Die Aids-Kolonie von Phnom Penh

Die kambodschanische Regierung hat mindestens 40 von HIV betroffene Familien des Landes gezwungen, in ein Dorf am Stadtrand der Hauptstadt Phnom Penh umzuziehen. Internationale Menschenrechtsgruppen protestieren gegen die Errichtung einer „AIDS-Kolonie“ sowie unhaltbare Zustände in diesem Ort.

Tuol Sambo ist ein kleines Dorf, 25 km von Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, entfernt. Zwanzig von HIV betroffene Familien aus Phnom Penh mussten auf Druck der kambodschanischen Regierung am 18. Juni 2009 in dieses von der Regierung errichtete Dorf umziehen. Am 23. Juli 2009 wurden weitere 20 HIV-betroffene Familien hierher zwangs-umgesiedelt. An ihrem ursprünglichen Wohnort Borei Keila soll statt ihrer Wohnungen ein Tourismus-Projekt realisiert werden.

Die Lebensbedingungen, aber auch Wohnmöglichkeiten, sanitäre und hygienische Bedingungen seien in dem überschwemmungsgefährdeten Gebiet  sehr unzulänglich, kritisieren internationale Experten. Küchen oder auch nur fließendes Wasser stünden in den Unterkünften nicht zur Verfügung. Laut der internationalen Hilfs-Organisation ‚Ärzte ohne Grenzen‘ erfüllen die Unterkünfte nicht einmal den Mindest-Standard für vorübergehende Unterkünfte im Katastrophen-Fall. Medizinische Versorgung ist derzeit nur durch Nicht-Regierungs-Organisationen sichergestellt.

Das Tor zur "AIDS-Kolonie" in Kambodscha (Screenshot Video Licadho)
Das Tor zur "AIDS-Kolonie" in Kambodscha (Screenshot Video Licadho)

Shiba Phurailatpam vom Asia-Pacific Network of People Living With HIV kritisiert „Indem Menschen mit HIV zusammengefasst werden, in zweit klassigen Unterkünften, weit ab von medizinischer Versorgung, hat die Regierung de facto einen AIDS-Kolonie geschaffen“.

Kambodscha hat bisher viel internationale Anerkennung erzielt für sein beispielhaftes Vorgehen bei HIV-Prävention und der Verfügbarkeit von Therapien und Versorgung für Menschen mit HIV und Aids. Umso entsetzter sind nun internationale Experten.

Über 100 internationale Menschenrechts-Organisationen protestierten in einem offenen Brief gegen das diskriminierende Vorgehen der kambodschanischen Regierung und die „de facto – Errichtung einer AIDS-Kolonie“. Die unerträglichen und lebensbedrohenden Zustände in dem Dorf müssten sofort abgestellt werden, fordern sie. Zudem dürften keine weiteren Familien hierher gesandt werden.

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weitere Informationen:
Poz and Proud Blog 28.07.2009: Protest tegen ‘aidsdorp’
CNN 28.07.2009: HIV families relocated to Cambodia’s ‚AIDS colony‘
AFP 28.07.2009: Rights groups protest Cambodia ‚AIDS colony‘
guardian 28.07.2009: Cambodian government accused of creating ‚Aids colony‘
Human Rights Watch: Fotos über die Zustände in Tuol Sambo
Human Rights Watch 28.07.2009: Cambodia: ‘AIDS Colony’ Violates Rights
Human Rights Watch 27.07.2009: Open Letter to the Government of Cambodia
Video „People Living With HIV/AIDS Living in Fear of Forced Eviction
Licadho (Kambodschanische Menschenrechts-Organisation): HIV/AIDS Families Evicted from Borei Keila (auch als pdf)
Amnesty International 09.04.2009: Cambodia: Fear of forced eviction/health concern
entwicklungspolitik online 29.07.2009: NGOs rotestieren gegen “Aids Kolonien” in Kambodscha
queer.de 29.07.2009: Kambodscha errichtet Gettos für HIV-Positive
samstagisteingutertag 29.07.2009: Kambodscha errichtet Aids-Lager
Basler Zeitung 29.07.2009: HIV-Infizierte in Gettos gesperrt
POZ 31.07.2009: Advocates: Cambodian “AIDS Colony” Violates Human Rights
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2 Gedanken zu „Die Aids-Kolonie von Phnom Penh“

  1. Erstmal großes Lob & vielen Dank, dass du wohl als erster über die Lager in deutschen Medien berichtet hast. Die Nachricht selbst ist schrecklich, löst in mir viel Düsternis aus.

  2. @ samstagisteingutertag:
    danke!
    immer wieder gibt es diese bestürzenden rückfälle in zeiten, die uns längst vergangen schienen …
    nun war die kambodschanische aids-politik bisher recht vernünftig – vielleicht hilft ja internationale aufmerksamkeit, wieder zu erinnern, dass aidspolitik anders gemacht werden kann, respektvoill, unter beachtung der menschenwürde, im sinn auch der von hiv betroffenen

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