Virus-Mythen 1: verantwortungslose Positive

Bei Diskussionen über das Statement der Eidgenössischen Aids-Kommission EKAF, bei Reaktionen, bei Gesprächen über die Frage welche Bedeutung dieses für das Sex-, Liebes- und Beziehungsleben von Menschen mit HIV und Aids haben kann, und ob man ihnen diese frohe Botschaft überhaupt sagen dürfe, ist von Politikern, Bürokraten aber auch einigen Präventionisten oft (selten im Klartext, gern zwischen den Zeilen oder höflich verbrämt) der Gedanke zu hören, „die Positiven“ seien doch „viel zu verantwortungslos“ um mit dieser neuen Freiheit adäquat umgehen zu können.

Dieses Gerede von „diesen verantwortungslosen Positiven“, denen man „sowas ja nun nicht auch noch sagen“ dürfe – es macht mich zunehmend wütend, zornig.

Woher meinen Menschen, die solche Aussagen in die Welt setzen zu wissen, wie sich „die Positiven“ verhalten?
Wie bei fast allen gesellschaftlichen Gruppen gilt, es gibt nicht dieses absolute „die“. Vermutlich wird es auch in der großen Gruppe mit HIV infizierter Menschen einige geben, die sich gelegentlich so verhalten, wie es manche mit dem Begriff „verantwortungslos“ umschreiben. Aber – dies dürfte wohl für die Mehrzahl der HIV-Positiven so nicht gelten.

Ich bin im Verlauf der letzten Jahre vielen Positiven begegnet, auf Bundespositiven-Versammlungen, Positiventreffen, bei lokalen Veranstaltungen. Oftmals ist bei diesen Treffen -wie auch jüngst vor einigen Tagen- eines der Themen, wie lebe ich mein sexuelles Leben, wie gehe ich mit Fragen des safer sex, mit Verantwortung und ‚Fallenlassen‘ um. Und in den meisten Fällen bewundere ich, wie intensiv sich HIV-positive Männer und Frauen mit ihrem HIV, ihrer Sexualität auseinander gesetzt haben, welch ausgefeilte Strategien eines individuellen Risiko-Managements sie sich für die verschiedensten Situationen erarbeitet haben. Dabei ist immer wieder auch zu merken: mehr als alles andere haben HIV-positive Menschen vor einem Angst: dass andere sich bei ihnen mit HIV anstecken.

Sicher mag es auch bei diesen Strategien in Einzelfällen zu ‚Ausrutschern‘ oder ‚Versagen‘ kommen. Aber in der Mehrzahl gehen Menschen mit HIV nach (nicht nur) meinem Erleben mit ihrer Infektion und insbesondere möglichen Übertragungs-Risiken sehr informiert und überlegt um.

Verantwortungslos ist die Mehrzahl der Positiven nicht – verantwortungslos scheint mir dagegen sehr wohl dieses populistische Gerede, das fadenscheinigen Zwecken dient.

HIV-Positive pauschal als „verantwortungslos“ zu titulieren ist eine Beleidigung für all die Menschen, die sich bemühen, verantwortungsbewusste Wege zu finden, mit sich, ihrem HIV, ihrem Sexleben, ihren PartnerInnen umzugehen.

Mir scheint, manche schaffen es auch, Ihre Vorurteile hinter verbrämten Formulierungen zu verbergen. Ein Beispiel meinte ich jüngst zu erleben.

Frau Professor Dr. Elisabeth Pott befasste sich in ihrer Rede zur Eröffnung der Frankfurter ‚Ethik-Konferenz‘  am 19. Juni 2008 auch mit dem Statement der Eidgenössischen Aids-Kommission und den Folgen für die Prävention. Mit den Risiken, weniger den Chancen. Welche Gefahren bewegen Frau Professor Pott? Nun, das sagte sie recht deutlich. Gefährlich seien am Statement der EKAF die -so wörtlich- „Entwarnungs-Effekte“.

„Entwarnungs-Effekte“ – man muss sich dieses Wort langsam auf der Zunge zergehen lassen. Wonach schmeckt es?
Vor wem oder was wird denn da gewarnt? Und, wer warnt baut Droh-Kulissen auf. Prävention mit Angst? Angst vor Menschen?
Oder, andere Frage, was ist so schlimm daran, wenn Menschen mit HIV  endlich ein wenig weniger Angst haben dürfen, sie könnten ihre Partnerin, ihren Partner womöglich riskieren? Was empfindet, wer so etwas sagt, als so gefährlich? Die Freiheit, die sich hier eröffnet? Die Hoffnung, dass auch Menschen mit HIV unter bestimmten Umständen wieder ein unbefangeneres, weniger konfliktbeladenes Sex-Leben haben können?
Und – wer sagt so etwas? Nun, Frau Professor Pott ist nicht irgendwer. Sondern die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), somit oberste ‚Aids-Präventionistin‘ des Landes …

Wer angesichts der neuen Beurteilung der Infektiosität von erfolgreich behandelten Positiven von „gefährlichen Entwarnungs-Effekten“ spricht, hat sicher nicht die Verbesserung der Situation von Menschen mit HIV und Aids im Sinn, freut sich nicht über Ent-Stigmatisierung und Abbau von Angst. So wird an neuen Drohkulissen gearbeitet – und zu denen braucht es eins, das Märchen vom „verantwortungslosen Positiven“.

Für viele Menschen mit HIV hingegen gilt längst „Ich weiss was ich tu!

37 Gedanken zu „Virus-Mythen 1: verantwortungslose Positive“

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  2. lieber ulli
    danke für diesen beitrag
    ich kaue seit tagen an solchem…
    der workshop “ verantwortung in der prävention“ hatte mir an der ethiktagung gerade deswegen magenschmerzen verursacht, weil es wieder unterschwellig heraufbeschworen aber nicht offen diskutiert wurde, wie an der ganzen konferenz, jedenfalls war das meine wahrnehmung, dabei hätte sich dazu viele chancen geboten.
    die frage welche verantwortung tragen eigentlich diejenigen, die die drohkulisse brauchen stellt sich mir immer wieder. das festhalten am bild des wild-um-sich-pozenden positiven wirkt sich weder auf unsere integration noch auf nachhaltige prävention positiv aus- im gegenteil! warum ist das so schwer verständlich.
    ich verstehe sehr wohl, dass (vermeintlich-)negative keinen wirklich ausgleichenden gewinn darin sehen mit-verantwortlich zu sein in der prävention. denn schliesslich bräuchte es dies ohne „uns“ nicht- und ihre sexualität wäre uneingeschränkt/ungetrübt.
    darum: wird es wohl kaum aufzulösen sein: wir sind die schuldigen. denn gesundheit an sich ist kaum wahrnehmbar und wertgleich um als gewinn angesehen zu werden im vergleich zum verlust der „unbeschwerten“ sexualität- oder?

  3. das künstliche konstrukt der „heilen welt“ ist eine 100% welt. und eine solche – geschaffene kennt keine gefahren. was unangenehm und bedrohlich wirkt wurde bislang erfolgreich verdrängt und tabuisiert. und damit das auch so bleibt braucht man halt wächter. der verfall, alter, das sterben und der tod passiert unter ausschluß der öffentlichkeit – erfolgreich ins kämmerlein oder ins altenheim verdrängt. auf alle fälle im abseits. perverserweise hat man es geschafft „das abseits“ als gesellschaftlich gesund zu verkaufen. insofern ist die gesellschaft von heute nicht mehr ein natürlich gewachsenes sondern ein konstruiertes gebilde „wie man es gerne hätte“. die anderen wächter sind die aufpasser die all das was das konstrukt bedrohen könnte rechtzeitig erkennen um es sofort zu instrumentalisieren um somit gegen die vermeintliche „gefahr“ die geschütze aufzufahren. und solche posten sind natürlich mit macht verbunden. wächter der macht waren immer gut bezahlt und in der folge voller angst diese macht zu verlieren. das beanwtortet die frage nach dem berühmten „cui bono“

    im übrigen solltest du michelle das spiel kennen. ich sage nur schaf-plakate. . . 😉

    „gesundheit“ ist wahrnehmbar weil gesundheit genau definiert ist. und die ist spätestens dann in gefahr wenn sie von den aufpassern „im handbuch der bedrohung“ das man ja selbst erstellt hat gefunden wird.

    ich komme immer mehr zu der überzeugung das die idee von uli „titelseite stern“ – ich bin hiv + meine vl ist unter der nachweisgrenze und ich ficke ohne kondom“ der einzigste weg ist – sein könnte. wenn alles reden und diskutieren den träumer nicht weckt dann hilft nur noch ein zenschlag . . .ein erdbeben.

  4. Dass sich die Vertreterin einer Präventionsinstitution zurückhaltend gibt, kann ich zumindest insofern verstehen, dass sie ihre Zielgruppe von 80 Mio. Deutschen vor Augen hat, die RTL und Bild zu Marktführern machten, die zum großen Teil die Tagesschau nicht verstehen und zum Teil nicht einmal die deutsche Sprache. Sie möchte ihre Präventationsbotschaft einfach, schlicht und kurz halten: „Gummi drüber“.

    Als Expertin sollte sie aber differenzieren können.

    Ein Ansinnen, Positiven Informationen vorzuenthalten und so überhaupt nicht das Wissen zu vermitteln, um eigen- und fremdverantwortlich handeln zu können(!), betrachte ich als Schlag ins Gesicht – nicht nur der Betroffenen, sondern auch jedes selbst-denkenden Menschen.

  5. @ Michèle:
    „die frage welche verantwortung tragen eigentlich diejenigen, die die drohkulisse brauchen stellt sich mir immer wieder.“ – ja, genau.mich macht vor allem zunehmend sauer, dass dieses überkommene (und wohl nie zutreffende) bild nun wieder ausgegraben wird – um entlastende informationen zu unterdrücken …

  6. @ Clamix:
    genau, ein schlag ins gesicht. und zwar nicht nur positiver, sondern auch negativer oder ungetesteter menschen – denn auch die sollten doch wissen, dass ein erfolgreich behandelter positiver weniger infektiös ist …

  7. @ Dennis:
    tja … manchmal könnte man tatsächlich auf die idee kommen, sie verstehen nur deutliche sprache – oder halten uns schlicht für blöder als wir sind …

  8. ihr versteht nicht . . .es ist kein schlag ins gesicht von uns positiven einfach deshalb weil wir nicht das sind was man einst als „satisfaktionsfähig“ sind. wir sind auf grund unseres status hiv + nicht ernst zu nehmen eben weil wir die schuld tragen. deshalb sind wir weder würdig verstanden – einbezogen und gehört zu werden geschweige den haben wir ein recht auf ein leben in würde, angstfreies praktizeiren von sexualität. wir haben unseren kredit verspielt.

    und diese sichtweise begegnet mir zig fach täglich in foren wo menschen dir rk s hatten. es sind wir – die schwulen in den darkrooms, die transen, die prostituierten – die vermeintlichen und tatsächlichen hiv positiven die schuld sind das andere einen rk gehabt haben könnten. in uns manifestiert sich das das prinzip einer kollektivschuld . .watever that may be . . .

  9. Denn sie wissen nicht, was sie tun…
    Ich finde es absolut skandalös, dass diese Frau ausgerechnet auf einer Ethik-Konferenz diese unterirdische Bemerkung ungestraft ausspucken darf. Ich war nicht dabei, wie hat das Publikum reagiert?
    Sicherlich kann man sich Gedanken machen, ob und welche Auswirkungen die EKAF-Verlautbarungen haben. Es scheint intellektuell (Neue Wege sehen? Neue Wege gehen ?) bis heute aber noch gar nicht begriffen worden zu sein, was diese Verlautbarung bedeutet. Endlich wird ein guter Teil der HIVpositiven aus der Opfer-/Täter-Rolle entlastet. Das ist die Botschaft. Die öffentliche Bekanntmachung ist unter ethischen Gesichtspunkten mehr als überfällig gewesen.
    Der Adlatus der Oberin der BZgA hat vor Wochen schon ähnliches schriftlich an seine Gesundheitsamtsvasallen verbreitet. Auf Nachfrage nach belastendem Material, eventuellen Geheim-Studien, die zeigen, dass nach EKAF Sodom und Gomera unter den Positiven herrsche, musste er einen Rückzieher machen.
    Ich frage mich, ob man mit so einer Haltung bzw. einem solchen Menschenbild überhaupt geeignet ist, diesen Präventions-Job zu machen. Positiven-bashing! Ich bin einfach nur wütend!

  10. @Ondamaris: Richtig, wenn es sie interessiert und wenn es ihren geistigen Horizont nicht überschreitet. Das kann aber leider nicht stillschweigend vorausgesetzt werden.

  11. Allem im Blog gesagten kann ich nur voll und ganz zustimmen! Der Eindruck, dass „HIV-Positive“ nach der EKAF-Stellungnahme von HIV-Präventionisten unter einen Generalverdacht gestellt werden, war bei mir schon sehr sehr früh im Februar da. Anders war die Befangenheit zu einer an sich begrüssenswerten Botschaft nicht zu deuten. Daher war für mich auch sehr schnell klar, wo in der Debatte um die EKAF-Stellungnahme ich mich persönlich verorte.

    Ein Problem sehe ich darin, dass Frau Prof. Pott – wie viele andere auch – nun wohl sagen wird: „So habe ich das nicht gemeint.“ Aber wie meint sie es denn nun? Zwischen den Zeilen erfolgt viel Stimmungsmache – zu Lasten der HIV-Positiven.
    Das hat mit SOLIDARITÄT, die sich die BZgA ja auch auf die Fahnen schreibt, NICHTS zu tun! Und das macht auch mich zornig. Auf diese Solidarität in Teiten, wo es darauf ankommt, Position zu beziehen und dies auch politisch durchzudeklinieren, verzichte ich dankend! „Zwischen den Zeilen“ sich zu verstecken geht hier nämlich nicht mehr – und man wird wohl jemandem auf die Füsse treten und darf dann trotzdem nicht vom Platze weichen.

    Das alte Bild vom Tod durch AIDS soll als „absolut“ in Beton gegossen werden – dabei geht es an der Realität vorbei – und damit wird auch HIV-Prävention unglaubwürdig.

    Leider gibt es auch in den AIDS-Hilfen Bedenkenträger, die spaltend in die Gruppe der HIV-Positiven einwirken (die guten verantwortungsvollen und die bösen verantwortungslosen) und dies als Strategie gebrauchen, sich mit dem wirklichen inhaltlichen Wert der EKAF-Stellungnahme nicht auseinandersetzen zu müssen.

    Die meiste Power FÜR eine Veränderung, FÜR ein neues Bild von HIV kommt derzeit von den HIV-Positiven selber. Es geht daher darum, dass wir untereinander solidarisch sind und uns nicht spalten lassen!

    Es gibt Menschen mit HIV im Vollbild AIDS, denen geht es dreckig und ihre Lebenszeit ist nur kurz. Ich lasse mich berühren von ihrem Schicksal und bleibe zugewand und solidarisch.

    Es gibt Menschen mit HIV in anderen Ländern, die keinen Zugang zu der kompletten Breite der HIV-Medikamente haben als ich ihn in Deutschland habe. Ihr Schicksal ist mir nicht egal und ich fordere: „Access for all“!

    Es gibt Menschen mit HIV, die von der HIV-Therapie voll profitieren und viel Lebensqualität erfahren und weite Lebensperspektiven haben. Ihre Situation, die viel Grund für Lebensfreude und Optimismus in sich trägt, ist ebenfalls Realtität von HIV 2008. Letztere werden in Zukunft mehr werden.

    Und letztere Persepktive ist noch realitiv neu.

    In den Argumentation der Bedenkenträger wird meist eine Gruppe HIV-Positiver gegen die andere ausgespielt. Das ist unfair, und ethisch ist da schon mal gar nicht. Aber was es ist: Ein Ausdruck von eigener Ratlosigkeit und Hilflosigkeit. Ratlos und hilflos braucht man aber nur zu sein, wenn man keine Konzepte hat.

    Realitätsbezogene Konzepte sind machbar. Sie müssen gestaltet werden. Dafür muss man als erstes Realitäten anerkennen. Der Wert des INHALTS der EKAF-Stellungnahme muss als Realität voll anerkannt werden. Vorher machen Gespräche keinen Sinn und einen Konsens zu erzielen ist Illusion und vergeudete Zeit.

    Die HIV-Präventionisten sollten sich darauf besinnen, was denn die Grundlage der allseits und unisonso als erfolgreich bewerteten HIV-Präventionslinie gilt. Siehe hierzu meine Zitate von Rita Süssmuthe aus dem Jahr 1987 in diesem Blog:
    http://www.welt-aids-tag.de/blog/eintrag.php?eid=65

    Ich habe einen langen Atem. Ein gesunder Zorn an der richtigen Stelle gehört auch dazu. Es geht um unsere Zukunft mit Lebensqualität!

    One Virus – one Voice! Wir lassen uns nicht spalten!

  12. Die Angst der Positiven, für andere zu einer Quelle der Infektion zu werden, hat in den letzten 25 Jahren weitaus mehr Neuinfektionen verhindert als jede noch so gut gemachte Präventions-Kampagne der Aidshilfen es je könnte (von den überflüssigen Erzeugnissen der Gurken-und-Gummi-Brigade aus Köln ganz zu schweigen).

    Da ist es eigentlich doch verständlich, dass die beamteten Kondomistas von der „Besorgnis-Zentrale für gesellschaftliche Angsterhaltung“ in Panik geraten und die Gesundheit des Volkskörpers mit allen Mitteln schützen wollen – und sei es der Versuch zu vermeiden, daß endlich eine realistischere Risiko-Einschätzung ermöglicht wird.

    Wie peinlich das ist, und wie lächerlich sie sich dabei machen, merken sie offenbar gar nicht…
    Schön ist, daß wir mittlerweile die berechtigte Hoffnung haben dürfen, daß dass politische Ende dieser „Besorgnis-Zentrale“ noch in unserer Lebenszeit erreicht wird.

  13. So mancher aus Ihrer sogenannten „community“ scheint zu vergessen, daß immer noch gilt, was Ihre eigene Interessenvertretung (die Deutsche Aids-Hilfe) gemeinsam mit der BZgA und dem RKI am 26. Februar 2008 der Presse verkündete: „Die Gefährdungslage ist grundsätzlich unverändert“!
    In dieser Positionierung wird völlig zu Recht schon durch Wortwahl und Tonlage unterstrichen, daß hier ein Kampf, ja ein Krieg geführt wird.
    Diesen Kampf werden wohl nur die überleben, die die Angst nicht verlieren – die Angst vor dem anderen Menschen und natürlich auch die Angst vor sich selbst!

    Ihre überheblichen Angriffe auf gutmeinende und pflichtbewußte Gesundheitsbürokraten in Behörden und Aidshilfen scheinen mir letztendlich auch nicht mehr zu sein, als jenes Pfeifen im Walde, mit dem man vergeblich die ewige Angst des Daseins zu vertreiben sucht.

    Memelchen von Hindenburg; Lakehurst-Institut of Advanced Paternalism

  14. Nachtrag zu Nr.12:

    Für den gedeihlichen Fortgang der Diskussion möchte ich auch hier auf meine wegbereitende Studie: “STRUKTURELLE INFANTILISIERUNG – MÜTTERLICHKEITSKONZEPTE IM HOMOSEXISTISCHEN PRÄVENTIONSKONTEXT” hinweisen.
    Darin habe ich bereits 1952 den Grundsatz “beschütze und herrsche!”als Basis effektiver public-health-Arbeit mit sexuell und viruell devianten Patienten begründet.

    M. v. Hindenburg

  15. Was mich genau so verärgert wie die Bezeichnung „verantwortungslose Positive“ ist die in letzter Zeit häufiger zu findende Bezeichnung „Präventionisten“…

  16. Ob der Dame von der BzgA wohl auffällt, daß sie bei ihrer aktuellen Politik das A aus dem Namen ihrer Institution streichen muss?

    Informationsvorsprung durch Wissensrückhalt ist auf jeden Fall nichts das, was ich bisher unter dem Ideal der Aufklärung verstanden habe.

    Sicher kann die BzgA auf verbleibende Risiken hinweisen. (z.B. daß das Statement nur auf kontrollierte Umgebungen anwendbar ist und kein Freibrief für „nimmst du Pillen, darfst du machen was du willst“ darstellt.) Aber es MUSS eben auch auf Chancen, nämlich die Chance auf ein angstfreieres Leben mit HIV hingewiesen werden.

  17. Am Anfang gab es die AIDS-Kritiker und die AIDS-Gläubigen, danach die Medikamentenverweigerer und die Medikamentensüchtigen; etwas später folgten die Barebacker und die Kondomfetichisten, und heute die „neuen Verantwortungslosen“ und Präventionisten ;). Anstatt gemeinsam das Virus und sich daraus ergebende Missstände zu bekämpfen, spaltet sich die „Community“ weiter auf….:(

  18. @ Kalle

    die Angst ist ein nicht zu unterschätzender Gegner. Ursache der Angst ist Unwissenheit. Leider ist es mitunter so das Angst der Wissenheit den weg versperrt. Dazu kommt das Statements wie das von Frau Professor Dr. Elisabeth Pott die Angst weiterhin nährt. Insfern kann ich die Community – die ja idr HIV + sind – eher verstehen als kühl kalkulierende Machtmenschen. Wobei auch sie sind oftmals von Angst getrieben – der Angst Macht und Einfluß verlustig zu werden und zugeben zu müssen das sie unrecht haben könnten.

  19. Pingback: Du bist HIV-positiv? Ich will Sex mit Dir! « The Gay Dissenter
  20. Wie wäre es denn mal mit der Drohung eines Kondom-Streiks durch Positive?
    – Dann würden die Herrschaften mit dem RTL II- Gehirn merken, was wirklich „steigende Neuinfekionszahlen“ sind… („War ein Scheheeertz!“).

  21. Hi Dennis,

    dass sie in der Tat Angst verbreitet, bzw. warnt, kann man auch in der Zeitung nachlesen….Dennoch ist es erschreckend, dass nun Menschen in die Therapie gedrängt werden, nur um „nicht infektiös“ zu gelten. Daher ist eine informative Offensive wichtig, die Unklarheiten beseitigt, und die von allen getragen wird. Ansonsten ist es nur ein Machtkampf…

  22. der artikel ist oberflächlich – verallgemeinernd – pauschalierend und einzelne aussagen stehen aus dem zusammenhang gerissen für sich da. kurzum – er ist einfach nur dumm – bzw von einem dummen redakteur geschrieben worden.

  23. @ MithrasX (#14):
    klasse gedanke – das mit dem gestrichenen A !
    insbesondere in der doppelten bedeutung des wortes aufklärung …

  24. @ Kalle (#17)
    schön dass du auf diese zeitreihe der kunstruktion von positiven als negativum hinweist. dies zeigt m.e. auch, dass es eher darum geht, negative bilder von positiven zu zeichnen, als information, aufklärung und verhaltensänderungen zu bewirken – feindbilder werden gebraucht …

  25. @ Ulli: Die Feindbilder sollten manchmal durcheinandergewirbelt werden, wie dein Artikel über die EM in Kreuzberg zeigt, damit die Menschen sehen, dass es auch anders geht 🙂

  26. @kalle und ….
    interessanterweise- oder eher langweiligerweise!- war der selbeder schreiberlingan der ehtikkoferenz präsent und wurde noch als „guter, dem thema ach so zugewandter“ bezeichnet, nachdem bernd aretz und mir der hut hoch ging ob der (rückständigen, zurechtgebogenen, moralisch-verwertbaren)norm, die von medien geschaffen wird, anstatt das fremdbild an unserer „normen“ (sprich lebenswirklichkeiten)anzupassen!
    kurz: ein totaler humbugg dieser und auch sein zweiter artuikel, muss mir keiner mehr ein lobliedchen singen. ich stehle mir morgen mal etwas zeit für eine reaktion im blättchen.

  27. @Michele

    Volle Zustimmung! Ich bin doch absolut verwundert, wie Aussagen von diesem angeblichen Journalisten verdreht, bzw. komplett umgedreht werden.

    Ein Beispiel:
    Die Kritik an dem häufigen Blick ins Ausland, bei gleichzeitigem Verlust der lokalen Sichtweise.
    Zitat:
    „Ein Teil der Teilnehmer beklagte den Blick zurück in die Vergangenheit, als der Tod noch zum Aids-Alltag gehörte, und sie beschwerten sich darüber, dass viel zu oft über Afrika berichtet werde, ihr heutiger Kampf in Deutschland aber in einer sie noch immer diskriminierenden Gesellschaft zu wenig beachtet werde.“

    Die Aussage zu der starken Weltorientierung und wenig lokaler Ausrichtung, wurde nach dem Halbsatz getätigt, dass dies eine von der DAH initiierte Veranstaltung sei und das der Name der Organisation doch eher einen lokalen Fokus provoziere.

  28. tja, das kommt halt dabei ´raus, wenn eine Zeitung nur den Chef-Volontär schickt…

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