positive Lebensfreude

Heute mal ein kleiner Lese-Tipp: Michael Jähme schreibt über positive Lebensfreude.

Dass Michael seinen Beitrag schon unter der Überschrift „Wem schadet meine Lebensfreude?“ postet, sagt einiges – z.B. über die Wahrnehmung von Positiven in der Prävention, oder auch unter Positiven selbst.

Gefragt ist oft eher ‚Sauerbier‘, Abschreckung und leidende Positive, Pillenberge und Selbstzensur.

Michaels Gegenentwurf: ein gelungenes, lebensfrohes Leben mit HIV.

Und viele Gedanken, Anmerkungen und Fragen, z.B. an Prävention, Aids-Hilfen, Arbeit, unsere Szenen. Denn, so Michael, „der größte Stressfaktor im Leben mit HIV ist für mich heute nicht mehr das HI-Virus in meinem Körper, sondern die Reaktion der Gesellschaft auf mich als HIV-Positiven.“

Ein sehr selbstbewusster, positiver Text, dem breite Leserschaft zu wünschen ist.
Danke, Michael! Zur Nachahmung empfohlen 😉

27 Gedanken zu „positive Lebensfreude“

  1. thx, Ulli, ich spürte einfach, es war höchste Zeit für dieses Statement. Freut mich, wenn ich den Puls der Zeit mal wieder getroffen habe.
    wünsche mir wilde kommentare in meinem blog: haut in die Tasten und schriebt, was ihr schon immer dazu loswerden wolltet. Mich interessiert es sehr!!!!!

  2. hallo michael

    ich ÂŽs verstehÂŽ s genauso wie du – sehr guter artikel. die frage nach dem warum . . .nun erst mal unterscheidet sich der hiv positive außer das er den virus hat nicht vom rest der gesellschaft. schließlich ist er mit all den mechanismen dieser gesellsschaft aufgezogen, erzogen und aufgewachsen. er ist von den gleichen vorurteils – klischee und angst mechanisen/aspekten geprägt wie jeder. insofern von nix kommt nix.

    dazu kommt wie du es bemerkst die persönliche reflektion mit sich selbst – dem virus – seinen ängsten etc. als ich vor 24 jahren erfuhr das ich hiv + bin war für mich der käs gegessen. ich hatte mit dem leben abgeschlossen. für mich war s einfach aus und vorbei. als ich nach ca 15 jahren wieder den schritt ins leben zurückmachte – wagte mußte ich immer wieder festsellen wie tief dieses “ mein leben ist vorbei“ in mir drin verankert war und mich immer mal wieder lähmte.

    was du bzgl der präventionsnisten sagst – das kann ich nur voll unterschreiben. diejenigen – die aids hilfen etc – die sich das thema auf s panier geschrieben haben und zweiffellos in den 80 ger jahren gute arbeit geleistet haben sind von einer schnarchnasigkeit das es einen nur noch gruselt. neue perspektiven – und realitäte sind fremdworte für sie. ein paradigmenwechsel wäre für sie unerträglich müßten sie sich doch von ihren thron und den nimbus der macht mit dem sie sich umgeben haben trennen. die meisten sehen und verstehen sich halt immer noch in der rolle des helferleins anstatt eines gleichberechtigten partners der sich der realtität des jahres 2008 – so wie du, einige andere und ich zu stellen in der lage sind.

  3. @ Dennis:
    “den schritt zurück in’s leben wagen” – eine klasse formulierung. eine erfahrung, die wohl einige gemacht haben, über die man vielleicht mal mehr schreiben sollte 


    in sachen präventionisten: noch bedenklicher ist die us-entwicklung (”neue schwule rechte”), wo einst aufrechte aids-aktivisten teils zu den skurilsten ansichten tendieren 
 hoffentlich keine entwicklung, die auch hier herüber schwappt 


  4. Hi Ulli,

    ich kann dem Text von Michael nicht hundertprozentig zustimmen, denn ich lebe schon lange mit einer positiven Lebenseinstellung – trotz Vollbild AIDS -, und vermittle diese der Öffentlichkeit seit 1985, also zu jener Zeit, als die Kombithearpie noch nicht das Allheilmittel war.

    Schön, wenn er keine Nebenwirkungen hat, oder zumindest keine, die ihn wesentlich beeinträchtigen. Ich kenne selbst viele, denen es seit 20 Jahren gut geht, und sogar welche, die noch keine bzw. nicht lange Tabletten schlucken müssen. Mit dem Virus ist eben alles möglich. Aber ich denke, wenn wir nun das Bild des Positiven mit purer Lebensfreude überzeichnen, schaden wir denjenigen, bei denen z.b. die Therapie nicht wirkt, oder die nicht so fit und gesund den Tag geniesen können, weil sie psysisch darunter leiden. Selbst wenn die Todesdrohung von HIV weg ist, ist es kein Weg, der für jeden erstrebenswert ist. Selbstverständlich sind andere Krankheiten heute schwieriger ode rnicht zu behandeln, doch gibt es auch viele Positive, die keine Medikamente ein ganzes Leben lang nehmen wollen, und somit früher oder später erkranken.

    Vielmehr sollte man der Gesellschaft vermitteln, dass die Infektion bei jeden anders verlaufen kann, und es Höhen und Tiefen gibt, mit denen man sich Dank moderner
    Medikamente arrangieren kann – manchmal aber auch nicht! Und man sollte jedem Positiven eine Chance geben, das Beste aus seiner Krankheit zu machen,

    lg Kalle

  5. @ Kalle:
    ich denke, michael geht es -sowiet ich ihn verstehe- nicht darum, das bild eines -lebensfreudigen- positiven zu überzeichnen. aber es geht ihm darum zusagen, hallo, ich hab hiv, und (dennoch), es geht mir gut, ich genieße mein leben

    wahrscheinlich haben viele positive irgend welche nebenwirkungen oder beeinträchtigungen – aber dennoch kann man glücklich sein, lebensfroh leben – darum geht es vielleicht (und sarum, dass dieses bild von menschen mit hiv bisher kaum in der prävention auftaucht)

    es geht nicht darum, einen weg als besonders bevorzugenswerten aufzuzeigen – wohl aber zu sagen, es geht auch so – man kann auch mit/trotz hiv ein tolles leben führen

    das zumindest fand ich (u.a.) besonders beeindruckend an michaels text …
    lg ulli

  6. @ kalle:

    Ulli hat dich schon richtig kommentiert. schwarz-weiss zu denken, damit treffen wir die Realität nicht. Das eine zu benennen darf nie bedeuten, das andere in den Schatten zu stellen. Das Glück der einen darf nicht gegen das Unglück der anderen ausgespielt werden – und wie die HIV-Infektion verläuft und ob und wie man die Medikamente verträgt – es gibt da vieles, auf das man persönlich wenig Einfluss hat oder sogar gar keinen.

    Mit den Nebenwirkungen ist es wohl auch immer etwas subjektives, welche Bedeutung man ihnen gibt. Ich lebe sehr stark in dem Bewußtsein, dass es Zeiten gab, da gab es einfach NICHTS, da war die Medizin machtlos.

    Mit dieser Perspektive überwiegt die Lebensfreude über das, WAS heute möglich ist, das was auch heute noch NICHT möglich ist.

    Aber noch einmal meine Frage:

    Irritiert es, WAS irritiert daran und weckt zum Widerspruch oder Impuls darauf zu reagieren, wenn da einer die Lebensfreude in den Vordergrund stellt?

  7. @ kalle:
    so wie ich dich aus deinem blog erlebe, empfinde ich dich auch als jemanden mit viel bewundernswerter lebensfreude – ich denke michael und du, ihr seid eigentlich gar nicht so weit gednaklich entfernt von einander in sachen lebensfreude
    … ein weg unter vielen , aber eben auch ein weg …

  8. @ Ulli: diese Gemeinsamkeit habe ich auch festgestellt, denn ich habe mit bzw. durch HIV viele Momente erlebt, die ich als positiv und schön bezeichnen kann. „Positive Gefühle“ hiess meine Ausstellung nicht nur weil ich die Gefühle eines Positiven aufzeigen wollte, sondern auch um zu zigen, dass man selbst mit der Krankheit [zu der damaligen Zeit] eine positive Lebenseinstellung besitzen kann.

    Allerdings hatte ich letzt bei einer Schulprävention zum ersten Mal gehört, dass jemand sagte, dann ist es ja alles nicht so schlimm, wenn man hört wie zufrieden ich bin. Darauf entgegnete ich, dass ich dafür einen grossen Preis bezahlt habe, und es mir im Vergleich zu früher heute wirklich besser geht, da ich gelernt habe, mit den Höhen und Tiefen umzugehen, und die Medikamente mir sehr dabei helfen.

    Und wenn selbst die Aidshilfen sagen, dass alles nicht mehr so schlimm ist, wie will man dann noch Prävntion machen, bzw. Gelder sammeln? Die Spendengelder fliessen eh schon weniger, da der Schrecken der Krankheit verschwunden ist, und immer mehr Leute sagen, wer sich heute noch ansteckt ist doch selbst schuld. Und dann kommen wir schnell an den Punkt, wo aufgrund von Sparmassnahmen gefordert wird, dass die Kosten der Medikamente nicht mehr übernommen werden sollen. Deshalb muss man immer vorsichtig sein, an wen man solche Botschaften sendet. Die breite Masse wird es immer anders interpretieren….selbst wenn wir wissen, dass es möglich ist, und andere nur jammern um Mitleid zu erheischen…

    lg Kalle

  9. @ Kalle:
    stimmt – lebensfreude und ‚verharmlosung‘ sind zweierlei, das es zu trennen gilt.

    und ich befürchte der situation zurückgehender spendengelder und sparmaßnahmen werden wir uns (mit kreativen ideen) stellen müssen, auch angesichts auch anderer erkrankungen, die forschung, prävention, unterstützung benötigen …

    lg ulli

  10. Ups, mein Kommentar ist weg (und an anderer Stelle auch…) ? Ob mein Lappi spinnt, oder ich?

  11. Sorry, jetzt ist er da. Das muss am Lappi liegen *ggg, oder weil ich lhiving kam…*grübel*

  12. @ Ulli: die Spendengelder gehen generell bei vielen Organisationen zurück, somit sind alle gefordert neue Idee zu bringen. Allerdings verspüre ich bei vielen eine Unlust, sich diesen Herausforderungen zu stellen, und eine „Lass die mal machen“ -Mentalität oder „mir geht’s ja gut“-Haltung hemmt diese Kreativität. Den Aidshilfen traut man es nicht mehr zu, die Szene zeigt sich auch wenig Solidarisch, und von den Positiven kommt meines Erachtens kein Interesse, etwas aktiv zu tun…

    lg Kalle

  13. @ Kalle:
    könnt es sein, dass es an deinem cache liegt?
    ich seh jedenfalls aktuell 14 kommentare … und einige von dir 🙂

  14. hallo kalle

    michael überzeichnet weder das bild eines hiv + mit puer lebensfreude noch stellt er in abrede das man unter den nebenwirkungen leidet bzw das man schwere zeiten weil medis nicht greifen.

    ich verstehe es so das er ganz einfach sagt das es trotz krankheit – hier HIV – möglich ist lebensfreude zu erfahren – auszudrücken. die lebens freude an der gesundheit festzumachen ist imo völlig unrealistisch da gesund sein „per se“ weder der garant für lebensfreude beinhaltet noch ist“. es ist eine frage der sichtweise, eine frage wie man leben erfährt – definiert. er ist da imo der alten weisheit “ krise als chance“ auf der spur.

    wenn jemand wie du sagst „bei einer Schulprävention meint, dass hiv ja nicht so schlimm ist“ dann ist dies in ersters linie das ergebnis von unwissenheit bzw. falschen oder einseitigen informationen.

    wenn dies allerdings aidshilfen bzw deren mitarbeiter sagen dann – ums es mal mit joe jackson zu sagen . . . something going wrong around here. solche mitarbeiter sollte man erst mal ins waldschlößchen oder zu nem 6 wöchigem praktikum auf eine infektionsstation schicken bevor man sie zur hiv beratung auf die menschheit losläßt.

    lg dennis

  15. Pingback: Selbst schuld « The Gay Dissenter
  16. @michael

    wieviel kritik verträgt die BzgA – der Blog WAT ? Sehr wenig – anders kann ich mir das nichteinstellen meines Komentares zu deine Arikel nicht erkläre. Aus diesem grund habe ich den kommentar auch auf dem Blog von ondamaris zur sicherheit noch einmal eingestellt.

    solches verhalten finde ich nicht nur äußerst bedauerlich sondern es bestätigt mir das „etablierte organisationen“ nicht nur in meinen augen immer unglaubwürdiger werden sondern nicht bereit sind andere meinungen zu toleriren. von einer kritischen auseinandersetzen mal ganz zu schweigen . . .

    schade . . .so wird der graben innerhalb der menschen die hiv + sind immer mehr vergrößert und die von dir beschworene solidarität ab absurdum geführt.

    Solidarität ist nicht teilbares Elementarteilchen für menschliches Zusammenleben. Dies gilt es zu bewahren und leidenschaftlich zu verteidigen.

  17. @ Dennis

    habe mich deswegen auch schon mal bei der BZgA gemeldet, weil es mir auch aufgefallen war. Ich bleib dran und kümmer mich weiter drum, OK?

    Michael

  18. @ dennis & michael:
    das finde ich auch ein sehr seltsames verständnis von a) bloggen (was haben die davon verstanden?) und b) politikverständnis und c) überhuapt …, indiskutablel, schade dass ‚man‘ alte vorbehalte immer wieder zu bestätigen schient

    @ dennis:
    „Solidarität ist nicht teilbares Elementarteilchen für menschliches Zusammenleben. Dies gilt es zu bewahren und leidenschaftlich zu verteidigen.“ wärste schwul würdste dafür jetzt einen großen knutscher bekommen 😉 so bin ich schüchtern und sag „klasse, danke!“ 😉 eine selbstverständlichkeit und ein wunderbarer satz …

  19. @ondamaris

    dieser satz samt NICHT von mir. den hat michael in einer antwort auf einen text „selbst schuld“ im blog von the gay dissenter geschrieben.

    gut männer knutschen is nich mein ding . . .aber wie wir alle wissen . . .umarmungen sind nachweislich gut für das immunsystem . . . . . 🙂

    @ michael

    danke für dein feedback . . . 🙂

  20. @ dennis:
    oops, das hätte mir natürlich auffallen sollen, dass du da michael zitiert hast …
    na – dann immunsystempflege: fühl dich umarmt 🙂

  21. @ Dennis: Die BZgA hat Deinen Kommentar jetzt auch freigeschaltet. Nun sein wir doch mal ein bischen gnädig und gönnen der Bundesbehörde auch ein wenig Spielraum zum lernen. Ich finds schon klasse, dass sie überhaupt diese interaktive Seite mit Blog gestartet haben und der Umgang mit diesem neuen Medium muss sich dort wohl ein wenig einspielen. Aber da ich nicht die BZgA bin, solls damit jetzt von mir auch genug sein.

  22. Liebe Bloggerfreunde hier 🙂

    Möchte euch auf eine wichtige Rede hinweisen und habe dazu diesen Nachtrag in meinen Blog eingefügt. Damit er nicht überlesen wird, hier noch mal der ausdrückliche Hinweis:

    Anlässlich des WAT 2007 hat Michael Bohl, Leiter der Beratungsstelle der AIDS-Hilfe Frankfurt, in der Paulskirche eine Rede – http://www.frankfurt-aidshilfe.de/pdf/2007/Reden/Rede_Bohl.pdf – gehalten, die sehr!! lesenswert ist. Er kommt zu dem Schluss: „…in Deutschland wird es allerhöchste Zeit, dass wir HIV auf den sprichwörtlichen Boden der Tatsachen herunterholen, hierdurch Menschen mit HIV und AIDS von den konsequenterweise oft bodenlosen Zuschreibungen entlasten und auf diese Weise schließlich den Weg bereiten für ein offenes und nicht ausgrenzendes Kommunizieren.“

  23. @Michael
    Alle Daumen nach oben – für die Rede und das Einfügen in Deinen Artikel 🙂

  24. @ Michael:
    danke für den hinweis auf die lesenswerte rede

    bei dem anlass möchte ich auch noch einmal auf die rede von ortwin passon beim gleichen termin (paulskirche) hinweisen, text hier http://www.ondamaris.de/?p=1068

    hiv auf den boden der tatsachen stellen – das versuch ich in den nächsten tagen zumindest für berlin mit einer kleinen serie von posts …

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