positiv schwul

CSD Köln

8. Juli 2008 | Von ondamaris | Kategorie: Homosexualitäten

Der ‘Cologne Pride 2008‘ vom 21.6. bis 6.7.2008 fand seinen Abschluss in der großen CSD-Parade am Sonntag, 6. Juli. Das Motto: “Null Toleranz”. ‘

Der CSD 2008 in Köln – nur ein weiterer Event der lokalen Spaß- und Kommerz-Gesellschaft?

CSD Köln - just another event ...

Der CSD Köln – ‘just another event’ …

Seltsame Gefühle vermittelt dieser CSD, insgesamt bleibt ein sehr befremdlicher Eindruck.

- Eine Parade, der irgendwie das Herz verloren gegangen ist. Da fahren immer mehr Wagen von Parteien, Großunternehmen (von Autokonzernen bis Möbelhäusern nebst Küchenfront und Inneneinrichtung) an einem vorbei, dazu Internetapotheken … so wird die Parade immer mehr zu einer einzigen Werbefläche.

- Eine Parade zudem, seltsam sinnentleert, die ihren Zweck erst zu suchen scheint. Nur geringfügig ‘um-dekorierte’ Karnevals-Wagen verstärken nicht nur bei so manchem heterosexuellen Parade-Besucher den Eindruck, hier ziehe doch ein netter spaßiger Sommer-Karneval vorbei. Kamelle, Strüsscher ['Bonbons, Blumensträuße' - für die Auswärtigen], nur im Sommer halt …

- Ein schwullesbisches Straßenfest, bei dem ein Großteil der Stände schwule Handtaschen, lesbische Portemonnaies und homoerotische Bratwurst verkauft. Hingen rechts und links Tannen-Girlanden, könnte es auch der Weihnachtsmarkt sein.
Die Aufzählung der Seltsamheiten und Peinlichkeiten (das Bühnenprogramm mit seinen Schlager-Highlights erwähnen wir lieber nicht…) ließe sich fortsetzen …

Belanglose Routine“, meint TheGayDissenter, und “mit Stolz hatte die Parade relativ wenig zu tun” bemerkt Clamix. Gay Dating Tricks fragt irritiert “Was ist nur aus dem CSD geworden?
Und mich erinnert das Ganze zunehmend an die “homosexuelle Folklore” und ihre Gefahren …


Dazu dann dieses Motto. ”
Null Toleranz!” scheint mir ein eigenwilliges Motto für einen CSD.
Die Veranstalter selbst sagen dazu auf ihrer Site: “„Null Toleranz!” ist für eine Veranstaltung, die seit vielen Jahren für gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz gegenüber Schwulen, Lesben und Transgender kämpft, sicherlich ein ungewöhnliches und hartes Motto. Wir haben das Thema des diesjährigen CSD Köln / ColognePride jedoch ganz bewusst provozierend und kämpferisch gewählt, weil wir das Gefühl haben, dass in einigen Teilen der Gesellschaft auch nicht gerade zimperlich mit unserer Minderheit umgegangen wird. Das Motto „Null Toleranz!”, verbunden mit der offensiven Stopp-Hand in einem auffallenden Logo, drückt aus, dass wir nicht länger dulden wollen, dass unsere Rechte verletzt und unsere Würde von Teilen der Gesellschaft mit Füßen getreten werden.”

Nun ja, eine auf den ersten Blick vernünftig klingende Begründung für das Motto.
Dennoch – die “Nulltoleranzstrategie“, Namensgeber im Hintergrund, scheint mir ein zweifelhaftes, nicht unbedingt anstrebenswertes gesellschaftliches Modell. Malaysia oder Singapur sind zumindest für mich nicht gerade Traum-Modelle vom Zusammenleben.

Dieser CSD scheint sich weit von dem entfernt zu haben, was einst mit Stonewall-Aufständen und politischen Demonstrationen der 1980er Jahre begonnen hat. Sinnentleerte Spaßparade der Event-Beliebigkeit – kann das tatsächlich Ziel einer schwullesbischen Demonstration sein?

Der CSD 2008 in Köln – nur ein weiterer Event der lokalen Spaß- und Kommerz-Gesellschaft?

Und dass gerade Schwule und Lesben eine ‘Law and Order’ – Strategie als ihr freiwilliges Motto wählen … irgendwie liegt mir da ibne Kreuzberg ja doch näher …


Tags: ,
Feed abonnieren Ondamaris als Feed lesen oder per Email-Benachrichtigung
Diesen Post als Email versenden Diesen Post als Email versenden
Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken


· gelesen: 1561 · heute: 4 · zuletzt: 9. Februar 2010

sehr schwachschwachna geht sogutausgezeichnet (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...


Ähnliche Beiträge zu diesem Themenbereich:

6 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. moin uli . . . .

    ich finde das reiht sich nahtlos in den derzeitigen “state of mind” bzgl des engagements im kontext zu hiv ein den viele hiv positive haben. ich hab mich lange gedrückt um es zu formulieren – aber ich sag s jetzt einfach mal. es muß uns – den meisten erst wieder körperlich dreckig gehn damit wir in bewegung kommen. die medis – das ist die andere seite – haben uns/die meisten selbstzufrieden und dröge gemacht. (ich kann mich davon auch nicht ganz freisprechen . . besonders wenn ich sehe was du und andere tun) versteh mich nicht falsch – man hat kein anspruch per se auf ein zufriedenes und gesundes leben – auf ein leben ohne unbillen. zumal dies nicht von selbst kommt. man muß seinen teil dazu beitragen. die medis haben diesen aspekt für viele von wieder möglich – erreichbar gemacht. und wenn s einem wieder gut geht dann vergißt man sehr schnell wie s einem mal ergangen ist. sie gaukeln uns ein bild von heiler welt vor dem der mensch nur zu gerne nachhängt. und über die grenze des tellerrandes zu schauen . . .wer bitte will schon an das elend erinnert werden. nein es muß im eigenen haus einzug gehalten haben . . . damit sich etwas bewegt. :(

  2. @ Dennis:
    na – das elend und das engagement gegen aids und der zustadn von csd und co sind für mich schon zwei themen. da gibt es sicherlich thematische grundgedanken, die beidem zugrunde liegen. aber das thema aids und das thema schwul/enbewegung sind eh schon viel mehr verwoben als ihnen jeweils gut tut – deswegen würd ich das gern etwas mehr trennen …
    deine beobachtungen teile ich im hiv-bereich schon teilweise, wie du weißt ;-)

  3. Man ist halt anstatt in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, soweit man das denn überhaupt möchte, eher mitten im Mainstream. Ich denke auch, daß man sich von den ursprünglichen Zielen immer weiter entfernt hat, das trifft sicherlich ebenso auf viele andere CSD´s in unserem Land zu. So wird durchaus das Gegenteil bewirkt in Form einer zunehmenden Entfernung von den Zielen die eigentlich erreicht werden sollen. Den Sinn und Zweck des CSD´s aussenstehenden Freunden und Bekannten deutlich zu machen, fällt mir in Anbetracht der Situation immer schwerer und wirkt immer unglaubwürdiger.

  4. @ Magic M.:
    tja … manchmal scheint mit der horizont reicht einfach nicht weiter als zu8m mainstream, und das mag sich irgendwann als etwas wenig erweisen … sinnverlust, ent-schwulung der homosexualitäten …

  5. [...] Anmerkungen und Gedanken sowie Erlebnisse meiner geschätzten Mitblogger finden sich hier: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, [...]

  6. [...] “Noch immer nicht gleichberechtigt“. Ähnlicher Eindruck entstand ja bereits auf dem Cologne Pride, in der heimlichen Schwulen-Hauptstadt Deutschlands und Wiege der deutschen Bewegung des [...]

Schreibe einen Kommentar

Kommentare per RSS Feed verfolgen