Die Heilung von HIV muss Priorität werden

Priorität internationaler Anstrengungen im Kampf gegen Aids müsse eine Möglichkeit sein, HIV ohne Medikamente zu entfernen – eine Heilung. Dies fordern führende Aids-Wissenschaftler, Industrievertreter und Aids-Aktivisten gemeinsam.

Der Kampf gegen Aids ist bisher von schwierigen Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Zwar stehen seit einigen Jahren wirksame Medikamente zur Verfügung, diese sind jedoch hochpreisig – und produzieren, da lebenslang einzunehmen, bei der hohen Zahl HIV-Infizierter immense Kosten.

Das Problem der immensen Kosten lebenslanger Therapien wird gesteigert dadurch, dass gerade in Staaten mit niedriger wirtschaftlicher Leistungskraft die Infektionszahlen teils besonders hoch sind.

Bemühungen, einen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln, sind bisher immer wieder von Rückschlägen geprägt. Ein wirksamer HIV-Impfstoff ist in weiter Ferne – viele Forscher sprechen hier eher von einer Depression. Auch die Entwicklung von Mikobiziden war bisher nicht von Erfolg gekrönt, Studien in der Praxis verliefen bisher wenig erfolgreich.

Angesichts dieser deprimierenden Situation fordern Vertreter aus Aids-Forschung, Pharmaindustrie und Aids-Aktivismus nun in einem Beitrag für das Wissenschafts-Magazin Science (Vol. 323. No. 5919, pp. 1304 – 1307) die Fokussierung internationaler Anstrengungen stärker auf das Thema Heilung von HIV.

Die Autoren fordern in dem Artikel, der Herausforderung Heilung mit einem langfristig angelegten ‚public private Partnership‘ (PPP) zu begegnen. Sie sprechen von

„the needs for and challenges of attacking this reservoir to achieve a cure.“

Die Autoren stammen bemerkenswerterweise aus sehr verschieden Bereichen: drei Vertreter der Aids-Forschung und -Behandlung, zwei Vertreter der Pharmaindustrie sowie der jüngst verstorbene Martin Delaney, Aids-Aktivist und Gründer der Gruppe Project Inform.

Erst jüngst hatte auch die US-Aktivistengruppe Treatment Action Group in einem Aufruf gefordert, die Aufmerksamkeit stärker auf das Thema Heilung zu richten. „Wir werden nur dann die Möglichkeit einer Heilung finden können, wenn wir das Thema ernst nehmen und auf die Agenda bringen“, hatte TAGs Direktor Mark Harrington geäußert.

Weitere Informationen:
Science 06.03.2009: The Challenge of Finding a Cure for HIV Infection (abstract)
aidsmap 05.03.2009: HIV cure needs to be scientific, funding priority, researchers and advocates warn
POZ 06.03.2009: Call for a Coordinated Cure Effort
San Francisco Chronicle 06.03.2009: new call to defeat the AIDS virus
Tretament Action Group: TAG to NIAID: Recommendations to Stimulate Research on HIV Persistence
aidsmap 05.03.2009: HIV cure needs to be scientific, funding priority, researchers and advocates warn
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11 Gedanken zu „Die Heilung von HIV muss Priorität werden“

  1. immer wieder erstaunt mich, wie das thema stiefmütterlichst behandelt wird, belächelt und öfters untergeht. und wenn ich es zur sprache bringe, gerade an öffentlichen veranstaltungen, dann wird mir gerne die rosa-brille verliehen.
    ich sammle solche auszeichnungen in diesem zusammenhang doch gerne!

    ( einmal habe ich erlebt, wie ein vertreter der wissenschaft beschämt bemerkte, dass auf dem podium nur gerade ich das thema zur sprache brachte, und das, obwohl wir uns ausschliesslich mit zukunftsmusik beschäftigt hatten. einmal!)

  2. Help. Ich verstehe gerade die Überschrift nicht:

    „HIV ohne Medikamente zu entfernen“

    Warum ohne Medikamente? Warum nicht ein Medikament (er-)finden, das HIV entfernt?

  3. @ StM:
    „HIV ohne Medikamente“ ist vielleicht schlecht formuliert im teaser, sorry
    gemeint war: HIV zu heilen – ohne dass regelmäßige medikamenten-einnahme erforderlich ist

  4. vor enigen tagen unterhielt ich mich mit einem aktivisten hier in berlin und war bass erstaunt, dass auch er sagte, dass unser ziel sein müsse, einen vernünftigen umgang mit der infektion zu finden. im sinne von verträglicher, zugänglicher behandelbarkeit und bearbeitung der sozialen Ursachen/folgen. ich kam mir ganz schön alt daneben vor, als ich anmerkte, dass für mich nach wie vor gelte: we want a cure!

  5. @ carsten:
    ja – kann ich nachvollziehen, solches höre ich auch oft, auch aus kreisen von aktiven. und bin dann immer geplättet – wer wenn nicht wir sollte fordern dass eine heilung her muss? woher kommt diese schere? oder ist es resignation?
    egal – mein ziel ist nicht (nur) wirksame lebenslange therapie, sondern heilung …

  6. . . . manchmal wenn ich so meinen ketzerischen Gedanken freien Lauf lasse, frage ich mich: Wieso Heilung? 50 Jahre Tag für Tag ne 3 er Kombi ist lukrativer als ne einmal Dosis und das wars dann.

  7. @ Dennis:
    tja … der gedanke, dass die pharmaindustrie da andere interessenlagen haben könnte, auf den kann man wohl kommen …

  8. aber wenn ich richtig lese:
    Die Autoren stammen bemerkenswerterweise aus sehr verschieden Bereichen: drei Vertreter der Aids-Forschung und -Behandlung, zwei Vertreter der Pharmaindustrie sowie der jüngst verstorbene Martin Delaney, Aids-Aktivist und Gründer der Gruppe Project Inform.
    sind da von 6 beteiligten 2 aus der pharmaindustrie beteiligt.

  9. außerdem könnte das unternehmen, das die heilung auf den markt bringt, das ultimative geschäft machen…. alle anderen wären weg von fenster.

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