“ Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit „

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – von der Ungleichwertigkeit zur Ungleichheit, dieses von der Universität Bielefeld (Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung) entwickelte Modell könnte Anregungen geben für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Stigmatisierung HIV-Positiver.

Stigmatisierung (nicht nur als) HIV-Positiver und Aids-Kranker stand im Mittelpunkt eines Fachtags der Deutschen Aids-Hilfe. Michael Müller (Universität Bielefeld) stellte dort das Modell (Syndrom) Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) vor.

Eine ‚Ideologie der Ungleichwertigkeit‘ wird dabei als Kern von Vorurteil und Stigmatisierung gesehen und ist zentral im GMF-Syndrom. Was Stigmatisierung und Diskriminierung befördert (zum Beispiel gesellschaftliche Entwicklungen wie eine zunehmende Ökonomisierung sozialer Beziehungen), haben die Bielefelder Wissenschaftler über eine  Zeitraum von zehn Jahren analysiert.

Einen kurzen Überblick über das Modell gibt ein Artikel in „Aus Politik und Zeitgeschehen“ (Bundeszentrale für politische Bildung):

„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit widerspricht der Wertvorstellung von Gleichwertigkeit. Sie rechtfertigt Ideologien der Ungleichwertigkeit, die ihrerseits soziale Ungleichheit langfristig zementieren können.“

.

Die Präsentation des Konzepts GMF Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit durch Dipl.Päd. Michael Müller in Vertretung für Prof. Zick – für mich das Highlight auf dem Fachtag „Ausgrenzung. Macht. Krankheit. HIV-bezogener Stigmatisierung entgegentreten!“, den die Deutsche Aids-Hilfe am 27. und 28. Oktober 2012 in Berlin veranstaltet hat.

Gesellschaftlichen Entwicklungen räumen die Bielefelder Forscher eine zentrale Bedeutung im Rahmen des Syndroms Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ein. Diese Zusammenhänge zu verstehen und analysieren könnte Aidshilfe(n) wie auch HIV-positiver Selbsthilfe Grundlagen und Anregungen geben zur Auseinandersetzung mit Stigmatisierung.

.

Eva Groß, Andreas Zick, Daniela Krause alle: Universität Bielefeld)
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 16-17/2012)
„Ungleichheit, Ungleichwertigkeit“
als Print vergriffen, Download als pdf hier

.

siehe zum Thema auch
Prof. Dr. Andreas Zick, Dr. Beate Küpper, Andreas Hövermann
„Die Abwertung der anderen –
Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung“
Als Download bei der Friedrich-Ebert-Stiftung (pdf)

.

3 Gedanken zu „“ Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit „“

  1. Solche intellektuellen Analysen und Erkenntnise sind ja schön und gut, darüber auf div Veranstaltungen zu debattieren mag dem Intellekt des/der Einzelnen in einem Diskurs einen Kick geben und der pers Befriedigung und Bestätigung genüge tun nur sehe ich hier außer Zeit und der Verschwendung von finanziellen Mitteln und Manpower keinen praktischen Nutzen im Alltag da Stigmatisierung von (nicht nur) HIV-Positiven ja bekannt ist.

    Und das Stigmatisierung von Menschen „Gruppenbezogen ist und in der Folge per Definition (durch die Terminologie ändert sich auch nichts daran) “Gruppenbezogene“ Menschenfeindlichkeit ist und der Wertvorstellung von Gleichwertigkeit widerspricht, dürfte jedem der fachspezifisch (Sozpädagogik?) studiert und seine 3 1/2 Sinne beisammen hat auch klar sein. Wie auch das sie Ideologien der Ungleichwertigkeit zementiert, die ihrerseits soziale Ungleichheit langfristig zementieren können.”

    Wir sprechen ja hier von TeilnehmernInnen, Menschen denen solche Alltagserfahrungen auf Grund ihrers Jobs bekannt ist, sein dürfte. Sinnvoller dürften da wohl alltagspraktikable politische Strategien zu entwickeln um diesem Aspekt entgegenzuwirken. Aber das bezweifel ich stark das dies geschieht. Der Alltag u.a. die Zunahme von Homophobie beweist das Gegenteil.

    Ändert sich daran etwas im Alltag für Menschen mit HIV/AIDS? Gibt es durch solche Veranstaltungen weniger Stigmatisierung, weniger „Ungleichbehanndlung“ im Alltag? Nein. Wozu sind solche Veranstaltungen dann gut? Sie dienen nichts weiter als der Befriedigung der pers Eitelkeit und dem Gefühl das man erhält, vor allen Dingen die intellektuellen Fähigkeiten des Geistes befriedigt zu haben.

  2. Danke für die kurze Notiz! 😉

    Ein wichtiges Thema, ohne Frage. Allerdings beziehen Groß, Zick und Krause in ihrer Analyse in der ApuZ-Veröffentlichung eine unpräzise Ausgangsposition und das Leitmotiv ‚“von der Ungleichwertigkeit zur Ungleichheit“ ist richtungsverkehrt. Ich kann und will das jetzt nicht hier in der Kommentarspalte ausführen, nur so viel: Das Sozialverhalten der Menschen (also deren Bewertung anderer Menschen) spiegelt das, was in Gesetze konstituiert und in Glaubenssätzen postuliert wurde, nicht umgekehrt.

  3. @ Steven:

    die von dir monierte Richtungsverkehrung kann ich nicht beurteilen – bin kein Sizialwissenschaftler 😉

    im vortrag fand ich viele spannende details, wie zB welche merkmale / ausprägungen der gmf (zB homophobie) jeweils in kombination auftreten, oder wie weit zeitweise zB rassimus in die mitte der gesellschaft vorgedrungen ist.
    wichtig auch die diskussion, wie abbau von stigma möglich sei. wie zentral er zB „kontakte“ sah

    zu stigmatisierung harte zahlen zu haben, die auch gängigen klischees teils widersprechen – spannend!

    zudem seh ich in dem projekt viele ansätze, von denen aus aidshilfe & positive selbsthilfe ihre arbeit zurm abbau von stigmatisierung neu oder anders denken könnte, breiter …

Kommentare sind geschlossen.