eine blaue Fata Morgana

Die blauen Seiten sind ja doch immer wieder für Überraschungen gut. Manche präsentieren augenzwinkernd über wahre Perlen schwuler Wohnkultur, und der aktuelle Trend auf gayromeo soll ja sein: ‚Passive haben mehr Auswahl‚. Na denn …

So ab und an findet man dann doch die ein oder andere echte Perle, wie neulich im Profil eines Bekannten: „Natürlichkeit macht schöner als jede Kosmetik“.
Was sich als seltene Ausnahme erweist – Natürlichkeit wird auf dem Portal virtueller Sehnsuchts-Jäger wohl eher selten gefragt sein …

Viel mehr frage ich mich langsam, ist das Gayromeo von heute wirklich so viel mehr als der Kino-Besuch der 50er Jahre?
Mehr als leicht gemachte Realitäts-Flucht? ‚Ferien auf dem Immenhof‘ für den modernen virtuellen Homo?
Nicht doch ganz banal das reale Leben eingetauscht gegen Pseudo-Leben?
Pseudo-Leben, dessen Glücks- und Liebesversprechen sich nur allzu leicht als Fata Morgana erweisen?
Authentizität oder Versuche selbiger zumindest scheinen eher selten und wenig gefragt zu sein …

Statt dessen wird ein Körperkult propagiert, der sich derzeit immer noch gern als ’straight acting‘ oder ‚Hetero-Optik‘ präsentiert, oder in seiner jüngsten Variante als ‚Berlin gay‘ einen international stereotypisierten weiteren Clone entstehen lässt.

Suche nach flüchtiger Intensität – oder nach intensiver Flüchtigkeit?
Ist die ‚blaue Fleischtheke‘ manchmal tatsächlich nicht mehr als eine ‚blaue Fata Morgana‘?

So mancher verabschiedet sich ja bereits wieder aus dem blauen Branchenbuch … die neuen ‚Trendsetter‘?

7 Gedanken zu „eine blaue Fata Morgana“

  1. „Statt dessen wird ein Körperkult propagiert, der sich derzeit immer noch gern als ’straight acting‘ oder ‚Hetero-Optik‘ präsentiert, oder in seiner jüngsten Variante als ‚Berlin gay‘ einen international stereotypisierten weiteren Clone entstehen lässt.“

    Dem kann ich nur zustimmen!

    Zu große Erwartungen sollte man nicht mit in die blauen Seiten nehmen. Die meisten suchen doch was zum Vögeln weil sie keine Lust haben sich in die Kneipe zu stellen und stundenlang rum zu baggern und wo sie nicht wissen was sie bekommen, jedenfalls unten rum. Ich habe meine Online Zeit dort schon vor Monaten drastisch eingeschränkt, denn dort steht der Sex ganz klar im Vordergrund. Zu mehr sind diese Seiten aber auch nicht zu gebrauchen. Doch, noch zum lachen 😉

  2. Den „Berlin gay“ Clone kenne ich noch nicht *neugierigguck*. Aus eigener Erfahrung weiss ich jedoch, dass man sofort uninteressant wird, wenn man dem allgemeinen Schönheitsideal nicht (mehr) entspricht. Sex steht an vorderster Stelle, dann kommt lange nix, bis es mit Sex weitergeht. Zu anderen Dingen (Plaudern usw. ) werden die Seiten nicht gebraucht :(. Früher hätte man sich über solche Möglichkeiten gefreut, da es zumindest die Trefferquote erhöht, gleich an den „richtigen“ zu geraten. Aber das Katz und Maus spielen hatte auch seinen Reiz…

  3. @ antiteilchen:
    stimmt, das mit den erwartungen. ich nutze’s auch eher um kontakt zuu leuten zu halten, oder es läuft ‚im hintergrund‘
    lg ulli

  4. @ kalle:
    tja – das mit den schönheitsidealen wäre noch mal ein ganz eigenes thema wert …
    lg ulli

  5. Zum Glück muss ich mich dort nicht nach einem Partner umsehen. Bin ja in guten Händen, und das seit 10 Jahren.
    Trotzdem habe ich mich auf den blauen Seiten angemeldet um mich ab und zu mal mit Freunden zu unterhalten, die nicht in unserer Nähe sind.
    Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass ich gelegentlich durch einige Profile cruise. Am schlimmsten finde ich
    A) 30-jährige und darüber, die sich noch als Boy bezeichnen
    und
    B) Bubis, die frech und bestimmt eine Altersgrenze setzen. Ich bedauere diese Jungs weil sie eines Tages auch in das Alter kommen, in dem sie für ein Grossteil der Schwulen nicht mehr begehrenswert sind und dann eventuell selbst dem Jugendwahn hinterherlaufen.

  6. @ queergedacht:
    tja – die boys werden auch immer älter ;-))
    … und die jugendwahn-fetischisten merken den alterungsprozess auch irgendwann, aber der jugendkult ist wohl ewiglich …
    lg ulli

Kommentare sind geschlossen.