Deutsch-Österreichisch-Schweizer Aids-Kongress – quo vadis?

Die aktive Einbeziehung von HIV betroffener Communities ist ein seit 1998 international etablierter Standard. Der SÖDAK 2009 bemüht sich engagiert, mit diesem Prinzip zu brechen.

Die aktive Einbeziehung von HIV betroffener Communities ist ein seit 1998 international etablierter Standard. Der SÖDAK 2009 bemüht sich engagiert, mit diesem Prinzip zu brechen.

Der „1. Schweizerisch-Österreichisch-Deutsche Aids-Kongress“ (SÖDAK 2009) findet vom 24. bis 27. Juni im Schweizerischen St. Gallen statt. Das Präsidium des Kongresses besteht aus Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Annette Haberl und Pietro Vernazza.

Das Motto des Kongresses lautet ‚Prepare for the long run …‘. „Die AIDS Epidemie ist noch lange nicht besiegt, weder in Europa noch weltweit. Wir brauchen deshalb einen langen Atem und dürfen im Kampf gegen die Infektionskrankheit nicht nachlassen,“ schreiben die Organisatoren.

„Der SÖDAK zeichnet sich durch seine im Europäischen Raum einzigartige interdisziplinäre Ausrichtung aus“, betonen die Veranstalter.  Eine Interdisziplinarität, bei der die Betroffenen wie es angesichts aktueller Entwicklungen scheint nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Das Genfer Prinzip (erstmals bei der Genfer Welt-Aids-Konferenz 1998, dann beim Deutschen Aids-Kongress 1999 erfolgreich umgesetzt) besagt, die von HIV betroffenen Communities auf allen Ebenen der Kongress-Planung und Durchführung gleichberechtigt zu beteiligen.

„Community involvement in the planning of an International AIDS Conference is as important as that of the scientific community and that representatives of both groups should participate on an equal footing towards this goal.“ (IAS)

Dieses einst erfolgreich etablierte Genfer bzw. Essener Prinzip wird vom SÖDAK 2009 trotz intensiver Bemühungen und Proteste aus den Communities nicht weitergeführt. Die Deutsche Aids-Hilfe zeigte sich bereits erstaunt darüber und geht davon aus, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handelt und bei zukünftigen Konferenzen wieder eine reguläre Community-Einbindung stattfindet.

Doch nicht nur die Einbindung von Community-Vertretern in Planung und Durchführung des Kongresses gestaltete sich scheinbar äußerst schwierig, selbst die Teilnahme von HIV-Positiven wird nicht eben erleichtert.
Gab es bei früheren Kongressen Scholarships, die HIV-Positiven die Teilnahme ermöglichten (z.B. durch Erlass der nicht unerheblichen) Kongressgebühren, 50 bis 290€), so fehlen diese Community-Scholarships beim SÖDAK 2009 völlig – es gibt 2009 kein Scholarship-Programm. Selbst ob es Community-Foren gibt, ist bisher unklar.

Noch am 12. Mai 2008 formulierte das Kongresspräsidium selbst „die Antworten sollen durch eine Vielzahl von interessierten Teilnehmern aus der Forschung, Klinik, Epidemiologie, Präventionsarbeit bis hin zu den von HIV Betroffenen selbst diskutiert werden“. Fehlende Scholarships und Community-Programme erleichtern diesen doch scheinbar gewünschten Dialog nicht gerade.

Während die Zusammenarbeit mit den Communities nur äußerst eingeschränkt erfolgt, scheint die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie umso intensiver.  So beginnt und endet jeder einzelne Post auf dem Blog des Kongresses mit Dank an die (industriellen) Sponsoren und Einblendung eines Sponsoren-Logos.

„Eine gesunde Partnerschaft mit der Industrie muss aber im Interesse der von HIV-Betroffenen stehen, und darf sich nicht an den wirtschaftliche Interessen der Industrie orientieren“, formuliert das Kongresspräsidium selbst (am 12.5.2008).

Eine gesunde Partnerschaft – was für die Pharmaindustrie gilt, sollte für die von HIV betroffenen Communities in gleichem Umfang gelten. Dass dieses Prinzip in St. Gallen gebrochen wird, vom Kongresspräsidium von Beginn an nicht als Ziel verstanden wurde, ein Rollback zu alten Strukturen versucht und gegen Community-Vertreter durchgesetzt wird, überrascht und bestürzt. Dass dies unter Beteiligung eines Community-Boards erfolgt, überrascht umso mehr. Die Organisatoren zukünftiger Kongresse sind aufgefordert, wieder zum Genfer Prinzip zurück zu kehren.

5 Gedanken zu „Deutsch-Österreichisch-Schweizer Aids-Kongress – quo vadis?“

  1. Das scheint ja langsam eine Mode zu werden mit den Rückfällen in längst überwunden geglaubte Verhaltensweisen…
    Act-up Stuttgart meint: „Shame on you, Prof. Vernazza! Shame, shame, shame!“

  2. Stellungnahme des Community-Boards
    des 1. Deutsch/Österreichisch/Schweizerischen AIDS-Kongresses (SÖDAK)

    27. Februar 2009
    Liebe Communities und Interessierte!

    Nachdem in den letzten Wochen die Gerüchteküche über die Community-Beteiligung am SÖDAK innerhalb der HIV-Positiven-, der ärztlichen/wissenschaftlichen, aber auch der AIDS-Hilfe-Communities zu einer Hochform aufgelaufen ist, möchten wir unsere Sicht diesen Gerüchten entgegenstellen.

    Seit der ersten Vorbereitungssitzung des SÖDAK Anfang November 2007 (also noch vor der Implementierung des Community-Boards im Februar 2008), sind Vertreter/innen von Menschen mit HIV und AIDS in die Vorbereitung des Kongresses involviert.

    Dabei ist auf der Seite der Vertreter/innen von Menschen mit HIV und AIDS zu keinem Zeitpunkt der Eindruck entstanden, dass die Beteiligung von Betroffenen am Kongress und der Kongressvorbereitung unerwünscht wäre. Das Gegenteil ist der Fall.

    Auf besagter ersten Sitzung sind – durch die Vertreter/innen von Menschen mit HIV und AIDS mitgetragen und aktiv unterstützt – Entscheidungen getroffen worden, die den SÖDAK anders werden lassen, als die bisherigen Deutsch/Österreichischen AIDS-Kongresse.

    Einige dieser Veränderungen basieren maßgeblich auf der Kritik der Teilnehmenden an den bisherigen Kongressen (einschließlich der kritischen Rückmeldungen von Menschen mit HIV und AIDS, die an diesen Kongressen teilgenommen haben).

    So haben wir beispielsweise gemeinsam entschieden, die Zahl der Parallelveranstaltungen von sechs bis sieben auf zwei zu reduzieren, die Zeiten für Vorträge und die sich daran anschließende Diskussion zu reduzieren – was automatisch zu einer Reduktion der Zahl der Vorträge pro Veranstaltung führt.

    Andere Entscheidungen waren eher finanziellen Gesichtspunkten geschuldet. So können zum SÖDAK bei weitem nicht mehr so viele Ärztinnen und Ärzte bzw. Wissenschaftler/innen und andere Personen auf Kosten des Kongresses zu Vorträgen eingeladen werden, wie das etwa in Frankfurt der Fall gewesen ist.

    Aber auch das hat einen qualitativen Aspekt, ging es uns doch (auch) darum, die Omnipräsenz der pharmazeutischen Industrie zu reduzieren. Da aber ein medizinisch/wissenschaftlicher Kongress ohne die massive finanzielle Unterstützung der pharmazeutischen Industrie schlicht nicht durchführbar ist – die Regierungen / Gesundheitssysteme der drei an diesem Kongress beteiligten Länder stellen für die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten bei weitem nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung, um Kongresse ohne die Unterstützung der pharmazeutischen Industrie durchführen zu können – hat die Reduktion der Präsenz automatisch auch eine Reduktion des zur Verfügung stehenden Budgets zur Folge.

    Zusammengenommen bedeuten diese Veränderungen daher, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten und scheinbaren, angestammten „Rechten“ zu verabschieden.

    Das Kongresspräsidium hat wiederholt versucht, die Wahrnehmung des Verlustes (dieser Gewohnheiten und „Rechte“) aufzubrechen und die Chance, die in diesen Veränderungen liegen, in das Bewusstsein zu rücken.

    Anders als in Deutschland und Österreich, in denen es AIDS-Gesellschaften gibt, gibt es keine derartige Körperschaft in der Schweiz. Das hat zur Folge, dass – anders als bei den DÖAKs – der Kongresspräsident persönlich für etwaige Defizite des Kongresses haftet und nicht die jeweilige AIDS-Gesellschaft als Veranstalter. Das ist selbstverständlich ein unzumutbares finanzielles Risiko für den Kongresspräsidenten. Es hat unglücklicherweise bis Mitte Dezember gedauert, bis für die Frage nach der Haftung eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung gefunden worden ist.

    Da aber erst Mitte Dezember alle Verträge unter Dach und Fach waren, war vor diesem Zeitpunkt eine inhaltliche Vorbereitung des Kongresses kaum möglich, denn – nicht nur diese Vorbereitung kostet Geld (im Sinne von Sitzungen und Reisekosten) – wenn nicht klar ist, wieviel Geld zur Verfügung steht, kann man schwer planen.

    Das Community-Board ist in dieser Phase der Unsicherheit vom Kongresspräsidium dringend gebeten worden, diese Situation nicht zu kommunizieren.

    Wir verstehen, dass daraus unter Umständen der Eindruck entstanden ist, das Community-Board dürfe oder könne nicht arbeiten, denn wir hatten in diesem Zeit nichts zu kommunizieren, da die Arbeit des CB genauso vom Kongressbudget abhängig ist, wie der Kongress insgesamt.

    Das Community-Board hat versucht, ab der zweiten Jahreshälfte 2008 ein Scholarship-Programm aufzustellen. Wir müssen konstatieren, dass uns das leider nicht gelungen ist. Das hat folgende Gründe:

    1. Die Hotelsituation in St. Gallen unterscheidet sich wesentlich von der Lage in den bisherigen Kongressorten. St. Gallen ist eine verhältnismäßig kleine Stadt (etwa im Vergleich zu Frankfurt, Hamburg oder Wien) und hat daher insgesamt wesentlich weniger Hotelbetten.

    2. Zeitgleich zum SÖDAK findet in St. Gallen ein Open-Air Rockfestival statt, dass alle Betten im unteren Preissegment in St. Gallen gebucht hat.

    3. Die Betten in höheren Preisklassen sind von der Kongressorganisation des SÖDAK gebucht worden, sodass das Community-Board nicht an Betten herangekommen ist.

    4. Selbst die von der Kongressorganisation für den Kongress gebuchten Betten in St. Gallen reichen bei weitem nicht aus, sodass bis in einen Umkreis von 60 km um St. Gallen herum (also bis nach Zürich) Bettenkontingente gebucht worden sind. Mit anderen Worten: Ein nicht unerheblicher Teil der Kongressteilnehmer/innen wird mehr oder weniger lange Anfahrtszeiten (mit Privatfahrzeugen haben), um von ihren Hotels zum Kongress und zurück zu kommen. Der Öffentliche Personennahverkehr ist – wegen des ländlichen Umfeldes von St. Gallen – nur eine begrenzte Alternative. Ein Shuttle-Service hätte zusätzlich etwa 100.000 Euro gekostet.

    5. Sponsoren des Kongresses haben ein Vorkaufsrecht für Hotelkontingente. Man mag das finden wie man will, das ist ein Teil des Deals.

    6. Da aber erst Mitte Dezember die Verträge unter Dach und Fach waren (und die Vorkaufsrechte erst danach eingelöst werden konnten), hat das Community-Board bis heute keine Einschätzung über mögliche Unterkünfte, Fahrtzeiten, Anfahrtsmöglichkeiten etc. für Scholarships.

    Dieses Maß an organisatorischer Unsicherheit führt dazu, dass der Finanzbedarf für das Scholarship-Programm nicht kalkuliert werden kann. Da aber das Community-Board die für ein solches Programm benötigten Mittel selbst (etwa bei der Industrie, der Deutschen AIDS-Stiftungen etc.) zusammenbetteln muss, ist es uns bislang nicht wirklich möglich, eine seriöse Mittelakquise zu betreiben. Wir können schlicht den Sponsoren nicht sagen, wie hoch der Bedarf ist.

    Darüber hinaus ist es aus unserer Sicht nicht verantwortlich, ein solches Programm auszuschreiben, wenn wir den Bewerbern nicht mitteilen können, ob das Programm überhaupt stattfinden kann, wieviele Teilnehmer wird einschleusen können, wo das Hotel ist, unter welchen Bedingungen sie dort untergebracht sind (Barrierefreiheit, Gemeinschaftsbad, Mehrbettzimmer, etc.) und wie sie vom Hotel zum Kongress kommen können, was das an finanziellen und zeitlichem Aufwand bedeutet etc.

    Weiters hat uns der Planungsrückstand bei der Programmplanung sehr ernsthafte Probleme verursacht. Wir können erst nach Mitte März eine Einschätzung davon entwickeln, was inhaltlich auf dem SÖDAK geboten werden wird.

    Was in den Communities immer sehr gerne ausgeblendet wird: Die Vorbereitung eines Kongresses und die Planung und Durchführung eines Scholarship-Programms machen Arbeit – und das nicht zu knapp. Die Mitglieder des Community-Boards leisten diese Arbeit ehrenamtlich – zusätzlich zu ihren sonstigen haupt- und ehrenamtlichen und familären Verpflichtungen.

    Da sich aber insgesamt nur sechs Menschen mit HIV und AIDS aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu bereit gefunden haben, den SÖDAK mit vorzubereiten und drei von diesen sechs Personen innerhalb des ersten halben Jahres aus verschiedenen Gründen die Mitarbeit aufgegeben haben, besteht das CB nur noch aus drei Personen (jeweils eine Person aus Deutschland, Österreich und der Schweiz). Nur zum Vergleich: Die CBs der letzten Kongresse sind mit 10 Personen gestartet!

    Das zusammengenommen hat uns dazu veranlasst, in diesem Jahr auf ein Scholarship-Programm zu verzichten.

    Manche mögen diese Entscheidung nicht teilen, darüber sind wir uns im Klaren.

    Wir wehren uns aber auf Schärfste gegen die lautgewordenen Vorwürfe, wir seien zu dumm und zu faul ein Scholarship zu organisieren oder gar wir würden Menschen mit HIV und AIDS schlicht zu blöd halten, als dass sie nutzbringend an einem solchen Kongress teilnehme zu können.

    Dessen ungeachtet weisen wir erneut auf die Grundsatzpapiere hin, die auf der Webseite des Community-Boards (http://www.hivcommunity.net/index.php?id=cb2009_home) eingestellt sind und die die Arbeitsgrundlage der letzten Community-Boards darstellen.

    Wir haben ein Scholarship-Programm immer als ein zusätzliches Engagement im Rahmen der Arbeit des Community-Boards betrachtet. Der Schwerpunkt der Arbeit lag immer und liegt in der inhaltlichen (Mit-)Gestaltung des Kongresses.

    Es sind Nachfragen zu weiteren Sitzungsprotokollen des Community-Boards gekommen, denn bislang steht nur ein Protokoll online. Es hat aus den oben dargelegten Gründen nur diese eine Sitzung gegeben.

    Am 16. März wird in Frankfurt die Programmplanung erfolgen, an der sich das Community-Board selbstverständlich aktivst beteiligen wird. Wir werden die Ergebnisse selbstverständlich auf unserer Webseite kommunizieren.

    Mit herzlichen Grüßen

    das Community-Board
    Michèle Meyer (CH) Wiltrut Stefanek (A) Bernd Vielhaber (D)

  3. So wie sich dieser Kongress mir darstellt ist er zu einer Veranstaltung für die Sponsoren und deren Klientel der Ärzteschaft geworden. Das Interesse der Communitiy war zu keinem Zeitpunt von belang gewesen. Wenn also die Beteilgung der Community von Anfang an schon derart gering war – dann ist dies ein Zeichen das seitens der Community kein Bedarf vorhanden ist. Möglicherweise wurde es einfach nur schlecht kommuniziert. So wie es sich jetzt darstellt wird diese Veranstaltung über den Kopf der Community hinweg entschieden und geht an der Community völlig vorbei.. Das Agument das man von der Omnipotenz der Sponsoren weg gegangen ist empfinde ich geradezu als eine Verarsche . . um es mal in meinem Jargon auszudrücken. http://www.soedak2009.com/Sponsoren.html Wenn das KEINE Omnipotenz ist dann weiß ich nicht was sie sonst sein soll. Und das die Unterbringung der Spnsoren an erster Stelle steht das liegt in deren Sinn.

    Diese Veranstaltung erinnert mich an die üblichen Veranstaltungen der Pharmaindustrie an den schönsten Plätzen der Welt um den Verkauf der Produkte zu pushen.

    Der FSA-Kodex „Patientenorganisationen“

    Der FSA-Kodex „Patientenorganisationen“ schafft verbindliche Regeln für eine vertrauensvolle, transparente und ethisch einwandfreie Zusammenarbeit von Organisationen der Patientenselbsthilfe und Pharmaunternehmen. Der Kodex wurde am 13.10.2008 vom Bundeskartellamt als Wettbewebsregel genehmigt.

    Das heißt das man die Patienten – die Community miteinbezieht. Statt dessen wurde hier mit imo fadenscheinigen Argumenten über deren Köpfe hinwegenschieden. Das für diese Veranstaltung geschaffene Community Board hat oder ist imo nicht in der Lage gewesen diesem Punkt Rechnung zu tragen. Insofern iegt es auf der Hand das es natürlich an den Interessen der Community vorbeigegangen ist.

    „Darüber hinaus ist es aus unserer Sicht nicht verantwortlich, ein solches Programm auszuschreiben, wenn wir den Bewerbern nicht mitteilen können, ob das Programm überhaupt stattfinden kann, wieviele Teilnehmer wird einschleusen können, wo das Hotel ist, unter welchen Bedingungen sie dort untergebracht sind (Barrierefreiheit, Gemeinschaftsbad, Mehrbettzimmer, etc.) und wie sie vom Hotel zum Kongress kommen können, was das an finanziellen und zeitlichem Aufwand bedeutet etc“.

    Als Vertreter eines Community Boards geht es um das was die Community will. So versteh ich den Sinn und Inhalt des NaAmens Community Board.

    St. Gallen ist ja nicht über Nacht entstanden. Man wußte im Vorfeld das das Kontingent der übernachtungsmöglichkeiten von vornherein sehr beschränkt ist. Das durch oine gleichzeitig stattfindende Rockveranstaltung die günstigsten Übernachtungsmöglichkeiten ausgebucht sind liegt auf der Hand. Dazu kommt das die Schweiz nicht gerade billig ist. Schon deshalb hätte man sich überlegen sollen ob man eine solche Veranstaltung in einer Großstadt stattfinden lassen soll.

    „Dieses Maß an organisatorischer Unsicherheit führt dazu, dass der Finanzbedarf für das Scholarship-Programm nicht kalkuliert werden kann. Da aber das Community-Board die für ein solches Programm benötigten Mittel selbst (etwa bei der Industrie, der Deutschen AIDS-Stiftungen etc.) zusammenbetteln muss, ist es uns bislang nicht wirklich möglich, eine seriöse Mittelakquise zu betreiben. Wir können schlicht den Sponsoren nicht sagen, wie hoch der Bedarf ist.“

    Diese Argumentation ist schlicht und einfach falsch bzw eine Annahme. Gerade Sponsoren wissen das die entgültigen Kosten – was deren Höhe der finanziellen Beteiligung betrifft – erst in nachhinhinein bekannt sind. So hat man als Veranstalter z.b. keinen EInfluß darauf ob z.b. tatsächlich das günstigste Reisekostenangebot durch die Refferenten in Anspruch genommen werden kann, da das Kontingent der billigen Plätze von Unternehmen wie der Bahn etc bestimmt wird. Im übrigen gibt es immer die Möglichkeit eine Veranstaltung abzusagen wenn man als äh Community Board nicht mit den Bedingungen der Sponsore einverstanden ist.

    „Was in den Communities immer sehr gerne ausgeblendet wird: Die Vorbereitung eines Kongresses und die Planung und Durchführung eines Scholarship-Programms machen Arbeit – und das nicht zu knapp. Die Mitglieder des Community-Boards leisten diese Arbeit ehrenamtlich – zusätzlich zu ihren sonstigen haupt- und ehrenamtlichen und familären Verpflichtungen.“

    Auch das ist schlicht und einfach eine Behauptung die s nicht stimmt. Im übrigen weiß jeder der sich für etwas engagiert das Arbeit auf ihn/ihr sich zukommt.

    „Da sich aber insgesamt nur sechs Menschen mit HIV und AIDS aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu bereit gefunden haben, den SÖDAK mit vorzubereiten und drei von diesen sechs Personen innerhalb des ersten halben Jahres aus verschiedenen Gründen die Mitarbeit aufgegeben haben, besteht das CB nur noch aus drei Personen (jeweils eine Person aus Deutschland, Österreich und der Schweiz). Nur zum Vergleich: Die CBs der letzten Kongresse sind mit 10 Personen gestartet!“

    Und genau hier hätte sich das Community Board aus der Verantwortung entlassen müssen. So wird es eine Veranstaltung wo man sich fragt „Cui bono“? Für wird sie gemacht? Nun wer nicht daran teilnimmt ist jetzt bekannt. DIe Community . . .

    http://www.ondamaris.de/?p=7839

  4. danke für die umfangreichen erläuterungen, bernd.

    unabhängig davon, wie man den prozeß bewerten mag – wenn ich mir das ergebnis anschaue und mich an genfer / essener prinzip erinnere, dann wird mir ziemlich übel. mit community-beteiligung hat das ergebnis m.e. nicht mehr viel zu tun.
    insofern stimme ich #1 zu, ein rückfall in längst überwunden geglaubte zeiten.

    besonders prekär finde ich, dass diese gesamte missliche situation erst jetzt der interessierten öffentlichkeit bekannt gemacht wird. die frage, warum hat das community board da so lange stillschweigend mit gemacht, stellt sich (neben vielen anderen fragen) auch in meinen augen. und dennis (#3) bringt es ja treffend auf den (möglichen) punkt „genau hier hätte sich das Community Board aus der Verantwortung entlassen müssen“

    das ergebnis, wie es sich derzeit aus sicht der communities darstellt, ist jedenfalls mehr als misslich, es ist desaströs. dass die gründe des zustandekommens, des prozesses im einzelnen stellenweise nachvollziehbar scheinen, ändert nichts daran, dass angesichts der jetzigen situtation der einzige schluß m.e. nur sein kann „so nie wieder – nächstes mal entweder mit communities (genfer prinzip) oder eben ohne“

  5. @ alle

    Einige persönliche Anmerkungen von mit – nicht Stellungnahme des CB:

    In Essen hat die DAH mit etwa 100.000 DM den Kongress mitfinanziert – was anschließend zu einem fürchterlichen Krach mit der BZgA resp. dem BMG geführt hat – von wegen Doppelfinanzierung etc.. Daher waren in Essen Dinge möglich, die danach nie wieder möglich waren.

    In Berlin haben zeitgleich die Positiven Begegnungen und der DAK stattgefunden. Wovon der DAK (aus der Serie Community-Beteiligung) erheblich profitiert hat. (Ich persönlich habe das für ein charmantes Modell gehalten, steh aber damit ziemlich allein da.)

    Hamburg, Wien und Frankfurt waren DÖAKs. (Das CB Hamburg hat erstmals ein Scholarship-Programm aufgelegt.) Die CBs dieser Kongresse haben sich auf Grundsätze verständigt, wie sie diese Kongresse verstehen. Kann man nachlesen. Es ist eine sehr deutlich Abgrenzung zu den BPVen bzw. PoBes vorgenommen worden, die DÖAKs waren aus der Sicht der CBs keine Veranstaltungen, die Menschen mit HIV und AIDS als primäre Zielgruppe haben – das sahen die CBs die BPVen, PoBes und Bundesweiten Positiventreffen. Entsprechend haben sich die Ziele und Schwerpunktsetzungen der Arbeit der CBs gestaltet. Das hat jedes CB eigenständig und jeweils neu diskutiert und entschieden. Gleiches gilt für das CB des SÖDAK.

    Die Entscheidung, wo der nächste Kongress stattfindet und wer der Präsident/die Präsidentin wird, ist eine Entscheidung der jeweiligen AIDS-Gesellschaften bzw. deren Präsident(inn)en. Also bitte für St. Gallen Prof. Brockmeyer anpinkeln. (Stellt euch hinten an und zieht eine Wartemarke, die Schlage ist ziemlich lang.)

    In Frankfurt waren etwa 400 Redner auf Kosten des Kongresses eingeladenen. Mit diesem finanziellen Volumen war es für das CB problemlos möglich, eigene Veranstaltungen durchzuführen und Themen – auch gegen die ärztlich/wissenschaftliche Mehrheit oder gegen deren Desinteresse – zu platzieren.

    In St. Gallen reduziert sich die Zahl der möglichen Einladungen auf 100 oder noch weniger. Anders als die bisherigen Kongresse, wird St. Gallen zu einem ganz erheblichen Teil von eingereichten Arbeiten leben (müssen). Wir können erst nach dem 16 März wirklich sehen, wieweit aus Positivensicht relevante Themen auf dem Kongress stattfinden. (Siehe dazu Stellungnahme des CB weiter oben.)

    Die Industrie sollte in St. Gallen – neben der Industrieausstellung – nur 30minütige Symposien (jeweils drei Firmen zusammen in einem gemeinsamen 90minütigen Mittagssymposium) bekommen. Das ist eine ganz erhebliche Reduktion. Die Firmen waren durchaus bereits, sich darauf einzulassen – zumindest so mein Diskussionsstand mit den Verantwortlichen aus den Firmen). Allerdings haben sich – aufgrund der Veränderungen der rechtlichen Lage und nach den Korruptionsermittlungen gegen einzelne Firmen (in den USA vor allem, aber auch in D) – die Grundlagen verändert. Nunmehr haben die Rechtsabteilungen das Sagen und dort wird anhand der international gültigen firmeninternen und rechtlichen Vorgaben geprüft, ob Leistung und Gegenleistung in einem juristisch wasserdichten Verhältnis stehen. Und das Ergebnis war – sowohl für die den Kongress Organisierenden, als auch die HIV-Leute der Firmen – sehr unbefriedigend. Was zur Folge hatte, dass sich diese Planung nicht halten lies.

    Eine Erweiterung des Kongresses von zwei auf drei Parallelveranstaltungen – um mehr Flexibilität und Raum für Sozialwissenschaft, Prävention, Leben mit HIV und Pflege zu bekommen – wird seit Monaten gemeinsam von den AIDS-Hilfen und dem CB gefordert, ist aber aus budgetären Gründen nicht durchsetzbar gewesen. An dieser Stelle akzeptiere ich den Begriff „desaströs“.

    Sowohl die AIDS-Hilfen als auch das CB haben mehr als einmal überlegt, den Kongress sausen zu lassen – St. Gallen einfach auslassen/ignorieren und beim nächsten Mal von Vorne. (Ich für meinen Teil habe im Februar 2008 die Brocken hingeschmissen, mich aber – vor allem durch den Druck von Menschen mit HIV und AIDS – doch wieder umstimmen lassen.)

    Ich gebe Ulli Recht. Die Akzeptanz von Community-Beteiligung hat deutlich nachgelassen. Der neue DAIG-Vorstand ist hier wesentlich weniger unterstützend, als der alte. Hier wäre zur Unterstützung wesentlich mehr (personelles) Engagement aus der Positiven-Community notwendig, um etwa den Stand Essen oder Hamburg halte zu können. Das fehlt. Wie man ja auch an der sich – und zwar unabhängig von der von den jeweilige CBs abgelieferten Arbeit – von Kongress zu Kongress drastisch reduzierenden Bewerberlage für solche „Jobs“ wie CBs sehen kann. (Bei den Ausschreibunge für die Vorbereitungsgruppen der Bundespositivenversmmlungen bzw. Positiven Begegnungen ist genau das Gegenteil der Fall. Hier verdoppelt sich jedes Mal die Zahl der Bewerber/innen. – Das ist in meinen Augen ein sehr deutliches Signal aus der Community!)

    Das CB ist – nur zu Dennis – immer auf die selbe Art ausgeschrieben worden: Per Rundbrief der DAH, per Mail an die AIDS-Hilfen, per Mailinglisten, per Internet. Daran hat sich nichts geändert.

    Dennis Äußerungen zu Akquisition von Geldern machen nur deutlich, wie wenig Erfahrung er mit solchen Dingen hat. Wir bekommen Zusagen über fixe Summen und sonst garnichts. Wenn wir von der Firma XY 1.500,– Euro für das Scholarship zugesichert bekommen, rechnet sich das in etwa zwei bis allerhöchsten drei Scholarship-Plätze um. Wenn ich nicht weiß, wie teuer mich ein solcher Platz kommt, kann ich zwar ausschreiben, kann aber solange nicht zusagen, bis ich weiß, was mich ein Platz kostet. Außerdem haben wir sehr wohl die Erfahrung gemacht, dass die Akquisition deutlich leichter geht, wenn wir genau sagen können, was ein Platz kostet und was an Leistungen (Unterkunft, Höher der Reisekosten etc.) inkludiert ist.

    (By the way: Die Industrie in die Tonne kloppen aber rummeckern, weil man nicht auf Kosten der Industrie auf den Kongress kommt ist irgendwie schräg.)

    Das Theater, was passiert, wenn wir ausgeschrieben hätten, nicht in einer akzeptablen Zeit vor Kongressbeginn zusagen hätten können oder Zusagen verschicken und dann hinterher wieder abzusagen, wollen wir nicht über uns ergehen lassen. Es gibt aus den bisherige Scholarhips dahingehend etliche Erfahrungswerte – auch bezüglich der Unterbringung und der Wegstrecke vom Hotel zum Kongress. Davon einmal abgesehen, hat der Andrang auf die Scholarships aus Deutschland von Kongress zu Kongress nachgelassen. In Frankfurt habe ich noch in den zwei Wochen vor Kongressbeginn die freien bzw. wegen Krankheit oder sonstewas wieder freigewordenen Plätze angeboten wie Sauerbier.

    Wir haben uns entschieden – PUNKT.

    @ Dennis „Nun wer nicht daran teilnimmt ist jetzt bekannt. DIe Community . . . “ Was für ein Quatsch. Als ob die Scholarships jemals die einzigen Community-Leute gewesen wären, die an solch einem Kongress teilgenommen hätten. Es gibt nach wie ermäßigte Eintrittskarten. Das Freikartenkontingent wird von uns erneut verhandelt werden.

    (Und noch eine kleine Schweinerei am Rande: Wenn wir Geld von der DAS genommen hätten, wären wir gezwungen gewesen, die soziale Bedürftigkeit den Kriterien der DAS entsprechend zu prüfen. Das haben wir für Wien nicht gemacht und ein ziemlichen Ärger bekommen und dann folgerichtigerweise in Frankfurt darauf verzichtet, die DAS anzufragen. Soweit kommt es noch, dass sich das CB Kontoauszüge, HIV-Testbescheinigungen und Bescheinigungen der Rentenversicherer bzw. der ARGEn schicken lässt.)

    @Ulli: “so nie wieder – nächstes mal entweder mit communities (genfer prinzip) oder eben ohne” Ja – wobei es vielleicht beim nächsten Mal endlich gelingt (was den CBs der letzten Kongresse nicht gelungen ist), VORHER die Bedingungen festzulegen, anstatt jedes Mal wieder von vorne mit dem jeweiligen Kongresspräsidenten/der jeweiligen Kongresspräsidentin verhandeln zu müssen, was diese Bedingungen sind. Bislang bestand die erste „Aufgabe“ des CB immer darin, mit dem Kongresspräsidium ein Budget zu verhandeln, damit Community-Beteiligung überhaupt stattfinden kann. Die AIDS-Gesellschaften sind hier extrem resistent, wenn es darum geht solche grundlegenden Geschichten einem Kongresspräsidenten aufzuzwingen und auch die AIDS-Hilfen waren hier nie wirklich hilfreich. (Bis auf Essen, dort hat es zumindest mal einen Entwurf eines Vertrages gegeben, der aber auch nie unterschrieben worden ist).

    Bevor es noch länger und noch unlesbarer wird …

    Grüße

    Bernd

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