Aids-Impfstoffe: die grosse Depression

Eine große Studie mit einem experimentellen HIV-Impfstoff, die aufgrund enttäuschender Ergebnisse vor einem Jahr vorzeitig beendet werden musste, ist inzwischen publiziert. Forscher diskutieren, wie es weiter gehen kann mit der Erforschung eines Impfstoffs gegen HIV.

Vor einiger Zeit sorgte die so genannte STEP-Studie für Aufsehen. Ein experimenteller HIV-Impfstoff (MRKAd5, auch V520 genannt) des Pharmakonzerns Merck (Merck Sharp & Dohme MSD, nicht zu verwechseln mit dem deutschen Chemie-Unternehmen Merck) führte in einer doppelblinden Phase-II-Studie (HVTN502) an über 3.000 nicht HIV-infizierten homosexuellen Menschen bereits in einer Zwischenauswertung zu einem überraschenden, bestürzenden Ergebnis: der experimentelle Impfstoff schien trotz Ausbildung von Immunreaktionen nicht nur nicht vor einer HIV-Infektion zu schützen, sondern im Gegenteil in der Gruppe der Geimpften traten mehr HIV-Infektionen als in der nicht geimpften Kontrollgruppe auf (4,6% zu 3,1%). Die Studie wurde im September 2007 vorzeitig beendet.

Bereits auf der CROI (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections), einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Aids-Konferenzen weltweit, wurden am 5. Februar 2008 Ergebnisse präsentiert (pdf). Inzwischen ist die STEP-Studie in der Fachzeitschrift Lancet (Vol. 370, Ausg. 9600, S. 1665 vom 17.11.2008; hier, gratis-Registrierung erforderlich, oder ohne Registrierung Summary) publiziert.

Auf zahlreichen Konferenzen wird über die Ergebnisse der STEP-Studie sowie generell über den weiteren Weg der HIV-Impfstoff-Forschung diskutiert. (Für interessierte Leser: einen guten Überblick geben die Vorträge der Konferenz ‚Aids Vaccine 2008‘, die vom 13. bis 16. Oktober 2008 im südafrikanischen Kapstadt stattfand.

Wissenschaftler spekulieren inzwischen, ob der Impfstoff eventuelle statt zu schützen einige Zellen der Teilnehmer empfindlicher für HIV gemacht haben könnte.

Zudem wird immer fraglicher, ob das Primaten-Modell (für Menschen bestimmte Wirk- oder Impfstoffe zunächst an verschiedenen Affen-Arten zu erforschen) für die Erforschung von HIV-Impfstoffen für Menschen überhaupt tauglich ist bzw. ob überhaupt nicht-menschliche Modelle für die Impfstoff-Forschung geeignet sind.

So bemerkte ein Wissenschaftler des US-Militärs „Der Vorhersagewert des nicht-humanen HIV-Makakenmodells wird von diesen Ergebnissen nicht unterstützt. Das Versagen bei STEP hat die Tür zum Konzept der T-Zell-basierten Impfstoffe nicht endgültig geschlossen.“

Der Pharmakonzern Merck betonte inzwischen (Pressemitteilung), sich trotz des Rückschlags weiterhin auf dem Gebiet HIVB/Aids engagieren zu wollen: „We are committed to the fight against HIV and AIDS for the long haul on many fronts.“ Zudem werde man die Studienteilnehmer weiterhin auch zukünftig begleitren und beobachten.

1 Gedanke zu „Aids-Impfstoffe: die grosse Depression“

Kommentare sind geschlossen.