Time: HIV- ‚treatment as prevention‘ drittbedeutendster medizinischer Durchbruch 2011

HIV-Medikamente zur HIV-Prävention (treatment as prevention) – für das US-amerikanische Magazin ‚Time‘ der dritt-bedeutendste medizinische Durchbruch 2011.

‘treatment as prevention’  ist eine Umsetzung des EKAF-Statements und seiner Konsequenzen auf die Prävention: wenn bei HIV-Positiven durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie (ART) die Infektiosität drastisch sinkt – müsste es dann nicht möglich sein, durch eine möglichst weitreichende und umfassende Behandlung aller HIV-Positiven die Zahl der HIV-Neuinfektionen nahe Null zu bringen? Und müssten die gleichen Medikamente nicht vielleicht auch geeignet sein, Menschen die bisher nicht mit HIV infiziert sind, vor einer Infektion zu schützen?

Zwei Studien zeigten 2011, dass mit antiretroviraler Medikation als Prophylaxe eine gewisse Schutz-Wirkung erzielt werden kann (siehe u.a. „Studie bestätigt: wirksame Therapie senkt HIV-Übertragungs-Risiko um 96% – Pillen zur Prävention?„).

Das US-anmerikanische Magazin ‚Time‘ wählte nun ‚treatment as prevention‘ zum dritt-bedeutendsten medizinischen Durchbruch des Jahres 2011. Time sieht hierin eine Chance, die weltweite HIV-Epidemie in den Griff zu bekommen:

„The results add to the evidence that using ARVs could help control the still growing AIDS epidemic in the developing world, where most new infections occur in heterosexual couples. Public health officials face significant obstacles in making ARVs widely available in these regions, but if they can, they might finally be able to curb the epidemic.“

Das Konzept ‚treatment as prevention‘ ist nicht unumstritten (siehe auch Der Teilzeitblogger: Therapiezwang – Volksgesundheit vs. Entscheidungsfreiheit“). Es gibt zahlreiche Hinweise, dass das Konzept im realen Leben nicht so einfach zu realisieren ist. Welch enge Grenzen in der Praxis selbst in wohlhabenden Industriestaaten derzeit gesetzt sind, zeigten erst jüngst Daten aus den USA – nur 50% der HIV-Positiven in den USA erhalten regelmäßige Betreuung, nur 28% haben eine Viruslast unter der Nachsweisgrenze.

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weitere Informationen:
Time: Top Ten Medical Breakthroughs: 3. HIV treatment as prevention
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6 Gedanken zu „Time: HIV- ‚treatment as prevention‘ drittbedeutendster medizinischer Durchbruch 2011“

  1. Diesen State of Mind von Journalisten bzw die entsprechende printmediale Umsetzung würde ich mir trotz aller Bedenken von deutschen Journalisten wünschen, zeugt es doch von einer Bereitschaft sich den gegenwärtigen medizinischen Erkennstnissen nicht nur zu stellen sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen und anzuerkennen. Davon sind wir in Deutschland gesellschaftspolitisch wie printmedial journalistisch noch Welten entfernt.

  2. Der Titel des TIME-Artikels ist irreführend: es geht in dem Artikel nicht um „treatment as prevention“, also ART bei einem HIV-Positiven, was dann einen Bezug zum EKAF-Statement usw. zulässt, sondern um die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), also ART bei einem HIV-Negativen! Das sind zwei paar Schuhe und gerade die PrEP ist für mich nicht der richtige Weg, HIV-Neuinfizierungen zu reduzieren. Weder in Industrieländern noch in Regionen mit deutlich unzureichenderen Ressourcen.

  3. @ Flaneur:

    treatment asd prevention und prä-expositions-prophylaxe werden oft „in einen topf geworfen“ bzw. verwechselt. desweegn habe ich im ersten passus bewusst beide lesarten erwähnt.
    lg

  4. @ Ulli,

    Danke für die Antwort! Es ging mir ausschließlich um den TIME-Artikel. Nicht, dass da jetzt etwas falsch verstanden wird 🙂

  5. @ Clamix:

    Gilead bemüht sich (trotz Protesten) schon länger, Medikamenten des Hauses für die Prävention zugelassen zu bekommen …

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