsplan gegen die bestehende Homophobie zu verständigen und umzusetzen.“

  5. Hätte man damals ein Bild genommen, dass nicht so sehr den Klischees entspricht, wäre da eine geringere Möglichkeit, dass es beschädigt wird. Auch Homosexuelle sind bei solchen Klischeeverbildlichungen nicht nett anzusprechen.

  6. @ Peter:
    ich persönlich würde eine derartige von Ihnen vorgeschlagene strategie als üble anbiederung und feigheit empfinden.
    aber so ist halt jeder anders.
    und – was gibt es schöneres als eine kuß?

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