positiv versichert – Alternative Großbritannien?

Lebensversicherungen sind für viele Menschen mit HIV immer noch nur unter Schwierigkeiten zu erhalten. Zwei Anbieter aus Großbritannien haben sich u.a. auf Lebensversicherungen für Menschen mit HIV spezialisiert. Eine Alternative?

HIV-Positive haben in Deutschland seit zwanzig Jahren große Probleme, Versicherungen abzuschließen. Zahlreiche Versicherer fragen in ihren Anträgen nach einem etwaigen HIV-Test sowie dessen Ergebnis. Dies betrifft nicht nur Lebensversicherungen, sondern z.B. auch Berufsunfähigkeits-Versicherungen, Unfallversicherungen oder private Krankenversicherungen. Zudem wird anhand von Risikofaktoren kalkuliert, ob etwa ein Antragsteller potenziell ein hohes Risiko eines ‘Schadenfalls’ hat – auch hinsichtlich HIV-Infektion und Aids. So wird HIV im Denken von Versicherungen zu einem Risikofaktor, der vielen schwulen (oder als solchen vermuteten) Männern Versicherungen erschwert. Für HIV-positiv Getestete wird das Abschließen so mancher Versicherung sehr schwierig, wenn nicht  nahezu unmöglich.

Der Auschluß HIV-Positiver aus Lebensversicherungen ist nicht mehr zeitgemäß, beklagen Menschen mit HIV wie auch Aidshilfen seit langem. Manche Versicherer bieten inzwischen auch in Deutschland Lebensversicherungen für HIV-Positive an – oft mit teils beträchtlichem ‚Risikozuschlag‘, abhängig vom individuellen Gesundheitszustand.

Neben Versicherern aus Deutschland besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, Angebote ausländischer Versicherer, besonders aus EU-Mitgliedsstaaten, in Anspruch zu nehmen. Immer wieder werden britische Versicherer als potentielle Alternative ins Gespräch gebracht.
Wie sieht die Möglichkeit HIV-Positiver, eine Lebensversicherung abzuschließen, in Großbritannien in der Praxis aus?

In einem Artikel für die April-Ausgabe von ‚hiv treatment update‘ hat die freiberufliche Finanz-Journalistin Emma Lunn die Situation in Großbritannien untersucht. Sie weist darauf hin, dass die meisten ‚Mainstream Versicherer‘ auch in Großbritannien HIV-positive Antragsteller weiterhin abweisen. Allerdings gebe es zwei speziell auf HIV-Positive zugeschnittene Lebensversicherungs-Policen.

Seit April 2009 biete die Gesellschaft ‚Prudential‘ die bereits bestehende ‚PruProtect‘ auch für HIV-Positive an, für eine Laufzeit bis zu zehn Jahren und Versicherungssummen bis 250.000 £. Bei dieser für HIV-Positive zwischen 25 und 50 Jahren angebotenen Police sei u.a. Bedingung, dass seit mindestens sechs Monaten eine antiretrovirale Therapie eingenommen werde CD4-Zellzahl gestiegen und Viruslast sehr niedrig sei. Positive, die sich durch iv-Drogenkonsum infiziert haben, sind von der Versicherung ausgeschlossen, ebenso HIV-Positive, die gleichzeitig mit Hepatitis B oder C infiziert sind.

Der Versicherer ‚Pulse‘ habe eine speziell für HIV-Positive konzipierte Versicherung im Angebot. Versichert sei nur der Tod aus natürlicher Ursache bis zu maximal 10.000 £, wobei Unfälle bis zu 200.000 £ versicherbar seien. Vorteil sei, dass diese Versicherung ohne Gutachten eines medizinischen Sachverständigen erhältlich sei. Experten würden jedoch kritisieren, dass es sich hierbei um wenig mehr als eine Unfall-Versicherung handele. Zudem sei die Prämie bis zu 30fach höher als die übliche Versicherungsprämie.

weitere Informationen:
Emma Lunn: ’securing your future‘
in: hiv treatment update, issue 195, April 2010
Artikel im HIV Treatment Update Archive derzeit noch  nicht online

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