Mikrobizide: erste Hoffnungen – auch auf rektale Anwendung?

Mikrobizide sind ein seit langem -und bisher erfolglos- erforschter neuer Weg, das HIV-Infektionsrisiko zu mindern. Nun weckt eine neue Studie Hoffnungen – auch für eine rektale Anwendung?

Mikrobizide sind chemische Substanzen, die Mikroben abtöten. Schon seit langem betonen Präventions-Experten wie auch Community-Vertreter, dass ein Verlangsamen der HIV-Epidemie neben Kondomen auch weitere Mittel der Prävention erfordert. Erstmals forderte die Epidemiologin Zena Stein bereits im April 1990 in ihrem Artikel „HIV Prevention: The Need for Methods Women Can Use“ frauengerechte Präventionsmethoden.

Die Entwicklung von Mikrobiziden kann einen wesentlichen Fortschritt für Gesundheit und Prävention bedeuten – geben doch Mikrobizide auch Frauen direkt die Möglichkeit sich zu schützen, ohne auf den Mann als Kondom-Verwender angewiesen zu sein.

Seit Ende der 1990er Jahre werden Mikrobizide in Studien auf ihre Wirksamkeit untersucht. Bisher jedoch verliefen alle Studien mit Mikrobiziden (wie Nonoxyl-9 oder ‚Carraguard’®) erfolglos. Nun jedoch könnte die Situation sich ändern:

croi2009
Auf einer der wichtigsten HIV-Konferenzen (16. CROI Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections, 8.-11. Februar 2009, Montreal) wurden erstmal optimistische Daten einer Studie mit einem Mikrobizid vorgestellt. PRO2000 wurde in einer zwei Jahre dauernden Studie an 3.000 Frauen in Afrika und Philadelphia untersucht. Die Studie wurde durchgeführt vom ‚International Partnership for Microbicides‘.

PRO2000 (Hersteller: Indevus Pharmaceuticals, inzwischen übernommen von Endo Pharmaceuticals) reduzierte das Risiko der Frauen, sich mit HIV zu infizieren, um 30 Prozent.30% – das mag nicht viel erscheinen. Zumal eine Einschränkung gilt: die Ergebnisse der Studie waren ’statistisch nicht signifikant‘.

Aber, so betonen Experten, immerhin gebe es zum ersten Mal überhaupt positive Ergebnisse und Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit.

Prof. Salim Abdool Karim, Leiter der Studie, betonte, auch wenn bisher keine Sicherheit bestehe, dass PRO2000 ein wirksames Mikrobizid ist, so sei die Substanz doch ein vielversprechender Kandidat.

Eine weitere Studie (MDP301) mit PRO2000 läuft, Ergebnisse werden zum Jahresende 2009 erwartet.

Wenn Mikrobizide Frauen beim Vaginal-Verkehr schützen können – warum dann nicht auch beim Analverkehr? Und nicht nur Frauen, sondern auch schwule Männer? Diese Frage drängt sich inzwischen auf.

So fordern inzwischen auch Aktivisten sowie Organisationen wie die ‚International Rectal Microbicides Advocates‚ verstärkt eine Erforschung rektaler Mikrobizide.

Eine Studie zur rektalen Anwendung von PRO2000 bei sexuell aktiven schwulen Männern soll noch in diesem Jahr in Großbritannien beginnen (gesponsert vom britischen ‚Microbicide Development Programme‘).

Spät – aber immerhin: Licht am Ende des Tunnels, des Tunnels der Suche nach wirksamen Mikrobiziden. Hoffnung keimt auf, nach vielen Jahren erfolgloser Studien – für Frauen, für die vaginale Anwendung.

Erstaunlich und bezeichnend, dass bisher die Idee einer rektalen Anwendung kaum verfolgt wurde. Dass erst in diesem Jahr die erste Studie startet. Besser als nie – aber: warum so spät?

weitere Informationen:
Abdool Karim S et al.: ‚Safety and effectiveness of vaginal microbicides BufferGel and 0,5% PRO2000/5 Gel for the prevention of HIVB infection in women: results of the HPTN 035 trial ‚, 16. CROI Montreal, abstract 48 LB
AVAC Aids Vaccine Advocacy Coalition 09.02.2009: update PRO2000
Global Campaign for Microbicides. „Rektale Mikrobizide: wer braucht sie?“ (doc)
World Health Organisation: Microbicides
poz&proud 28.03.2009: Even Rechtzetten
Chicago Free Press 26.03.2009: Microbicide advocates stress options
The Philadelphia Inquirer 23.03.2009: How HIV prevention has defied science
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1 Gedanke zu „Mikrobizide: erste Hoffnungen – auch auf rektale Anwendung?“

  1. ..allein mir fehlt der glaube…irgendwie war das in diesen letzten jahren so was von entmutigend. lassen wir uns überrraschen, hoffentlich wirklich positiv.

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