Talkrunde 25 Jahre Deutsche Aids-Hilfe

1992 sei er erstmals auf einer Bundes-Positiven-Versammlung (BPV) gewesen (damals in Hamburg). Er habe schockiert reagiert, als er erleben musste, dass HIV-positive Frauen ihren Platz in Aidshilfe erst gegen Widerstände einfordern, erkämpfen mussten.

Aidshilfe verstehe er als politische Organisation, die dafür einzutreten habe, dass Menschen mit HIV und Aids nicht ‘unter den Teppich gekehrt werden’.

Dabei gelte es nach vorne zu stellen, was uns verbindet, wofür wir gemeinsam eintreten können.

Claudia Fischer-CzechDie Braunschweiger Aidshilfe wurde überwiegend von schwulen Männern ge­gründet, zur Abwehr von Stigmatisierung und Diskriminierung, ‘da gab es da­mals noch keine Positiven’, berichtet Claudia Fischer-Czech, damals selbst Gründungs-Mitglied. Sie habe Aidshilfe zu dieser Zeit in Braunschweig als eine sehr solidarische Gemeinschaft empfunden, schnell seien auch Frauen aus den Be­reichen Drogengebrauch sowie Prostitution engagiert gewesen. Nach vier Jah­ren sei sie zu Hydra, einem Prostituiertenprojekt, gewechselt.

Mit ihrem positiven Testergebnis 1992 habe sie zunächst nicht offen umgehen wollen, die Ausschreibung der Stelle als Frauen-Beauftragte der DAH sei mit ei­nem ‘nicht ganz freiwilligen Outing’ verbunden gewesen. Damals hätten sich Frauen im schwulen Kontext der Aidshilfe nicht wohl, nicht gleichberechtigt ge­fühlt. Ziel sei es gewesen, Frauen überhaupt erst sichtbar zu machen. Auch re­gional habe es damals begonnen zu ‘brodeln’, daraus habe sich dann die (schon von Carsten Schatz angesprochene) Hamburger ‘Palast-Revolution’ er­geben. Im Frauenreferat der DAH habe sie zunächst gegen viele Widerstände arbeiten müssen, vor allem wenn es um Mittel und Eigenständigkeit ging.

Dirk HetzelIn die Aidshilfe Karlsruhe sei er als junger Mann gekommen, weil dies wohl der Ort gewesen sei, um schwule Männer kennen zu lernen, erzählt Dirk Hetzel. Die Aidshilfe dort sei aus der universitären Schwulenbewegung heraus entstan­den, nicht als Gesundheitsbewegung sondern mit dem Moment der Gefahren­abwehr und Antidiskriminierung. Offen positive Menschen habe er damals kaum gekannt, seine erste Begegnung mit einem HIV-Positiven sei Oliver Trautwein gewesen.

1989 sei er nach (damals noch West-) Berlin gewechselt, habe als Job im Som­mer 1989 bei der DAH im Versand angefangen, später im damals noch vorhandenen Presse-Bereich (Ausschnitt-Dienst). Der damalige Leiter des Referats Psychosoziales, Axel Krause, holte ihn in sein Referat. Krause erkrank­te bald schwer, Hetzel war de facto 2 Jahre lang alleiniger Mitarbeiter des Refe­rats, da keine Krankheitsvertretung (außer ihm als junger ‘Aushilfe’) engagiert wurde. Damals habe es eine große Scham gegeben zu akzeptieren, dass Mit­arbeiter erkrankten, für lange Zeit nicht wieder kommen würden – ein heute befremdlich anmutender Umgang mit Krankheit und drohendem Verlust. 1992 habe er seine Festanstellung in der DAH erhalten; 1997 bei einem Kranken­haus-Aufenthalt sein positives Testergebnis.

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