Traurige Spitzen

Was verbirgt sich in der Dreispitz-Passage?
Schon oft habe ich mir diese Frage gestellt, wenn ich die Friedrichstraße entlang radelte oder ging.
Dreispitzpassage01

Nicht, dass diese Passage irgendwie besonders verlockend auf mich wirkt. Oder gar einladend. Aber – was verbirgt sich wohl hinter solch einem Namen, solch einem Eingang?

Nach schönen Stunden mit antiteilchen in einem Café in der Nähe nutze ich die Gelegenheit. Auf dem Weg zum Bahnhof kurz einen Blick in diese Passage werfen.

Dreispitzpassagen02

Mich begrüßt – Leere. Gähnende Tristesse. Außer einem obligaten Schlecker sehe ich zunächst das reine Nichts.

Bis ungefähr 2000 seit hier einiges Leben gewesen, erzählt eine ältere Frau, die meine Irritationen angesichts dieses Innenlebens bemerkt. Da habe es einen Zigarettenladen gegeben, einen Schuster, einen Fleischer, eine Buchhandlung usw. – halt alles, was man im Viertel so alltäglich braucht.

Doch leider, so erzählt sie weiter, seien die Mieten, die verlangt wurden, im Nachwende-Boom immer weiter gestiegen. Eine Mieterin eines 10m²-Raums für ein Modeschmuck-Geschäft habe damals 1.000 DM Miete zahlen müssen.

Nun, 100 DM Miete pro m², kalkuliere ich in Gedanken, da muss schon einiges an Umsatz gemacht werden, um das zu erwirtschaften. Wurde aber anscheinend nicht. Die Folge: immer mehr Geschäftsinhaber seien pleite gegangen, hätten aufgegeben oder seien in günstigere Lagen gezogen, erzählt sie. Leerstand.
Dreispitzpassage03

Ja, der Vermieter sei Mietinteressenten entgegen gekommen. Habe die Mietpreise seit der Euro-Einführung mehrfach gesenkt. Das Leben sei dadurch nicht zurück gekehrt.
Was unübersehbar ist. Gähnende Leere, ich bin der einzige ‚Besucher‘ dieser Passage.

Statt einer belebten Einkaufs-Passage erlebe ich eine Dreispitz-Tristesse …

4 Gedanken zu „Traurige Spitzen“

  1. Ja war ein schöner Nachmittag! 😉

    Da brauch ich ja dann nicht mehr hinein zu schauen. Aufgefallen war sie mir auch schon aber das sie so trostlos ist. Das kommt davon wenn man als Vermieter den Hals nicht voll genug bekommt.

  2. Hi Ulli,

    manche Vermieter lassen ihre Räume lieber monatelang leerstehen, anstatt weniger Miete zu verlangen, und wundern sich dann, wenn keiner mehr dort einziehen will.

    Doch manche lassen es mit Absicht leerstehen, um Verluste zu schaffen…,

    lg Kalle

  3. @ antiteilchen:
    na – der blick hinein lohnt irgendwie schon, ein sehr eigenwilliger blick halt, und ein investitions-lehr (leer) stück 😉

  4. @ kalle:
    ich könnte mir vorstellen, dass inzwischen der standort einfach zu unattraktiv geworden ist – so leer wie’s dort ist, zieht’s dort einfach keine kunden mehr hinein …
    ein teil der räume soll inzwischen von bundesministerien als lager genutzt werden, war zu hören …
    lg ulli

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