Wie wichtig sind uns Erinnern und Gedenken an die an Aids Verstorbenen?

New York gibt sich vielleicht bald einen grossen Park – zur Erinnerung, zum Gedenken, an all die an den Folgen von Aids verstorbenen Bürger. Den New York City Aids Memorial Park. Bravo, möchte man rufen – und zugleich sich vor Scham weg beugen. Vor Scham darüber, wie, in welcher Form wir in Deutschland oftmals der an den Folgen von Aids verstorbenen Mitbürger gedenken.

Nur wenige Städte in Deutschland (unter ihnen Berlin, Frankfurt und Köln) haben überhaupt dem Gedenken der an Aids Verstorbenen gewidmete Orte. Viele Orte haben – nichts. Oder kleine Initiativen, die mit Veranstaltungen gedenken, aber keinen Ort des Erinnerns haben. Die Städte, die einen Ort des Aids-Gedenkens aufweisen können, haben nur selten eine Form gefunden, die mehr ist als die kleine Form. Gedenken und Erinnern an die an Aids Verstorbenen – jenseits der Welt-Aids-Tags-Rituale findet es nur noch selten statt, wird es kaum noch beachtet. Vergessliches Aids?

Michael Jähme fragte im November 2011 “Brauchen wir eine neue Kultur des Erinnerns?“. Die Frage steht immer noch im Raum, einer Antwort harrend.

Ein Aids-Gedenk-Park mitten in Berlin (oder Köln, Hamburg, Stuttgart, München …) – warum nicht? Platz hat die Stadt genug – und allein in Berlin sind Tausende Menschen bisher an den Folgen von Aids verstorben.

Sollten wir die Kampagne für einen Aids Memorial Park in New York zun Anlass nehmen, auch hierzulande neu über Erinnern und Gedenken nachzudenken – und aktiv zu werden?

11 Gedanken zu „Wie wichtig sind uns Erinnern und Gedenken an die an Aids Verstorbenen?“

  1. Seit ein paar Wochen mache ich mir die Mühe, aus alten Magazinen, newslettern, im Internet zugänglichen Quellen zusammenzutragen, wer alles als in der Selbsthilfe, insbesondere Positivenselbsthilfe aktiv war und ist. Lebende und Verstorbene.
    Dabei ergibt sich mir das Bild, dass seit Beginn der AIDS-Krise inzwischen wohl HUNDERTE von HIV-Positiven sich geoutet und öffentlich engagiert haben. Es war nicht immer ein massenmediales Outing wie jetzt bei der WAT-Kampagne, oft war es ein lokales in der Lokalpresse oder auch ein halböffentliches nur mit Vornamen im Verein vor Ort. Und viele haben in ihrem privaten Leben gegenüber Freunden/Freundinnen und Sexpartnern anderen Menschen Erfahrungen in der Begegnung mit Menschen mit HIV ermöglicht.
    Ich bin beeindruckt, zu sehen, wie unglaublich viele HIV-Positive öffentlich geworden sind – um zu einem realitätsgerechten Bild vom Leben mit HIV beizutragen. Keiner kennt die Zahl, aber es sind unglaublich viele!
    Eine aktive Erinnerungskultur würde dies sichtbar machen!

    In diesem Jahr jährt sich der 20. Todestag von Jörg Vathke in Köln, der für sein Engagement zu HIV als schwuler Mann auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Wer es nicht weiss, findet bei Suchmaschinen im Internet – NICHTS ! Als ob er nicht gelebt hätte, dabei war er so wichtig. Das Centrum Schwule Geschichte in Köln wird viel im Archiv haben – aber es ist nicht aufbereitet …

    Ich will da mit ein paar Freunden was an den Start bringen…

  2. Sehr beeindruckt hat mich 1997 ein Besuch und Gespräche mit Menschen in der AIDS Memorial Grove im Golden Gate Park in San Francisco: http://www.aidsmemorial.org

    Ein wohltuender Ort, für das Leben heute und das Erinnern an früher….

  3. Tom Fecht installierte 1992 anläßlich der Documenta IX in Kassel die ersten Stolpersteine („Mémoire nomade“ („Namen und Steine“)) im Gedenken an Aids-Tote um die Stufen des Fridericianums. 1993 kam das Memorial in Frankfurt „Verletzte Liebe“ und weitere Stolpersteine auch in Köln dazu. Da ich lange nicht mehr in Kassel war, bin ich mir nicht sicher ob sie heute noch dort liegen wo sie einst waren.
    Ich erinnere mich noch gut daran, weil ich sie als eine der gelungensten Documenten war die ich in Kassel bisher erlebt habe. Es müssen also keine Großstädt wie Frankfurt, München, Berlin oder Köln sein die etwas in der Art Memorial errichten. Kassel ist zwar keine Kleinstadt aber um an die Größe der anderen Städte zu kommen fehlt es doch gewaltig.
    Sicher ist es mehr als nötig den Opfer von Aids zu gedenken und dafür bedarf es einen würdigen Ort zu finden.

  4. HIV und Aids muss viel stärker wieder ins Bewusstsein gerufen werden und das Impliziert ein Erinnern an all die lieben Menschen, die leider vorzeitig von uns gegangen sind. Da HIV/Aids ein weltweites Thema ist, sollte es eigentlich als Selbstverständlichkeit angesehen werden, dass es in allen größeren Städten entsprechende Gedenk- und Erinnerungsorte geben sollte und müsste.

    Persönlich finde ich das Wiener Aids-Memorial, das den Namen „Names Project Wien“ trägt, sehr gelungen:

    http://www.aidsmemorial.info/memorial/id=35/vienna_aids_memorial.html (mit Foto, auf den Steinen sind die Namen jener, die leider vorzeitig von uns gegangen sind).

    http://www.namesproject.at/index.html (Homepage des „Names Project Wien“

  5. @ thinkoutsideyourbox:

    … was mich daran erinnert, dass ich unbedingt mal wieder nach wien muss (möchte), und mir dann auch das aids-memorial anschauen 🙂

  6. … es freut mich sehr das es noch menschen gibt die sich an jörg vathke erinnern.

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