“Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV” – Forderungen und Positionen aus dem Workshop “Kriminalisierung von Menschen mit HIV”

Im Rahmen des 144. Bundesweiten Positiventreffens fand am 29. Juni 2011 im Waldschlößchen ein Workshop zum Thema ‘Kriminalisierung von Menschen mit HIV’ statt. Die Teilnehmer erarbeiteten gemeinsam mit dem Workshop-Leiter RA Jacob Hösl eine Resolution, die im Folgenden dokumentiert ist:

Forderungen und Positionen aus dem Workshop “Kriminalisierung von Menschen mit HIV” am 29.6.2011 im Rahmen des 144. HIV-Positiven-Treffens

Forderungen und Positionen aus dem Workshop “Kriminalisierung von Menschen mit HIV” am 29.6.2011 im Rahmen des 144. HIV-Positiven-Treffens im Waldschlösschen Gleichen-Reinhausen, gerichtet an die Aidshilfeorganisationen, allen voran an die Deutsche Aids-Hilfe. Sie mögen sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mittel dafür einsetzen.

Denn nicht akzeptabel, ärgerlich und verletzend ist das Bild von Sexualität, wie es leider seit Jahren, zum Teil wider besseres Wissen, in Öffentlichkeitskampagnen verbreitet wird. Diese müssen ehrlicher und zur Änderung der falschen Bilder zunächst auch provokanter werden. Das ist nötig, weil das “alte Aids” heute eher Schreckgespenst denn Wirklichkeit ist, was aber bei den meisten Menschen noch nicht angekommen ist.

Viele von uns sind nicht mehr ansteckend.

Weitgehender Konsens unter den Teilnehmern herrschte über Folgendes:

1. Es gibt keine Sicherheit, auch nicht beim Sex.

2. Die Selbstbestimmtheit der “HIV-Negativen” im Sexualverhalten muss gestärkt werden.

3. Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV.

4. Die Unwissenheit über HIV muss beseitigt werden, das Wissen muss verbreitet werden, etwa über die tatsächliche Infektiosität.

5. Die Angst “HIV = Sex + Tod” muss genommen werden.

6. HIV-Positive müssen antidiskriminierungsrechtlich geschützt werden.

7. Geld für Antidiskriminierungskampagnen muss bereitgestellt werden.

34 comments on this post.
  1. Matthias Gerschwitz:

    Einspruch!

    Es gibt kein »Recht auf Sex ohne Kondom« – es gibt nur ein Recht und eine Pflicht zur Verständigung auf Sex ohne Kondom. Umgedreht wäre das nämlich ein Recht auf Bareback. Und das kanns ja wohl nicht sein, oder?

    Und bevor Positive »geschützt« werden müssen, solten sie sich mal lieber überlegen, was sie dazu beitragen können, das Wissen über HIV und die Kenntnisse über den aktuellen Stand des Lebens mit HIV zu vermehren. Irgendwie sieht man dabei nämlich immer nur dieselben Gesichter. Es beklagen sich aber immer die anderen – und es beschleicht mich das Gefühl, dass es unter vielen Positiven eine Erwartungshaltung gibt, dass »etwas für mich getan wird« … »ich aber nichts dazu beitragen« muss oder kann oder will.

    Bei allen anderen Punkten d’accord.

  2. Matthias Gerschwitz:

    Und ich darf noch ergänzen:

    Wenn es heißt: »Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV«, impliziert das ja, dass auch negative Menschen ein Recht auf Kondom haben. Nun gibt es aber nicht nur Schwule, sondern auch den einen oder anderen heterosexuellen Menschen in unserer Gesellschaft. Wenn dem nun das »Recht auf Sex ohne Kondom« zugestanden wird, bedeutet es, dass die Frage der Verhütung wieder auf die Frau abgeschoben wird – oder, exakter formuliert: Es werden – aus unserer Mitte heraus!!!!! – bereits überwunden geglaubte archaische Sexualmoral-Vorstellungen reinstalliert.

    Nur: Wo finden in archaischen Sexualmoral-Vorstellungen noch Schwule oder Positive statt? Hat mal da jemand in seinem Elfenbeintürmchen drüber nachgedacht? Ich wage, zu vermuten und zu behaupten: NEIN.

  3. Ulli:

    @ Matthias:

    bei aller lust auf debatte – bitte netiquette wahren.
    die teilnehmer des workshops und verfasser dieser resolution als “jemand in seinem elfenbeinturm” zu titulieren finde ich sachfremdn und der diskussion nicht dienlich …

  4. alivenkickn:

    um zui diesen punkten – sichtweisen zu kommen muß ich nicht auf einen workshop fahren bzw bedarf es keines workshops und den damit verbundenen kosten.

    dieses ewige forden finde ich mittlerweile nur noch nervig. nicht forden sondern darlegen, vertreten und begründen müssen (wer ist dieses wir? gibt es dieses wir? und wenn ja wieviele?) solche sichtweisen. und zwar innerhalb unserer ominösen community und vor allen dingen MIT der gesellschaft. schon unter uns herrschen unterschiedliche sichtweisen. solange unter uns kein konsens herrscht oder wenigstens der versuch gemacht wurde zu einer verständigung bzw diskussion von sichtweisen wieso kommen wir zu der annahme das es im dialog mit der gesellschaft so sein könnte?

    so wie das bild vom alten aids heute nicht mehr der realität entspricht, so unrealistisch sind auch im politisch gesellschaftlichen alltag das einbringen von “forderungen”. ich kann nur dann etwas fordern wenn ein diskurs stattgefunden hat und ein konsens erreicht wurde und man ein ergebnis verweigert. von einer verständigung auf sex ohne kondom sind wir gesellschaftpolitisch wie matthias sich ausdrückt noch meilenweit entfernt.

    vielleicht sollte man sich auf einem der nächsten workshop mal darüber unterhalten bzw gemeinsam auseinandersetzen. wobei ich jetzt mal gar nicht auf das thema “wer ist eigentlich dieses wir? “wer spricht da für menschen mit hiv”? vertreten da wirklich immer die gleichen 5 – 12 personen ?0.000 menschen mit hiv?

  5. Matthias Gerschwitz:

    @ Ulli: »Elfenbeintürmchen« ist defintiv kein Verstoß gegen die Netiquette. Was nützen mir Veranstaltungen, in denen sich 10 oder meinetwegen 50 Personen gegenseitig versichern, wie recht sie haben? Das ist für mich ein Paradebeispiel für ein »Elfenbeintürmchen«.

    Für mich – wohlgemerkt. Ich erlaube mir, eine eigene Meinung zu haben und sie zu äußern.

    ich liefere Dir auch gerne ein Gegenbeispiel: Ich werde z.B. am 22.10. in Berlin in einem »literarischen Salon« aus »Endlich mal was Positives« lesen und mich – wie immer – im Anschluss der Diskussion stellen. Dort werden 30, 40 oder 50 Zuhörer sein, die überwiegend nicht schwul und nicht positiv sind. Die sich aber für das Thema interessieren, weil da einer hinkommt und offen darüber redet. Wenn alle Positiven sich derart an die – zugebenerweise schwierige, weil langwierige – »Arbeit« machen würden, wäre vieles einfacher … aber Lippenbekenntnisse sind nun mal leichter abzulegen …

  6. alivenkickn:

    @matthias du bis ein ketzer . . . . ;)

  7. Oliver:

    Auf facebook habe ich das ja schon kommentiert und ich finde die Forderung richtig. Es geht hier um die Rechtsprechung und die hat sich an objektiven Kriterien zu orientieren. Die wissenschaftlichen Studien belegen mittlerweile deutlich die NIcht-Infektiösität von HIV-Positiven unter bestimmten Bedingungen und dann finde ich es unangemessen, die Barebacker-Keule als Argument dagegen zu halten. Von der sexuellen Unterdrückung ganz zu schweigen. Wenn ein Positiver oder eine Positive nach heutigem Kenntnisstand HIV mit einem vertretbaren Restrisiko (wie es auch bei Safer Sex nicht auszuschließen ist) nicht überträgt, dann sollte er juristisch gesehen das Recht auf Sex ohne Kondom und bei Frauen das Recht auf eine natürliche Geburt haben.

  8. Matthias Gerschwitz:

    @ Oliver – ich will Dir auch hier gerne noch einmal antworten.

    Ich gebe zu, dass das Bareback-Klischee etwas provokativ gemeint war. Aber es ändert nichts daran, dass es kein »Recht auf Sex ohne Kondom« gibt – weder für Positive, noch für Negative – weder für Heterosexuelle noch für Schwule.

    Die Rechtsprechung auf das Kondom zu reduzieren, halte ich für wesentlich zu kurz gegriffen und der Sache letztlich nicht dienlich. Es geht bei der Rechtsprechung darum, aktuelle wissenschaftliche und medizinische Gegebenheiten entsprechend zu berücksichtigen. Und darum, dass Sex eines Positiven ohne Kondom nicht automatisch einen Straftatbestand darstellt. Da aber ein »Recht auf Sex ohne Kondome« abzuleiten, halte ich für groben Unfug. Vielleicht ist die richtige Intention ja nur falsch formuliert worden – aber das bezweifele ich bei der Kompentenz des Seminarleiters.

    Und ich weise noch einmal darauf hin: Wenn das »Recht auf Sex ohne Kondom« eingefordert wird, muss es für Negative und Positive, für Heterosexuelle und Schwule gelten. Wo da jetzt das Recht auf eine natürliche Geburt herkommt, erschließt sich mir nicht. Das is eine wichtige, aber völiig andere Baustelle.

    Warum wollen Positive immer von »denen da draußen« wahrgenommen und akzeptiert werden – schließen »die da draußen« in ihren eigenen Resolutionen und deren Interpretation aber viel zu oft aus?

  9. Oliver:

    Das Kondom steht doch hier symbolisch für eine Wende, die mit EKAF ihren Anfang nahm.
    Ich glaube, das Problem ist nicht die Formulierung, sondern das was du hinein interpretierst. Schau dir doch bitte an, was für Keulen du raus holst: die Barebacker (mit der Konnotation Rücksichtslose Hedonisten, die über Leichen gehen), sexuelle Befreiung der Frau und bei Facebook versuchst du mich durch Anspielungen über meine Geisteshaltungen in ein ungünstiges Licht zu rücken. Das ist für mich keine feine Art, um über die Kriminalisierung zu diskutieren.
    Das Recht auf natürliche Geburt leitet sich genauso wie das Recht auf Sex ohne Kondom aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und die Verknüpfung soll dir helfen, die Rechtmäßigkeit der Forderung nachzuvollziehen. Es geht um Würde, die eingefordert wird.
    Ein Autor, der für 9,95 schreibt, dass die Diagnose HIV eine einschneidende Veränderung ist, fragt, warum Positive immer von “denen da draußen” wahrgenommen werden wollen? Ich muss schmunzeln….

  10. Matthias Gerschwitz:

    Oliver – nicht auf diesem Niveau.

  11. Oliver:

    Jetzt verstehen wir uns doch noch :-) Das finde ich schön.
    Nochmal: Ich finde das Thema sehr heikel und ich finde es wichtig, dass wir bei der Diskussion genau hin schauen, welchen Aspekt wir gerade besprechen. Die Forderung nach der Entkriminalisierung und nichts anderes steckt hinter der Formulierung, die manchem so aufstößt, ist legitim. Ich denke, das ist ein Konsens, dem hier jeder zustimmen kann.

    In diesem Sinne wünsche ich ein Schönes Wochenende
    :-)

  12. Flaneur:

    Ich halte den von Matthias verwendeten Begriff “Elfenbeinturm” für durchaus angebracht und keinesfalls die Netiquette verletztend. Welche Bedeutung hat dieser Positiventreffen denn bei den HIV-Positiven? Von der Gesellschaft will ich mal gar nicht reden.

    Im Übrigen mag gerader der 3. Punkt (“Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV”) vor dem Hintergrund des EKAF-Statements zu verstehen sein, deutlich wird dies aber nicht und den Verfassern geht es ja auch anscheinend eher um eine provozierende denn Denkweisen verändernde Äußerung; nachhaltige Veränderungen werden so schwerlich erreicht werden können. Bei den anderen Forderungen sind jede Menge Allgemeinplätzchen gebacken worden. Aber diese Forderungen sind ja erst einmal an die AIDS-Hilfeorganisationen gerichtet – da schauen wir mal.

    Und was in der Diskussion hier nun die Einforderung eines Rechts auf natürliche Geburt soll, bleibt mir völlig unverständlich.

  13. Oliver:

    Mit dem Verweis auf die natürliche Geburt wollte ich deutlich machen, dass es bei der Diskussion um die Entkriminalisierung nicht nur darum geht, kondomfreies Vögeln zu legitimieren. Sozusagen ein positiver Gegenpunkt zum Barebacker, der über Leichen geht.
    Ich denke, dass eine Änderung im institutionell regulierten Umgang mit Positiven über Sexualität hinaus geht und gleichzeitig die herausragende Stellung von ungeschütztem Verkehr als Hauptübertragungsweg berücksichtigen muss. Ein schwieriger Spagat.

  14. Diego:

    Ich nehme kurz Punkt für Punkt dieser Forderung auseinander.

    1. Es gibt keine Sicherheit, auch nicht beim Sex.
    Auch EKAF ist kein 100%iger Schutz, das wird allzu gerne verdrängt.

    2. Die Selbstbestimmtheit der “HIV-Negativen” im Sexualverhalten muss gestärkt werden.
    Das schließt ein, das der Negative entscheiden muss ob er auf den Kondomgebrauch verzichtet oder nicht. Diese Entscheidung darf der Positive dem Negativen nicht abnehmen. Auch nicht wenn der Positive unter EKAF als nicht Ansteckend gilt.

    3. Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV.
    Solange ein Sexualpartner über den Status informiert ist und auch auf das Kondom verzichtet.

    4. Die Unwissenheit über HIV muss beseitigt werden, das Wissen muss verbreitet werden, etwa über die tatsächliche Infektiosität.
    Daran müssen aber auch die Positiven selber mitarbeiten. Sich nur auf die AH und BzGA zu verlassen ist ein Irrtum. Nur wenn jeder Einzelne daran mitwirkt ist mit einem Erfolg zu rechnen.

    5. Die Angst “HIV = Sex + Tod” muss genommen werden.
    6. HIV-Positive müssen antidiskriminierungsrechtlich geschützt werden.

    7. Geld für Antidiskriminierungskampagnen muss bereitgestellt werden.
    Solange wir Betroffenen nicht bereit sind daran mitzuwirken – auch unabhängig von Mitteln, wird ein Erfolg lange auf sich warten lassen.

  15. Flaneur:

    @Oliver, okay, das mit der natürlichen Geburt habe ich jetzt verstanden und stimme zu! Der Vergleich ist gut, da sowohl bei Geschlechtsverkehr ohne Kondom als auch bei einer natürlichen Geburt unter definierten Bedingungen eine HIV-Übertragung ausgeschlossen werden kann (bis eben auf irgend eine Nachkommastelle, die es bei jeder Risikobetrachtung gibt).

  16. michèle meyer:

    schön, einfach.

    zweimal provozieren möcht ich trotzdem:
    1) ich wusste gar nicht, dass es ein gesetz der kondomisierung gibt- oder wie muss frau sonst der einspruch gegen das recht auf kondomlosen sex verstehen?
    2) ich muss verpasst haben, dass sich heterosexuelle männer um verhütung kümmern, wann war das?

  17. Gernot Back:

    Diegos Aussagen unter Punkt 14.) auf dieser Seite
    http://www.ondamaris.de/?p=28845&utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter#comment-17586
    … stimme ich weitestgehend zu. Darüber hinaus habe ich allerdings auch noch weitere Anmerkungen zu einigen Thesen:

    3. Jeder hat das Recht auf Sex ohne Kondom, auch Menschen mit HIV.
    -> Diegos Ergänzung “Solange ein Sexualpartner über den Status informiert ist und auch auf das Kondom verzichtet” ist meines Erachtens hier ihrerseits noch für ergänzungsbedürftig: Obwohl es ein moralisches Recht auf ungeschützten penetrierenden Geschlechtsverkehr auch zwischen HIV-Ungetesten mit einem Vorleben, bei dem eine Infektiosität nicht ausgeschlossen werden kann, nicht geben kann, wäre ein solcher Akt zwischen einvernehmlich handelnden Erwachsenen nicht justiziabel.

    4. Die Unwissenheit über HIV muss beseitigt werden, das Wissen muss verbreitet werden, etwa über die tatsächliche Infektiosität.
    -> Es kann bei dem berechtigten Interesse, die Unwissenheit über HIV zu beseitigen aber nicht in erster Linie darum gehen, Positiven bei penetrierendem Verkehr den Verzicht auf Kondome zu ermöglichen: Gerade bei Sex in der (Halb-)Öffentlichkeit, etwa in Swingerclubs, Erotik-Partys, Schwulensaunas oder an sonstigen Szene-Treffpunkten hat jede(r) unabhängig von seinem Immunstatus auch Verantwortung für Anwesende, die sich sein Verhalten ohne Kenntnis seiner Lebensumstände zum Vorbild nehmen könnten.
    So sollten z.B. wegen des schlechten Vorbildcharakters, aber auch aus Gründen des Arbeitsschutzes der Vertrieb und öffentliche Vorführung von pornografischem Bildmaterial, bei dessen Produktion diese Standards nicht eingehalten werden, verboten werden. Alles andere würde dem Ziel zuwiderlaufen, die Unwissenheit über HIV zu beseitigen.

    5. Die Angst “HIV = Sex + Tod” muss genommen werden.
    -> Die Furcht, sich bei ungeschütztem Sex mit einer tödlichen Krankheit zu infizieren, ist keineswegs unberechtigt. Allerdings ist diffuse Angst in Bezug auf Sex und Tod ein schlechter Ratgeber. Sie geht meist auf die Mystifizierung der beiden Einzelbegriffe zurück, wie sie in vielen Kulturen eine lange Tradition hat. Einige Menschen scheinen deshalb aus der konstruierten Verbindung von Sex und Tod ja auch noch geradezu einen einen besonderen Reiz oder Kick zu ziehen. Anders lässt sich das Phänomen des Pozzens nicht erklären. Einem solchen Verhalten ist nur mit Aufklärung und -in der Konsequenz- auch mit gesellschaftlicher Missbilligung zu begegnen.

    Eine Gesellschaft, die sich gleichgültig gegenüber dem bewussten Ignorieren von Risiken zeigen, es stillschweigend tolerieren oder sogar auch noch glorifizieren würde (nach dem Motto: Tolles Husarenstück, wie die da ungeschützt rumvögeln!), würde ein solches Verhalten auch noch bestärken.

    6. HIV-Positive müssen antidiskriminierungsrechtlich geschützt werden.
    -> Gleiches ist gleich; Ungleiches aber ungleich zu behandeln. So kann es z.B. durchaus Gründe geben, nicht therapierte HIV-Positive oder Leute, die unter Nebenwirkungen von Medikamenten stehen, bestimmte Tätigkeiten nicht ausüben zu lassen. Dass allerdings in einem Fall wie diesem:
    http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-kritisiert-entscheidung-des-berliner-arbeitsgerichts-entlass
    … das AGG keine Anwendung finden soll, ist ein Skandal und muss schnellstmöglich abgestellt werden.

  18. alivenkickn:

    es muss etwas und überhaupt alles ganz anders werden . . . . . . . äh wer machts?

  19. ernst:

    “Viele von uns sind nicht mehr ansteckend”
    Das ist der entscheidende Satz und davon leiten sich die Folgethemen ab.
    Eine behandelbare und im günstigen Fall nahezu heilbare Krankheit mit fast normaler Lebenserwartung kann eben ganz anders diskutiert werden.
    Was soll denn dauernd der Focus auf “Ansteckung”, und immer mit erhobenem Zeigefinger….das war Gestern.
    Viel interessanter ist z.B. für die schwule Szene, dass bei einer verstärkten – ich betone – freiwilligen -Testung und einer medizinischen Behandlung wenn nötig, nicht nur die Chance für den HIV-Positiven besteht, optimal behandelt ein normales Leben mit normaler Lebenserwartung zu führen, sondern er ist auch bei nachlässiger Handhabe von Kondomen nicht mehr infektiös. Da in der schwulen Welt promisker Sex nach wie vor Thema ist und auch bleibt, ist das für viele möglicherweise ziemlich wichtig – um es einmal provokant zu formulieren – Medikamente gegen HIV sind evtl. ne Klasse besser als ein Kondom, sind letztlich der bessere safer sex – das mal zur Diskussion in den Raum geworfen.
    Die grundsätzliche Entkriminalisierung im Bereich HIV/AIDS dient dazu, den Menschen die Angst vor dem Test und seinen juristischen Folgen zu nehmen – und das geht nur mit dem gesellschaftlichen Konsens, dass dies dann eben so ist.
    Hier entsteht Verantwortung auf einer ganz anderen Ebene und auch in dem Vertrauen, dass die allermeisten Menschen in diesem Bereich letztlich “soziale Wesen” sind – d.h. in schlichten Worten, wer den Mut zum Test hat, der handelt bereits verantwortlich, er ist nicht mehr naiv und wenn er positiv ist, dann kann er (muss aber nicht) verantwortlich für sich selbst und letztlich für seine Liebespartner handeln. Ich gehe davon aus, dass er/sie in der Regel auch verantwortlich handeln. Somit wird schon durch einen HIV-Test, zu dem Mut dazu, letztlich das Ergebnis eine Verringerung der Ansteckung sein.
    Diejenigen, die hier nicht in der Lage sind, verantwortlich zu handeln, sind zwar ein moralisches Problem, aber gesamtgesellschaftlich verringert sich die Ansteckung mit HIV wenn es selbstverständlich ist, einen HIV Test zu machen – ohne Angst.
    Dafür ist es notwendig, dass es keine juristischen Sanktionen mehr gibt. Das ist der Deal. Dann könnte es funktionieren, dass immer mehr Menschen nicht mehr naiv sein wollen, was ihren Immunstatus betrifft und nen Test machen. Das nützt zum Einen dem Betroffenen, denn er hat eine echte medizinische Option und es nützt auch mit der medizinischen Option den Sexualpartnern des Betroffenen, denn er steckt keinen mehr an, wenn er bei guter med. Behandlung eine Viruslast unter Nachweisgrenze hat, auch das entlastet.
    Und das sind die harten medizinische Fakten (verkürzt und plakativ) : 1. keine Ansteckung bei erfolgreicher Medikation und 2. ein Leben, nahezu gesund und mit normaler Lebenserwartung bei erfolgreicher Medikation.
    Den Satz “Recht auf Sex ohne Kondom” aus dem Kontext zu nehmen und darauf herumzureiten (Bareback) ist albern – wichtiger ist es den Gesamtzusammenhang zu verstehen und darauf hinzuwirken, dass es auch allgemein verstanden wird.

  20. Fallada:

    Zitat Michele:”2) ich muss verpasst haben, dass sich heterosexuelle männer um verhütung kümmern, wann war das?”
    Herrlich, wie Du die Dinge immerwieder so exakt auf den Punkt bringen kannst, Michele ;-)

  21. Gernot Back:

    @ernst #19!

    Es kann nicht darum gehen, dass man eine Ansteckung HIV genauso leichtfertig in Kauf nimmt wie eine mit Herpes oder humanen Papillomviren (HPV), die ja auch beide sexuell übertragen werden, aber im Vergleich zu HIV viel weniger gravierendere Konsequenzen haben bzw. deren Behandlung viel weniger Nebenwirkungen mit sich bringen. Abgesehen davon kann es sich eine Gesellschaft auch volkswirtschaftlich nicht leisten, flächendeckend auf Therapien zu vertrauen, die den Nettoverdienst der Therapierten häufig übersteigen.

    Es ist zwar zu begrüßen, dass HIV behandelbar geworden ist und man damit die Infektiosität von HIV-Positiven praktisch auf vernachlässigbare Werte absenken kann, es ist auch richtig, deshalb verstärkt für regelmäßige HIV-Tests zu werben um ggf. rechtzeitig mit Therapien einsetzen zu können. Hieraus darf aber weder ein Zwang resultieren, mit einer Therapie beginnen zu _müssen_, noch darf dies von Nicht-Infizierten als Einladung missverstanden werden, sich von vornerein sorglos zu verhalten und eine HIV-Infektion durch Verzicht auf Safer-Sex leichtfertig in Kauf zu nehmen.

    Der HIV-Test und die Möglichkeit, ggf. bei vorliegender HIV-Infektion eine antiretrovirale Therapie aufzunehmen, sind kein Ersatz für Safer-Sex: Auch bereits Infizierte, die unter erfolgreicher Therapie stehen, haben immer noch eine Verantwortung gegenüber Nicht-Infizierten; auch dadurch, dass Letztere das Verhalten von Ersteren ohne genaue Kenntnis von deren Lebensumständen sonst einfach nachahmen könnten: Im halböffentlichen Bereich, wie z.B. in Swingerclubs, auf Erotik-Partys, in Schwulensaunas oder an sonstigen Szene-Treffpunkten sollte sich deshalb jeder penetrierende GV ohne Kondom verbieten. Auch im privaten Bereich sollte es selbstverständlich sein, dass niemand, ohne den oder die anderen Beteiligten über seinen Immunstatus in Kenntnis gesetzt zu haben und ohne deren Einverständnis, auf Safer-Sex verzichten sollte. Das gilt heute wie gestern unverändert!

  22. Ernst:

    @Gernot Back – wozu brauchst Du dieses Statement? Du kannst davon ausgehen, daß ich das alles weiß – das wirkliche Leben ist anders. Nochmal: Ich betrachte eine Erkrankung als Erkrankung und nicht als Straftat. Wir sollten auch kapieren, daß die Medikation funktioniert und zwar so, daß der Erkrankte nahezu gesundet und daß er NICHT MEHR INFEKTIÖS IST !
    Manchmal verzichten Paare mit einem positiven und medizinisch behandelten Partner nach einiger Zeit auf Kondome. Heteropaare bekommen Kinder – auf natürliche Weise und alles mit freundlicher Unterstützung des behandelten Arztes. Es gibt ein lebens- und liebenswertes Leben mit HIV/AIDS und zwar über Jahrzehnte.
    Wobei als Anmerkung – gerade diejenigen, die jetzt bereits seit mindestens 15 Jahren mit ihrer HIV-Positivität leben, Pioniere sind, die sich durch den finstersten Dschungel durchkämpfen mußten. Manchmal eine Hölle aus Ängsten und Ablehnung – der prognostizierte baldige Tod ist Dank einem unglaublichen medizinischen Fortschritt nicht eingetreten – dem ist heute Rechnung zu tragen!
    Das ist zu feiern!
    Es geht nicht nur um Sex, es geht um die Message, du bist nahezu gesund, du bist da, lebendig, kein Aussätziger, sondern Teil des Ganzen und es ist toll wenn Dein Partner mit Dir wieder ein Leben plant, wenn er sogar bei Heten sagt – ok, laß uns ne Familie gründen – das alles geht, das alles ist unser gemeinsames Leben.
    Aus dem was Du so schreibst, kommt bei mir rüber, daß positiv immer nur die anderen sind und die haben sich auf eine festgesetzte Art und Weise zu verhalten – du forderst einen Verhaltenskodex – mit welchem Recht? Gar einem juristischen Recht? Wer soll Dich schützen? Der Staat? Vor wem?
    Wenn zwei Menschen sich lieben, ist safer sex sicher eine kluge Wahl – wir können allerdings heute davon ausgehen, dass sie sich eventuell die nächsten dreißig Jahre lieben können – und da ist safer sex nur ein Anfang, dann kommt da noch die ganze Welt und das volle Leben – darum geht es, das ist Thema und das versteht man, so hoffe ich vielleicht eher mit dem Herzen :-) als mit kalter Logik – ich geh jetzt mal ne Stund Motorradfahren……

  23. alivenkickn:

    @ernst, mit dem recht des zutiefst frustrierten und verbitterten . . .

    @ Gernot, bei deiner argumentation kommt mir das kalte grausen. du erinnerst mich an die gauweilers der 80ger jahre. möge die menschheit von entscheidungsträgern wie dir verschont bleiben.

  24. Gernot Back:

    Um es noch einmal ganz klar zu machen: _Niemand_ hat ohne Weiteres ein moralisches Recht auf ungeschützten penetrierenden Sex ohne Kondom, auch HIV-ungetestete mit sexuellem Vor- oder Nebenleben nicht!

    An die Gauweilers der 80er Jahre, die mit Wegsperren-Forderungen in Bezug auf HIV-Positive nichts anderes als die Sicherung ihres eigenen, vermeintlichen Gewohnheitsrechts erreichen wollten, ungeschützt in der Weltgeschichte rumzuvögeln, erinnern mich heute eher diejenigen, die ein ebensolches Vorrecht nun für sich selbst fordern, indem sie auf ihre Nicht-Infektiosität dank nicht gerade preisgünstiger antiretroviraler Therapien verweisen, die von niemand anderem als der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten finanziert werden müssen.

    Mit Solidarität und Verantwortung hat das allerdings nicht das Mindeste zu tun!

    Ich halte es da mit Kants Kategorischem Imperativ (der heißt übrigens deshalb kategorisch, weil es daran nichts zu deuteln gibt!):

    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!

  25. Ernst:

    @Gernot – die allermeisten HIV-Positiven (incl. meine Wenigkeit) sind berufstätig – sind also Teil der Solidargemeinschaft – und die, die es nicht mehr sind, waren zumeist berufstätig – also spiel da nicht was hoch, das eigentlich ne miese Nummer ist und was letztlich dann damit enden könnte, dass es Krankenversicherungen nur noch für Gesunde gibt.
    Es gibt auch in Deutschland übrigens gar nicht sooo wenige geborene Positive und nahezu tausend Menschen die z.B. Bluter (700?) sind oder durch Transfusionen positiv sind und immer noch leben….wobei eine sexuelle Übertragung keinen “bösen” Positiven macht, das sollten wir auch mal im Hinterkopf behalten.
    Es ist auch eine Phantasie, daß es da Leute gibt, die hier einen auf “Rücksichtslos rumficken” machen.
    Es geht vielmehr darum, daß die Gesellschaft nicht die ganze Last (und das hast Du ja beim Thema Gauweiler gut erkannt!) auf denjenigen abläd, die den Mut hatten, sich testen zu lassen und festgestellt haben, dass sie positiv sind – bürde denen (und auch Dir) nicht die ganze Verantwortung auf.
    Ich kapier schon, dass es Dir wichtig ist, verantwortlich zu handeln – und das ist ja auch richtig, aber urteile nicht nach dem Motto “seht her, was ich für ein guter Positiver bin”. Auch dieser Weg führt in die Irre, denn auch hier wirken die Mechanismen der Ausgrenzung.
    Safer Sex ist wichtig und die Medikamente sind es auch – es ist ein weiteres Mittel, eine Verbesserung und es macht Menschen nicht mehr infektiös – können wir nicht beides betrachten und uns reicher fühlen, weil wir mehr Möglichkeiten haben (oh weia – ich hab mich jetzt mal bemüht Worte zu wählen, wie es der Susan Sontag gefallen hätte – also ohne Kampf und Waffe und so….na ja).
    Und den Kantschen Imperativ – hä? Ich bin schwul, hab keinen Nachwuchs – ist jetzt zum allgemeinen Gesetz erhoben das Ende der Menschheit – aber angesichts der weltweiten Überbevölkerung vielleicht auch mal ganz gut – also nach so Maximen handeln – na ich weiß nicht. :-(
    Ich würde, bevor wir uns jetzt die Zitate um die Ohren hauen, erst mal darüber nachdenken, wie der andere es gemeint hat, wo er hin will und was und wie er es sagt.
    Jetzt mal zu Dir:
    “Niemand_ hat ohne Weiteres ein moralisches Recht auf ungeschützten penetrierenden Sex ohne Kondom, auch HIV-ungetestete mit sexuellem Vor- oder Nebenleben nicht!” – äh Gernot – Du findest offen gesagt echt häßliche Worte für die “Sache” – ungeschützten penetrierenden Sex – brrrrr – klingt ja schlimm – so wie der Oberstaatsanwalt: “der Delinquent hatte ungeschützten penetrierenden Sex – und das auch noch mit sexuellem Vor- oder Nebenleben!”
    Sex findet statt, es ist eine Macht, die manchmal sich über alle Rechte, Gesetze und Sitten hinwegsetzt, manchmal Komödie, oft Drama und Tragödie, Lust, Leid, Eifersucht, Verliebtheit und Liebe, Foulie a deux und Taumel der Triebe – manchmal erhängt sich jemand aus Verzweiflung, da er verlassen worden ist und manchmal sitzt eine schwangere Frau vor einem Arzt und dieser meint: “Frau X. wir haben doch im Zuge ihrer Schwangerschaft den HIV-Test gemacht, vielleicht sollten wir mal in mein Büro gehen…….” – versteh mich nicht falsch, es ist schon gut, wenn ein Mensch mit nem positiven Testergebnis klar kommt, wenn er z.B. safer sex macht, wenn er besorgt ist, dass er niemanden ansteckt – und ich habe diese Sorge immer angetroffen und sehr viel Verzweiflung und Einsamkeit – es ist schrecklich, wenn ich mich daran erinnere, wie ausgegrenzt und einsam Menschen waren, junge Menschen und immer in Angst andere eventuell doch anzustecken. Glaubst Du wirklich, dass in den – ich sag mal noch unklaren Jahren, wo man sich nicht sicher war, wie wirken die Medikamente, was bedeutet das alles – glaubst Du dass da der Sex so richtig locker war, ja selbst wenn beide positiv waren – auch hier gab es Ängste – Superinfektion und all das Gerede. Es ist doch einfach ein Geschenk, eine Befreiung, wenn wir jetzt sagen können, daß wir nicht mehr infektiös sind – und in Wahrheit geht es bei diesem so verhängnisvollen Satz mit dem “Recht auf Sex ohne Kondom” um etwas viel wichtigeres, es geht um Liebe ohne Angst, ohne diese jahrzehntelange Angst – und weil dieses Angst endlich weg ist – fanden Menschen Mut zu diesem trotzigen Satz.
    Es ist ein schwieriges Thema – aber es ist wie gesagt nicht richtig den Satz aus dem Zusammenhang zu lösen und mit einer konsequenten Entkriminalisierung des Themas Ansteckung bei HIV liegt die Verantwortung nicht mehr bei dem möglicherweise Positiven (der vielleicht seinen Immunstatus verschweigt oder nicht kennt) sondern bei einem selbst – du steigst aufs Fahrrad oder du hast Sex, du fährst mit Helm oder ohne Helm, du benützt ein Kondom oder du läßt es bleiben – es ist deine Entscheidung. Ich bin für Entkriminalisierung und Selbstverantwortung, weil ich glaube, dass das der richtige Weg ist, dass sich mehr Menschen testen lassen, dass die Angst geringer wird und dass dadurch letztlich die Infektionsrate noch weiter sinkt. Das hat nix damit zu tun, dass wir jedem Jugendlichen bei der Sexualaufklärung safer sex und die Gründe dafür beibringen sollten und dass wo Leute Sex haben, Kondome dabei sein sollten. Sind wir als Gesellschaft in der Lage das Thema Aids ohne Polizei und Staatsanwalt eigenverantwortlich als medizinisches Thema zu bewältigen? Das steht für mich als Thema an.

  26. Gernot Back:

    @Ernst – Ich bin als HIV-Positiver auch Teil der Solidargemeinschaft und würde mich sogar auch dann immer noch als deren Teil ansehen, wenn ich nicht mehr berufstätig wäre oder noch nie Beiträge in die Krankenversicherung eingezahlt hätte.

    Leute, die an die Verantwortung _aller_ appellieren (Infiziert-Infektiöser, dank Therapie Infiziert-Nichtinfektiöser _und_ Nicht-Infizierter) sind auch nicht der Grund dafür, dass die Solidargemeinschaft von einer Seite aufgekündigt aufgekündigt werden könnte; im Gegenteil: vielmehr sind es diejenigen, die sich einen Dreck um Verhaltensweisen scheren, welche die Solidargemeinschaft aufs Spiel setzen.

    Auch aus dem Umstand, dass man bereits mit HIV geboren wurde, resultiert kein Recht auf Sex ohne Kondom! Ich habe mich übrigens höchstwahrscheinlich bereits vor 1984 mit HIV infiziert, wiederholtes angebliches Pfeiffersches Drüsenfieber sowie eine Herpangina ließen den Verdacht jedenfalls bereits zu einer Zeit aufkommen, als es noch keinen HIV-Test gab. Später habe ich den HIV-Test bewusst 25 Jahre lang verweigert, auch um bei meiner ungeklärten beruflichen Situation bei einem Aufnahmeantrag für eine private Krankenversicherung guten Gewissens die Frage verneinen zu können, dass ich “keine Kenntnis von einer HIV-Infektion” habe. Den Mindestbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung hätte ich mir als Freiberufler nicht hätte leisten können, wollte mir aber die Option der Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit in jedem Fall offen halten.

    Ich habe, seit ich mir der Übertragungswege bewusst war (spätestens seit Ende 1985), konsequent Safer-Sex betrieben und das tue ich selbstverständlich auch heute, auch nachdem ich mit einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze nicht mehr infektiös bin. Im übrigen bürde ich Positiven (egal ob sie -so wie ich- nun unter erfolgreicher Therapie stehen oder nicht) nicht mehr Verantwortung auf als Negativen: Für penetrierenden Geschlechtsverkehr ohne Kondom (ich habe leider kein anderes Wort, um ihn von Oralverkehr ohne Kondom abzugrenzen) muss man einen _guten_ Grund haben und da fällt mir -insbesondere angesichts möglicher Blips bei erfolgreich Therapierten- eigentlich nur die zeitlich jeweils befristete Absicht ein, auf natürlichem Weg über heterosexuellen Vaginalverkehr ein Kind zu zeugen.

    Bei deiner oder meiner offen gelebten Homosexualität besteht keine Gefahr, dass sich so viele Heterosexuelle daran ein Beispiel nehmen, dass der Fortbestand der Spezies “Homo sapiens” eines Tages gefährdet wäre, die Weltbevölkerung auch nur zurückginge oder unsere Sozialsysteme aufgrund dessen zusammenbrächen. Leider kann man Entsprechendes in Bezug auf Sexual-Moral nicht bei Leuten sagen, die sich offen damit brüsten, dass sie unsafen Sex praktizieren.

    Natürlich gehören zu unsafem Sex mindestens zwei Personen. Wenn es sich dabei um keine Vergewaltigung handelt, dann tragen natürlich auch immer diejenigen Mitschuld, die sich dabei infizieren. Über das Risiko hinaus, das die Handelnden dabei für sich selbst eingehen, bürden sie damit aber auch der Solidargemeinschaft beträchtliche Kosten auf und geben für Nachahmer ein schlechtes Beispiel.

    Natürlich kann das genauso wenig justiziabel sein wie der Missbrauch legaler Drogen, deren gesundheitsschädliche Wirkung allgemein bekannt ist. Ob ich zusätzlich vor den Augen von Kindern bei Rot über die Straße gehe und diese möglicherweise so dazu verführe, das später in einer anderen Situation nachzuahmen, oder dies nur unter den “Augen des Gesetzes” tue, wirkt sich auch nicht auf die Höhe der Geldbuße aus, die dann zu Recht gegen mich verhängt wird.

    Trotzdem bleibt es richtig, gesellschaftlich schädliches Verhalten auch gesellschaftlich zu missbilligen:

    Niemand hat ohne Weiteres ein Recht auf Sex ohne Kondom!

  27. Diego:

    Ein Recht auf Sex ohne Kondom halte ich für Unsinn.
    Ein Recht sich auf Sex ohne Kondom zu verständigen trifft es wohl eher.
    Dabei sollte es grundsätzlich egal sein ob Negativ, positiv oder ungetestet.
    Jeder muss für sich entscheiden ob er auf ein Kondom verzichtet und wenn nur einer der Partner auf ein Kondom besteht muss sich der andere danach richten. Wenn eine Verständigung nicht möglich ist, sollte der Gebrauch eines Kondoms obligatorisch sein. Dazu gehört aber auch offen miteinander über seinen HIV-Status zu reden oder besser reden zu können. Wenn sich ein negativer oder ungetesteter wissentlich zu einem Kondomverzicht entscheidet darf es aber auch keine Strafrechtlicheverfolgung geben.
    Nur muss es möglich sein ohne Nachteile über seinen HIV-Status zu reden.
    Um das zu erreichen bedarf es einer Anpassung des AGG, einer besseren Aufklärung über HIV (nicht nur als sexuell übertragbare Krankheit) aber auch dem Mitwirken der positiven. Je mehr dazu bereit sind offen zu leben um so eher werden wir das Ziel erreichen. Das werden wird aber ein Wunsch bleiben wenn HIV+ ungestraft diskriminiert und ausgegrenzt werden können.

  28. ernst:

    @Gernot – erst mal danke für Deine Offenheit.
    Ich bekomme da auch nen Durchblick, warum Dir das Thema so wichtig ist, denn Du hast über Jahrzehnte hier sozusagen den Frieden mit Dir selbst geschlossen. Du hast den HIV-Test, der Dir eine Bedrohung schien, verweigert, aber Du hast Safer Sex als ultima Ratio (oder als moralischen Konsens) verinnerlicht.
    Das ist zwar schön, aber eigentlich bringt uns diese Haltung (die übrigens auch zeitweise meine Haltung war) nicht weiter, sie kann sogar gefährlich werden. Denn ab wann ist man krank? 25 Jahre vermutete Positivität? Wann kam der Test? Bei Vollbild AIDS – so wie bei mir?
    Wäre es nicht eine bessere Strategie die Angst vor dem Test genauer anzusehen. Warum diese Angst? Wo liegt die Diskriminierung, was macht den Test so dramatisch?
    Eigentlich hast Du in dem letzten Schreiben von Dir alles beantwortet. Du hast in den letzten 25 Jahren Deinen Spaß gehabt – ich auch, denn ich hab den Test ebenfalls gemieden wie der Teufel das Weihwasser und meine Deals mit dem Überleben gab es auch – recht moralisch, safer sex mit Fremden, keine Drogen, nicht so promisk, dann wird der Kelch vielleicht an mir vorübergehen.
    Es gibt da nur nen klitzekleinen Haken – die Arschkarte hatten die ganze Zeit die Positiven, die sich nicht um den Test herumgelogen haben oder die einfach unter Zwang das Ergebnis vorgeknallt bekamen – und so läuft ein echtes und ehrliches Miteinander nicht – verstehst Du worum es mir geht?
    Wir zwei, Du und ich, wir waren die Oberschlauen – kein HIV-Test – kein AIDS – und auch das stimmte nicht, denn ne Krankheit ist ne Krankheit ist ne Krankheit – und der Test schafft – und soll auch nur dies – Sicherheit und Wissen – und er ermöglicht ne gute Option für die eigene Gesundheit Sorge zu tragen.
    Je mehr Menschen – vor allem in der schwulen Szene wissen, wie ihr Immunstatus ist, desto eher vermeiden wir weitere Ansteckung, sowohl mit safer sex als auch mit der Medikation. Ist schön, dass Du Dich die letzten 25 Jahre an safer sex gehalten hast – hoffen wir es mal – und ich verstehe auch die Gründe – aber heute haben sich die Dinge geändert – denn es gibt eben nicht nur safer sex, es gibt ne funktionierende Medizin gegen HIV, die AIDS nicht ausbrechen lässt oder es – wie in meinem Fall – nahezu heilt.
    Das sind die Gründe dafür Positionen von gestern zu überdenken. Nochmal: Entkriminalisierung hebt den Konsens von safer sex nicht auf, aber der Naturzustand von Sexualität ist halt ein anderer und auf diesen Naturzustand kann natürlich jeder bestehen, in der Konsequenz auch positiv getestete Menschen – wir können warnen, können schimpfen und klagen – aber anstatt Anklage zu erheben, sage ich es gibt safer sex und es gibt auch eine erfolgreiche Medikation, beides geht und wer beides gleichzeitig anwendet – um so besser – aber zuerst ist da die Freiheit, dann folgt die freie Entscheidung – das Maß der Sicherheit ist hier eine Entscheidung zwischen Sexualpartnern und es gibt eben heute mehrere Optionen und die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass Menschen mit Viruslast unter Nachweisgrenze nicht infektiös sind – und dann braucht es auch keine strengen Vorschriften oder dergleichen im Sexualverhalten.
    Das hat letztlich auch den Effekt, dass die Angst vor dem HIV-Test nicht mehr so groß ist.
    Wenn jetzt die Positiven die Arschkarte an die Gesellschaft zurückgeben, ist das so dramatisch nicht, denn sie sagen ja: ” hä Alter ich steck keinen an, was willst du?!” Darüber sollten wir eben auch nachdenken und ich denke, dass wir dazu in der Lage sind.

  29. Gernot Back:

    Hallo Ernst,

    ich habe mich gerade rechtzeitig doch noch zu einem HIV-Test entschlossen, als meine Helferzell-Werte noch leicht über dem Grenzwert lagen, ab dessen Unterschreitung man heute mit einer Therapie beginnt. Mit der Therapie begann ich dann auch erst vier Monate, nachdem ich mich in der Schwerpunktpraxis vorgestellt hatte. Dass es bei mir so glücklich verlief, war reiner Zufall. Es hätte auch schlimm ausgehen können, wenn mein immunsystem irgendwann vorher einmal plötzlich, aus heiterm Himmel zusammengebriochen wäre. Einem Bekannten von mir (jahrelang Stammgast in derselben Sauna wie ich) war das passiert: Der tauchte nach anderthalbjähriger Abwesenheit plötzlich einmal wieder auf und erzählte mir seine Geschichte. Seither habe ich ihn auch nicht wieder gesehen. Dieser Bekannte war neben meinen nicht weggehen wollenden Hautproblemen, meiner mittlerweile beruflich geklärten Situation und der Tatsache, dass eine PKV in meinem Alter ohnehin keine Ersparnis mehr gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung gebracht hätte, der Hauptgrund, warum ich mich schließlich doch zum HIV-Test entschloss.

    Der wichtigste Ex in meinem Leben, mit dem ich immer noch befreundet bin, hatte sich sein positives HIV-Testergebnis zehn Jahre vor mir abgeholt, kurz nachdem das mit uns beiden auseinandergegangen war. Einmal war uns in unserer gemeinsamen Zeit auch ein Kondom gerissen und ich war in ihm “gekommen”. Ich blieb dennoch weitere zehn Jahre bei meiner Testverweigerungshaltung; mit der ART begann ich nur einen Monat nach ihm.

    Was Liebe und den Spaß beim Sex angeht, so habe ich mich -abgesehen vom zugegeben manchmal lästigen Kondomgebrauch- der einem das Ficken natürlich auch vermiesen kann ( insbesondere wenn die Verpackung nicht aufgehen will oder man das Kondom im Halbdunkel verkehrt herum aufsetzt und es sich dann nicht überrollen lässt), nun wirklich nie zurückgehalten. Ich habe mich auch, weder was Alkohol oder Poppers, noch was meine Promiskuität angeht, je zurückgenommen. Genau so handhabe ich das auch jetzt, seitdem ich erfolgreich unter antiretroviraler Therapie stehe.

    Ich habe die Wahl meiner Sexualpartner nie von deren HIV-status abhängig gemacht. So erwarte ich das jetzt eigentlich auch mir gegenüber von diesen: Ich verschweige meinen HIV-Status zwar nicht, sehe aber auch keinen Grund, ihn gleich beim ersten Mal jedem gegenüber zwanghaft zu offenbaren: Ich betreibe ja weiterhin Safer-Sex!

    Eidgenössische (EKAF-)Erkenntnisse hatten auf mein Sexualverhalten auch bisher keinerlei Einfluss, weder vor, noch nach Aufnahme der Therapie, und so soll das auch weiterhin bleiben! Natürlich ist es besser, wenn man sich unter erfolgreicher ART keine Sorgen machen muss, wenn einem das Kondom reißt (so wie mir das damals mit meinem Ex passiert ist). Allerdings hielte ich es für unverantwortlich, HIV-Positiven, die noch unter keinerlei Beschwerden leiden und deren Helferzellzahl sich nicht kritischen Werten nähert, die oft mit starken Nebenwirkungen behafteten Medikamente dadurch schmackhaft machen zu wollen, dass man ihnen sagt, sie könnten dann ggf. auch ohne Kondom vögeln. Abgesehen davon wäre ein flächendeckender Einsatz auch volkswirtschaftlich nicht finanzierbar, wenn man die extrem teuren, bis zum Lebensende zu bezahlenden Therapien allen Ernstes als Alternative und nicht nur als bloße Ergänzung zu Safer-Sex ansähe.

    Es kann deshalb nicht darum gehen, zu propagieren: Vögelt euch nur ohne Sorgen durch die Lande, aber versprecht uns dafür, euch regelmäßig einem HIV-Test zu unterziehen und schluckt dann auch brav und so bald wie möglich die Pillen! So geht’s nicht!

    Gruß Gernot

  30. Diego:

    Ich gehöre auch der Fraktion an die sich über Jahrzehnte dem Test verweigert hat. Wäre mein Mann vor 2 Jahren nicht positiv getestet worden hätte ich wohl bis heute keinen Test gemacht oder aber ich wäre in den letzten Monaten irgendwann mit einer OI im Krankenhaus gelandet. Vor 15 Monaten lagen meine CD4 bei 210 mit deutlicher Tendenz nach unten. Ich verstehe die Gründe sehr gut wenn sich jemand nicht testen lassen will.
    Die Nachteile die durch einen Test entstehen sind noch immer enorm. Auch die Medikamente, die sicher sehr ut wirken, sollte man in den möglichen Nebenwirkungen wirklich nicht herunter spielen.

    @Ernst
    Ich relativiere EKAF und sage FAST nicht ansteckend, auch unter EKAF gibt es keine Garantie HIV nicht an “Gesunde” weiter zu geben. Nur die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Auch einen Volltreffer im Lotto zu gewinnen sehr unwahrscheinlich nur da hoffen jede Woche Millionen auf einen Treffer.

    Deshalb darf es nur ein Recht auf einvernehmlichen Kondomverzicht geben.

  31. Ernst:

    Hallo Gernot,
    tatsächlich beantwortet Dein Text bereits die Frage, wie wichtig der Test ist und wie wichtig auch die Medikation gegen HIV sein kann, von der ich hoffe, dass sie erstens immer spezifischer gegen HIV ist und möglichst ohne Nebenwirkungen und zweitens hoffe ich, dass wir bald zu einer terminierten Medikation kommen (Pausen werden ja auch schon gemacht und die Zielsetzung ist, dass HIV ausgemerzt wird und dann keine Medikamente mehr).
    Wer unseren Schriftverkehr liest, der wird ganz klar zu dem Ergebnis kommen, dass die Benutzung von Kondomen absolut wichtig ist, das ist unbestritten.
    Die Medikation ist allerdings in der schwulen Szene nicht nur eine Ergänzung – es ist eine entscheidende Ergänzung, denn jetzt bestehen noch größere Chancen gegen HIV.
    Es ist wirklich ein Glück, dass Dir dieser Bekannte seine Geschichte erzählt hat – ich hätte dieser Bekannte übrigens auch sein können, denn mich traf es erst mal hart – meine Geschichte muss ich Dir jetzt nicht erzählen, denn soeben erfahre ich, dass die Story bald recht bekannt sein wird :-) Einfach mal an der nächsten Litfaßsäule nach einem Foto suchen wo ein „Ernst“ zum Thema “AIDS Überleben” was sagt :-) )
    Am Schluss stellst Du ein paar Mutmaßungen an, die schon etwas extrem sind.
    Daher noch mal worauf es mir ankommen würde:
    Wer die Sorge oder die Angst hat, dass er evtl. positiv ist, der sollte den HIV-Test nicht scheuen, denn der Test gibt Sicherheit.
    Gerade in angehenden Partnerschaften neigen Menschen dazu – egal ob hetero oder schwul, sich gegenseitig ein “Gesundheitszeugnis” auszustellen – “Hey, ich hatte vor dir nur, den oder die und eigentlich bist du fast der erste mit dem ich…..” – also bei 20 jährigen Heten in Niederbayern könnte das ja evtl. gut gehen, die Wahrscheinlichkeit ist da gering, dass Hans oder Eva-Maria positiv sind. Zwei schwule Männer Mitte dreißig? Jedenfalls ist da meine Message, dass es gut ist, mal den HIV-Test zu machen.
    Nehmen wir deine Geschichte von dem geplatzten Kondom – und Du wärst positiv gewesen, hättest es gewusst – aber in der anbahnenden Beziehung nicht gesagt. Also Du wolltest es schon sagen, bei Kerzenschein und so – aber dann hattest Du doch nicht den Mut, hast es verschoben…Wirst Du den Partner verlieren, wenn Du es ihm sagst? Diese Liebe ist Dir doch so wichtig, es ist toll….ok jetzt nicht zu kitschig….
    Jedenfalls haben wir das geplatzte Kondom, der Junge macht den HIV-Test und ist ziemlich geschockt…und aus der Liebesgeschichte wird vielleicht ein übler Rechtsstreit – wenn es da nicht noch ne Sache gäbe. Du bist medikamentiert und schon ein halbes Jahr unter Nachweisgrenze, das bestätigt Dir Dein Arzt. Naja aus der großen Liebe wird wohl nix mehr, denn der Zeitpunkt, wo man es sagen könnte, ist definitiv verpasst, aber mit der Anklage kann sich der Rechtsanwalt und vor allem der Staatsanwalt schwingen.
    Hier sind wir beim eigentlichen Thema – Entkriminalisierung!
    Wenn ich mich mit 50 jetzt zurücklehne, dann kann ich das relativ relaxt machen, aber wie steht es mit einem z.B. 23 jährigen, der positiv getestet ist? Was für Pflichten sind dem jetzt aufgebürdet? Der Junge will auch leben, lieben und dabei sein – klar ist das in der Szene ein guter Konsens, alle machen safer sex und in der Regel funktioniert das ja – außer es ist mal wieder kein Kondom bei der Hand und dann gibt es da auch die billigen, die so schnell reißen und welcher Depp hat da das Melkfett hingestellt……
    Es ist eben schon für das eigene Gefühl ganz wesentlich, wenn es heißt, Viruslast unter Nachweisgrenze und wenn man dann den Arzt fragt, ob man echt keinen anstecken kann und der sagt: “Eigentlich nicht.” Die Situation ist einfach anders und da bin ich ziemlich froh – vor allem für den 23 Jährigen. Wenn mich allerdings der 23jährige fragt, ob es ok ist, einfach rumzuvögeln – ich würde ganz anders antworten, würde ihm Mut machen, seinen Traumberuf zu finden, fertig zu studieren, würde ihn bestärken eine langfristige Beziehung aufzubauen und sogar Werte wie Treue ansprechen und dass die Szene so toll nicht ist, und vor Drogen würde ich warnen, rauch nicht, sauf nicht – “Hey, du laberst mich zu wie meine Mutter!”
    Doch in der Furcht, dass er andere ansteckt, dass er keine glückliche Zukunft hat, denn er ist positiv, da würde ich ihn nicht bestärken, sondern ihm zustimmen, dass er keinen anstecken kann, da er ne Viruslast unter Nachweisgrenze hat – Scheiße ist allerdings, dass sich 20jährige anstecken und daher bitte ich zukünftig z.B. solche wie Dich (und mich), den HIV-Test zu machen, denn das ist eigentlich die Voraussetzung, dass sich weniger Menschen anstecken.
    Durch safer sex, durch die Medikation und vor allem durch den Mut zur Wahrheit.
    Ich hoffe und freue mich, wenn Du Dich auf Deine Weise und so wie Du kannst, engagierst und würde mich freuen wenn wir uns mal sehen.

    Herzlicher Gruß

    Ernst

    @Diego – klar einvernehmlichen Kondomverzicht – aber wer bestimmt das? Der Gesetzgeber oder wir selbst durch unsere Einsicht und unseren Verstand – und lassen den Staatsanwalt hier mal außen vor…..

  32. Oliver:

    Ich verstehe einiges an der Diskussion nicht.
    Aus der Forderung nach Recht wird ein von den “Gegnern” ein Zwang abgeleitet.
    Aus einem, nach fundiertem Kenntnisstand mit demselben Restrisiko wie bei Safer Sex, NIedrigst-Infektiösem HIV-Positiven wird ein hochansteckender Positiver gemacht.
    Aus gelebter Sexualität wird ein Anschauungsunterricht gemacht und der HIV-Test wird im Gegenzug zu etwas Volantilem, das man irgendwann in seinem Leben als polygamer Schwuler gemacht haben sollte. So ein oder zweimal.
    Ich persönlich stelle volkswirtschaftliche Betrachtungen ziemlich weit nach hinten, weil ich finde, dass wir in einer Gesellschaftsform leisten, die sich Solidarität aus moralischen und finanziellen Gründen leisten kann.
    Die gebrachten Argumente haben mich nicht von der Illegitimität eines Rechts auf Sex ohne Kondom für Positive überzeugt.
    Ich sehe es auf dem Hintergrund der Rechtsprechung. Dort ist es immer noch so, dass im Falle von ungeschütztem Verkehr der Positive zur Verantwortung gezogen wird und eigentlich sind wir uns alle einige, dass Sexualität auch eine gleichmäßig verteilte Verantwortung für alle Beteiligten mit sich bringt. Das ist einer der Ungerechtigkeiten und die Benennung dieser Ungleichheit in der Rechtsprechung beinhaltet in diesem Kontext der Begriff “Recht”.
    Aus einem Recht kann ich keinen Zwang ableiten und wenn ein Mensch diesen Satz so interpretiert, dann würde ich das verurteilen.
    Aus der Forderung nach einem Recht würde ich auch nicht die Genehmigung ableiten, andere Menschen willentlich mit einer unheilbaren Krankheit anzustecken. Wer weiss, dass er ansteckend ist, der hat andere zu schützen. Damit das Recht auf Unversehrtheit gewahrt wird. Wie wir heute wissen, muss das Recht auf Unversehrtheit nicht mit dem Recht auf den Kondomverzicht kollidieren und ich denke, dass es genau darum geht.

  33. Oliver:

    Entschuldigt bitte die Rechtschreibfehler. Mein Finger war wieder schneller auf “Senden” als ich wollte. Hier nochmal der korrigierte Text:
    Ich verstehe einiges an der Argumentation nicht. Aus der Forderung nach einem Recht wird ein Zwang abgeleitet und als Gegenargument angebracht.
    Aus einem, nach fundiertem Kenntnisstand mit demselben Restrisiko wie bei Safer Sex, Niedrigst-Infektiösen HIV-Positiven wird ein hochansteckender Positiver gemacht.
    Aus gelebter Sexualität wird ein Anschauungsunterricht gemacht und der HIV-Test wird im Gegenzug zu etwas Volantilem, das man irgendwann in seinem Leben als polygamer Schwuler gemacht haben sollte. So ein oder zweimal.
    Ich persönlich stelle volkswirtschaftliche Betrachtungen ziemlich weit nach hinten, weil ich finde, dass wir in einer Gesellschaftsform leben, die sich Solidarität aus moralischen und finanziellen Gründen leisten kann.

    Ich sehe es auf dem Hintergrund der Rechtsprechung. Dort ist es immer noch so, dass im Falle von ungeschütztem Verkehr der oder die Positive zur Verantwortung gezogen wird und eigentlich sind wir uns alle einige, dass das nicht richtig ist. Das ist eine Ungerechtigkeit und die Benennung exakt dieser Ungerechtigkeit beinhaltet zumindest in meiner Wahrnehmung der Begriff “Recht”. Deswegen wurde er meiner Meinung nach gewählt.
    Aus einem Recht kann ich keinen Zwang ableiten und wenn ein Mensch diesen Satz so interpretieren würde, dann würde ich das verurteilen.
    Aus der Forderung nach einem Recht würde ich auch nicht die Genehmigung ableiten, andere Menschen willentlich mit einer unheilbaren Krankheit anzustecken. Wer weiss, dass er ansteckend ist, der hat andere zu schützen. Damit das Recht auf Unversehrtheit gewahrt wird. Wie wir heute wissen, muss das Recht auf Unversehrtheit aber nicht mit dem Recht auf den Kondomverzicht kollidieren und ich denke, dass es genau darum geht.
    Die gebrachten Argumente haben mich nicht von der Illegitimität eines Rechts auf Sex ohne Kondom für Positive überzeugt.

  34. michèle meyer:

    @olivier, deine worte lesen sich entspannt. ich unterschreibe fast alles. bin froh um solche voten wie deine. ich habe zunehmend mühe mit dem grassierenden moralin, hüben wie drüben.
    nicht umsonst betone ich immer wieder, das kondomloser sex, 1.) nicht gleich unsafer sex bedeutet und 2) bitte in die entscheidungshohheit der beteiligten gehört.
    ind natürlich geht es darum, der rechtsprechung klar entgegenzutreten.

    @fallada naja, ich dachte bloss, dieser aufschrei um die armen hetera frauen, die geschwängert würden sei etwas theoretisch :-)