Angela Merkel: „Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein!“

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel war zu Gast beim Welt-Aids-Tags-Empfang der Deutschen Aids-Hilfe am 13.11.20008.

„Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein“, ermunterte Merkel die DAH zu eigener Haltung. Merkel begrüßte die neue bundesweite Präventionskampagne „ich weiss, was ich tu“ und bezeichnete die Deutsche Aidshilfe als ‚Erfolgsmodell‘.

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Video: Rede Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Welt-Aids-Tags-Empfang 2008 der deutschen Aids-Hilfe

Länge: 15:06 min., Achtung: 55MB

20 Gedanken zu „Angela Merkel: „Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein!““

  1. Ja unser Souverän kann auch großzügig sein . . . ab und zu . . . 😉
    @kalle
    Tino Henn hat das in seiner Rede zum Ausdruck gebracht. Da kann man der DAH nur wünschen das sie Standpunkten mit Festigkeit begegnet wenn ihnen mal ein rauher Wind entgegenweht.

  2. @ Kalle:
    tja … wenn da nicht dieses arg interpretationsfähige „ab und zu“ wäre ;-)) – aber wir wollen ja nicht kleinlich sein, und – es sind einige bemerkenswerte aussagen in der rede.
    ich versuche, die rede auch als text online zu stellen, sobald er veröffentlicht wird.

    @ Dennis:
    ja – standfestigkeit – gepaart mit dem einsichtsvermögen, wann sie fehl am platz ist 😉

  3. @ondamaris

    was das „ab und zu“ betrifft – es ist der fingerzeig dafür das ein eigenen standpunkt zu vertreten nur innerhalb bestimmter grenzen geduldet wird. und das heißt klipp und klar – um auf das beispiel ekaf zu greifen: die klare linie gibt die regierung und die bzga vor. und genaus das war es doch warum der ate vorstand sich so schwer getan hat. insofern – mit ab und zu ist der äh dezente hinweis verbunden – bedenket wer euch finanziert . . . .

    dennoch – der neue vorstand hat schon in seiner rede zum ausdruck gebracht das es mit ihm – wenn s drauf ankommt nicht ganz einfach werden wird. und das ist auch gut so. :mompi 🙂

  4. Mir fällt an Angela Merkels Rede auf, wie sie immer wieder, an mehreren Stellen auf aktuell bestehende Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung Bezug nimmt.

    „Vorurteile zu überwinden … ist eine Aufgabe von uns allen“ Dies steht in dieser Rede gleichrangig neben dem „Prävention ist der beste Schutz“.

    „Hinter jeder Krankheit stehen leidvolle Schicksale. An AIDS erkrankte Menschen leiden heute auch noch oftmals doppelt: einmal körperlich – und an einer Umgebung, die immer noch zum Teil auf Distanz geht. Und die Bekämpfung der Krankheit hat deshalb auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension … Politik alleine wäre hier auf verlorenem Posten, deshalb ist es ja auch ein Erfolgsmodell, das mit der Deutschen AIDS-Hilfe ein starker, ein unverzichtbarer Partner da ist, ein kompetenter Partner, der natürlich auch oft sehr eigenständig sagt, was vor Ort nötig ist…“

    Aus Merkels Rede spricht eine sehr klare Wertschätzung der Arbeit der DAH und ihrer Mitgliedsorganisationen.

    Die Einschränkungen wie „ab und zu“ oder „ein Stück“ sind Bestandteil ihres Redestils. Merkel ist eben nicht Obama. Laßt uns den wesentlichen Tenor ihrer Ansprache wertschätzen.

    Und da höre ihre Einladung: Weiter dann „Unbequem sein, wenn vergessen zu werden droht, was noch zu tun ist.“

  5. @termabox

    du hast recht, es spricht in der tat viel wertschätzung aus merkels rede. wertschätzung und aufmunterung “Unbequem sein, wenn vergessen zu werden droht, was noch zu tun ist.”
    Ich denke es ist an der zeit das ich einige teile meines progammes das auf der festplatte zwischen meinen ohren aufgespielt ist umschreibe. 🙂

    es ist bedauerlich das die schriftmedien nicht mehr – im sinne von ausführlich – auf den notwendigen aspekt der selbsthilfe und der in der gesellschaft herrschenden stigmatisierung – diskriminierung eingegangen ist bzw diesen faden aufgenommen hat. ich denke das dies eine der aufgaben ist der sich die DAH unter dem neuen Vorstand annehmen sollte. das bild das mit hiv in vielen köpfen der gesellschaft immer noch verbunden wird ähnelt immer noch mehr picassos guernica als van goghs sonnenblumen.

  6. @ termabox:
    danke für die links zu medienberichten. ich verfolge die auch mit interesse – und sehe pikiert, wie sehr sich die berichterstattung darauf kapriziert, dass die ärtzte nun doch „nicht gefährdet“ seien.

    diese ankündigung ist sicherlich begrüßenswert. allein: die eigentlichen botschaften, die der empfang der dah liefern wollte (?), die botschaften der dah selbst sind dadurch in der medien-berichterstattung weitgehend untergegangen, bzw.in die zweite oder gar dritte reihe nach hinten gedrängt worden.
    das ist – mist!
    da verpufft zu viel aufwand in der außen-wirkung ohne nutzen für die dah.
    mir scheint, da hat sich die dah zu sehr instrumentalisieren, ihre (ja mit einigem aufwand versehene) veranstaltung (von der medienresonanz her) kapern lassen …

  7. @ondamaris

    da verpufft zu viel aufwand in der außen-wirkung ohne nutzen für die dah.
    mir scheint, da hat sich die dah zu sehr instrumentalisieren, ihre (ja mit einigem aufwand versehene) veranstaltung (von der medienresonanz her) kapern lassen …

    und genau da ist der punkt wo die DAH jetzt ansetzen – nachhaken kann und sollte.

    Hier die Rede von Angela Merkel im Worlaut:
    http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Rede/2008/11/2008-11-13-rede-merkel-aids.html

  8. @ ondamaris 10 + Dennis 11

    ich kenne die Sachlage um den drohenden Abbau der medizinischen Versorgungsstrukturen nicht im Detail, aber ich habe Verständnis für die DAH, diese akute Bedrohung als Interessensvertretung für Menschen mit HIV und AIDS jetzt in den Vordergrund zu stellen – auch wenn es viele andere wichtige Themen gibt, zu denen man etwas zu sagen hat. Wahrscheinlich musste der DAH-Vorstand sich entscheiden und hat so entschieden – und ein gutes Ergebnis in der Sache eingefahren.

    Nun könnte man von den HIV-Ärzten auch eine Gegenleistung erwarten. Ob diese aber den emanzipativen Ansatz der AIDS-Hilfen in Selbsthilfeförderung, Beratung/Begleitung und Prävention genauso solidarisch mit verteidigen werden? Da gab es in der Vergangenheit durchaus Enttäuschungen. Und wenn es um die „Medikalisierung der Prävention“ geht, kochen Ärzte auch gerne ihr eigenes Süppchen.

    Diese Gedanken mit allem Vorbehalt geäussert, weil ich, wie gesagt, die Hintergründe im Detail nicht kenne.

  9. @termabox
    ich bezog mich bzgl der außen-wirkung auf die medien die wesentlich dazu beitragen, was das bild von hiv bzw von hiv positiven – entscheidend mitprägt.

  10. Ich habe genau nachgeschaut: In ihrer Rede streifte Bundeskanzlerin Angela Merkel 1 Mal auch namentlich “Homosexuelle” in dieser Passage:

    “Wenn wir uns daran zurückerinnern – das ist nun gerade einmal 25 Jahre her –, dann bekommen wir ein Verständnis dafür, wie es für viele Länder auf der Welt ist, in denen man genau in der gleichen Situation ist. Man muss überhaupt nicht verzagen, sondern muss einfach mutig seinen Weg gehen. Denn wenn man sieht, was wir erreicht haben, dann kann man sagen: Unwissenheit, Unsicherheit und Ängste, die damals noch erstaunliche Blüten getrieben haben, sind überwunden. Damals fühlten sich von der Krankheit Betroffene genau deshalb auch hilflos und alleingelassen. Es ist heute schon gesagt worden: Die Angst vor verstärkter Ausgrenzung und vor Diskriminierung ging gerade bei Homosexuellen um.”

    Ihre Rede stand im Zeichen von 25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe und damit ALLER von HIV und AIDS betroffenen Menschen.

    Trotzdem oder auch gerade deshalb wäre ein sprachlich prägnanteres Benennen des Trauma AIDS, das in der Community der schwulen Männer bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat, der geleisteten kollektiven Bewältigung angemessen gewesen. Schwule Männer haben in dieser Zeit nicht nur sich selber geholfen, sondern leisteten in der Vergangenheit und leisten auch heute noch jeden Tag sogar zahlenmäßig umfangreicher Aufklärungs- Informations- und Präventionsarbeit für die heterosexuellen Mitbürger.

    Angela Merkel gelingt es sogar, die Präventionskampagne „Ich weiss was ich tu“ in ihrer Rede SO anzusprechen, dass dort keinerlei die Zielgruppe benennende Worte wie „Homosexuelle“, „Schwule Männer“ oder „MSM“ vorkommen. Ein beachtliches Meisterstück! Der Leser staunt…

    Für ihre heterosexuellen Wähler und Wählerinnen hätte Kanzlerin Merkel aus Anlass von 25 Jahren DAH ohne Not duraus etwas “unbequemer” sein dürfen.

    Dies trübt etwas die Wertschätzung, die in ihrer Rede zum Ausdruck kommt.

  11. Nun, ich meine, es ist nicht zu unterschätzen, dass sich Frau Bundeskanzlerin höchstselbst zu dieser Veranstaltung bemüht hat und die Vertretung der Bundesregierung nicht allein der „lieben Frau Kollegin Ulla Schmidt“ überlassen hat.

    Für sehr wichtig halte ich auch die explizite Erwähnung der IWWIT-Kampagne. Das ist eine Ohrfeige für alle Bremser und Rückwärtsgewandte in der DAH und der BZgA und gleichzeitig eine Ermunterung für alle Unterstützer dieser Kampagne.

  12. Ganz besonders bemerkenswert und ermutigend ist diese aussage von ihr. ihrE redenschreiberIn ist sich zwar nicht bewußt das es in berlin die regenbogenvilla gibt – dennoch – sie stärkt und unterstützt – befürwortet solche projekte – die gerade im hinblick auf Hiv und Alter“ in der nahen zukunft auf der agenda aller beteilgten stehen wird.

    „Ich glaube, dass ein schönes Beispiel für das, was gemeint ist, ein ganz in der Nähe von hier liegendes Wohnareal ist: Eine Wohnanlage für Menschen mit AIDS, eines der gemeinnützigen Wohnprojekte von “ZIK – Zuhause im Kiez”. Betroffene können dort so wohnen und leben, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Sie erfahren Pflege und Betreuung, die sie brauchen. So ist aus einer Eigeninitiative engagierter Bürger ein echtes Vorbild geworden für Strukturen, in denen Leben, Betreuung, Pflege und Vorsorge möglich ist.“

  13. @ TheGayDissenter:
    ja – es ist (auch angesichts anderer probleme, die die politik ja derzeit zur genüge hat) sehr zu schätzen, dass die bundeskanzlerin den weg zur dah gefudnen hat – und eine stunde bei der veranstaltung war!

    die iwwit-kampagne zu erwähnen – darüber habe auch ich mich sehr gefreut. vielleicht ist es nun mit dieser unterstützung etwas eher möglich, auch bisher nicht realisierte teile der kampagne umzusetzen
    lg

  14. @ all:

    bei aller Wertschätzung und Anerkennung über die Teilnahme von Kanzlerin Merkel und ihrer ausdrücklichen Begrüßung der IWWIT-Kampagne:

    Mir ist nur auch bewusst, „…was noch alles zu tun ist.“ 😉

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