Neue Wege sehen – neue Wege gehen!

Als Dokumentation die Haltung der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) in Sachen des EKAF-Statements („keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs„):

Der Delegiertenrat der DAH hat in seiner Sitzung vom 7. bis 9. März 2008 in Abstimmung mit dem Vorstand folgenden Beschluss gefasst:

Neue Wege sehen – neue Wege gehen!

Die HIV-Prävention wird einfacher, also komplexer

Die Reaktionen auf die Botschaft der EKAF in der Schweiz haben eine grundlegende Debatte über realistischere Risikoeinschätzung und die Infektiösität von Menschen mit HIV und AIDS forciert.

Die nunmehr öffentlichen Informationen können für Menschen mit HIV und AIDS eine konkrete Erleichterung und Verbesserung ihrer Lebenssituation und -Perspektiven bedeuten, weil sie den Abbau irrationaler Ängste ermöglichen. Sie entlasten serodiskordante Paare unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und erleichtern in allen Zusammenhängen den Umgang mit HIV und AIDS.

Somit können Stigmatisierung und Diskriminierung – auch in juristischer Hinsicht – vermindert und Solidarität gefördert werden.

Zudem werden unsere bisherigen Präventionsbotschaften sinnvoll und wirksam ergänzt.

Auf der Grundlage des im Leitbild formulierten Menschenbildes ist es Ziel der DAH, Menschen dazu zu befähigen und ihnen zu ermöglichen informiert, selbst bestimmt und verantwortungsvoll mit den Risiken von HIV und AIDS umgehen zu können.

„Deshalb setzen wir in unserer Arbeit auf das verantwortliche Handeln vernunftbegabter, einsichts- und lernfähiger Menschen wissen aber zugleich um die Grenzen der Prävention.“

Wir werden daher weiterhin und verstärkt niedrigschwellige und umfassende Informationen zur Verfügung stellen, um kompetentes und differenziertes Risikomanagement zu ermöglichen.

Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung gewinnen auch für die Prävention an Bedeutung. Die DAH sieht daher dringenden Bedarf, die bisherige Datenlage durch intensivere Forschung zu verbessern.

Gerade hier spielt die AIDS-Hilfe eine entscheidende Rolle, da sie in der Lage ist, solche Ergebnisse und deren Auswirkungen auf die Lebenssituation ihrer Zielgruppen zu interpretieren und in lebenspraktisches Risikomanagement umzusetzen.

Die DAH muss diese Informationen in ihrer Arbeit aufgreifen und umsetzen – beispielsweise im Internet, den Printmedien, der Aufklärungs- und Beratungsarbeit vor Ort und in ihren Präventions-Kampagnen (aktuell die Kampagne „Ich weiß, was ich tu“).

Diese Haltung gilt es konsequent gegenüber der Öffentlichkeit und unseren Kooperationspartnern einzunehmen und zu vertreten

Berlin, 08.03.2008

Nachtrag 16.11.2008:
Über Ergänzungen zur Haltung im Rahmen der Diskussionen und Bedenken zur EKAF-Veröffentlichung seitens der AG Prävention berichtet koww.

15 Gedanken zu „Neue Wege sehen – neue Wege gehen!“

  1. Der Anfang ist gemacht – der Stein ist ins rollen gebracht worden. Man darf auf die verschiedensten Reaktionen wie z.b. der BZga, des RKI wie auch des BMG gespannt sein. Denn das ist klar – die BZgA und DAH müssen eine einheitliche klare Linie vertreten.

  2. @ Dennis:
    ja … steine sind am rollen … wir müssen nur auch darauf achten, dass sie in die richtige richtung rollen und nicht um abseits landen …
    mit einer -vielleicht sogar einheitlichen- linie dah-rki-bzga könnte in nächster zeit zu rechnen sein, wie am rande zu hören war …

  3. „Solidarität unter der Nachweisgrenze“ so nehme ich BZgA und BMG bislang wahr, und deren Bekundungen wie z.B. zum Welt-AIDS-Tag drohen jeglicher Glaubwürdigkeit verlustig zu gehen.

    Je stärker und besser die Viruslast bei HIV-Positiven sinkt, desto mehr steigt offenbar der Besorgnisfaktor und gebetsmühlenartig wird planwirtschaftlich veränderungsresistent an Safer Sex erinnert.

    Wirksame und erfolgreiche Prävention sieht in meinen Augen anders aus, nämlich im transparenten zur Verfügung stellen von Informationen und im Integrieren von medizinischen neuen Erkenntnissen.

  4. @ Michael:
    den eindruck konnte man auch auf den jägertagen von dem bekommen, nach dem was von der bzga zu hören war. dennoch – vielleicht lohnt ein wenig geduld und warten auf ein gemeinsames statement, auch mit dem ziel glaubwürdiger prävention 😉

  5. @Michael

    mal ungeachtet des inhalts des berichtes der EKAF- wenn ich mir nur die fragen die von vielen die in foren kommen um rat zu fragen vor augen halte, dann komme ich zu dem schluß das die gegenwärtige prävention völlig an der realität bzw den menschen vorbeigeht – nicht angekommen oder durchgekommen ist. insofern ist dem argument das der inhalt des schweizer papiers von einem großen teil mißverstanden werden könnte gegenstandlos und absurd da schon der inhalt der gegenwärtigen prävention bei den meisten in dem raum zwischen den ohren verlustig gegangen ist.

  6. @ Dennis

    wie kommst du zu dieser Einschätzung? Im Epidemiologischen Bulletin des rki http://www.rki.de/cln_048/nn_208946/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2007/47__07,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/47_07.pdf ab Seite 433 ist nachzulesen, dass das safer-sex-Verhalten recht konstant ist und dass auch bekannt ist, dass schwule Männer „zwischen einer statistischen verringerten Wahrscheinlichkeit und einer grundsätzlichen Unmöglichkeit“ der HIV-Übertragung bei HIV-Positiven unter wirksamer HAART unterscheiden.

    Die gegenwärtige Diskussion in den Foren macht nur im Internetzeitalter sichtbar, was auch in früheren Jahren schon immer als Unsicherheit vorhanden war. Zwischen gar kein Sex und AV/GV liegen ja eine große Vielfalt von sexuellen Aktivitäten, wo es viele Faktoren gibt, die in die Vergrößerung und Verringerung des Risikos hineinspielen. Und dass sich die Lust auch zwischen und in den Ohren Raum und Gehör verschafft, ist auch nichts Neues.

  7. @ Dennis:
    nun mal langsam junger mann 🙂
    nur aus deiner foren-wahrnehmung gleich zu schließen, die prävention komme nicht an ist wohl doch ein wenig zu kurz gegriffen – dsa lass mal die experten untersuchen 😉
    stimme insofern michael zu …

  8. @ you 2

    natürilich kann man nicht von foren – die nur ein teil das ganzen sind – auf das ganze schließen . . . .
    dennoch . . . . zeichnet es ein unübersehbares bild.

    macht euch mal selbst ein bild . . .

    http://www.med1.de/Forum/HIV/

    http://foren.kreis-stormarn.de/view/board/15/0/?SID=23baa0f15be856da000dbf63d5883e6b

    http://www.lifeline.de/cda/forum/actionViewBoard.html?page=1&board=38&sortT=1

    http://www.virushotline.at/start.php?&action=fragenanderer&subaction=hiv

  9. Hi Ulli,

    ist dieser Beschluss irgendwo bekanntgemacht? Auf der DAH-Homepage habe ich ihn nicht gefunden,

    lg kalle

  10. @ Kalle:
    meines wissens nicht auf der website …
    aber z.b. verbandsintern (also auch bei euch vor ort) sicherlich bekannt … mal nachfragen

  11. Pingback: Medikamente als Anti-Viren-Programm? « koww´s Webblog

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