Anthrax / Milzbrand bei iv-Drogengebrauchern: Untersuchungen des RKI

Zwei Fälle von Milzbrand bei iv-Drogengebrauchern sind im Juni 2012 in Süddeutschland bekannt geworden. Bereits 2009/2010 waren ebenfalls Fälle von Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in NRW sowie Süddeutschland bekannt geworden. Anlässlich dieser früheren Fälle hat das Robert-Koch-Institut (RKI) serologische Untersuchungen bei Drogengebraucher/innen in Deutschland vornehmen lassen. Über die Ergebnisse wird in der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins berichtet.

In allen Fällen wird kontaminiertes Heroin als Quelle der Infektion vermutet. Das RKI definierte die neue Form des ‚Injektions-Milzbrand‘, übertragen ‚durch subkutane, intramuskuläre oder intravenöse Injektion von kontaminiertem Heroin‘. Trotz Behandlung liege die Letalität (Sterblichkeit) bei 30%. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei sehr unwahrscheinlich, betont das RKI.

Durch die serologische Untersuchung sollte festgestellt werden, „ob es möglicherweise weitere durch das neue klinische Erscheinungsbild unerkannt gebliebene, gegebenenfalls sogar klinisch nicht manifest gewordene Fälle von Injektionsmilzbrand unter injizierenden Heroinkonsumenten gegeben haben könnte“, Ziel seien erste Schritte zur „Abschätzung des Risikos eines Injektionsmilzbrands in Deutschland“.

37 Universitätskliniken wurden kontaktiert. Nur 10 nahmen teil, eine verweigerte die Teilnahme, 20 reagierten trotz wiederholter Anfragen nicht. Es konnten retrospektiv keine weiteren Fälle ermittelt werden.
Serologische Untersuchungen von Blutproben von Teilnehmern aus einer Studie sowie einer JVA (insgesamt 288 Proben) zeigten alle nur negative Ergebnisse, kein weiterer Fall von Injektions-Milzbrand wurde festgestellt.

Das RKI schlußfolgert

„Durch die fehlende Aufdeckung weiterer Fälle von Anthrax unter Heroinkonsumenten kann angenommen werden, dass sich die Problematik in Deutschland in keinem stärkeren Ausmaß manifestiert. Möglicherweise ist davon auszugehen, dass die Anthraxfälle in Deutschland und Großbritannien nur auf eine einzelne oder wenige Chargen von sehr geringgradig kontaminiertem Heroin zurückzuführen sind.“

Allerdings solle sowohl zur Prävention als auch zur Verbesserung der Behandlungschancen „die Aufmerksamkeit und der Informationsstand über Anthrax im Zusammenhang mit Heroinkonsum sowohl bei den Einrichtungen der Drogenhilfe und der Ärzteschaft als auch bei Drogengebrauchern langfristig aufrechterhalten und gefestigt werden“.

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weitere Informationen:
Anthrax – serologische Untersuchung zur Fallfindung von Bacillus-anthracis-Expositionen bei Heroinkonsumenten in Deutschland im Zeitraum 2010 – 2011
in: Robert-Koch-Institut (Hg.): Epidemiologisches Bulletin 26 / 2012 (pdf)
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